Profilbild von Corinne

Corinne

Lesejury Star
online

Corinne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Corinne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2025

Leise Töne, die lange nachhallen

Das Geschenk des Meeres
0

Als nach einem Wintersturm ein kleiner Junge am Strand in Skerry, Schottland im Jahr 1900 aufgefunden wird, wird die Dorflehrerin Dorothy mit dessen Pflege bis zur Aufklärung seiner Herkunft betraut. Diese ...

Als nach einem Wintersturm ein kleiner Junge am Strand in Skerry, Schottland im Jahr 1900 aufgefunden wird, wird die Dorflehrerin Dorothy mit dessen Pflege bis zur Aufklärung seiner Herkunft betraut. Diese ist hin- und hergerissen, sieht er doch ihrem eigenen Sohn so unfassbar ähnlich und ist auch noch im selben Alter wie damals, als er spurlos verschwand. Niemand weiß, was damals geschah und nicht nur bei Dorothy werden alte Wunden aufgerissen…



Schon auf den ersten Seiten zog mich Julia R. Kelly mit ihrer ruhigen, beinahe unaufgeregten Sprache in eine karge, aber umso intensivere Atmosphäre hinein. Es ist dieses Understatement, das die gesamte Geschichte so kraftvoll machte: leise Töne, die lange nachhallen.

Die Handlung wechselte zwischen Vergangenheit und Gegenwart und den einzelnen Figuren, was einen interessanten Spannungsbogen schaffte. Nach und nach entfalteten sich Schicksale, die zutiefst tragisch und dabei doch greifbar menschlich waren. Im Mittelpunkt dabei stand stets Dorothy: Eine Frau, die doppelt fremd bleibt - als Zugezogene in einem Dorf, das sie nie wirklich aufgenommen hat, und als Mutter, die ihren Sohn nicht nur verloren hat, sondern bis heute nicht weiß, was damals wirklich geschehen ist.

Die Figuren sind allesamt komplex und vielschichtig. Selbst Nebenfiguren ließen sich nicht einfach als Antagonisten abstempeln. Die Autorin schaffte es, bei aller Tragik, Mitgefühl oder zumindest Verständnis für alle Figuren zu wecken, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen konnte. Die Dorf„Idylle“ entpuppte sich daher schnell als klaustrophobischer Kosmos, in dem jeder über jeden redet, aber niemand miteinander.

Sprachlich erinnerte mich „Das Geschenk des Meeres“ etwas an „Der Gesang der Flusskrebse“. Es ist diese stille Kraft, die aus detaillierten Landschaftsbeschreibungen, zarten Gefühlen und kleinen Momenten eine ganze Welt baut. Der Autorin ist es gelungen, ihre Geschichte ruhig zu erzählen, ohne dass je Langeweile aufkommt. Die Spannung lag dabei im Kleinen, im Ungesagten. Nur der ein oder andere mystisch-sagenbestimmte Moment hätte für mich ausbleiben können. Dennoch passte der mythische Aberglauben zum schottischen Dorfvolk.

Trotz aller Trostlosigkeit blieb das Ende für meinen Geschmack versöhnlich und dennoch glaubwürdig: keine heile Welt, kein unverdientes Happy End – aber ein Funken Hoffnung, der noch nachhallte.

Fazit: Mich hat das Buch sehr bewegt. Mit seinen tragischen Figuren, seiner atmosphärischen Dichte und der unaufdringlichen, aber eindringlichen Sprache. Ein stilles, trauriges, wunderschönes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Schwarzes Schaf

Preston Brothers, Band 2 - Losing Logan
0

"Losing Logan" ist der zweite Teil der Preston-Brothers Trilogie von Jay McLean. Logan Preston ist der mittlere Bruder und fällt bisher durch sein Bady Boy-Verhalten auf und hat an jedem Finger in Mädchen. ...

"Losing Logan" ist der zweite Teil der Preston-Brothers Trilogie von Jay McLean. Logan Preston ist der mittlere Bruder und fällt bisher durch sein Bady Boy-Verhalten auf und hat an jedem Finger in Mädchen. Die Papeterie-Besitzern Aubrey lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und so haben die beiden zunächst nur Beschimpfungen füreinander übrig. Als Logan ihr jedoch in kurzen Momenten sein wahres Ich zeigt, kommen sich die beiden näher und es entsteht eine Liebesbeziehung mit extremen Hochs und Tiefs.

"Losing Logan" hat mich ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen zurückgelassen – und genau das macht es für mich auch besonders. Ich war anfangs extrem skeptisch, ob ich mit Logan warm werden kann. Schon in Band 1 war er für mich einfach nur der nervige Bruder von Lucas. Denn mit seinen ständigen Drogeneskapaden, seinem verantwortungslosen und egoistischen Verhalten war er eigentlich genau der Typ Charakter, der mich eher abschreckt als begeistert.

Umso überraschter war ich, dass ich im Laufe des Buches doch immer wieder Momente gefunden habe, in denen Logan mich berührt hat. Seine süßen, verletzlichen Seiten, die er vor allem Aubrey gegenüber zeigte, haben mich manches Mal dahinschmelzen lassen. Die beiden haben zusammen wirklich schöne, intime Szenen – aber gleichzeitig gab es auch so viel Drama, das mir stellenweise zu übertrieben war. Die Konflikte kochten mir oft zu schnell zu hoch, die Emotionen schossen in Extreme, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Erst ganz am Ende wird aufgelöst, warum Logan so ist, wie er ist – warum er sich betäubt, warum er flieht. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich manches sicher anders gelesen und weniger die Augen verdreht.

