An einem gewöhnlichen Tag Anfang Juni kommt die Zeit zum Stehen. Niemand stirbt, niemand wird mehr geboren. Die neue Ewigkeit verändert das Lebensgefühl der Menschen: Die Rentnerin Margo will ausgelassen das Leben feiern und auf Reisen gehen – doch ihr pflanzenliebender Ehemann Otto möchte seine Balkonblumen nicht alleine lassen. Für die Fotografin Jenny gibt es nichts Schöneres, als die geschenkte Zeit mit ihrer Familie im Sommerhaus zu verbringen. Trotzdem plagt sie das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Und die Krankenschwester Eva erlebt die Sorge der Schwangeren, die nicht wissen, wann ihre Babys zur Welt kommen. Überall im Land rätselt man, warum die Menschen aus dem Lauf der Zeit herausgefallen sind. Ist es ein Virus, ein alter Zauber oder eine Verschwörung böser Mächte? Und warum geht in der Natur der Kreislauf von Werden und Vergehen unvermindert weiter? Feinfühlig und mit viel Wärme schreibt Maja Lunde in ihrem neuen großen Roman über das Leben im Jetzt, die eigene Endlichkeit und über unsere Verbindung zur Natur.
Meine Meinung:
Hallo ihr Süßen
ich durfte meinen ersten richtigen Roman von Maja lesen und so schusselig, wie ich war habe ich nicht mal gewusst, dass es ein Band einer Reihe ist. Typisch für mich! Aber ...
Meine Meinung:
Hallo ihr Süßen
ich durfte meinen ersten richtigen Roman von Maja lesen und so schusselig, wie ich war habe ich nicht mal gewusst, dass es ein Band einer Reihe ist. Typisch für mich! Aber nicht schlimm, jeder Band ist alleinstehend und kann unabhängig gelesen werden. Andere haben mit Der Geschichte der Bienen begonnen und ich fange halt von hinten an. Das ist so typisch! Ich kannte bisweilen nur, die Bilderbücher/ Kinderbücher von Maja und wusste einfach schlicht weh nichts über die Reihe, das "Klimaquartett". Es hat mich irgendwie nie interessiert!
So habe ich dann halt mal locker 4 Bände übersprungen. Was solls, dieses Buch zu lesen, zu hören und zu entdecken, war ein absolutes Highlight und eine ganz einzigartige Erfahrung. Maja Lunde, hat es auch hier wieder einmal geschafft, mich vollständig zu fesseln. Atmosphärisch und sprachlich einzigartig,mit einem Thema, das mir noch jetzt Gänsehaut bereitet! Nämlich was wäre, wenn jeder Mensch unsterblich wäre und gleichzeitig aber auch keine neuen Babys mehr das Licht der Welt erblicken würden? Was wäre wenn es keine Krankheiten mehr geben würde? Wäre dieses Leben wirklich so vollkommen und perfekt? Finde es heraus und lass dich darauf ein,für mich grandios und beängstigend geschrieben.
Ganz lieben Gruß
Sonja / Shaaniel
Ich habe mich schon oft gefragt, was wäre, wenn man die Zeit anhalten könnte, und ob sich das Leben dadurch verbessern würde.
"Für immer" behandelt genau dieses Thema; daher war dieses ...
Meine Meinung
Ich habe mich schon oft gefragt, was wäre, wenn man die Zeit anhalten könnte, und ob sich das Leben dadurch verbessern würde.
"Für immer" behandelt genau dieses Thema; daher war dieses Buch für mich ein absolutes Muss!
Der Schreibstil ist von Anfang fesselnd; und so fiel mir der Einstieg sehr leicht. Jedes kurze Kapitel wird aus der Perspektive einer anderen Person erzählt, was meinen Lesefluss zusätzlich erhöht hat.
