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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2025

Kindgerechte Reiseabenteuer in den Alpen

OTTO fährt los – Ein Sommer in den Bergen
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Es ist wieder so weit! Otto, der Camper, fährt mit einer neuen Familie auf zu neuen Abenteuern. An Bord sind diesmal Yurika, Christian und ihre Zwillingsmädchen Luzie und Klara. Gemeinsam bereisen sie ...

Es ist wieder so weit! Otto, der Camper, fährt mit einer neuen Familie auf zu neuen Abenteuern. An Bord sind diesmal Yurika, Christian und ihre Zwillingsmädchen Luzie und Klara. Gemeinsam bereisen sie die Berge im Süden Deutschlands, in Österreich und der Schweiz.

Ganz im Stil der beiden schon erschienenen Bücher haben Madlen Ottenschläger und Stefanie Reich mit „Ein Sommer in den Bergen“ den dritten Band ihrer Reihe rund um den Camper Otto herausgebracht. Nachdem zuerst Schweden und anschließend Italien bereist wurden, behandelt der neue Band mit den Alpen nun ein Gebiet, das über Ländergrenzen hinausgeht: Das Gebirge erstreckt sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz, die allesamt Eingang in das Buch finden. Gut gefallen mir die Sehenswürdigkeiten, die entlang der Route herausgegriffen wurden, darunter Schloss Neuschwanstein und der Rheinfall. Außerdem finden auch landestypische Köstlichkeiten wie Kaiserschmarrn und Käse sowie besondere Pflanzen, Tiere und traditionelle Feste Erwähnung – eine bunte Auswahl an Highlights also.
Die Geschichte selbst wartet mit einer kindgerechten Sprache auf. Mehrfach werden junge Leser und Leserinnen direkt angesprochen und zum Suchen von Motiven in den Bildern aufgefordert oder zum Erzählen zu bestimmten Themen angeregt.
Die Illustrationen ergänzen den Text perfekt. Sie zeigen idyllische Landschaften, die zum Träumen einladen, und die Familie, wie sie ihre gemeinsame Zeit genießt. So bekommt man beim Betrachten der Bilder richtig Lust auf den nächsten Sommerurlaub!
„Otto fährt los – Ein Sommer in den Bergen“ ist ein empfehlenswertes Kinderbuch für kleine Campingfreunde, Naturliebhaber und alle Abenteurer.

Veröffentlicht am 24.03.2025

Familie Henselmann: Deutsche Architekturgeschichte, Familienleben und Emanzipation, Politikgeschichte

Die Allee
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Als 1959 ein internationaler Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des Alexanderplatzes ausgerufen wurde, wurde Hermann Henselmann ausgeschlossen. Dennoch reichte er einen Entwurf für einen Turm ein, der ...

Als 1959 ein internationaler Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des Alexanderplatzes ausgerufen wurde, wurde Hermann Henselmann ausgeschlossen. Dennoch reichte er einen Entwurf für einen Turm ein, der nach Weiterentwicklungen verschiedener Architekten und Ingenieure als Fernsehturm seither das Bild Berlins maßgeblich prägt. Doch Henselmanns Karriere startete bereits in den späten 1920er Jahren. Nach seinem Vorbild Le Corbusier verwirklichte er Bauten ganz im Sinne des Bauhauses. Als zuerst die Nationalsozialisten und später die Führungsriege der DDR diese Stilrichtung ablehnte, musste sich Henselmann den neuen Idealen oft unterordnen – ohne jedoch immer wieder modernistische Ideen anzubringen und damit den Fortschritt anzutreiben.
Derweil versuchten seine Frau Isi und seine Tochter Isa ihre eigenen Lebensträume zu verwirklichen, was unter dem herrischen Architekten nicht immer einfach war… .

