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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2016

Ein Meer aus Erinnerungen… und Maxi

Im Wald
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Tief in den Wald des Hochtaunus entführt uns Nele Neuhaus im mittlerweile 8. Fall für Pia Sander (geborene Kirchhoff) und Oliver von Bodenstein. Ich benutze diesmal bewusst diese Reihenfolge, denn Pia ...

Tief in den Wald des Hochtaunus entführt uns Nele Neuhaus im mittlerweile 8. Fall für Pia Sander (geborene Kirchhoff) und Oliver von Bodenstein. Ich benutze diesmal bewusst diese Reihenfolge, denn Pia übernimmt in diesem Roman die Führung. Zwangsläufig und aus doppeltem Grund:

Zum Einen ist Oliver in diesen aktuellen Fall so tief verwickelt, dass er als befangen gelten muss - eine Trennung von Beruf und der eigenen Vergangenheit ist kaum möglich. Er tut das Einzig Richtige: er überträgt die Leitung der Ermittlungen in diesem Fall auf Pia, die merkt, dass sie mit dieser Verantwortung an Grenzen stößt…

Zum Anderen hat Oliver beschlossen, ein Sabbatical einzulegen – auf deutsch: eine Auszeit zu nehmen. Der harte Job als Ermittler bei der Kripo fordert seinen Tribut und nach diesem Fall, das weiß er, ist er einfach reif für … naja, vielleicht weiß er das doch noch nicht so genau. Was wäre aber beruhigender, als zu wissen, dass Pia in seiner Abwesenheit die Leitung übernimmt? Nun ja, die Chefetage der Kripo Hofheim hat da vielleicht ganz andere Ideen…

Wie man merkt, passiert auch neben dem eigentlichen Fall sehr viel – kein Wunder, dass der Roman stolze 550 Seiten umfasst. Aber die braucht der Roman auch, um sich zu entwickeln – eine Straffung wäre aus meiner Sicht kaum möglich gewesen. Zu verworren sind die Beziehungen der Dorfbewohner von Ruppertshain untereinander und zu vielschichtig die Emotionen, die zwischen ihnen immer wieder aufwallen. Dieses Geflecht halbwegs nachvollziehbar zu beschreiben, ist schon für sich genommen fast fünf Sterne wert.

Ich gebe zu – ich hatte bis zum Schluss wirklich keinen Schimmer, wer hinter allem steckt. Den tatsächlichen Mörder hatte ich nicht auf dem Schirm, dafür habe ich (Oliver, verzeih mir!) schon fast einen der wirklich „Guten“ im Visier gehabt. Ein weiteres Argument für die Klasse des Krimis.

Was mich aber am meisten berührt hat, ist die mit dem Fall zusammenhängende Geschichte rund um Oliver (als Kind) und seinen zahmen Fuchs Maxi. Nele Neuhaus beschreibt die tiefe Beziehung des Jungen zu dem Tier herzzerreißend ergreifend und trotzdem nicht verkitscht. An einigen Stellen habe ich mir fast ein Tränchen verdrücken müssen…

Was soll ich da anderes vergeben als volle 5 Sterne?

Veröffentlicht am 25.10.2016

Osteuropa im Fokus

Die Entscheidung
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Frankreich, kurz vor Weihnachten. Der gutherzige Simon hilft bei einer Zufallsbegegnung einer jungen Frau, die aussieht als ginge es ihr sehr schlecht. Er bietet ihr etwas zu essen an und zumindest für ...

Frankreich, kurz vor Weihnachten. Der gutherzige Simon hilft bei einer Zufallsbegegnung einer jungen Frau, die aussieht als ginge es ihr sehr schlecht. Er bietet ihr etwas zu essen an und zumindest für eine Nacht ein Dach über dem Kopf. Eine Entscheidung, die er kurze Zeit später bitter bereut – denn Natalie ist in etwas verwickelt, was für beide lebensbedrohlich wird...

Charlotte Link war schon immer eine gute Erzählerin und versteht es, die Leser bei der Stange zu halten, auch wenn die Bücher recht umfangreich sind. Das schafft sie auch diesmal wieder. Das Thema, das sie in diesem Roman aufgreift, ist unbequem: Menschenhandel und erzwungene Prostitution junger osteuropäischer Mädchen. Aber sie zeigt auf, wie es dazu kommen kann, dass Eltern ihre Kinder mit fremden Leuten in eine ungewisse Zukunft schicken. Das ist nicht schön zu lesen, aber sicher wichtig, um zu verstehen, wie es immer wieder zu solchen Transporten und dem meist darauf folgenden Leid für die jungen Mädchen kommen kann.

