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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2024

Atemlose Jagd

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Der zweite Teil der Reihe um den Polizisten Tomas und die Journalistin Vera Berg ist ebenso spannend wie der erste. Dieses Mal spielt die Handlung im klirrend kalten Winter und wieder in Stockholm. Morde ...

Der zweite Teil der Reihe um den Polizisten Tomas und die Journalistin Vera Berg ist ebenso spannend wie der erste. Dieses Mal spielt die Handlung im klirrend kalten Winter und wieder in Stockholm. Morde im Porno-Milieu halten die Polizei und die Journalistin Vera auf Trab. Im Zentrum der Taten scheint die junge Lucy zu stehen. Doch sie ist verschwunden. Tomas und Vera gehen unabhängig voneinander verschiedenen Spuren nach, die sie immer tiefer in ein Dickicht aus Sex, Drogen und Gewalt führen. Ein Mord folgt auf den nächsten. Wie hängen die Taten zusammen? Der Schreibstil ist spannend und kurzweilig. Die knackig formulierten Kapitel wechseln sich in der Perspektive ab, das hält zusätzlich die Spannung hoch. Das letztlich Geheimdienste und Spionage dazu kommen, verwirrt mich zunächst, aber schlussendlich setzt sich das Puzzle Stück für Stück zusammen. Die privaten Hintergründe der Figuren sind wieder gut eingebunden. Tomas Kollege Zingo steht etwas mehr im Mittelpunkt als beim letzten Teil, eine sehr interessante Figur, die in den nächsten Büchern hoffentlich mehr Raum bekommt. Aber ist er wirklich ehrlich und steht an Tomas Seite? Der Abspann lässt die Spannung und Vorfreude auf den nächsten Teil schon steigen. Was ist mit Kristian und werden Vera und vor allem Zingo Tomas verraten? Ein toller Thriller, der die Stimmung der 90er Jahre sehr gut einfängt und wieder ein düsteres, brutales Bild von Stockholm und Schweden kurz vor der Jahrtausendwende zeichnet.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Bewegender Roman über Freundschaft und Individualität

Bei Licht ist alles zerbrechlich
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Dieses Buch hat mich sehr bewegt. Aus der Perspektive des Schweinehirten Davide erfährt der Leser die Geschichte von drei jungen, sehr unterschiedlichen Menschen, die in schwierigen Zeiten des Krieges ...

Dieses Buch hat mich sehr bewegt. Aus der Perspektive des Schweinehirten Davide erfährt der Leser die Geschichte von drei jungen, sehr unterschiedlichen Menschen, die in schwierigen Zeiten des Krieges zu Freunden werden und sich dann verlieren. Davide, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt und nicht lesen und schreiben kann. Teresa, bürgerliche Tochter eines Seilmachers, die selbstbewusst und klug ist. Und Nicolas, ein gebildeter Jude aus Neapel, der unfreiwillig mit seinem Vater in das kleine Dorf kommt. Davide lernt bei ihnen Lesen und den Mut, aus seinem vorgezeichneten Leben auszubrechen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die durch die erste Liebe zwischen Teresa und Nicolas jäh unterbrochen wird. Davide, der in Teresa verliebt ist, aber auch eine große Bewunderung für Nicolas empfindet, fühlt sich verraten. Dennoch hilft er Nicolas, sich vor den Deutschen zu verstecken. Als dieser entdeckt wird und flieht, verschwindet auch Davide. Viele Jahre verbringt er in Neapel. Er wird Schauspieler und ist dennoch nicht glücklich. Eines Tages gelingt es ihm, Teresa wiederzufinden. Doch auch sie ist ihm fremd geworden. Als er in das Dorf seiner Heimat zurückkehrt, begegnet er Nicolas. Die Rollen sind vertauscht und dennoch ist die Nähe wieder da. Doch die gemeinsame Zeit ist nur kurz. Ein bewegend geschriebener Roman, bei dem jeder Satz und jedes Wort auf den Punkt gebracht ist. So werden aus kleinen, alltäglichen Begebenheiten, besondere Momente. Ich glaube mich als Leser beinahe als stiller Beobachter, der den Figuren sehr nahe kommt. Insbesondere Davide beeindruckt mich, mit seiner Stärke und dem Willen, sein Leben eigenmächtig zu verändern. Ein Buch, das noch lange nachwirken wird.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Endlich wieder Kommissar Dühnfort

Der Spieler
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Ich habe mich sehr auf den neuen Dühnfort-Krimi von Inge Löhnig gefreut. Und schon mit den ersten Seiten hat er mich wieder. Der charmante Kommissar ist einfach sympathisch. Die kleinen Randgeschichten ...

Ich habe mich sehr auf den neuen Dühnfort-Krimi von Inge Löhnig gefreut. Und schon mit den ersten Seiten hat er mich wieder. Der charmante Kommissar ist einfach sympathisch. Die kleinen Randgeschichten vom besten Kaffee, dem Bummel über den Viktualienmarkt und den Vorbereitungen des Abendessens in der schönen Wohnung im Glockenbach-Viertel verstärken das heimelige München-Gefühl. Dennoch kommt auch dieses Mal die Spannung nicht zu kurz. Dühnfort ermittelt auf eigene Faust verschiedene Mordfälle, die wie Unfälle oder Selbstmord aussehen, aber die eine kleine Spielkarte am Tatort verbindet. Keiner will einen Zusammenhang sehen und so legt Tino allein los. Die Rolle des einsamen Ermittlers, der auch mal aneckt steht ihm irgendwie. Generell scheint eine gewisse Unruhe und Unzufriedenheit den sonst so ausgeglichenen Kommissar umzutreiben. Ist es das Alter? Der Job, der sich in einer Sackgasse befindet? Oder der unfreiwillige Wechsel der Wohnung? Dass es mit Gina mal nicht so einvernehmlich läuft, finde ich ganz kurzweilig. Es bringt etwas Schwung in die schon etwas eingeschlafene private Geschichte um Tinos Liebesleben. Der Fall an sich ist äußerst spannend und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Aus der Ermittlersicht, der Perspektive der Aussteigerin Jasmin, bei der alle Fäden zusammenzulaufen scheinen und aus der Perspektive eines Opfers. So wird das Rätselraten um den Spieler besonders spannend. Letztlich ist mir Jasmin etwas zu stark in viele Details verwoben, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Für mich ein Krimi mit vielen alten Bekannten und ich hoffe, dass es nicht wieder ganz so lange dauert, bis der 11. Teil der Reihe erscheint. Ich freue mich drauf.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Tiefe Einblicke in die marokkanische Geschichte

