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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2025

Die Vielfalt der Menschen in Kinderreimen

9 kleine Menschen
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Regina Feldmann stellt uns in „9 kleine Menschen“ zusammen mit Martina Stuhlberger neun Kinder vor, die wir von der Geburt an in ihren ersten Lebensjahren begleiten. Dabei können wir in Bild und Text die ...

Regina Feldmann stellt uns in „9 kleine Menschen“ zusammen mit Martina Stuhlberger neun Kinder vor, die wir von der Geburt an in ihren ersten Lebensjahren begleiten. Dabei können wir in Bild und Text die Entwicklung der Mädchen und Jungen verfolgen und sehen, wie sie zu guten Freunden zusammenwachsen.

„9 kleine Menschen“ wurde, wie wir im Nachwort erfahren, durch das bekannte Kinderlied „10 kleine …“ inspiriert. Regina Feldmann schreibt dazu, dass dieser Fingerabzählreim heute vor allem negative Erinnerungen in ihr weckt, da er einerseits schwarze und indigene Menschen diskriminiert, andererseits auch Kinder mit besonderen Merkmalen nicht mitdenkt. Es war ihr daher ein wichtiges Anliegen, eine neue Version zu schaffen, die alle Kinder inkludiert. In Kombination mit den Zeichnungen von Martina Stuhlberger ist ihr das in meinen Augen mit diesem Buch gelungen.
Auf insgesamt 40 Seiten kann man Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft entdecken: Wir sehen verschiedene Hautfarben, Haarfarben, Haarstrukturen usw. Bei näherer Betrachtung verbirgt sich in den Bildern aber noch viel mehr: Die Kinder leben nämlich in unterschiedlichen Familienmodellen, darunter Familien mit Mutter und Vater ebenso wie alleinerziehende Mütter, Familien mit nur einem sowie solche mit mehreren Kindern. Darüber hinaus finden auch Mädchen und Jungen mit körperlichen Beeinträchtigungen wie einem amputierten Körperteil oder einer Sehschwäche/Blindheit Eingang in die Geschichte. Kurzum: Diversität wird in diesem Bilderbuch großgeschrieben, was mir ausgesprochen gut gefällt.
Der von Regina Feldmann verfasste Text ist in kurzen Sätzen formuliert und wartet mit Reimen auf, sodass er zum Nachsprechen anregt. Die Illustrationen zeichnen sich durch eine besondere Farbgebung in Orange-, Grün- und Fliedertönen aus, was sie sehr modern wirken lässt. Obwohl von Verlagsseite ein Alter von vier Jahren angegeben ist, halte ich das Buch auch schon für zwei- bis dreijährige Kinder für geeignet.
„9 kleine Menschen“ ist eine zeitgemäße Version eines längst überholten Abzählreimes, die die Vielfalt der Menschen hochleben lässt. Indem sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede anklingen, vermittelt das Buch Toleranz und lehrt uns, dass Freundschaften über alle Grenzen hinweg möglich sind.

Veröffentlicht am 11.01.2025

Vor allem das Ende hat mich überrascht!

Für immer
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Als an einem Tag Anfang Juni die Zeit stehen bleibt, ist nichts mehr, wie es zuvor war: Babys und Kinder wachsen nicht mehr, Senioren sterben nicht mehr. Schnell stellen die Menschen fest, dass sie aus ...

Als an einem Tag Anfang Juni die Zeit stehen bleibt, ist nichts mehr, wie es zuvor war: Babys und Kinder wachsen nicht mehr, Senioren sterben nicht mehr. Schnell stellen die Menschen fest, dass sie aus der Zeit gefallen sind, während die Natur um sie herum jedoch wächst und gedeiht wie bisher.
Jenny nutzt die ihr geschenkte Zeit, um ihrer Berufung als Fotografin nachzugehen. Die Rentnerin Margo erlebt einen neuen Frühling und möchte noch einmal verreisen. Jakob, dessen Freundin gerade schwanger ist, macht sich dagegen Sorgen, welchen Einfluss die Situation auf ihr ungeborenes Kind hat. Mehr und mehr besorgt es die Menschen, was den Stillstand verursacht hat und so versuchen sie, ihr altes Leben zurückzugewinnen.

