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Veröffentlicht am 23.02.2025

Liebe, Freundschaft und Verlust – Ein Roman voller emotionaler Schwere

Rückkehr nach Budapest
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Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss erzählt eine Geschichte, die von Anfang an von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen ist. Das Cover suggeriert eine Leichtigkeit, die sich im Inhalt jedoch ...

Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss erzählt eine Geschichte, die von Anfang an von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen ist. Das Cover suggeriert eine Leichtigkeit, die sich im Inhalt jedoch nicht widerspiegelt – vielmehr lastet über dem gesamten Roman eine emotionale Schwere, die sich bis zum Ende nicht auflöst.

Die Handlung dreht sich um Márta, die in einer Beziehung mit András lebt, aber während eines Besuchs bei ihrer Cousine Theresa in Ostberlin den jungen Schriftsteller Konstantin kennenlernt. Während Theresa sich körperlich zu Konstantin hingezogen fühlt, entwickelt Márta eine tiefgehende emotionale Verbindung zu ihm, die in intensiven Gesprächen und Briefen fortgeführt wird. Ihr innerer Konflikt zwischen Vernunft und Begehren, zwischen Loyalität und eigenen Wünschen, ist greifbar und schwer zu ertragen. Ich hoffte als Leserin auf einen Moment der Befreiung, eine emotionale Auflösung, doch dieser blieb aus.

Die Dreiecksbeziehung zwischen Márta, Theresa und Konstantin prägt den gesamten Roman – und genau darin liegt für mich auch eine der größten Schwächen. Die Fixierung der Protagonistinnen auf Konstantin nimmt so viel Raum ein, dass ihre eigene Entwicklung und ihr individuelles Schicksal oft in den Hintergrund rücken. Besonders störend empfand ich die Art, wie Márta und Theresa sich gegenseitig manipulieren und hintergehen, was die Beziehung zwischen den beiden immer weiter vergiftet. Dadurch fiel es mir schwer, wirklich mit ihnen mitzufühlen.

Positiv hervorzuheben sind die historischen Einblicke in das sozialistische Ungarn und die DDR, die interessante Hintergründe bieten, aber leider nicht die Tiefe erhalten, die sie verdient hätten. Ich hätte mir hier mehr Raum für die politischen und gesellschaftlichen Umstände gewünscht, anstatt dass die Handlung sich fast ausschließlich um das Liebesdreieck dreht.

Insgesamt ist Rückkehr nach Budapest ein Roman, der eine dichte, melancholische Atmosphäre schafft und mit emotionalen Konflikten arbeitet, die einen nicht loslassen – allerdings nicht immer auf angenehme Weise. Die permanente Schwere, die über der Geschichte liegt, wird nie wirklich aufgelöst, sodass ein bedrückendes Gefühl bleibt. Wer gerne tiefgründige, von innerer Zerrissenheit geprägte Geschichten liest, könnte hier dennoch fündig werden. Mich persönlich hat der Roman jedoch nicht ganz überzeugt und wird vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Zwischen Chaos und Ordnung: Ein Roman voller Herz und Humor

Blumen im Schuh
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"Blumen im Schuh" von Annette Spratte ist eine unterhaltsame und leichte Lektüre, die gleichzeitig mit emotionalem Tiefgang punktet. Die Protagonistin Elisabeth steht im Mittelpunkt einer bewegenden Reise, ...

"Blumen im Schuh" von Annette Spratte ist eine unterhaltsame und leichte Lektüre, die gleichzeitig mit emotionalem Tiefgang punktet. Die Protagonistin Elisabeth steht im Mittelpunkt einer bewegenden Reise, bei der sie lernt, sich aus der Starre ihres bisherigen Lebens zu befreien und neue Perspektiven zu entdecken.

