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Chrystally

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2023

Starke Frauen (incl. der Autorin)

Porträt auf grüner Wandfarbe
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Gwen wird von ihrer Tante zu einer Reise in die ehemalige Heimat ihrer Familie mitgenommen und deckt im Gespräch mit Familienmitgliedern und dem Lesen in alten Dokumenten die schwierige Freundschaft zwischen ...

Gwen wird von ihrer Tante zu einer Reise in die ehemalige Heimat ihrer Familie mitgenommen und deckt im Gespräch mit Familienmitgliedern und dem Lesen in alten Dokumenten die schwierige Freundschaft zwischen der leiblichen und der Ziehmutter ihrer Mutter auf.
Elisabeth Sandmann erzählt zwei Geschichten: die der Freundinnen Ella und Ilsa, die ungleicher nicht sein könnten und trotzdem Zeit ihres Lebens über Kriege und familiäre Verwicklungen hinweg miteinander verbunden sind. Und die von Gwen, die diese gemeinsame Geschichte 70 Jahre später ans Tageslicht holt. Der Erzählstil ist atmosphärisch und emotional, dabei jedoch immer elegant und nie undifferenziert oder überladen. Ich konnte die Handlungsorte und Protagonistinnen vor meinem inneren Auge sehen, so lebendig, wie Sandmann von Räumen, Stoffen, Kleidungsstücken und Essen erzählt, und mich in die Figuren einfühlen, insbesondere wenn sie selbst von den Entwicklungen überrannt schienen.
Die mutige Ella aus einfachen Verhältnissen, die es dank starker Fürsprecherinnen schafft, sich die Welt zu eröffnen, kann man überhaupt nicht nicht mögen. Und auch die exaltierte Ilsabe kann man auf ihre eigene verschrobene Art verstehen. In der aufgedeckten Familiengeschichte ist es bisweilen gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten – da hilft auch das Lesezeichen mit einer Auflistung der wichtigsten Charaktere nicht, ich habe mir tatsächlich irgendwann einen Stammbaum gemalt, auf dem ich immer wieder gespickt hab. Das macht die Geschichte jedoch nicht weniger fesselnd, und auch wenn man manches voraussehen kann, bleibt es bis zuletzt spannend und die Schicksale der Beteiligten berührend. Eingebettet werden sie in zeitgeschichtliche Zusammenhänge, über die man dadurch auch nochmal manches (wieder) lernt. Das meiste erfahren wir aus den Tagebüchern von Ella – hier fand ich es schade, dass Sandmann die Chance nicht genutzt hat, Ella selbst erzählen zu lassen, sondern die Geschichte aus der dritten Person erzählt. Viel lieber hätte ich es aus Ellas Feder erfahren, wie sie die Geschehnisse erlebt hat.
Die Handlung rund um Gwen, die die Familiengeschichte aufdeckt, fand ich im Wesentlichen auch schön zu lesen. Man leidet mit in ihren Drang, endlich Klarheit über die Fragezeichen zu ihrer Vergangenheit zu bekommen, und die Begegnungen mit ihren differenziert gezeichneten Verwandten und Freunden waren glaubwürdig darin, wie Gwen um Antworten ringen musste. Aus wie vielen Winkeln plötzlich Dokumente, Fotos etc. auftauchen, oder wie Gwen rein zufällig auf einen ziemlich alten Katalog stößt, der sie auf eine entscheidende Fährte führt, das fand ich allerdings überzogen, genau wie der kitschige Epilog, den es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte – das beides hat meine Lesefreude getrübt.
Insgesamt jedoch eine bewegende Familiengeschichte mit ungekünsteltem Fokus auf verschiedene beeindruckende Frauen und einem tollen Schreibstil, von dem ich gerne mehr lesen möchte. Aufgrund der Komplexität klare Leseempfehlung für Menschen, die Familien- und Detektivgeschichten gleichermaßen mögen.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Zauberhafte Katzengeschichte

Cosmo Zauberkater (Bd. 1)
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Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal ...

Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal wenig begeistert. Aber als sie ihre gegenseitigen Stärken kennenlernen, werden sie ein echtes Dreamteam, das auch im Angesicht höchster Gefahr zusammenhält.
Die Illustrationen haben für mich den Ausschlag gegeben, dieses Buch zu lesen. Vor allem Aywa und ihre Zauberereltern finde ich richtig niedlich, kleine Detailgrafiken lassen vor meinem inneren Auge ganze Szenen entstehen, ohne die eigene Phantasie einzuschränken, und Cosmo ist auf den Bildern genauso ein knuddeliger Rabauke wie in der Geschichte. Die dezenten Glitzerapplikationen auf dem Cover geben dem Buch nochmal zusätzliches Flair. Eine Landkarte auf der ersten Doppelseite hilft, sich zurechtzufinden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen. Aywa, ihre Familie und Cosmo mochte ich nicht nur auf den Bildern, Aywa bringt mit ihren lustigen Flüchen bestimmt die meisten Kinder zum Lachen. Die Lehrkräfte und die anderen Tiergefährten sind individuell und besonders, die Figuren gehen angenehm über Klischees aus Zaubereigeschichten hinaus. Wie jede Zauberwelt hat die Welt von Cosmo ihre eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, und bisweilen fragt man sich hier (vielleicht auch nur als Erwachsener) nach dem Warum (z.B., dass nur die Gefährten-Tiere in Häuser dürfen, oder nach welchen Kriterien die Schüler*innen ausgewählt werden), aber insgesamt ist alles stimmig. Den Anfang fand ich ein bisschen langatmig, aber als Cosmo erstmal im Tiergefährtentrainingslager ist und Flughörnchen Cliff kennenlernt und Aywa die Schulzusage hat, nimmt das Buch ordentlich an Fahrt auf, und zum Schluss wird es richtig spannend.
Insgesamt ein phantasievoller, spannender Lesespaß. Leseempfehlung für Kinder, die noch zu jung für Harry Potter sind, und ihre Eltern.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Thema nicht ausgeschöpft

Wo du mich findest
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Die Icherzählerin in Anna Barns‘ Roman „Wo du mich findest“ hat es gerade nicht leicht – zwei Todesfälle in ihrem nahen Umfeld, und in ihrer Beziehung ist die Luft raus. Verständlich, dass ihr Unterbewusstsein ...

Die Icherzählerin in Anna Barns‘ Roman „Wo du mich findest“ hat es gerade nicht leicht – zwei Todesfälle in ihrem nahen Umfeld, und in ihrer Beziehung ist die Luft raus. Verständlich, dass ihr Unterbewusstsein in ihren Träumen aus der flüchtigen Begegnung mit einem Fremden ein zweites, glückliches Leben erschafft. Und auch verständlich, dass sie diesen Mann finden möchte.
Das Thema hat mich angesprochen und das Buch lies sich zügig durchlesen. Die Entwicklung der Protagonistin Sophie fand ich durchaus nachvollziehbar, die Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann und wie die Suche nach dem Fremden ausgeht, angenehm realistisch. Die Geschichte außenrum fand ich allerdings zu rosarot – die perfekte Ferienwohnung, in die sich Sophie zurückzieht, die herzliche Vermieterin und die exzentrische Künstlerin, mit denen Sophie sofort tiefschürfende Gespräche führt, kamen mir unrealistisch vor, und was Sophie betreibt, um wieder zu sich zu finden, liest sich wie eine Checkliste „psychische Gesundheit“ mit einem massiven Anteil Konsum. Auch hat mir der Schreibstil nicht so zugesagt. Bei Belanglosigkeiten geht er mir zu sehr ins Detail (wer trug welche Klamotten, wo liegt welches Zimmer, die Lebensgeschichte von Nebencharakteren…), aber da, wo es mich wirklich interessiert hätte (wie redet man über eine verstorbene Freundin mit deren Mutter?) werden ganze Begegnungen in wenigen Sätzen abgehandelt. Zudem habe ich mich immer wieder gefragt, warum Sophie auf Biegen und Brechen eine Beziehung zu diesem Mann aufbauen will, obwohl die Chancen, ein gutes Paar zu werden, trotz romantischer Träume nicht höher sind als bei einem x-beliebigen anderen…
Insgesamt fand ich das Buch ok, aber es hat mich nicht vom Hocker gerissen. Leseempfehlung für Rügen-Fans und Menschen, die vorbehaltlos an Träume glauben.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Kitschig

Here With Me
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Robyn will den Kontakt zu ihrem Vater wieder aufbauen und verliebt sich dabei in seinen Chef und gleichzeitigen guten Freund, dessen Resort von Drohbotschaften gestört wird
Fangen wir mit dem positiven ...