Mit „Für immer“ ist Maja Lunde ein ganz besonderer Roman gelungen. Sie erzählt darin die Geschichten mehrerer Menschen, die offenbar aus dem Lauf der Zeit gefallen sind. Zunächst scheinen die einzelnen Erzählstränge unabhängig voneinander zu sein, werden jedoch allmählich zart miteinander verknüpft.
Inhaltlich hat der Roman in mir viele Erinnerungen an den Ausnahmezustand in der Corona-Pandemie geweckt – zumal auch Andersdenkende mit ihren „alternativen Wahrheiten“ Eingang in die Geschichte finden. Gleichzeitig habe ich einige Parallelen zu Maja Lundes Klimaquartett gesehen, da auch in „Für immer“ ein Appell zum Schutz unserer Umwelt anklingt. Ich war während des Lesens dadurch die meiste Zeit der Annahme, ein weiteres Werk vor mir zu haben, dass uns in dystopischer Art und Weise verdeutlichen soll, was der Menschheit droht, wenn wir unser Verhalten auf diesem Planeten nicht ändern. Damit war ich allerdings sprichwörtlich auf dem Holzweg unterwegs. Erst das Ende des Romans, das ich so nicht erwartet hatte, hat mir die Kernaussage der Geschichte verdeutlicht und mir damit einen richtigen Aha-Moment beschert.
Vielmehr als ein Umwelt-Appell ist „Für immer“ ein Buch über Zeit, insbesondere unsere Lebenszeit: Wie nutzen wir sie? Mit wem verbringen wir sie? Da der Verfall unseres Körpers stetig voranschreitet und wir Sekunde für Sekunde, Minute für Minute ein wenig sterben (S. 305), müssen wir irgendwann auch dem Tod ins Auge blicken. Doch was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr sind? Ernste Themen, die Maja Lunde hier aufgreift und auf gelungene Art und Weise verpackt. Daher eine unbedingte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 22.12.2024

Kurzweilige Unterhaltung mit authentischen Figuren

Drei Tage im Juni
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Als seine Tochter Debbie heiratet, reist Max zusammen mit einer Katze an. Ihm war bis dato nicht bekannt, dass sein künftiger Schwiegersohn unter einer Tierhaarallergie leidet, sodass Max statt bei seiner ...

Als seine Tochter Debbie heiratet, reist Max zusammen mit einer Katze an. Ihm war bis dato nicht bekannt, dass sein künftiger Schwiegersohn unter einer Tierhaarallergie leidet, sodass Max statt bei seiner Tochter kurzfristig bei seiner Exfrau Gail Unterschlupf findet. Die beiden leben bereits seit Langem getrennt, blieben durch Debbie jedoch stets verbunden. Drei Tage verbringen sie nun rund um die geplante Hochzeitsfeier miteinander, in denen sie sich nicht nur mit der Ehe ihrer Tochter auseinandersetzen, sondern auch einen Blick auf ihre eigene Vergangenheit werfen.

„Drei Tage im Juni“ ist das erste Buch von Anne Tyler, das ich gelesen habe. Mir gefällt die Art, wie sie Figuren zeichnet und Situationen beschreibt. Die Autorin schafft es, ihre Geschichte dadurch authentisch zu erzählen und hat mich durchweg gut unterhalten.
Die Handlung spielt an gerade einmal drei Tagen. Anlässlich der Hochzeit von Debbie und Kenneth reist Max, der Vater der Braut, mit einer Katze an. Notgedrungen kommt er bei seiner Exfrau Gail unter und so erleben wir, wie das ehemalige Paar Jahre nach seiner Trennung miteinander umgeht. Wir erfahren von den Anfängen ihrer Beziehung, lernen die Eigenheiten beider kennen und lesen von den Gründen, die zum Scheitern ihrer Ehe führten. Obwohl Gail und Max in ihrer Art kaum unterschiedlicher sein könnten, spürt man in ihrem vertrauten Umgang miteinander deutlich, dass es zwischen ihnen einst große Gefühle gegeben hat und sie viele Jahre sowie bedeutsame Momente ihres Lebens geteilt haben. Währenddessen laufen die Vorbereitungen auf die Hochzeit, die nicht ohne besondere Vorkommnisse ausfallen. Debbies und Kenneths großer Tag steht plötzlich auf der Kippe und so ist nicht klar, ob die Feier überhaupt stattfinden wird… Das Ende des Romans hat mich zwar nicht ganz überrascht, aber doch verwundert.
Anne Tyler setzt sich in „Drei Tage im Juni“ mit Themen wie Liebe und Ehe, insbesondere aber mit Vertrauen auseinander. Dabei skizziert sie alle Aspekte von Beziehungen. Obwohl der Schluss des Romans für mich nicht ganz stimmig war, habe ich dieses Buch sehr gemocht.

Veröffentlicht am 22.11.2024

Klassische japanische Wohlfühlliteratur mit kleinen Schwächen

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Nach einem Unfall kehrt Himari aus dem englischen Internat in ihre Heimat Japan zurück. Am Rande eines Parks ihrer Stadt entdeckt sie ein ihr bis dahin unbekanntes, sehr besonderes Café: Hayari und Herr ...

Nach einem Unfall kehrt Himari aus dem englischen Internat in ihre Heimat Japan zurück. Am Rande eines Parks ihrer Stadt entdeckt sie ein ihr bis dahin unbekanntes, sehr besonderes Café: Hayari und Herr Higure, die das Lokal betreiben, können Menschen helfen, sich von jahrelangen Reuegefühlen zu befreien. Dazu kehren sie mit ihren Gästen an den Punkt in deren Leben zurück, den diese bedauern. Genau 4 Minuten und 33 Sekunden haben diese dann Zeit, einen Fehler zu beheben und damit ihre Zukunft zu ändern.
Himari besucht das Café regelmäßig. Sie schließt dabei nicht nur viele neue Bekanntschaften, sondern begleitet die Menschen auch bei ihren zweiten Chancen und lernt mit ihrem eigenen Schicksal umzugehen.