Nach dem Zusammenbruch ihrer Ehe fällt Elisabeth zunächst in ein dunkles Loch voller Zweifel, Selbstkritik und dem Gefühl, völlig wertlos zu sein. Doch mit Unterstützung ihrer Schwägerin Anja und neuer Bekanntschaften beginnt sie, sich Stück für Stück aus ihrer Lethargie zu lösen. Es ist ein langsamer, aber steter Prozess, der von Höhen und Tiefen geprägt ist – und genau das macht ihre Entwicklung so glaubhaft. Jeder Rückschlag bringt sie letztlich ein Stück näher zu sich selbst.

Besonders charmant ist der Kontrast zwischen Elisabeth und Anja, der immer wieder für humorvolle und herzliche Momente sorgt. Elisabeth, die ihr Leben bis dahin konservativ und strikt geordnet gelebt hat, lernt durch die unkonventionelle, lebhafte und chaotische Anja, aus ihrer Komfortzone herauszukommen. Obwohl die beiden Frauen völlig unterschiedlich sind, ergänzen sie sich wunderbar: Während Elisabeth versucht, wieder Fuß zu fassen, bringt Anja mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem großen Herzen frischen Wind in den Alltag.

Ein kleines Manko ist, dass Elisabeths manchmal sehr naive und zurückhaltende Art gelegentlich frustrierend wirken kann. Ihre Tendenz, in alte Muster zurückzufallen, macht es mitunter schwer, geduldig mit ihr zu bleiben. Trotzdem wird ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte klar und berührend, und man fühlt mit ihr mit.

Die Nebenfiguren, vor allem diejenigen aus Anjas beruflichem Umfeld, tragen ebenfalls dazu bei, die Handlung abwechslungsreich und lebendig zu gestalten. Ihre Geschichten bringen zusätzliche Wärme und Tiefe in die Erzählung.

Obwohl das Buch ernsthafte Themen wie Selbstwertprobleme und die Suche nach einer neuen Identität nach einem einschneidenden Lebensereignis behandelt, bleibt es stets optimistisch und lebensbejahend. Es ist eine Geschichte, die zeigt, dass auch nach schwierigen Phasen neue Chancen auf einen warten können.

Ein rundum gelungenes Buch, das trotz des ernsten Hintergrunds ein echtes Wohlfühlerlebnis bietet – ideal für zwischendurch!

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Vielversprechender Auftakt, doch am Ende fehlt die Tiefe

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen ...

"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen Schreibstil versehen, verspricht der Auftakt ein kurzweiliges und unterhaltsames Leseerlebnis. Leider kann das Buch diesen anfänglichen Charme nicht über die gesamte Länge aufrechterhalten.

Besonders gelungen fand ich zu Beginn die Perspektivwechsel, die die Handlung zunächst frisch und spannend erscheinen ließen. Vor allem Lenas Sicht hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Doch je mehr Protagonistenperspektiven und Themenfelder eingeführt wurden, desto mehr verlor sich der Fokus der Erzählung und die emotionale Bindung zur Hauptfigur. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen - sei es durch eine stärkere Konzentration auf die Schwestern oder auf das Liebespaar.

Als enttäuschend fand ich, dass die sich entwickelnden Konflikte, insbesondere die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Gefühlen zwar angedeutet, aber nie wirklich greifbar gemacht wurden. Hierbei fehlten die leisen Zwischentöne, die inneren Monologe, die uns tiefer in Ninas Gedanken- und Gefühlswelt hätten eintauchen lassen.

Ein weiterer Schwachpunkt lag in der oberflächlichen Art, mit der zentrale Themen behandelt wurden. Insgesamt blieben viele Themen nur am Rande gestreift, vor allem die angesprochene Doppelmoral in Beziehungen hätte noch stärker in den Vordergrund gerückt werden können. Es ist nach wie vor ein gesellschaftliches Faktum, dass Frauen mit jüngeren Männern kritischer gesehen werden, während es für Männer gesellschaftlich akzeptiert zu sein scheint, sich jüngere Partnerinnen zu suchen. Diese Dynamik wird zwar angerissen, aber im Zusammenhang mit Ninas Familie und Kindern, vor allem im Kontext der neuen Partnerin des Ex-Mannes, nie vertieft.