Die Fotografin Jenny ist es gewohnt, in lebensgefährliche Situationen zu geraten, da sie beruflich oft in Krisengebieten arbeitet, für eine sehr angesagte Zeitung. Die schwerste Herausforderung für sie ist jedoch eine katastrophale Diagnose beim Arzt. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit mit ihrem Mann und den zwei Kindern. Doch an einem Tag im Juni bleibt plötzlich die Rathausuhr stehen. Mit ihr das Fortschreiten von Krankheiten und Sterbeprozessen - sowie das Wachstum der Menschen.
Das Geschehen handelt von verschiedenen Schicksalen und weist eindringlich auf die Auswirkungen hin, die der Stillstand mit sich bringt.
Ein Beerdigungsinstitut bekommt keine Aufträge mehr, da keiner mehr stirbt. Embryonen entwickeln sich im Mutterleib nicht mehr weiter, daher werden keine Hebammen mehr gebraucht.
Die Menschen verspüren keinen Hunger; werden jedoch vom Staat aufgefordert weiter zu konsumieren, da sonst die ganze Wirtschaft zusammen bricht.
Pflanzen wachsen ganz normal weiter, was der Rentner Otto sehr begrüßt, da das Gärtnern sein ganzer Lebensinhalt ist. Mir ging der Spruch durch den Kopf: Die Natur braucht uns nicht - aber wir brauchen die Natur! Ottos Frau Margo braucht wiederum ihren Mann nicht mehr. Die Zeit bleibt stehen; ihre Lebenslust nicht.
Mein Gedankenkarussell hat sich nonstop gedreht. Ich habe viele Parallelen zu der Coronapandemie entdeckt. Auch hier hat sich die Gesellschaft gespalten und Verschwörungstheorien wurden laut. Die meisten Menschen lebten mit der ungewöhnlichen Situation einfach weiter und versuchten das Beste daraus zu machen. Ihnen waren Querdenker lästig, die alles hinterfragten und herausfinden wollten, was der Ursprung des Ganzen ist.
Was war denn nun der Ursprung? Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, um eine Antwort zu bekommen.
Fazit
Diese spannende Dystopie überzeugt mit leisen Tönen. Die Figuren sind gut gezeichnet und wirken authentisch. Der Schreibstil liest sich wie Butter und hat mich förmlich in das Geschehen hinein gezogen. Gibt es eine Antwort? Das solltet ihr selbst entdecken.
Eine klare Empfehlung für diese Geschichte, die zur Selbstreflexion anregt.
Gestaltung:
------------------
Das Titelbild ist schlicht gestaltet und zeigt eine rote Blume, deren Blütenblätter vom Wind zerstreut werden. Es wirkt nicht besonders auffällig, aber sinnlich und hat mich ...
Gestaltung:
------------------
Das Titelbild ist schlicht gestaltet und zeigt eine rote Blume, deren Blütenblätter vom Wind zerstreut werden. Es wirkt nicht besonders auffällig, aber sinnlich und hat mich angesprochen.
Inhalt:
------------------
Von einem Tag auf den anderen steht die Zeit für die Menschen still. Während sich die Natur um sie herum weiter entwickelt, scheinen die Menschen aus dem Rahmen gefallen zu sein. Ihre Körper verändern sich nicht mehr, d. h. Kinder wachsen nicht und bleiben auf einem bestimmten Lernniveau stehen, Krankheiten verschlimmern sich nicht, keiner hat Schmerzen oder stirbt, aber es wird auch kein Mensch geboren. Die ungeborenen Kinder sind im Bauch ihrer Mutter, ohne ihren Entwicklungsstatus zu ändern.
Für einige ist diese gewonnene Zeit ein Segen, andere empfinden sie als Fluch. Da ist z. B. Jenny, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und die nun noch mehr Zeit mit ihrem Mann und den zwei kleinen Jungen verbringen kann. Da sind das Rentnerehepaar Otto und Margo. Während Margo die Zeit ohne "Alterszipperlein" zum Feiern und Reisen nutzen will, verkriecht sich Otto nach wie vor in seinen Blumenbeeten. Da ist Ellen, die Angestellte in einem Bestattungsinstitut ist und die mit ihren Freunden im Extremsport "den Kick" sucht. Doch plötzlich stirbt niemand mehr und sie ist arbeitslos. Die Zeit mit ihren Hobbys zu verbringen, ist auch nicht mehr erfüllend. Und da ist Philipp, Ellens Freund, der an eine Verschwörung der Regierung glaubt. Aus anfänglicher Euphorie und Staunen wird die Menschheit immer verstörter, bis sie einen Ausweg aus der Situation suchen. Doch wie kann dieser aussehen?
