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Veröffentlicht am 21.04.2025

Italienische Kulisse, starke Frauen und der Mut zur Veränderung

Lieber solo als allein
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Lieber Solo als Allein von Tessa Henning ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, der sich wunderbar als Urlaubslektüre eignet – nicht zuletzt, weil er selbst so viel Urlaubsstimmung vermittelt. ...

Lieber Solo als Allein von Tessa Henning ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, der sich wunderbar als Urlaubslektüre eignet – nicht zuletzt, weil er selbst so viel Urlaubsstimmung vermittelt. Bereits das Cover gibt einen stimmungsvollen Hinweis auf den Inhalt: Es zeigt die drei Generationen von Frauen, um die sich die Geschichte dreht, und spiegelt damit die zentrale Konstellation des Romans treffend wider. Auch der weiche Einband macht das Buch zu einem angenehmen Begleiter – im wahrsten Sinne des Wortes liegt es leicht und griffig in der Hand.

Die Handlung führt die Leserinnen und Leser ins malerische Umbrien, und genau hier liegt eine der großen Stärken des Romans: Die Beschreibungen der Region sind so lebendig und detailliert, dass man sofort Lust bekommt, selbst durch die engen Gassen zu schlendern, das mediterrane Flair zu genießen und die warme italienische Sonne auf der Haut zu spüren. Tessa Henning gelingt es hervorragend, die Atmosphäre Umbriens einzufangen und sie zum fühlbaren Schauplatz ihrer Geschichte zu machen.

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen: Gabriele, die sich nach Jahren der Routine endlich traut, auszubrechen und Neues zu wagen; ihre Tochter Katrin, die sich wieder auf die wahren Werte ihres Lebens besinnt; und Enkelin Leonie, die vor großen Entscheidungen steht, die ihre Zukunft maßgeblich beeinflussen werden.
Jede von ihnen macht im Laufe der Geschichte eine spürbare Entwicklung durch, was den Roman auf inhaltlicher Ebene bereichert.

Was mir jedoch gefehlt hat, war die emotionale Tiefe. Trotz der interessanten Figuren und ihrer persönlichen Wendepunkte konnte ich keine wirkliche Verbundenheit zu ihnen aufbauen. Die Geschichte ließ mich über weite Strecken hinweg emotional unberührt, was schade ist – denn das Potenzial für große Gefühle war durchaus da.

Möglicherweise liegt das an der sehr kompakten Erzählweise. Die Handlung spielt sich gefühlt innerhalb weniger Tage ab, in denen zahlreiche Themen und Herausforderungen auftauchen und abgearbeitet werden. Dadurch wirkt vieles überstürzt und etwas unauthentisch, fast so, als wolle die Geschichte zu viel in zu kurzer Zeit erzählen.

Auch der Titel hat mich im Nachhinein eher irritiert. Zwar wird im Buch der Satz „Lieber Solo als Allein“ aufgegriffen und in einen passenden Kontext gesetzt, doch der Titel weckt andere Erwartungen. Denn letztlich ist keine der Protagonistinnen am Ende „solo“ – vielmehr geht es um Neuanfänge, das Reflektieren von Beziehungen und das Wiederentdecken der eigenen Bedürfnisse.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Lieber Solo als Allein ein gelungenes Buch für entspannte Lesestunden. Wer Lust auf eine generationsübergreifende Geschichte mit italienischem Flair, persönlichen Wendepunkten und leichtem Erzählstil hat, wird mit diesem Roman gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Ein vielschichtiger Kriminalroman über Geheimnisse, Macht und das Streben nach Gleichberechtigung

Der Tote in der Crown Row
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Sally Smiths "Der Tote in der Crown Row" ist ein atmosphärischer Kriminalroman, der durch sein gelungenes Setting, seine spannungsgeladene Handlung und seine gesellschaftskritischen Untertöne überzeugt.

Schon ...

