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Veröffentlicht am 28.09.2020

Hochspannende Weihnachten

Eiskalte Provence
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Bisher hat Albin Leclerc immer in den Sommermonaten ermittelt und damit geschickt sowohl Krimifans als auch reiselustige Leser in seinen Bann gezogen. Dass die Provence auch in der Weihnachtszeit ein ...


Bisher hat Albin Leclerc immer in den Sommermonaten ermittelt und damit geschickt sowohl Krimifans als auch reiselustige Leser in seinen Bann gezogen. Dass die Provence auch in der Weihnachtszeit ein „heißes Pflaster“ sein kann, beweist er in Teil 6 der Krimireihe um den Kommissar im (Un-)Ruhestand Albin Leclerc und seinen Mops Tyson.

Albin bekommt es diesmal mit äußerst gefährlichen Gegnern zu tun, deren wahre Motive er erst kurz vor knapp entschlüsseln kann. Was am Anfang wie ein Ritualmord an einer jungen Frau aussieht, entpuppt sich als kleines Rädchen in einem sehr großen und mächtigen Uhrwerk, das die gesamte Provence bedrohen könnte. Auch diesmal mischt sich Albin wieder ungefragt in die Ermittlungen ein und obwohl er sich mittlerweile offiziell „polizeilicher Berater“ nennen darf, sind die diensthabenden Beamten doch grundsätzlich eher froh, wenn Albin seine Nase aus laufenden Ermittlungen heraushält. Doch wie immer nutzt er seine noch bestehenden hervorragenden Kontakte und weiß mitunter eher als die leitenden Ermittler, an welchen Stellen der Fall „hakt“. Das ist vergnüglich zu lesen und entlockte mir trotz des wirklich fast gruseligen Beginns des Romans immer wieder ein Lächeln. Ganz ehrlich, so einen wie Albin würde ich auch nicht mit Kusshand in meinem beruflichen Umfeld begrüßen: ein alternder Querdenker, der sich in alles ungefragt einmischt und Initiativen ergreift, die in die polizeiliche Ermittlungsarbeit eingreifen. Andererseits hat er ein absolutes Näschen für Zusammenhänge, auch wenn sie sich nicht auf den ersten Blick offenbaren und gibt so meist wertvolle Hinweise an die Ermittler weiter. Ich kann verstehen, dass die Kommissare Castel und Theroux sehr ambivalente Gefühle für Albin hegen.

Neben der reinen Krimihandlung nimmt auch das Privatleben von Albin und seiner Familie wieder einen Teil des Romans ein. Und das ist gut so, denn diese allzu menschlichen Beschreibungen lockern das Buch auf und machen es rundum sympathisch. Diesmal kämpft Albin gegen den Stress und die Hektik der Vorweihnachtszeit – was wohl so ziemlich jedem Leser in der einen oder anderen Weise bekannt vorkommt. So ist er nicht nur sehr spät dran, Geschenke für die Enkel zu besorgen – auch das Geschenk für seine Lebensgefährtin Veronique stellt ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Und zu allem Überfluss dudelt aus gefühlt jedem Lautsprecher und mehrmals pro Stunde das verhasste „Last Christmas“. Ganz zu schweigen davon, dass Veronique seit Tagen die Küche in ein Schlachtfeld verwandelt, um die vielen Köstlichkeiten probezukochen, die sie am Weihnachtsabend für die die komplette Verwandtschaft zu kredenzen gedenkt. Eigentlich ist es also gar kein Wunder, dass Albin von zuhause flüchtet und sich voller Enthusiasmus in die Ermittlungen zu diesem Mordfall stürzt…

Wie schon in den letzten Büchern der Reihe hat mich auch diesmal wieder die Mischung aus gut konstruiertem Krimi und vergnüglichem Familienchaos überzeugt. Ich bin und bleibe ein Fan der Reihe, die noch keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt, und freue mich jetzt schon auf den für Frühjahr 2022 angekündigten 7. Band (Echt jetzt? Soooo lange noch???).





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Veröffentlicht am 14.09.2020

Auch der 2. Teil ist wieder ein Highlight!

Die Hafenschwester (2)
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Lange haben die Fans der Hafenschwester nach dem ersten Band auf eine Fortsetzung warten müssen – genau ein Jahr nachdem wir Martha kennenlernen durften, steht nun der zweite Band in den Läden. Und das ...