Robyn will den Kontakt zu ihrem Vater wieder aufbauen und verliebt sich dabei in seinen Chef und gleichzeitigen guten Freund, dessen Resort von Drohbotschaften gestört wird
Fangen wir mit dem positiven an: der Farbschnitt des Buches, auf dem sich das Coverbild fortsetzt, ist wunder-wunderschön. Und die Handlung hat alles, was man für ordentlich Drama braucht: Charaktere mit hollywoodreifem Sexappeal (nicht nur die tatsächlichen Filmstars in dem Resort, sondern auch die ach-so-durchtrainierte-und-sexy Polizistin), die perfekte Anziehung zwischen männlicher und weiblicher Hauptperson, Sex (da wird Young auch ziemlich explizit), Familienzusammenführung, sofortiger Erfolg einer Laienfotografin, tödliche Verletzungen, dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit… Es passiert also viel. Was ich (trotz frühem zutreffendem Verdacht) am spannendsten fand, war der „Kriminalfall“ neben der Liebesgeschichte: wer schafft es, in dem totalüberwachten Star-Resort tote Tiere und Drohbotschaften zu verteilen? Die Wiederannäherung von Robyn mit ihrem Vater und was das in der Familie mit ihrer Mutter auslöst, war berührend und psychologisch plausibel.
Der Rest war mir persönlich leider zu viel. Auf der einen Seite sind die Figuren total reflektiert, was ihre Gefühle, Gedanken und Verhaltensmuster angeht, handeln dann aber wieder so impulsiv, dass sie sich quasi nie normal unterhalten, sondern sich auch bei neutralen Themen ständig anzicken oder (die Hauptpersonen) aus heiterem Himmel zu knutschen/… anfangen. Andere Beziehungen sind sofort wunderbar persönlich und offen und voller tiefschürfender Gespräche, ohne dass richtig Zeit zum Kennenlernen war, und kein Mensch in dem schottischen Dorf hat irgendwelche ernsthaften Vorbehalte gegen die Amerikanerin. In den erotischen Szenen gibt es keine Tabus, aber sobald eine Frau ihre Periode hat, ist Sex sofort undifferenziert iiiiiiih - so verliert das Buch seine eigentlich sexpositive Grundstimmung. Die Welt der Reichen und Schönen mit ihren Problemen war zwar überzeugend beschrieben, aber hat mich gelangweilt, das ist einfach zu weit von meiner Lebenswirklichkeit weg. Natürlich kriegen sich die Hauptcharaktere am Ende, indem beide die Verhaltensmuster ihrer Vergangenheit überwinden – das mag einmal funktionieren, aber so einfach verändert man sein Verhalten nicht, wie jeder weiß, der einmal einen Neujahrsvorsatz hatte.
Insgesamt gut wegzulesen, aber sehr dick aufgetragen und damit einfach nicht mein Geschmack. Leseempfehlung für Leser*innen von „Gala“ und der „Bunte“.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Ein Buch für ausgeschlafene Kinder (und Eltern)!

So schlafe ich! Und wie schläfst du?
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In „So schlafe ich! Und wie schläfst du?“ werden fünf Kinder und ihre Familien auf dem Weg ins Bett begleitet – beim Spielen, Kochen, Abendessen, Zähneputzen und Zubettgehritualen, bis die Augen zugemacht ...

In „So schlafe ich! Und wie schläfst du?“ werden fünf Kinder und ihre Familien auf dem Weg ins Bett begleitet – beim Spielen, Kochen, Abendessen, Zähneputzen und Zubettgehritualen, bis die Augen zugemacht werden. Die Bilder sind bunt und freundlich und klar strukturiert, in den Texten erzählen die Kinder von ihrem Abend und laden die kleinen Leserinnen mit Fragen ein, von ihrem eigenen Familienleben zu erzählen. Unser Kind schaut es mit 2 Jahren gerne an und nennt schon viele Protagonistinnen beim Namen.
Als Erwachsene fand ich es schön zu sehen, wie unterschiedlich die dargestellten Familien sind. Verschiedene Hautfarben (auch innerhalb von Familien), körperliche Besonderheiten, Zweisprachigkeit, Medienkonsum, Haushaltsaufgaben, Alleinerziehende, Adoption, gleichgeschlechtliche Beziehungen, nicht-binär lesbare Personen, Geschwisterliebe und -konkurrenz – all das findet Platz, ohne explizit thematisiert zu werden. Auch in den Bildern sieht man das ganz normale Leben – mit offenen Schubladen, Dreckwäschekörben, unaufgeräumten Küchen und Flecken auf dem Hemd. Das fand ich prima, auch die Darstellung der Personen, außer dass mir persönlich die Kinder ein bisschen zu niedlich illustriert waren. Konfliktthemen werden stellenweise zwischen den Zeilen angedeutet, die Geschichten sind aber sehr auf Harmonie bedacht. Das geht stellenweise vielleicht ein bisschen am realen Alltag von Kindern vorbei, kommt aber andererseits dem Zur-Ruhe-Kommen vorm Schlafengehen entgegen.
Die Verarbeitung des Buchs ist, wie bei Carlsen gewohnt, gut, das Buch ist klimaneutral in Europa hergestellt.
Insgesamt ein schönes Kinderbuch, das wir sicher noch oft anschauen werden. Daher: klare Leseempfehlung für alle, die für Diversität offen sind (und fast noch mehr für die, die es noch nicht sind).
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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