Mein Eindruck:
------------------
Ich kannte bisher das Klima-Quartett von der Autorin, das mir gut gefiel. Ich freute mich daher auf diesen neuen Roman. Das Gedankenexperiment ist sehr spannend. Schließlich wünscht sich vermutlich jeder einmal, dass er den Moment festhalten möchte oder die Zeit für eine Weile stehen bleiben soll. Auch nicht mehr zu altern oder entsprechende Symptome zu haben, erscheint oft erstrebenswert. In diesem Roman treibt Maja Lunde diesen Gedanken ins Extreme: Denn keine Entwicklung bedeutet generell Stillstand, auch von positiven Dingen. Dies wird Jenny klar, wenn sie ihrem Jüngsten zum wiederholten Male die Uhrzeit oder das Schnürsenkelbinden erklärt, aber er dies sofort wieder vergisst. Und dann stellt sich die Frage: Wie lange kann ein Stillstand genossen werden? Denn auch wenn sich die Natur weiterentwickelt, so bleiben die Tage ohne Entwicklung des Menschen für diesen sinnfrei.
Die Handlung ist abwechselnd aus den Perspektiven von Otto, Jenny, Ellen und Philipp geschrieben und ihre Sichtweisen sind einfühlsam dargestellt. Die Autorin vermag die Gefühle treffend und auch teilweise poetisch zu beschreiben. Otto gefiel mir von den vier Protagonisten am besten. Er ist die kritische Stimme bezüglich der nicht mehr vorhandenen Beziehung des Menschen zur Natur, die Frau Lunde auch im Klima-Quartett immer wieder erklingen lässt:
"So leben, wie die Götter es wünschen, stand auf den Steintafeln.
Aber was wünschen sich die Götter?
Und wer sind die Götter? Oder der Gott?
Kokolores, dachte Otto, nur Schafsköpfe glaubten, dass 5000 Jahre alte Steinplatten auf irgendetwas eine Antwort geben konnten. Nein, sie mussten sich der Natur zuwenden, das war der einzige Ort, an dem man Antworten fand. Und vielleicht waren sie tatsächlich einer Sache auf der Spur, die Verfechter der Gaia-Theorie, oder eher von deren Weiterentwicklung, die meinten, die Erde sei ein großer Organismus und dieser Organismus kämpfe gerade darum, das Leben auf unserem Planeten zu erhalten. Der Mensch benahm sich wie ein Virus, sagten die Anhänger von Gaia 2, und jetzt habe die Immunabwehr der Erde eingesetzt.
Der Stillstand sei der Versuch der Erde, den parasitären Menschen loszuwerden. Mit dem Ziel, eine neue und bessere Welt zu schaffen. Nur durch ein Leben im Einklang mit der Natur, durch das der Organismus Erde wieder für gesund erklärt werden konnte, würde der Stillstand aufgehoben werden. Aber bisher sprach wenig dafür, das man auf dem Weg dorthin war. Stattdessen forderten die Regierungen die Menschen dazu auf, so zu leben wie früher und suchten nach einer schnellen Lösung - in verstaubten Steintafeln und Religionen.
Als hätte die Religion jemals irgendein Problem gelöst. Der Glaube war einzig und allein dafür gut, neue Probleme zu verursachen!" (Otto S. 189f.)
Die Sichtweisen der anderen drei Personen konnte ich zwar nachvollziehen, aber sie standen mir nicht so nah wie Otto.