Ich muss zugeben, im ersten Viertel des Buches haben mich die vielen Personen und Schauplätze ein wenig überfordert. Ich hatte Mühe, im Kopf alles sortiert zu bekommen und darunter hat das Lese- bzw. in meinem Fall Hörvergnügen etwas gelitten. Allerdings wurde es dann zunehmend spannend und es kamen kaum noch neue Charaktere hinzu, so dass ich mit dem Buch warm wurde.

Das Ende des Romans zeigt, dass ein Happy End nicht immer für alle Personen eins sein muss... Um nicht zu viel zu verraten, möchte ich dazu nicht mehr sagen. Es hat mich aber traurig gemacht und nachdenklich gestimmt.

Auch wenn ich das Buch nicht als Bestes von Frau Link bezeichnen würde (ich habe bereits einige Bücher von ihr gelesen), ist es aber auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Ihrem letzten Roman „Die Betrogene“ steht es jedenfalls in nichts nach, wer dieses also mochte, wird auch mit „Die Entscheidung“ einen guten Griff tun.

Veröffentlicht am 18.10.2016

Winterblüte – Ein Winter-Highlight zum Schmökern, Träumen, Wünschen!

Winterblüte
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Corina Bomann ist ja mittlerweile vielen Leserinnen schon ein Begriff, wenn es um gefühlvolle Geschichten geht, die zum Schmökern und Davonträumen einladen. Und auch diesmal hat sie es wieder geschafft ...

Corina Bomann ist ja mittlerweile vielen Leserinnen schon ein Begriff, wenn es um gefühlvolle Geschichten geht, die zum Schmökern und Davonträumen einladen. Und auch diesmal hat sie es wieder geschafft – ich war begeistert von diesem wunderschönen Buch. Bevor ich allerdings darauf näher eingehe, muss ich ein Kompliment an die Gestalter des Werkes loswerden: das Cover ist einfach toll! Das Titelbild an sich gefällt mir schon gut und ist mit den zarten Blüten nicht überfrachtet. Aber ein Highlight für sich sind die kleinen Blätter im Hintergrund, denn sie sind mit einem Goldaufdruck versehen und glitzern wie Schnee in der Sonne. Das passt wunderbar zur kalten Jahreszeit bzw. zur Vorweihnachtszeit, in der das Buch spielt.

Nun aber zur Geschichte selbst: Corina Bomann hat rund um den (hauptsächlich in Süddeutschland bekannten) Brauch des „Barbara-Zweiges“ eine historische Erzählung gewebt, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Nach der Tradition wird am 4. Dezember ein Zweig von einem Obstbaum geschnitten und ins Wasser gestellt. Blüht der Zweig zu Weihnachten, geht im folgenden Jahr ein Herzenswunsch in Erfüllung…

Es geht um zwei junge Frauen – die eine (Johanna) wird von ihrer Mutter zu einer Vernunftehe gedrängt, obwohl sie sich schon einen Bräutigam erwählt hat – dummerweise sind die Familien des jungen Paares seit Generationen verfeindet. Das andere Mädchen wird halb erfroren, mittellos, ohne Erinnerungsvermögen und mit einem Zweig in der Hand von Johannas Bruder Christian am Ostseestrand gefunden. Während er sich in die Unbekannte verliebt, versucht die Mutter der Geschwister alles, um sie möglichst schnell loszuwerden…

Hier sind also mehrere Handlungsstränge zum Porträt einer gutsituierten Familie zur Zeit der Jahrhundertwende in einem Seebad an der Ostseeküste verwoben. Dennoch ist die Geschichte gut strukturiert und alle losen Fäden werden am Ende wieder aufgenommen und die Story zu einem runden Ende geführt.

Johanna und „Barbara“ sind sympathische junge Frauen voller Lebensmut, die ihr Leben in die Hand nehmen wollen, obwohl die Umstände nicht günstig sind. Ich habe sie auf ihrem Weg ins Glück (da verrate ich wohl nicht zu viel) gern begleitet. Das Buch hat alles was ein guter Schmöker braucht: Heiligendamm und die Ostsee als stimmungsvolle Kulisse, liebenswerte Heldinnen, eine mitreißende Geschichte und durch die Barbara-Zweige die stete Hoffnung, dass am Ende alles gut werden wird…

Ein Buch, das hoffentlich auf vielen Weihnachts-Wunschzetteln stehen wird!

Veröffentlicht am 13.10.2016

Sommerleichte Urlaubslektüre, etwas schnell „durcherzählt“

Unser Haus am Meer
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Die Geschichte um das alte Kapitänshaus in Heringsdorf und seine Bewohner (Schriftsteller Markus, Surflehrer Ben – sein Bruder – und Großmutter Charlotte ist eine nette Lektüre für den Urlaub oder „einfach ...

