Zwischen Gänsehaut und leisem Dahinfließen
Tainted LoveSchon der Prolog trifft wie ein Donnerschlag – düster, intensiv und mit echter Gänsehautgarantie.
Die zentrale Frage – „Wann hatte sie das erste Mal die Ahnung beschlichen, dass sie von Anfang an nie ...
Schon der Prolog trifft wie ein Donnerschlag – düster, intensiv und mit echter Gänsehautgarantie.
Die zentrale Frage – „Wann hatte sie das erste Mal die Ahnung beschlichen, dass sie von Anfang an nie allein gewesen waren?“ – brennt sich sofort ins Bewusstsein ein und entfaltet eine Sogwirkung, die einen kaum loslässt. Kopfkino setzt augenblicklich ein, die Bilder sind stark, fast schon filmisch – wie ein flackernder Neonstreifen in einer regennassen 80er-Jahre-Nacht.
Nach diesem fulminanten Auftakt nimmt die Erzählung jedoch deutlich Tempo heraus. Der Einstieg ins eigentliche Geschehen wirkt vergleichsweise ruhig, stellenweise fast zu ausschweifend. Die Sprache ist prosaisch, mit vielen Umschreibungen, die nicht immer nötig erscheinen und gelegentlich den Lesefluss bremsen. Das kann dazu führen, dass man kurzzeitig aus der Atmosphäre herausfällt.
Und doch: Gerade in diesen ruhigeren Passagen liegt auch eine Stärke des Romans. Die Figuren – allen voran Martin und Christine – gewinnen Kontur. Beide wirken suchend, ein wenig verloren, als hätten sie ihren Platz im Leben noch nicht vollständig gefunden. Diese leise Melancholie verleiht der Geschichte eine unterschwellige Tiefe, die hängen bleibt. Man begleitet sie gern, auch ohne große Spannungsbögen oder dramatische Wendungen.
Wer allerdings einen klassischen Krimi oder Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Spannung im herkömmlichen Sinne ist rar gesät. Stattdessen entfaltet sich die Handlung eher episodisch, mit vielen Nebensträngen und Momentaufnahmen – wie ein Mixtape aus verschiedenen Stimmungen, das mehr auf Gefühl als auf Tempo setzt. Die Geschichte „plätschert“ stellenweise dahin, ohne jedoch völlig an Reiz zu verlieren.
Es ist schwer genau zu benennen, was einen dennoch bei der Stange hält – vielleicht die besondere Atmosphäre, vielleicht die Figuren selbst. Irgendetwas bleibt, ein Echo, das nachhallt wie ein alter Synthesizer-Sound.
Fazit:
Ein Roman mit starkem, eindringlichem Beginn und einer eher ruhigen, teilweise zu detailverliebten Weiterentwicklung. Atmosphärisch gelungen, figurengetrieben und mit einem Hauch 80er-Jahre-Flair – aber nichts für Leser, die konsequente Spannung erwarten.