Ich habe den Roman verschlungen, weil ich zum einen die Auswirkungen des Stillstands faszinierend verfolgt habe, aber auch weil ich wissen wollte, ob und wie sich dieser Zustand auflöst. Doch das Ende war leider etwas enttäuschend, die Lösung nicht wirklich plausibel. Schade, daher gebe ich 4,5 Punkte, die ich jedoch auf 5 aufrunde.
Fazit:
------------------
Spannendes philosophisches Experiment über das Leben der Menschen und seine Entwicklung
Zeit… von ihr hat man ja immer zu wenig, oder? Anders geht es den Menschen in diesem Roman: die Zeit ist für sie zum Stehen gekommen! Während die Tier- und Pflanzenwelt sich ganz normal verhält, stirbt ...
Zeit… von ihr hat man ja immer zu wenig, oder? Anders geht es den Menschen in diesem Roman: die Zeit ist für sie zum Stehen gekommen! Während die Tier- und Pflanzenwelt sich ganz normal verhält, stirbt kein Mensch mehr. Auch die Sterbenskranken nicht. Wie also die Zeit ausnutzen, die einem geschenkt wurde? Wenn man alle Zeit der Welt hat - wofür verwenden? Was ist ein perfekter Tag? Interessante Fragestellungen, die auch nach Beenden des Buches noch beschäftigen… denn dieses auf den ersten Blick verlockend erscheinende Szenario hat auch seine Schattenseiten: es wird auch keiner geboren; niemand lernt dazu… und natürlich dürfen bei solchen Veränderungen für die Menschen auch Verschwörungstheorien nicht fehlen…
Ich habe das dystropische Klimaquartett von Maja Lunde sehr gern gelesen und finde, dass dieses Buch den Titeln um nichts nachsteht! Wieder wird hier aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt, die sehr unterschiedlich mit der geschenkten Zeit umgehen. Sehr nachvollziehbar und in ansprechender, teilweise poetischer Sprache erzählt: ist der Kreis der Unendlichkeit nicht „eine Linie, die sich selbst in den Schwanz beißt“ (S.216)?!
Einfühlsam werden die Schicksale beschrieben und schlüssig die ungleichen Resultate der Personen beschrieben: „Man kann nichts festhalten, was stillsteht“ (S. 282)
Was wäre, wenn unsere Zeit stillsteht - ein Gedankenspiel, das nicht nur abendfüllende Gespräche initiieren, sondern auch einen 300 Seiten starken Roman füllen kann und mich sicher immer mal wieder beschäftigen wird!
Maja Lunde: Für immer
Maja Lunde hat einen tiefgründigen Roman verfasst, der den Kreislauf des Lebens und die Kraft der Natur zum Thema macht. Wir kennen die Autorin von ihrer erfolgreichen Klimaquartett-Buchreihe. ...
Maja Lunde: Für immer
Maja Lunde hat einen tiefgründigen Roman verfasst, der den Kreislauf des Lebens und die Kraft der Natur zum Thema macht. Wir kennen die Autorin von ihrer erfolgreichen Klimaquartett-Buchreihe. Meine Erwartungen an dieses Buch waren also hoch.
Mit poetischer Sprache und Feingefühl erzählt Lunde von Verlust, Hoffnung und der Suche nach einem individuellen Neuanfang. Die Geschichte verbindet auf wunderbare Weise die Lebensgeschichte zweier Generationen, die durch ihre Liebe zur Natur und zueinander miteinander verwoben werden.
Maja Lunde schafft es eindrucksvoll, die Figuren und ihre Emotionen lebhaft für den Leser zu machen. Gleichzeitig werden ökologische Themen eingeflochten, ohne dabei belehrend auf die Leserschaft zu wirken.
Die dichte Atmosphäre und die eindringlichen Bilder, die sie in ihrem Roman zeichnet, ziehen den Leser von der ersten Seite an in den Bann. „Für immer“ ist ein Roman, der nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch lange im Herzen nachhallt.
Absolute Kauf- und Leseempfehlung von mir!