Schaut, wie wir tanzen
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Der zweite Teil der Familiengeschichte um Mathilde, Amine, Aicha und Selim führt wieder tief in die marokkanische Geschichte und in die schwierige Beziehung zwischen Frankreich und Marokko. Im Mittelpunkt ...

Der zweite Teil der Familiengeschichte um Mathilde, Amine, Aicha und Selim führt wieder tief in die marokkanische Geschichte und in die schwierige Beziehung zwischen Frankreich und Marokko. Im Mittelpunkt steht dieses Mal vor allem Aicha, die in Straßburg Medizin studiert und sich nach und nach von ihrer Familie und dem Land, in dem sie aufgewachsen ist entfernt. Dennoch kehrt sie nach dem Studium nach Marokko zurück und wird Ärztin. Sie lernt Mehdi kennen und verliebt sich in den klugen jungen Mann, der Karl Marx genannt wird. Seine Figur empfinde ich als sehr zwiespältig. Seine einst hohen Ideale zerbröseln nach und nach. Die tragischste Figur ist für mich der Bruder Selim, dem es einfach nicht gelingt, seinen Vater zufriedenzustellen und der sich den Hippies anschließt und in einem wirren Sumpf aus Drogen und Ekstase zu entgleiten droht. Letztlich geht er nach Amerika, viel mehr erfährt man leider nicht. Sehr gut eingefangen ist das Lebensgefühl der jungen marokkanischen intellektuellen Elite in den 70er Jahren. Strandvillen, Partys, lange Gespräche und Alkohol. Keine Existenzängste mehr, Lebensgenuss steht im Mittelpunkt. Die Ehe von Amine und Mathilde hat Bestand, dennoch tut mir Mathilde leid. Sie reibt sich auf für Familie und Haushalt, stärkt ihrem Mann den Rücken und wird dennoch betrogen und belogen. Wie hält sie das aus? Die schwierige politische Situation ist ebenfalls sehr eindringlich beschrieben. Doch leider bleiben mir die Figuren ein wenig fremd, sie berühren mich nicht so sehr wie im ersten Teil. Ich folge ihrem Weg zwar interessiert, aber etwas teilnahmslos. Der Schreibstil selbst gehört mir jedoch sehr gut. Bildhaft und detailreich, ohne ausschweifend und blumig zu sein.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Raffiniert geschrieben

Going Back – Wo fing das Böse an?
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Ein wirklich ungewöhnlicher, raffiniert konstruierter Thriller, den ich von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen konnte. Jens Sohn Todd begeht einen Mord. Von einer Minute auf die andere bricht ...

Ein wirklich ungewöhnlicher, raffiniert konstruierter Thriller, den ich von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen konnte. Jens Sohn Todd begeht einen Mord. Von einer Minute auf die andere bricht Jens gewohntes Leben zusammen. Um zu ergründen, warum es zu dieser Tat kommen konnte, tritt Jen eine Reise in die Vergangenheit an. Zugegeben, dieser Punkt war mir erst etwas suspekt, zu phantastisch. Der Autorin gelingt es aber, dass man sich schnell in die Zeitreise einfindet. Schon nach wenigen Kapiteln war das befremdete Gefühl weg und ich konnte mich auf die rückwärts erzählte Handlung einlassen. Dabei ertappe ich mich von Zeit zu Zeit wie ich etwas ungeduldig werde und endlich den Grund der Katastrophe erfahren möchte. Aber Weiterblättern kommt nicht in Frage. Jen versucht Stück für Stück in ihrer Vergangenheit nach Anzeichen und Weggabelungen zu suchen, die zum Mord führten. Dabei deckt sie Geheimnisse auf, die ihr gesamtes Leben ins Wanken bringen. Die Charaktere sind sehr interessant und facettenreich, haben Ecken und Kanten und sind dennoch sehr nahbar. Todd in seiner jugendlichen Verwirrung, dem Suchen und Finden. Kelly, Jens Mann, der etwas scheu und abweisend wirkt. Unterbrochen wird die Handlung von der Perspektive des Polizisten Ryan, ebenfalls eine sehr sympathische Figur. Letztlich führen alle Fäden zusammen und es entwirrt sich ein Puzzle von Lügen, Verbrechen und Geheimnissen, die jahrelang im Verborgenen schlummerten. Was mich an diesem Buch besonders fasziniert und während des Lesens begeisterte, ist der Schreibstil und das Vermögen die vielen Fäden und Zeitebenen so übereinander zu legen, dass letztlich ein komplettes Bild entsteht und man sich nicht verliert oder die Handlung unlogisch wird. Das ist wunderbar gelungen. Man muss sich etwas auf diesen Thriller einlassen, wird dann aber mit einem ganz besonderen Leseerlebnis überrascht und belohnt.

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