Lange haben die Fans der Hafenschwester nach dem ersten Band auf eine Fortsetzung warten müssen – genau ein Jahr nachdem wir Martha kennenlernen durften, steht nun der zweite Band in den Läden. Und das Warten hat sich sowas von gelohnt! Der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach und ich war wieder hellauf begeistert von der Geschichte und dem angenehmen Schreibstil von Melanie Metzenthin.

Nachdem im ersten Teil erzählt wurde, wie Martha von einem fast mittellosen Mädchen zur forschen Krankenschwester wird und ihr persönliches Glück mit dem Ingenieur Paul findet, geht es im zweiten Teil um ihre „besten Jahre“. Dieser Band beginnt im Jahr 1913, als Martha bereits drei Kinder hat und in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Hafenkrankenschwester aufgeht. Martha fühlt sich „angekommen“ und glaubt – wie so viele Menschen in dieser Zeit – dass sich die Zeiten zum Besseren wandeln. Eine Einladung ihrer Jugendfreundin Millie, die nach Amerika ausgewandert ist, macht ihr Glück perfekt. Mit der ganzen Familie reist sie zur Hochzeit von Millies Tochter nach New York und ahnt nicht, dass diese glücklichen Augenblicke für lange Zeit die letzten in ihrem Leben sein werden.

Denn schon im folgenden Jahr spitzen sich die Ereignisse zu – Krieg bricht aus und die Welt steht Kopf. Der herbeigeredete Blitzsieg lässt auf sich warten, statt dessen werden die Zeiten härter und härter. Als dann sogar ihr Mann Paul eingezogen wird, obwohl er als Ingenieur unabkömmlich schien, muss Martha versuchen, die Familie zu ernähren und zusammenzu-halten – was sich als schwer herausstellt, da ihr Bruder, Schiffskapitän Heinrich, als Blockadebrecher unterwegs ist und seine chinesische Ehefrau es schwer hat, sich in Deutschland einzuleben.

Mehr möchte ich zur Story gar nicht ins Detail gehen, das würde zu viel verraten. Der Roman begleitet jedoch alle Kriegsjahre und schließt ab mit dem Kriegsende im November 1918.

Melanie Metzenthin ist es auch diesmal wieder gelungen, spannend und kenntnisreich aus vergangenen Zeiten zu erzäh-len (das Nachwort gibt dann noch einmal einen guten Überblick über die in Bezug genommenen historischen Fakten). Besonders die detaillierten medizinischen Zusammenhänge haben mich fasziniert (auch dazu wird im Nachwort erläutert, woher dieses Wissen kommt). Und ich war begeistert davon, wie gekonnt die Handlung von Teil 1 in kurzen Zusammenfassungen rekapituliert werden, ohne dass es gewollt oder aus dem Zusammenhang gerissen erscheint. Für Neu-Leser der Reihe sollte es also überhaupt kein Problem sein, mit Band 2 zu starten. Aber auch für mich waren diese kleinen Auffrischungen willkommen, um mir die Geschehnisse von Band 1 noch einmal präsent zu machen. So etwas einzubinden, ist nicht einfach und ich habe da schon recht gruselige Versuche gelesen… hier passt es einfach – sehr gut gemacht!

Und nun die alles entscheidende Frage: wird es einen dritten Band geben? Also mal ehrlich, dieses Ende schreit doch förmlich danach, weitererzählt zu werden Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, wenn ich im nächsten Jahr noch einmal mit Martha und ihrer Familie nach Hamburg „reisen“ könnte!

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Veröffentlicht am 07.09.2020

Man blickt hinter die Fassade einer Legende und entdeckt einen gefühlvollen Menschen

Madame Curie und die Kraft zu träumen (Ikonen ihrer Zeit 1)
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„Mit den Lebensgeschichten von uns Menschen ist es wie mit Molekülen: Führt man ihnen Wärme zu, geraten sie in Bewegung und bewegen benachbarte Moleküle. Lässt man sich von der Geschichte eines anderen ...