Die Geschichte um das alte Kapitänshaus in Heringsdorf und seine Bewohner (Schriftsteller Markus, Surflehrer Ben – sein Bruder – und Großmutter Charlotte ist eine nette Lektüre für den Urlaub oder „einfach mal so zwischendurch“ zum Entspannen. Große Literatur darf man nicht erwarten, aber ich denke das ist auch okay - das Buch ist „zielgruppengerecht“ konzipiert zum Erholen und Abschalten.

Wenn auch die Erzählweise sehr sympathisch ist, kam sie mir doch an einigen Stellen noch etwas unausgereift vor. Einfach, weil die Handlung – das ist meine ganz persönliche Meinung – etwas hölzern und schnell „durcherzählt“ war. Zudem waren mir die ständigen Seefahrts-Vergleiche mit der Zeit ein wenig zuviel. Aber das ist Geschmackssache – zum Thema, also zu dem im Buch vorkommenden Glücks-Ratgeber „Das Kapitänsprinzip“ – passte es auf jeden Fall, allerdings kamen die Ratschläge in dem Buch ein wenig klischeehaft rüber. Ebenso wie die Figuren - leider (z. B. der Surflehrer, der bei jedem Kurs mit einer anderen Schülerin anbandelt oder der schüchterne, introvertierte Schriftsteller). Da war mir etwas zu viel Schwarz-Weiß-Denken dabei, und die Figuren bekamen dadurch kaum Tiefe. Am besten gefallen hat mir Oma Charlotte, die mit ihrer erfrischenden Art einen schönen Akzent im Buch setzen konnte.

Ich möchte das Buch nicht schlecht reden, denn zum Ausspannen ist es durchaus geeignet. Und ich bin mir sicher, wenn Frau Jacobsen am Stil noch ein bisschen feilt, wird mir das nächste Buch – das schon angekündigt ist für Feb. 2017 – um Längen besser gefallen. Darauf setze ich und werde es auf jeden Fall lesen.

Veröffentlicht am 08.10.2016

Gute Thriller-Kost von einem Meister des Fachs

Der Schlafmacher
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Mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben, dass auch das andere Ende der Welt sehr gute Thrillerautoren zu bieten hat. Der Australier Michael Robotham ist ein Meister seines Fachs, was man auch ...

Mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben, dass auch das andere Ende der Welt sehr gute Thrillerautoren zu bieten hat. Der Australier Michael Robotham ist ein Meister seines Fachs, was man auch seinem neuesten Werk "Der Schlafmacher" wieder anmerkt.

Obwohl die Story um die beiden ermordeten Frauen (Mutter und Tochter) in einem Farmhaus in England nicht mit Superlativen um sich wirft oder eine besonders außergewöhnliche Grundkonstellation aufweist, war ich von der ersten Seite an gefesselt von diesem Buch. Und das ist es, finde ich, was einen guten Autor ausmacht. Er hat es geschafft, mich durchgängig "bei der Stange zu halten" und so viele potentielle Täter aufzubauen, dass man bis zum Schluss mitfiebert und Möglichkeiten wälzt und rätselt, wer es denn nun wirklich gewesen ist.

Dazu kommt eine - nun schon über fast ein Dutzend Romane hinweg - aufgebaute Nebenhandlung zur privaten Situation des Psychologen Joe O'Loughlin, die eindringlich ist und sich stimmig in das Buch einfügt. Um ehrlich zu sein, ist diese Handlungsebene für mich bei den Büchern von Robotham genau so wichtig wie der "Fall" an sich. An einigen Stellen habe ich zwar überlegt, ob es Lesern, die mehr an der Thriller-Handlung interessiert sind, nicht vielleicht ein wenig zu viel "Privatkram" sein könnte, der da thematisiert wird, denn zeitweise war das schon sehr ausführlich. Für mich, die ich schon einige Bücher der Reihe gelesen habe, war es aber eine konsequente Weiterentwicklung der Figuren. Das ernüchternde Ende auf dieser zweiten Handlungsebene sorgte bei mir für Trübsinn - aber ich bin auch jetzt schon gespannt, wie Joe mit der neuen Situation umgehen wird und schon aus diesem Grund freue ich mich auf den nächsten Band!

Eins muss man aber auch klar sagen: die bisherigen prägenden Ereignisse im Leben von Joe sind so gut zusammengefasst, dass man das Buch bedenkenlos lesen kann, ohne die anderen Romane der Reihe zu kennen. Mir fehlten auch ein paar Bände dazwischen und für mich war es absolut kein Problem.

Schade, dass man keine halben Sterne vergeben kann - dieses Buch wäre mir 4,5 Sterne wert.