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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2024

Von besseren und schlechteren Menschen

Über Menschen
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Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. ...

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. Als der Lockdown kommt und die Menschen um sie herum, allen voran ihr Freund Robert, immer paranoider werden, verlässt sie Berlin und beginnt ihr neues Leben auf dem Land. Bracken hält für Zugereiste nicht viel bereit. Der Einkauf mit dem Bus wird zur Tagestour, die Nachbarn entpuppen sich als Afd-Wähler und schlimmer noch, als waschechte Nazis mit krimineller Vergangenheit und letztlich verliert sie auch noch ihren Agenturjob und die Perspektive. Die Figuren sind gut beschrieben und eingefangen, man fühlt sich als Leser selbst als Besucher Brackens und stiller Beobachter. Doras Nachbar Gote, eigentlich ein hilfsbereiter Kerl, leider auch der Dorf-Nazi zwingt sie dazu, ihre Perspektive und ihren manchmal etwas selbstgefälligen Blick von oben herab zu ändern und weniger zu bewerten als viel mehr genau hinzuschauen. Dass man als Leser an einigen Stellen sogar Sympathie für Gote und auch die anderen Nachbarn empfindet, ist sicher so gewollt. Es gibt eben kein schwarz und weiß, auch bei Themen, bei denen man eigentlich glaubt eine klare Meinung zu haben. Das Buch liest sich gut, oft muss ich schmunzeln oder etwas länger über die Wahrhaftigkeit der Sätze nachgrübeln. Vieles ist punktgenau aus dem Leben und insbesondere dieser zerrissenen Corona-Zeit gegriffen und trifft mitten hinein in das Selbstverständnis von Städtern, die sich oft über die vermeintlich zurückgebliebene Bevölkerung auf dem Land erhebt. Dennoch ist mir manches zu gewollt, zu konstruiert und zu plakativ. Nichtsdestotrotz finde ich den Roman gelungen und rund und das Ende berührt mich und wahrscheinlich die meisten Leser trotz aller vorgefertigten Meinungen.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Tolle Kulisse

Sternenmeer
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Ich mag die Krimis um Luc Verlain wegen der tollen Kulisse, der Landschaft und des französischen Lebensgefühls. Hier ist wieder von allem etwas dabei. Meer, Dünen, beschauliche Dörfer und ganz viele Leckerbissen. ...

Ich mag die Krimis um Luc Verlain wegen der tollen Kulisse, der Landschaft und des französischen Lebensgefühls. Hier ist wieder von allem etwas dabei. Meer, Dünen, beschauliche Dörfer und ganz viele Leckerbissen. Der Fall spielt in einem Sternerestaurant. Es war interessant, tiefer in die Geheimnisse der gehobenen Gourmetküche einzutauchen. Der Gastrokritiker wird vergiftet. War es jemand aus der Küche? Ein Rivale um die Sterne? Unweltschützer, die es auf Produzenten der Fois Gras abgesehen hatten? Oder doch eine Familientat? Das erste Drittel ist recht spannend. Der Konflikt zwischen Luc und dessen Vorgesetztem auch gut eingebunden. Doch in der Mitte fehlt mir etwas die Spannung. Das Geschehen plätschert so dahin. Auch im Privatleben des Kommissars läuft alles so reibungslos, dass es fast etwas langweilig ist. Insbesondere die Figur von Anouk könnte etwas facettenreicher sein als wunderschön und klug und auch noch eine tolle Mutter. Die Lösung erscheint mir dann etwas konstruiert, ich hätte mir etwas mehr Finesse gewünscht. Insbesondere auch als Rahmen zum tollen ersten Teil des Buches, in dem wir alle Protagonisten kennenlernen. Das Thema ist toll und sehr ansprechend, leider bleibt der Fall an sich dieses Mal hinter meinen Erwartungen zurück. Beim letzten Teil war es andersherum.

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Veröffentlicht am 31.08.2024

Ein Traum wird zum Albtraum

No Escape
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Ein richtig spannendes neues Buch von Lucy Clarke, für mich deutlich spannender als „One of the Girls“. Ich finde auch die Figuren und das Setting interessanter. Lana und Kitty erleben den Sommer ihres ...