Hermann Henselmann zählt zu den einflussreichsten deutschen Architekten des vergangenen Jahrhunderts. In diesem Buch, das seine Enkelin Florentine Anders verfasst hat, lernt man ihn in vielen Facetten kennen. Daneben begleitet man mit Isi und Isa zwei Frauen aus seinem engsten familiären Umfeld bei ihrer Emanzipation.
Geprägt durch das Bauhaus zeichnen sich Henselmanns Ideen durch eine radikal modernistische Formgebung aus. In der DDR soll er sich jedoch den sozialistischen Vorstellungen der Politführung beugen. Man erfährt, dass er, der zum Chefarchitekten Ostberlins aufgestiegen war und sich in elitären Kreisen bewegte, dennoch immer wieder zukunftsweisende Entwürfe vorlegte. Als Architekt war Henselmann mutig, teils provokativ, angesichts der drohenden Gefahren für Kritiker der DDR-Führung aber auch leichtsinnig. Mehr als nur einmal ist er mit der Staatsführung aneinandergeraten und mehr als nur einmal musste er anschließend um Entschuldigung bitten. Dennoch hat er sich nie vollends unterworfen, sondern weiter in kleinen Schritten daran gearbeitet, seine Vorstellungen anzubringen. So ist es Henselmann selbst wichtig, als Architekt nicht als Produkt der DDR wahrgenommen zu werden, sondern als Gestalter des Landes nach seinen Idealen (S. 292). Von den Gebäuden, die nach seinen Plänen errichtet wurden, sind mir viele gut bekannt, was den Roman sehr anschaulich macht.
Neben seiner beruflichen Laufbahn kann man in „Die Allee“ auch einiges über den Menschen Hermann Henselmann lesen. Dieser war oft voller Jähzorn, konnte von einem Moment auf den anderen völlig ungehalten werden. Als Ehemann und Vater war er damit kein einfacher Charakter. Seine häufigen Affären und die Gewalt, die er gegenüber seinen Kindern anwendete, haben mich beim Lesen sehr betroffen gemacht. Bei all den Vorkommnissen habe ich großen Respekt vor seiner Frau, die immer zu ihm gehalten hat. Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, dass sie daran arbeitete, ihre eigenen Träume in die Tat umzusetzen und damit aus dem Schatten ihres berühmten Mannes zu treten – nicht immer einfach mit acht Kindern. Unter diesen wiederum ist es vor allem das Schicksal der Tochter Isa, das ergreifend geschildert wird. Gleichzeitig ist es gerade ihr Lebensweg, der nach vielen Tiefpunkten zum Ende des Romans hin Hoffnung schenkt.
Obwohl der Roman der Familie Henselmann gewidmet ist, bietet er auch einen Einblick in die Erlebnisse einer jungen Familie im zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit sowie die Gründung und den Zusammenbruch der DDR. Die kurzen Abschnitte, in die das Buch unterteilt ist, folgen dem chronologischen Ablauf der Ereignisse, sodass hier ein Kapitel der deutscher Politikgeschichte greifbar wird.
„Die Allee“ ist ein unglaublich vielschichtiger Roman und hat mich durchweg gefesselt. Große Empfehlung!

Veröffentlicht am 16.03.2025

Eine authentische Reise zu einer mittelständischen Familie in den 1980er Jahren

Bis die Sonne scheint
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Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation, als seine Eltern in finanzielle Schieflage geraten. Die Familie mit vier Kindern, von denen er das jüngste ist, bekommt schon bald Besuch von einem Gerichtsvollzieher. ...

Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation, als seine Eltern in finanzielle Schieflage geraten. Die Familie mit vier Kindern, von denen er das jüngste ist, bekommt schon bald Besuch von einem Gerichtsvollzieher. Obwohl mit dem Klavier und dem Fernseher die ersten Besitztümer gepfändet werden, hofft Daniel für seine Konfirmation weiterhin auf das Sakko aus blauem Samt und eine große Feier. Doch er hat die Rechnung ohne seine Eltern gemacht, die nicht mit Geld umgehen können…