Shiori Ota erzählt in ihrem Roman in insgesamt vier Kapiteln von Menschen, deren Weg sie auf die eine oder andere Weise ins „Café der zweiten Chancen“ führt. Alle eint die Tatsache, dass sie eine Entscheidung, die sie in der Vergangenheit getroffen haben, bereuen. Während sie den Kaffee zubereiten, eröffnen Hayari und Herr Higure ihren Gästen die Möglichkeit einer kleinen Zeitreise.
Was an dieser Stelle nach einer stetigen Wiederholung des immer gleichen Schemas klingt, liest sich keineswegs eintönig: Die Autorin hat die unterschiedlichsten Figuren und Lebensentwürfe geschaffen, sodass sich die einzelnen Fälle deutlich voneinander unterscheiden. Auch die Art, wie die Figuren jeweils ihre zweite Chance nutzen und welches Schicksal sie in der Folge erwartet, geht weit auseinander.
Die Kapitel werden dank der Rahmenhandlung um Himari zusammengebracht. Ich mochte es sehr gerne, dass die kürzeren Erzählstränge dadurch in einen größeren Kontext gebracht werden. Das Ende des Romans kam für mich etwas überraschend und erscheint mir nach dem zuvor Erzählten ein wenig inkonsequent.
Die Geschichte ist ruhig erzählt und schafft eine sanfte Atmosphäre, die gut zum Inhalt passt. Die Ausdrucksweise hat dieses Gefühl an den meisten Stellen unterstrichen. Aufgefallen ist mir einzig die direkte Rede von Himari. Als Mittelschülerin ist sie etwa 12-14 Jahre alt, weshalb ich die Wortwahl in ihrem Fall an der einen oder anderen Stelle als etwas hochtrabend empfunden habe.
Trotz kleiner Schwächen habe ich „Das kleine Café der zweiten Chancen“ sehr gerne gelesen und kann es insbesondere Liebhabern japanische Wohlfühlliteratur empfehlen!

Veröffentlicht am 27.10.2024

Wenn aus Fremden eine Familie wird

Wohnverwandtschaften
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Nachdem sie sich von ihrem Lebensgefährten getrennt hat, sucht Constanze in Hamburg eine neue Bleibe. Sie kommt in einer WG unter, in der sie Jörg, Murat und Anke kennenlernt. Was zunächst als Übergangslösung ...

Nachdem sie sich von ihrem Lebensgefährten getrennt hat, sucht Constanze in Hamburg eine neue Bleibe. Sie kommt in einer WG unter, in der sie Jörg, Murat und Anke kennenlernt. Was zunächst als Übergangslösung gedacht ist, entpuppt sich als absoluter Glücksgriff. Obwohl die vier nicht unterschiedlicher sein könnten, wachsen sie zu einer Gemeinschaft zusammen, die stets füreinander da ist.

Mit „Wohnverwandtschaften“ hat Isabel Bogdan einen absolut lesenswerten Roman über eine besondere Wohngemeinschaft geschrieben. Die Figuren wirken zunächst wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe: Da ist Constanze, die als Zahnärztin arbeitet, Anke, die als Schauspielerin mittleren Alters kaum mehr Rollen bekommt, Murat, der bei der Gartenarbeit und beim Kochen so richtig aufblüht, und Jörg, der mittlerweile Rentner und schon länger verwitwet ist. Alle stehen sie also an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens und haben jeder für sich ihre ganz eigenen Probleme und Sorgen. Diese kann man dank der Erzählweise hautnah miterleben: Das Buch ist in kurze Kapitel gegliedert, die aus wechselnden Perspektiven erzählt sind. Während man anfangs beispielsweise Einblick in die Gedanken von Constanze erhält, schlüpft man schon kurze Zeit später in das Seelenleben von Jörg. Die Handlung wird somit aus Sicht aller vier WG-Mitglieder geschildert, sodass ich mich beim Lesen mit allen Figuren sehr vertraut gefühlt habe. Außergewöhnlich fand ich eingeschobene Kapitel, die wie Szenen aus einem Theaterstück anmuten. Diese bestehen fast ausschließlich aus wörtlicher Rede. Entsprechend nimmt man als Leser nicht die Perspektive einer der Figuren ein, sondern steht förmlich außerhalb des Geschehens und beobachtet dieses. Ich mag die Erzählweise von „Wohnverwandtschaften“ total gerne, da sie das Lesen sehr abwechslungsreich macht.
Inhaltlich beginnt der Roman sehr humorvoll und hat mich an der einen oder anderen Stelle schmunzeln lassen. Die Geschichte verläuft jedoch nach und nach in eine Richtung, die ich so nicht erwartet hatte. Die Themen, die im Roman anklingen, werden mit zunehmender Seitenzahl nämlich ernster. Während Murat, Anke, Constanze und Jörg aufeinander Acht geben und sich um jeden Einzelnen kümmern und sorgen, stellen sie fest, dass sie doch längst mehr sind als eine reine Zweck-WG.
Unbedingte Leseempfehlung!