Sally Smiths "Der Tote in der Crown Row" ist ein atmosphärischer Kriminalroman, der durch sein gelungenes Setting, seine spannungsgeladene Handlung und seine gesellschaftskritischen Untertöne überzeugt.

Schon das Cover ist ein echter Hingucker. Es ist stimmungsvoll und passt perfekt zu dem Ort, an dem die Geschichte spielt. Die Crown Row wird als Schauplatz so lebendig beschrieben, dass man als LeserIn sofort ein Gefühl für diesen geheimnisvollen und zugleich geschichtsträchtigen Ort bekommt. Besonders gelungen ist der anhaltende Spannungsbogen. Bis zur letzten Seite bleibt unklar, wer der Täter ist. Die Autorin versteht es hervorragend, immer wieder neue Hinweise einzustreuen und LeserInnen auf falsche Fährten zu locken. Die Auflösung am Ende ist schlüssig, überraschend und berührend zugleich.
Als einen weiteren Pluspunkt empfinde ich, die Entwicklung der Figuren. Im Verlauf der Handlung werden nach und nach die Geheimnisse der verschiedenen ProtagonistInnen enthüllt. Diese Offenbarungen verleihen den Charakteren Tiefe und machen sie vielschichtiger, als es zunächst den Anschein hatte.
Bemerkenswert ist auch die gesellschaftliche Ebene, die in die Krimihandlung eingeflochten ist: Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, die fehlenden Rechte und der unterdrückte Wunsch nach Freiheit und Gleichberechtigung werden feinfühlig, aber deutlich thematisiert. Der Roman schafft es, die Lebensrealität vieler Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft spürbar zu machen.

Etwas weniger gelungen fand ich den Einstieg in den Roman. Es fiel mir zunächst schwer, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst im letzten Drittel kam für mich der Lesefluss in Gang und die Handlung konnte mich vollends fesseln.
Zudem wirkten die Gedankengänge des Hauptprotagonisten stellenweise etwas sprunghaft. Die Erklärungen für seine Überlegungen wurden oft erst im nächsten Kapitel nachgereicht, was teilweise verwirrend war.

Trotz dieser kleineren Kritikpunkte ist "Der Tote in der Crown Row" ein durchweg lesenswerter historischer Krimi, der mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, Atmosphäre und gesellschaftlich relevanten Themen punktet.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein liebevolles Bilderbuch, das zeigt: Jeder Körper ist richtig und schön

So viele Körper
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So viele Körper ist ein wunderschönes und wichtiges Bilderbuch, das auf kindgerechte Weise Vielfalt, Akzeptanz und Selbstbewusstsein vermittelt.

Schon beim ersten Durchblättern fallen die liebevollen ...

So viele Körper ist ein wunderschönes und wichtiges Bilderbuch, das auf kindgerechte Weise Vielfalt, Akzeptanz und Selbstbewusstsein vermittelt.

Schon beim ersten Durchblättern fallen die liebevollen und farbenfrohen Illustrationen ins Auge. Gezeigt werden verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Körpern: groß, klein, rund, zart, mit Sommersprossen, Narben, körperlichen Besonderheiten oder Hilfsmitteln. Die Illustrationen sind so vielfältig und einfühlsam gestaltet, dass sich viele Kinder und auch Erwachsene darin wiederfinden können. Das macht das Buch zu einem wunderbaren Spiegel unserer Gesellschaft.

Besonders gefallen hat mir der kurze, gereimte Text, der sich auf das Wesentliche konzentriert. In einfachen, verständlichen Sätzen wird den Kindern vermittelt: Jeder Mensch ist einzigartig und genau so wie er ist, vollkommen richtig.
Durch die Reimform und die klare, reduzierte Sprache eignet sich das Buch auch hervorragend für jüngere Kinder oder solche, die noch nicht so gut sprechen können. Die Botschaft bleibt klar und verständlich, ohne lange Erklärungen, dafür aber mit umso mehr Herz.