Das Wichtigste gleich vorab: Dieses Buch hat mich positiv überrascht!
Die Geschichte ist wie eine Zeitreise in die 1980er Jahre in der Bundesrepublik. Aus der Perspektive von Daniel lernen wir dessen Mutter Marlene, seinen Vater Siegfried sowie die drei älteren Geschwister kennen. Die sechsköpfige Familie lebt in einem Eigenheim nahe Bremen, das der Vater geplant und mit viel Eigenleistung verwirklicht hat. Obwohl das Haus noch nicht sehr alt ist, besteht bereits Renovierungsbedarf: Nach starkem Regen tropft es durch das Dach des Bungalows. Damit steht der Bau, wie ich finde, fast schon sinnbildlich für die finanzielle Lage der Familie, die, wie man bald erfährt, problematisch ist – anders ausgedrückt: Familie Hormann ist pleite.
Wie es dazu kommen konnte, zeigen zahlreiche Rückblenden auf. Man lernt hierbei die Großeltern beiderseits kennen, die im zweiten Weltkrieg verschiedene Positionen einnahmen. In der Nachkriegszeit wuchsen Marlene und Siegfried mit ihren jeweiligen Familien unter unterschiedlichen Umständen auf, ehe sie ein Paar wurden und ihre eigene Familie gründeten. Ich mochte es sehr gerne, wie die Rückblenden in die Geschichte eingeflochten wurden, denn Stück für Stück setzt sich dadurch beim Lesen das Gesamtbild der Hormanns zusammen. Somit kann man deren Verhaltensweisen und Entscheidungen, die sie als Erwachsene tätigten, besser einordnen und bewerten.
Wie die beiden mit ihren Finanzen umgehen, kann ich dennoch nicht gutheißen. Marlene und Siegfried lebten stets über ihren Verhältnissen und leisten sich auch nach ihrer Pleite Dinge, auf die sie nach meiner Meinung verzichten sollten. Ob sie den Ernst der Lage nicht wahrhaben wollen oder es ihnen schlichtweg egal ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Was sich aber festhalten lässt: Die Art, wie der Autor seine Figuren agieren lässt, empfinde ich als absolut authentisch. Auch der Handlungsverlauf an sich wirkte auf mich sehr lebensnah. Umso überraschter (und berührter) war ich, als ich im Nachwort erfahren habe, dass dem Roman tatsächlich die Familiengeschichte von Christian Schünemann zugrundliegt, wenn auch aus seiner subjektiven Erinnerung und mit geänderten Namen.
Eine unbedingte Leseempfehlung für „Bis die Sonne scheint“!

Veröffentlicht am 14.03.2025

Eine kulinarische Reise durch Japan

Das Restaurant der verlorenen Rezepte (Die Food Detectives von Kyoto 1)
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Hinter einer unscheinbaren Fassade in der Shōmen-Straße in Kyoto verbirgt sich die Kamogawa Shokudō. In diesem besonderen Restaurant gibt es keine Speisekarte, aber die Möglichkeit, verlorene Geschmäcke ...

Hinter einer unscheinbaren Fassade in der Shōmen-Straße in Kyoto verbirgt sich die Kamogawa Shokudō. In diesem besonderen Restaurant gibt es keine Speisekarte, aber die Möglichkeit, verlorene Geschmäcke suchen zu lassen. Den Weg dorthin findet nur, wer die Dienste von Nagare und seiner Tochter dringend benötigt. Über das Jahr verteilt nehmen Gäste mit den unterschiedlichsten Geschichten die Hilfe der beiden in Anspruch.