Ein richtig spannendes neues Buch von Lucy Clarke, für mich deutlich spannender als „One of the Girls“. Ich finde auch die Figuren und das Setting interessanter. Lana und Kitty erleben den Sommer ihres Lebens, als sie mit einer Gruppe Aussteiger auf einer Segelyacht in Südostasien herumreisen. Schnorcheln, Schwimmen, kühle Drinks, blauer Himmel und die ein oder andere Liebelei. Doch dann spitzen sich Konflikte zu, das Wetter wird stürmisch und einer der Freunde geht über Bord. War es ein Unfall? Suizid? Oder ein Mord? Lana kann die Augen nicht verschließen und es kommt zum Bruch. Monate später sinkt die Yacht. Was ist geschehen? Jeder der Freunde verbirgt etwas. Wem kann man trauen? Der Schreibstil ist packend. Der Wechsel zwischen heute und der Zeit auf dem Schiff bringt immer neue Perspektiven auf das Geschehen. Die Figuren sind facettenreich, die meisten sympathisch. Lana ist manchmal etwas selbstgerecht in ihrer Wut auf ihren Vater. Aber auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet. Insbesondere Aaron, aber auch Joseph. Bis zum Schluss hält die Geschichte einige Wendungen bereit und sogar wenn man denkt, alles ist vorbei, offenbart sich noch einmal das Grauen. Das tolle Cover passt super zur Handlung. Für mich ein packender Sommerthriller.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Bittersüßer Sommerroman

Helle Sommer
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Ein toller Roman über zwei junge Menschen, das Erwachsenwerden und die große Liebe. Billie und Maxime begegnen sich in einem Sommer Anfang der 2000er. Die scheue, starke Billie und der überbehütete Maxime ...

Ein toller Roman über zwei junge Menschen, das Erwachsenwerden und die große Liebe. Billie und Maxime begegnen sich in einem Sommer Anfang der 2000er. Die scheue, starke Billie und der überbehütete Maxime freunden sich an und verbringen einige Sommer miteinander. Billie wohnt bei ihrem Großvater, sie müssen jeden Pfennig zweimal umdrehen, es bleibt wenig Platz für Hoffnungen und Träume. Maxime lebt in Paris und kommt nur in den Ferien um seine Tante zu besuchen. Irgendwann reißt der Kontakt ab und doch gelingt es den beiden immer wieder, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Sie begegnen sich, verpassen sich, sehnen sich nacheinander und führen doch ihre eigenen Leben und werden erwachsen. Nach dem Tod des Großvaters muss Billie allein bestehen. Ich bewundere ihren Mut und Kampfgeist. Sie schafft es, ihren Traum zu verwirklichen und letztlich wird das verletzliche Mädchen zu einer starken, unabhängigen Frau. Der Schreibstil ist sehr kurzweilig. Die Kapitel nach Jahren gegliedert, so erlebt der Leser Billies Erwachsenwerden Schritt für Schritt. Ein wunderbarer Roman voll Gefühl, Sommererinnerungen und einem Hauch von Melancholie. Perfekt.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Zauberhafter Venedig-Roman

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Dieses Buch ist wirklich bezaubernd, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe noch keinen Roman der Autorin gelesen, bin aber vom Schreibstil sehr angetan. Die Kulisse Venedigs erscheint sofort vor meinem ...

Dieses Buch ist wirklich bezaubernd, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe noch keinen Roman der Autorin gelesen, bin aber vom Schreibstil sehr angetan. Die Kulisse Venedigs erscheint sofort vor meinem Auge, ich kann mich gut in die Familie Rosso, allen voran Orsola, einfühlen. Aber auch die anderen Figuren sind sehr facettenreich, haben Ecken und Kanten. Anfangs fremdelte ich etwas mit der Idee, die Geschichte der Familie über mehrere Jahrhunderte zu erzählen und dem Phänomen, dass die Figuren kaum altern. Ab dem zweiten Zeitsprung fand ich es aber sehr charmant und originell. Ich fühle mich als Leser fast als Teil der Familie Rosso. Jedes Mal wenn jemand gehen muss, war ich traurig. Das Leben der Glasmacher ist wunderbar eingebettet in die Entwicklung der Stadt von der Handelsmetropole über viele Höhen und Tiefen bis zur Touristenhochburg. Dennoch packt die Serenissima mich immer wieder, wie es Orsola so gut beschreibt: das Echte, an einigen Stellen Verfallene, überbordend Schöne wird überdauern und seinen Reiz nicht verlieren. Auch die Rolle der Frau im Wandel der Zeit ist gut eingefangen. Einzig das Ende hatte ich mir etwas anders erhofft, aber so passt es auch sehr gut zur Geschichte. Ein wirklich berührender Roman, der Lust auf Venedig macht. Beim nächsten Besuch werde ich auf jeden Fall mehr Zeit für Murano einplanen und in die Geheimnisse der Glasbläserei eintauchen. Eine Sache gefällt mir nicht so gut, das überfrachtete Cover und der extrem gestaltete Farbschnitt. Ich verstehe, dass die psychedelischen Muster das flüssige Glas darstellen sollen. Soweit so gut, aber das Buch hätte mir mit weißen Seiten besser gefallen. Dennoch kein Grund einen Punkt abzuziehen, da es mir vor allem auf den wundervollen Inhalt ankommt.

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