So viele Körper schafft es, Kindern spielerisch zu zeigen, dass Vielfalt etwas Schönes ist. Es stärkt das Selbstbewusstsein und regt zu Gesprächen über Akzeptanz und Toleranz an. Für Eltern, ErzieherInnen und alle, die Kindern ein positives Körpergefühl vermitteln möchten, ist dieses Buch ein echtes Highlight.

Ein rundum gelungenes Bilderbuch, das liebevoll illustriert, mit viel Feingefühl erzähl ist und viele Menschen ansprechen kann. Für mich ein absolutes Must-Have im Kinderbuchregal!

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Zwischen Filmgeschichte und moderner Spurensuche

Von Stufe zu Stufe
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Das Cover von "Von Stufe zu Stufe" ist ebenso raffiniert gestaltet wie die Geschichte selbst: Es zeigt grafisch einen ausgerollten Film, der zugleich als Stufen interpretiert werden kann – eine gelungene ...

Das Cover von "Von Stufe zu Stufe" ist ebenso raffiniert gestaltet wie die Geschichte selbst: Es zeigt grafisch einen ausgerollten Film, der zugleich als Stufen interpretiert werden kann – eine gelungene visuelle Anspielung auf den gleichnamigen Film von 1909 und die Entwicklung des Handlungsstrangs in der Gegenwart.

Der Roman spielt auf zwei miteinander verwobenen Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten wir den Filmwissenschaftler Marc, einen jungen Wiener im Jahr 2021, der zwischen einem langweiligen Archivjob und einem Nebenjob als Kartenabreißer im Kino feststeckt. Um dem Alltag zu entfliehen, sucht er als Roofer den Nervenkitzel auf Wiens Dächern. Durch seine Begegnung mit Katalina, der ukrainischen Pflegerin seiner Großmutter, wird er ungewollt in ein Abenteuer verwickelt: die Suche nach verschollenen Filmdosen aus der Stummfilmzeit. Diese Spur führt ihn bis in die Ukraine, kurz vor dem Ausbruch des Krieges. Obwohl Marc als Figur zunächst schwer greifbar wirkt und mir etwas fremd blieb, machten seine Ängste und seine direkte, manchmal unbeholfene Art ihn am Ende doch sympathisch und menschlich.

Der zweite Erzählstrang führt uns ins Jahr 1909 und zeichnet den spannenden Weg von Louise Kolm, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Anton Kolm und Jakob Fleck die österreichische Filmindustrie mitbegründet. Ihr Werdegang von der Fotografin zur Pionierin des abendfüllenden Spielfilms wird lebendig und detailreich erzählt. Besonders gelungen finde ich die Darstellung von Louises Entwicklung: Ihre Entschlossenheit, sich in einer von Männern dominierten Branche durchzusetzen, verleiht dem Buch eine starke feministische Note, ohne belehrend zu wirken.

Der Schreibstil von Felix Kucher ist angenehm und lässt sowohl die historischen als auch die gegenwärtigen Szenen realistisch und plastisch wirken. Die Beschreibungen der technischen Entwicklungen rund um die Kinematographen-Theater sowie die Herausforderungen bei der Produktion des ersten österreichischen Spielfilms sind für Filmbegeisterte ein echtes Highlight. Für weniger filmhistorisch interessierte LeserInnen könnten diese Passagen jedoch etwas langatmig wirken.

Dennoch bleibt das Buch durch seine spannende Thematik und die gelungene Verknüpfung von zwei Zeitebenen lesenswert.

Insgesamt ist „Von Stufe zu Stufe“ eine interessante und gut recherchierte Hommage an die Anfänge der österreichischen Filmgeschichte. Die abenteuerliche Spurensuche wird durch die historischen Einschübe lebendig ergänzt und bietet einen interessanten Blick in eine Zeit, in der der Film gerade erst begann, die Welt zu erobern.
Für Fans der frühen Filmgeschichte und alle, die Lust auf einen kurzweiligen historischen Roman mit einem modernen Twist haben, ist dieses Buch absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Eine faszinierende Reise in eine fremde Welt

Lyneham
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Das Cover von Lyneham hat mich sofort angesprochen und ist ein echter Hingucker. Die düstere Gestaltung passt perfekt zur Geschichte und vermittelt den Eindruck, dass das Schicksal oft in den Händen Fremder ...