„Mit den Lebensgeschichten von uns Menschen ist es wie mit Molekülen: Führt man ihnen Wärme zu, geraten sie in Bewegung und bewegen benachbarte Moleküle. Lässt man sich von der Geschichte eines anderen Menschen erwärmen und bewegen, bewegt sich die eigene Geschichte möglicherweise in eine andere, neue Richtung.“ (S. 21)

Susanna Leonhard hat dies verinnerlicht und bringt uns die gemeinhin als spröde geltende Wissenschaftlerin Marie Curie, geborene Maria Sklodowska, menschlich näher. Der Fokus liegt – wie der Titel und das Cover schon nahelegen, nicht auf der Forschung dieser außergewöhnlichen Frau (auch wenn dies im letzten Drittel eine große Rolle spielt), sondern auf ihrem Werdegang, ihren Gefühlen und Gedanken.
Maria, genannt Mania, wächst in Warschau auf – zu einer Zeit, als die Polen unter der Herrschaft der Russen standen und ihre eigene Identität als Volk unterdrückt wurde. In den Schulen musste Russisch gesprochen werden, unterrichtet wurde russische, nicht polnische Geschichte. Frauen durften in Polen nicht studieren – dafür mussten sie ins Ausland gehen, was sich die wenigsten leisten konnten. Doch viele Polen bewahrten sich ihr Erbe im Stillen. Nach außen gaben sie sich angepasst, untereinander pflegten sie polnische Traditionen. So auch Manias Familie.

So lernt Mania früh, dass sie für ihr Glück und ihre Bildung kämpfen muss. Sie ist fleißig, muss sich immer wieder aufrappeln, als sie Familienmitglieder viel zu früh verliert. Trost findet sie in ihren Schulbüchern und ihrer Begeisterung für wissenschaftliche Abhandlungen. Sie interessiert sich für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und setzt alles daran, dass sie und ihre Schwester Bronia die Möglichkeit bekommen, nach Paris zu gehen und zu studieren.

Während des Studiums lernt Maria, die sich dort Marie nennt, ihren späteren Mann Pierre Curie kennen und lieben. Die beiden getriebenen Wissenschaftlerseelen fühlen sich einfach zueinander hingezogen, da sie sich beruflich und privat hundertprozentig aufeinander verlassen können und da sie die gleichen Ziele und Ideen verfolgen. Pierre unterstützt Marie vor und auch nach der Hochzeit in ihrer Forschung. Er wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass seine Verdienste auch ihre sind und sie den Löwenanteil der Forschung stemmt, während er auch als Professor lehrt. Als sie gemeinsam entdecken, dass die von einem anderen Forscher beschriebene Uranstrahlung auch von weiteren Stoffen in noch größerer Intensität ausgeht, kennt ihr Forscherdrang kein Halten mehr. Doch leider bezahlen die beiden ihre bahnbrechenden Erkenntnisse mit ihrer Gesundheit…

Susanna Leonhard zeichnet das Bild einer zielstrebigen, aber auch empfindsamen jungen Frau. Dass Marie Curie seit frühester Jugend immer wieder auch mit depressiven Schüben zu kämpfen hatte, wusste ich beispielsweise nicht. Die Forscherin wird in diesem Buch sehr einfühlsam und nahbar dargestellt – ganz anders, als ich sie mir aufgrund von Zeitungsartikeln oder dem Schulwissen vorgestellt habe. Marie Curie war eben auch nur ein Mensch – mit den gleichen Gefühlen, Ängsten, Sorgen. Nur dass sie eben auch mit einer großen naturwissenschaftlichen Begabung gesegnet war, die ihresgleichen suchte. Es ist nicht überliefert und wird auch in diesem Buch nicht geklärt, ob Marie über die gesundheitlichen Risiken ihrer Forschung vollauf Bescheid wusste. Wenn ja, hat sie sie ignoriert.

Nach dem Lesen bleibt die Erkenntnis, dass man hinter die Fassade einer Legende geschaut und einen gefühlvollen Menschen entdeckt hat – eine tolle Leistung der Autorin und ein großartiger biografischer Roman!

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Veröffentlicht am 30.08.2020

Das harte Leben in Gefangenschaft und der Traum vom Heimkehren

Am Himmel drei Sterne
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Wer hat nicht im Geschichtsunterricht oder in Fernseh-/Zeitungsberichten davon gehört, dass man Angehörige von Minderheiten oder auch Kriegsgefangene während oder nach dem 2. Weltkrieg in sogenannte Arbeitslager ...