Positiv hervorzuheben ist der Ansatz, Tabus wie die Menopause zu beleuchten. Leider wird aber auch dieses Thema nur oberflächlich gestreift, anstatt hier mutig in die Tiefe zu gehen. Schade, denn gerade hier hätte das Buch mit mehr Substanz und der veränderten Sexualität von Frauen punkten können.

Leider wirkt das Finale der Geschichte hastig komprimiert und zu einem klischeehaften Ende gebracht. Die Vielzahl an Konflikten und Themen, die vorher lange aufgebaut wurden, werden auf wenigen Seiten schnell und meiner Meinung nach nicht überzeugend abgehandelt.

Trotzdem möchte ich anerkennen, dass die Autorin sich an Themen wagt, die selten behandelt werden. Allein der Ansatz, Tabus wie die Menopause oder die gesellschaftliche Doppelmoral zu thematisieren, ist mutig und verdient Respekt. Auch die leichten, humorvollen Momente im Buch haben ihren Charme und sorgen dafür, dass die Geschichte insgesamt angenehm zu lesen bleibt.

Alles in allem ist „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ ein Roman mit viel Potenzial, das jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Es bleibt eine nette Lektüre für zwischendurch, die unterhaltsam ist, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Knisternde Gefühle und charmante Tiefe

Today I’ll Steal His Heart (2)
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Mit Today I'll Steal His Heart hat die Autorin einen fantastischen zweiten Band geschaffen, der mühelos an den ersten anknüpft und ihn in vielerlei Hinsicht sogar übertrifft. Mit kreativen Kapitelüberschriften, ...

Mit Today I'll Steal His Heart hat die Autorin einen fantastischen zweiten Band geschaffen, der mühelos an den ersten anknüpft und ihn in vielerlei Hinsicht sogar übertrifft. Mit kreativen Kapitelüberschriften, die immer wieder ein Schmunzeln hervorrufen, und einer fesselnden Handlung, die man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann, bietet dieser Roman alles, was das Leserherz begehrt.

Im Mittelpunkt stehen India, Laylas Mitbewohnerin, und Asher, der Kapitän des Volleyballteams. India, die sich konsequent von Beziehungen fernhält, wird durch die bevorstehende Hochzeit ihrer Mutter in ein unerwartetes Abenteuer gestürzt. Die Dating-App der Universität scheint zunächst die ideale Lösung zu sein, doch als sich die Ereignisse überschlagen und India zunehmend unter Druck gerät, bietet sich Asher als ihr Begleiter und Fake-Freund für die Hochzeit an. Von nun an beginnt ein emotionales Chaos, in dem von Anfang an eine knisternde Spannung zwischen India und Asher spürbar ist. Jede Interaktion, jeder Wortwechsel sprüht vor Intensität, so dass man förmlich auf das nächste Kapitel wartet, um zu erfahren, wie sich die Dynamik zwischen den beiden entwickelt.

Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin das Kribbeln, das mit einer frischen Verliebtheit einhergeht, eingefangen hat. Es wurde so eindrucksvoll beschrieben, dass ich es beim Lesen fast selbst spüren konnte. Dieses Kribbeln und die aufkeimenden Gefühle zwischen India und Asher geben der Geschichte eine besondere Tiefe und lassen einen als Leser mitfiebern und mitfühlen.

India ist eine vielschichtige Protagonistin. Hinter ihrer scheinbar unnahbaren Art und ihrem schwarzen Daumen für Pflanzen verbirgt sie einen weichen, verletzlichen Kern, den sie nur zögerlich offenbart. Allgemein ist sie eine starke, komplexe Figur, die sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt. Dennoch spürt man, wie sehr sie darunter leidet, niemandem zur Last fallen zu wollen.