Das Cover von Lyneham hat mich sofort angesprochen und ist ein echter Hingucker. Die düstere Gestaltung passt perfekt zur Geschichte und vermittelt den Eindruck, dass das Schicksal oft in den Händen Fremder liegt - ein zentrales Thema des Romans.

Nils Westerboer entwirft mit Lyneham eine eindrucksvolle Zukunftsvision und stellt die drängende Frage, wie sich das Überleben der Menschheit unter extremen Bedingungen gestalten könnte. Die Handlung an sich hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen, vor allem durch die tiefgründigen Themen und ethischen Fragestellungen. Aber auch die Auseinandersetzung mit der Problematik, was passiert, wenn die Ressourcen auf der Erde zur Neige gehen und die Menschheit nach einer Alternative suchen muss, haben mich sehr fasziniert.

Besonders gelungen sind Westerboers Beschreibungen des Planeten Perm. Durch seine detaillierten Schilderungen der Tierwelt, der Geografie und des Wetters konnte ich mir das fremde, aber dennoch greifbare Ökosystem hervorragend vorstellen. Die Landkarte Perms auf den Innenseiten der Umschlagkappen war eine tolle Ergänzung und half dabei, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden.

Als sehr gelungen empfand ich auch die zwei unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird: die der Wissenschaftlerin Mildred und ihres Sohnes Henry. Henrys kindliche Sichtweise, seine unerschütterliche Hoffnung und seine naive Wahrnehmung der Erwachsenenwelt haben mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Mildred hingegen wird als zielstrebige, analytische Frau dargestellt, die ihre wissenschaftliche Passion dem Familienleben vorzieht. Das Mildred keine übermenschliche „Supermutter“ ist, die mühelos Familie und Karriere vereint, war sehr erfrischend. Zudem macht diese ehrliche Darstellung sie und ihren Charakter besonders glaubwürdig.

Trotz dieser Stärken hätte ich mir insgesamt mehr Tiefe bei den Protagonisten gewünscht. Oft fehlten Hintergrundinformationen zu den Figuren, was dazu führte, dass einige ihrer Handlungen oder Spannungen zwischen bestimmten Personen nicht immer sofort nachvollziehbar waren. Hier hätten mehr Details und emotionale Einblicke geholfen, um die Interaktionen klarer und greifbarer zu machen.

Wie bereits erwähnt, konnte mich Lyneham extrem fesseln und faszinieren, vor allem durch seine tiefgründigen Themen und ethischen Fragestellungen. Doch es gab auch Passagen, die sehr wissenschaftlich und stellenweise etwas trocken formuliert waren, was den Lesefluss gelegentlich ausgebremst hat. Wer sich jedoch für technische und wissenschaftliche Details interessiert, wird diese Stellen vermutlich genießen, für andere könnten sie jedoch eine Hürde darstellen.

Das Ende empfand ich als überhastet. Viele Fragen blieben unbeantwortet, was mich mit gemischten Gefühlen zurückließ. Nach einem so tiefgründigen und gut aufgebauten Roman hätte ich mir ein runderes, etwas ausführlicheres Finale gewünscht.

Trotz dieser Kritikpunkte konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Die fesselnde Thematik, die faszinierende Darstellung einer fremden Welt und die philosophischen Fragen, die Lyneham aufwirft, machen es zu einer lesenswerten und nachdenklich stimmenden Science-Fiction-Geschichte.

Wer sich für realistische Zukunftsvisionen und wissenschaftlich fundierte Erzählungen interessiert, sollte diesem Roman definitiv eine Chance geben!

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