Wer hat nicht im Geschichtsunterricht oder in Fernseh-/Zeitungsberichten davon gehört, dass man Angehörige von Minderheiten oder auch Kriegsgefangene während oder nach dem 2. Weltkrieg in sogenannte Arbeitslager nach Russland brachte. Doch wie sieht es im Inneren eines solchen Lagers aus? Welche Zustände herrschten, welche Arbeiten mussten die Gefangenen verrichten? Und warum kamen sie trotzdem nicht frei, obwohl der Krieg doch vorbei war? Die wenigsten befassen sich mit solchen Fragen – auch weil sie so traurig machen und wehtun. Ein Autorenpaar, das unter dem Pseudonym Maya Freiberger schreibt, ist aufgrund der eigenen Familiengeschichte dieser Spur nachgegangen.

Es ist die (auf wahren Tatsachen beruhende) Geschichte von Selma und ihrer Schwester Irma, die hier erzählt wird. Die Mädchen gehören zu einer deutschen Minderheit in Rumänien, den Siebenbürger Sachsen, und leben trotz des zweiten Weltkriegs ein einfaches, aber verhältnismäßig ruhiges Leben. Dann trifft Rumänien die Entscheidung, sich den Alliierten anzuschließen –was die deutsche Minderheit im Land pötzlich zu Verfolgten macht. Obwohl der Krieg Mitte des Jahres 1945 schon vorbei ist, bringen russische Soldaten die für arbeitsfähig erklärten Frauen und Mädchen mit einem Zug nach Russland in Arbeitslager. Darunter auch Selma und ihre Schwester, obwohl Irma seit ihrer Kindheit eine zarte Gesundheit und immer wieder Fieberschübe hat.

Das Buch erzählt die (Über-)Lebensgeschichte der beiden Schwestern, eingebettet in eine kurze Rahmenhandlung, die es meiner Ansicht nach gar nicht gebraucht hätte. Die historische Handlung spricht für sich.

Bereits der Transport ins Lager wird zum Überlebenskampf und wer etwas zart besaitet ist, was die Schilderungen von Entbehrungen und Gewalt angeht, der sollte sich überlegen, ob er dieses Buch wirklich lesen möchte. Ich gehe davon aus, dass die Schilderungen weitestgehend auf Quellen und wahre Begebenheiten zurückgehen, aber es ist wirklich unfassbar, wie mit den Frauen umgegangen wurde. Zumal sich der Sinn mancher harter Arbeit, die zu verrichten war, kaum er-schließt.
Etwas schade fand ich, dass in dem kurzen Nachwort nicht wirklich deutlich wird, wo der reale Ursprung aufhört und die Fiktion beginnt. Es wird geschildert, dass das Buch auf die Memoiren einer tatsächlichen Kriegsgefangenen zurückgeht, aber dass einige Figuren aus dramaturgischen Gründen „etwas ausgeschmückt“ wurden und einige Figuren auch erfunden sind. Ich hätte gern gewusst, was nun wirklich der Wahrheit zuzurechnen ist und wo Fiktion einsetzt – denn so ist das Buch insgesamt einfach nur unglaublich und man kann sich nicht vorstellen, dass Selma das wirklich alles passiert ist. Ein wenig mehr Abgrenzung (natürlich im Nachhinein im Nachwort) hätte ich mir da gewünscht.

Trotzdem kann ich diesen Roman weiterempfehlen. Er zeigt ein umfassendes Bild der Zustände in russischen Arbeitslagern und auch, wenn das Cover recht idyllisch wirkt, ist der Inhalt doch zum Teil verstörend und geht nahe. Aufgrund der Einbindung in einen Roman mit einfacher, klarer Sprache ist das Buch aber trotzdem gut und spannend zu lesen und vermittelt nebenbei viel historisches Wissen.

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Veröffentlicht am 21.08.2020

Ein Leben für die Musik

Die Pianistin
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Clara Wieck ist ein Ausnahmetalent. Schon mit 15 Jahren ist sie ein Star in der deutschen Musikszene und gibt ein gefeiertes Konzert nach dem anderen. Ihr Vater Friedrich hat das Mädchen konsequent und ...