Müsste ich dieses Buch in wenigen Worten zusammenfassen, wären es wohl diese: Eine kulinarische Reise durch Japan. Dabei ist „Das Restaurant der verlorenen Rezepte“ noch viel mehr.
Nagare und seine Tochter Koishi führen dieses besondere Lokal. In insgesamt sechs Kapiteln werden sie von ihren Kunden aufgesucht, die noch einmal ein Gericht essen möchten, das sie einst vor langer Zeit bekommen haben. Die Abschnitte folgen allesamt dem gleichen Ablauf, was monoton wirken kann, aber - wie ich finde - auch Ruhe in den Roman bringt.
Stets ist es Koishi, die einen Auftrag entgegennimmt und sich die Geschichten ihrer Gäste anhört. Da ist der Mann, der gerne das Nabeyaki Udon seiner verstorbenen Frau ein letztes Mal schmecken möchte. Und die junge Frau, die sich an die Spagetthi napolitan erinnert, die sie als Kind auf einer Reise mit ihrem nun dementen Großvater serviert bekam. Die Detektivarbeit übernimmt Nagare, seinerseits ehemaliger Kommissar. Um die gewünschten Geschmäcke nachkochen zu können, begibt er sich auf die Suche nach den Rezepten und bereist dabei verschiedene Regionen Japans. Er setzt sich mit der Herkunft seiner Lebensmittel auseinander und erklärt den Unterschied, den diese im Geschmack seiner Gerichte macht. Nagare gewährt außerdem Einblicke in die Zubereitungsart japanischer Leckereien. Nicht immer fiel es mir leicht, den Ausführungen zu folgen, da ich in der Geografie sowie der Küche Japans zu wenig bewandert bin. Durch diese Geschichte habe ich allerdings einiges über das Land im fernen Osten und seine Gepflogenheiten dazugelernt.
Was die Idee des Romans grundsätzlich anbelangt, halte ich es für sehr schwierig, wenn nicht gar ausgeschlossen, einen Geschmack, den eine fremde Person erinnert, genau nachkochen zu können. Doch anscheinend geht es darum gar nicht: Es ist Nagare selbst, der darauf hinweist, dass nicht nur die Zutaten und die Art der Zubereitung ein Gericht ausmachen. Stattdessen wirkt die Erinnerung an längst vergangene Zeiten wie ein Gewürz, das eine Mahlzeit besonders schmecken lässt. So versucht Nagare, seine Gäste in die Stimmung zu bringen, die herrschte, als sie ihr gesuchtes Gericht zuletzt zu sich nahmen. Er ist damit nicht nur Detektiv und Koch, sondern hilft seinen Kunden auch dabei, Erinnerungslücken zu schließen, führt Familien zusammen und verabschiedet seine Gäste - wie auch den Leser - schließlich mit einem positiven Lebensgefühl.

Veröffentlicht am 28.02.2025

Ein fantasievolles Mädchen und ihr tätowierter Vater

Papas Tattoos
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Emilia wächst bei ihrem Vater auf. Der ist groß und trägt viele bunte Tätowierungen. Wenn er abends vor ihr einschläft, schaut sie sich gerne die Bilder auf seiner Haut an. In Emilias Fantasie erwachen ...

Emilia wächst bei ihrem Vater auf. Der ist groß und trägt viele bunte Tätowierungen. Wenn er abends vor ihr einschläft, schaut sie sich gerne die Bilder auf seiner Haut an. In Emilias Fantasie erwachen die Motive zum Leben und bestreiten mit ihr einige Abenteuer.

„Papas Tattoos“ erzählt auf etwa 30 Seiten von Emilia und ihrem Vater. Mir gefällt, dass der Autor für seine Geschichte einen alleinerziehenden Vater gewählt hat und dadurch mit den klassischen Geschlechterrollen gebrochen wird. Gleichzeitig wird die Familiensituation nicht weiter ausgeführt, sondern ist eher im Hintergrund wahrnehmbar, sodass sie als etwas ganz Selbstverständliches behandelt wird.
Emilias Vater ist sehr auffällig dargestellt: Er trägt einen Vollbart, Irokesenschnitt und hat gepiercte Ohren. Sein Körper ist mit zahlreichen Tätowierungen verziert. Diese Tattoos regen Emilia abends zum Träumen an. In wenigen Sätzen erfährt man beispielsweise, wie sie sich ein Treffen mit dem Matrosen vorstellt und worüber sie in ihren Gedanken mit dem Totenkopf spricht. Mit der Pantherin wird dabei ein Tattoo, das für den Vater eine wichtige Bedeutung hat, besonders in den Fokus gerückt.
Die Beschreibungen bleiben insgesamt eher knapp, weshalb ich mir für die Geschichte mehr Tiefgang wünschen würde: Die Bedeutung der Motive wird beispielsweise nur für zwei genannt. Wofür stehen aber die übrigen Bilder, die im Buch aufgegriffen werden? Welche Abenteuer erlebt Emilia noch in ihren Träumen? Auch wenn ich persönlich mehr Text und weniger Leerstellen bevorzugen würde, bietet der Raum, den die Geschichte an der einen oder anderen Stelle lässt, viele Gesprächsanlässe. So kann man die Fantasie des eigenen Kindes anregen, Erklärungen zu den Tätowierungen zu finden und sich selbst Abenteuer mit ihnen auszudenken.
Die Illustrationen sind durchweg farbenfroh gestaltet. Sie passen gut zur Geschichte und sind in ihrem Stil sehr ansprechend.
Ein schönes Bilderbuch über ein fantasievolles Mädchen und ihren besonderen Vater.