Very British, skurril und humorvoll
Betreutes MordenDie Serienkillerin Carol, schon vor ihrer „Karriere“ als Mörderin eine Einzelgängerin, kommt nach mehreren Jahrzehnten in Gefangenschaft frei. Sie möchte ihre verbleibende Zeit in einem Luxusseniorenheim ...
Die Serienkillerin Carol, schon vor ihrer „Karriere“ als Mörderin eine Einzelgängerin, kommt nach mehreren Jahrzehnten in Gefangenschaft frei. Sie möchte ihre verbleibende Zeit in einem Luxusseniorenheim verbringen, in der Hoffnung, auf ihre alten Tage noch Freundschaften schließen zu können. Hat sie doch dem Morden abgeschworen. Ihre Versuche, sich zu integrieren, werden jäh unterbrochen, als ein Mitbewohner zu Tode kommt. Carol wird sofort von den sympathischen Bekannten als Mörderin abgestempelt. Handelt es sich bei ihnen doch um Geoffrey, dem DCI im Ruhestand, der Carol seinerzeit geschnappt hatte; um Margeret, die frühere Innenministerin, die Carol lebenslänglich hinter Gitter sehen wollte; und um Catherine, eine Pathologin? Der Tote war kein Geringerer als der damalige Leiter der Metropolitan Police. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als selbst zu ermitteln, um ihre Unschuld zu beweisen und die sympathischen Mitbewohner als mögliche Freunde nicht zu verlieren. Jene hingegen sind bestrebt, ihr den vermeintlich 8. Mord nachzuweisen. Dieser bleibt, der britischen Tradition verpflichtet, natürlich nicht der einzige Todesfall.
Fergus Craig, auch Schauspieler und Comedian, hat einen temporeichen, kurzweiligen und sehr humorvollen Krimi der etwas anderen Art geschrieben. Ist doch seine Hauptermittlerin eine Serienmörderin, die immer nur Männer getötet hat, die sie nervten, und die ihre Taten natürlich nicht bereut.
Der Autor schreibt flüssig und mit spitzer Feder. Die Perspektiven wechseln manchmal zwischen den Hauptcharakteren, aber im Mittelpunkt steht Carol, die Mörderin, die sich nicht nur in der heutigen Realität zurechtfinden Fuß fassen will, sondern völlig unerwartet um ihr neues Leben kämpfen muss. Die Personen im und um die Seniorenresidenz sind ein Querschnitt der Gesellschaft und werden mal komisch, mal skurril, mal sarkastisch dargestellt. Auch unter Senioren und deren Verwandtschaft ist nicht immer alles so, wie es scheint. Dies führt zu teilweise grotesken Situationen und aberwitzigen Dialogen. Sehr humorvoll.
Der Krimi ist kurzweilig und wendungsreich. Reicht doch das mögliche Täterspektrum mindestens von den Erben über die frühere Ehefrau bis hin zu Verbindungen in die Unterwelt. Denkt man, die Lösung ist vorhersehbar, gibt’s eine Überraschung. Trotz aller Überzeichnungen werden die vier Protagonisten mit ihren Geschichten liebevoll und einfühlsam mit all ihren Schwächen beschrieben. Auch Carol mit ihren teils absurden Gedankengängen und ihrer Sehnsucht nach bisher nicht gekannter Nähe wird immer sympathischer. Und so wachsen die vier Senioren trotz anfänglicher Angst und Misstrauen zu einem Ermittlungsteam und Freunden zusammen.
Das Buch ist für alle, die britischen, schwarzen Humor lieben und Spaß haben an skurrilen Charakteren.