Clara Wieck ist ein Ausnahmetalent. Schon mit 15 Jahren ist sie ein Star in der deutschen Musikszene und gibt ein gefeiertes Konzert nach dem anderen. Ihr Vater Friedrich hat das Mädchen konsequent und mit äußerster Strenge zu einer technisch brillianten Pianistin ausgebildet und vermarktet das „Wunderkind“ nach allen Regeln der Kunst – auch zulasten Claras Gesundheit. Doch das Mädchen ist stark und wird langsam erwachsen. Sie fängt an, Dinge zu hinterfragen und – was für ihren Vater am schlimmsten ist – hat sich verliebt. Und zwar in den Komponisten Robert Schumann, den Friedrich zwar als Musiker schätzt, aber als Mensch verachtet, da er nicht mit Geld umgehen könne, zuviel trinke und den Kopf nur in den Wolken habe.

Ganz unrecht hat Friedrich damit nicht, aber das will die un-sterblich verliebte Clara nicht wahr haben. Gegen alle Widerstände pflegen Clara und Robert über Jahre hinweg ihre Beziehung – wenn auch hauptsächlich über Briefe und nur kurze Begegnungen. Letztlich sagt sich Clara von ihrem Vater los und Robert klagt sein Recht, Clara zu heiraten, ein. Erst nach einem erbitterten Rechtsstreit darf er sie zur Frau nehmen. Doch dann erfährt Clara immer mehr, wie einengend eine Ehe für eine gefeierte Pianistin sein kann, die das Reisen und Konzertieren gewöhnt ist und für die Musik lebt. Robert hält sie als Ehefrau an der kurzen Leine, Clara bekommt ein Kind nach dem anderen und ihre Karriere verkümmert genauso wie ihre Lebenslust…

Beate Rygiert erzählt in „Die Pianistin“ das Leben von Clara Wieck, spätere Schumann, von ihrer Glanzzeit als Wunderkind bis zum Tod ihres Mannes. Leider nimmt dabei aber die Zeit bis zur Heirat von Clara und Robert fast die Hälfte des Buches ein – ein Zeitraum von wenigen Jahren, in dem eigentlich nicht viel passiert als dass Clara Konzerte gibt und ihr Vater den Geliebten schlecht redet. Ich muss zugeben, dass ich diesen Teil mit der Zeit als ermüdend empfand, da selbst eine gute Autorin bei der Beschreibung des 26. Konzertes keine wesentlich neuen Formulierungen mehr finden kann… Es war eine Aneinanderreihung von Konzertabenden, deren Beschreibung man aus meiner Sicht ordentlich hätte straffen müssen, um das Buch für den Leser interessant zu halten.

Erst nach Claras Heirat kam Bewegung in den Roman. Ihr schleichender Niedergang als Künstlerin wurde von der Autorin einfühlsam und im richtigen Tempo erzählt, so dass der Roman plötzlich doch noch sehr interessant, informativ und – ja – spannend wurde! Besonders Roberts zunehmende Verwirrung und Depression sowie Claras (historisch nicht klar belegte, aber wahrscheinliche) Liaison mit dem 14 Jahre jüngeren Johannes Brahms gaben der Geschichte viel Stoff. Am Ende kam es mir sogar so vor, als sei die Geschichte viel zu schnell zu Ende erzählt worden. Denn mich hätte auch interessiert, wie Claras Leben nach dem Tod ihres Mannes weiterging – schließlich überlebt sie Robert Schumann um 40 Jahre! Das wurde aber leider nur in einem einzigen Absatz im Nachwort zusammengefasst.

Ich hätte mir ein ausgewogeneres Verhältnis des Erzähltempos gewünscht, dann wäre der Roman perfekt gewesen. Aber so muss ich einen Stern abziehen für den viel zu lang geratenen ersten Teil. Dennoch finde ich, dass das Buch einen guten Überblick über das Leben von Clara Schumann gibt und auch einen tiefen Einblick in ihre Seele – insbesondere was die sich wandelnde Beziehung zu ihrer großen Liebe Robert Schumann angeht.

4 Sterne und eine Empfehlung für kulturhistorisch interessierte Leserinnen!

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