Was mich aber am meisten in den Bann gezogen hat, ist Asher und seine Charakterbildung. Sein Kampf um eine Karriere als Volleyballprofi und der Druck, die Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen, verleihen ihm eine Tiefe, die unter seiner selbstbewussten Fassade überraschend viel Emotion und Unsicherheit offenbart. Dies zeigt eine verletzliche Seite, die ihn noch liebenswerter macht.

Auch die Art, wie Asher und India miteinander umgehen, ist bemerkenswert: Ihre offene Kommunikation und die ungeschminkte Ehrlichkeit ihrer Gefühle schaffen eine greifbare, authentische Verbindung, die die LeserInnen mitten ins Herz trifft.

Natürlich sorgt auch Kater Grumpy wieder für zahlreiche charmante Momente, die das Buch wunderbar abrunden.

Today I'll Steal His Heart ist ein Roman, der nicht nur durch seinen Humor und seine Tiefgründigkeit besticht, sondern auch durch die spürbare Intensität und Spannung zwischen den Protagonisten. Eine wundervolle Geschichte, die das Herz berührt und das Gefühl von Verliebtheit lebendig werden lässt. Ein absolutes Muss!

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Eine bewegende Geschichte über Schmerz, Stärke und Selbstfindung

Only Margo
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Das Cover von Only Margo fängt Margos Leben in einem Bild ein: eine junge Frau, erschöpft von dem Kampf, die Steine aus dem Weg zu räumen, die ihr in den Weg gelegt werden. Noch bevor man die erste Seite ...

Das Cover von Only Margo fängt Margos Leben in einem Bild ein: eine junge Frau, erschöpft von dem Kampf, die Steine aus dem Weg zu räumen, die ihr in den Weg gelegt werden. Noch bevor man die erste Seite aufgeschlagen hat, spürt man, dass Margos Weg alles andere als leicht sein wird, und genau das macht den Einstieg so eindringlich.

Die Geschichte beginnt zögerlich, fast distanziert, und es dauert einige Kapitel, bis man in Margos Welt eintaucht. Doch im Nachhinein erscheint dieser holprige Start fast wie ein Spiegel ihrer eigenen Entwicklung: Margos Geschichte beginnt mit einer Krise, in der sie allein gelassen und von der Welt abgestoßen wird. Seite für Seite öffnet sich die Erzählung - und mit ihr Margo selbst. Man lernt ihre Ängste, ihre Stärke und ihre zerbrechlichen Hoffnungen kennen. Dieser langsame Aufbau macht es umso intensiver, wenn die Geschichte an Fahrt aufnimmt und Margos Gefühlswelt immer greifbarer wird.

Rufi Thorpe hat ein bemerkenswertes Gespür dafür, Verzweiflung und den erdrückenden Druck der Gesellschaft in Worte zu fassen. Margos Kämpfe sind schmerzhaft real: der Verrat durch ihren Professor, die Kälte ihrer Mutter, das Stigma ihrer Sexarbeit und die schneidende Einsamkeit, die sie wie ein Schatten begleitet. Vor allem die Herabwürdigung und Verachtung, die sie erfährt, haben mich tief berührt und mehr als einmal innehalten lassen. Gleichzeitig zeigt Thorpe, wie Margo diesen Schmerz annimmt und ihn langsam in Widerstand und Entschlossenheit verwandelt.

Nebenfiguren wie ihre Mitbewohnerin Suzie und ihr Vater Jinx sind schlüssig und bieten wichtige Unterstützungspunkte, hätten aber noch etwas mehr Tiefe verdient. Doch da Margo unbestritten im Mittelpunkt steht, war dies für mich im Gesamtbild stimmig.

Only Margo ist eine Geschichte, die man nicht nur liest, sondern fühlt - jede Unsicherheit, jede Verletzung und jeden kleinen Triumph. Es ist ein Roman über den Mut, sich selbst nicht aufzugeben, auch wenn die Welt es längst getan hat. Mit Herz und Tiefgang schafft Rufi Thorpe ein Werk, das noch lange nach der Lektüre nachklingt.

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