So sehr ich mir zwischendurch mehr Tiefe gewünscht hätte, so sehr hat mich Jay MacLeans Schreibstil trotzdem gefesselt. Ihre Worte ziehen einen einfach weiter, Seite um Seite, egal wie widersprüchlich und problematisch die Figuren in meinen Augen handeln. Trotz mancher Längen und wiederkehrender Streitereien wollte ich stets wissen, wie es ausgeht.

Die emotionale Wucht am Ende hat vieles wieder gutgemacht. Manche Szenen haben mich wirklich berührt und mitgenommen. Besonders ins Herz geschlossen habe ich Lochlane, den jüngsten Preston-Bruder, der so viel Wärme und Leichtigkeit in die Geschichte bringt. Seine Szenen waren für mich kleine Highlights.

Insgesamt bin ich inhaltlich zwiegespalten – es gab einiges, das ich hinterfragt habe, aber am Ende überwiegt dieses Gefühl, dass ich doch unbedingt weiterlesen möchte. Band 3 kann kommen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Diffuser Magienebel

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
0

Inhalt: Die junge Charlotte erhält die Chance ihres Lebens, als sie als Varietétänzerin im sagenumwobenen Luxushotel Lichtenstein anfangen kann, einem berauschenden Ort voller Spektakel und Magie, zu dem ...

Inhalt: Die junge Charlotte erhält die Chance ihres Lebens, als sie als Varietétänzerin im sagenumwobenen Luxushotel Lichtenstein anfangen kann, einem berauschenden Ort voller Spektakel und Magie, zu dem nur die Reichen und Mächtigen Zutritt haben – und nun auch Charlie. Sie will auf den verzückenden Bällen tanzen, auf denen Wünsche wahr werden, denn für ihren geheimen Herzenswunsch ist sie bereit, jeden Preis zu zahlen. Doch für den Besuch der magischen Bälle braucht sie eine Begleitung – wie (un)glücklich, dass sie auf den schweigsamen Showboxer Willem trifft. Willem ergreift seine Chance, sich auf die lasterhaften Tanzbälle einzuschleusen. Denn er weiß, dass die Magie des Hotels diabolisch ist. Menschen verschwinden, wie einst sein Bruder, den er finden will. Auf den Bällen wird die große Liebe exzessiv gefeiert, doch endet stets in einer Tragödie. Willem muss alles riskieren, doch unter keinen Umständen sein Herz …


Ein Hotel wie aus den goldenen Zwanzigern, geheimnisvolle Flure, flüsternde Türen – und mittendrin zwei Figuren, die mich fasziniert, aber nie ganz eingefangen haben.

„Glory of Broken Dreams“ ist Teil 1 einer neuen Dilogie von Ruby Braun und hat mich anfangs sofort gepackt. Dieses schillernd-verblasste Hotel-Setting, die wechselnden Perspektiven zwischen William und Charlotte, das alles hatte etwas Unwirkliches, fast Magisches. Sogar der Buchschnitt ist ulkig – zerfasert, wie die Geschichte selbst. Und genau das wurde für mich leider zum Problem: Was zuerst wie ein spannender Nebel wirkte, wurde mit der Zeit einfach nur diffus.

Ich habe mich bemüht, William näherzukommen, weil er noch am greifbarsten war, aber er blieb so verschlossen, dass ich ihn kaum fassen konnte. Charlotte wiederum hätte mich vielleicht berühren können, doch ihr rücksichtsloser Drang nach Ruhm hat mich eher abgestoßen als mitgerissen. Ihre Liebesbeziehung mit William kam zudem für meinen Geschmack zu plötzlich, auch wenn die Anziehung vorher dargestellt wurde.

Am meisten mochte ich Wanda, Charlottes Schwester: stark, klug, loyal. Bei ihr hatte ich endlich das Gefühl, jemanden zu verstehen, allerdings blieb sie als Nebenfigur eher untergeordnet. Umso mehr freue ich mich, dass sie im zweiten Band eine größere Rolle spielen soll.

Was mich am meisten enttäuscht hat, war, dass das Geheimnisvolle nicht zu einem befriedigenden Ziel führte. Statt Antworten zu bekommen, fehlte mir der rote Faden, es wurde alles nur verworrener, bis ganz am Ende endlich etwas Aufklärung über die Magie ins Spiel kam – und dann kam der böse Cliffhanger.

Trotzdem: Irgendwas lässt mich nicht los. Vielleicht ist es genau dieses Unvollständige, das mich doch weiterlesen lässt. Ich hoffe sehr, dass Band 2 den roten Faden aufnimmt, mich endlich das große Ganze sehen und verstehen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Melancholisch-dramatischer Sommer in Cape Cod

Variation – Für immer oder nie
0

Um von einer schweren Verletzung zu regenerieren, verschwindet Balletttänzerin Allie von New York in das Sommerhaus ihrer Familie in Cape Cod. Doch statt Ruhe trifft sie auf Chaos und ihren ehemals besten ...

Um von einer schweren Verletzung zu regenerieren, verschwindet Balletttänzerin Allie von New York in das Sommerhaus ihrer Familie in Cape Cod. Doch statt Ruhe trifft sie auf Chaos und ihren ehemals besten Freund Hudson, der sie vor 10 Jahren im Stich ließ. Doch schnell kommt neben Wut und Verletztheit auch die alte Anziehung wieder zutage und Allie steht vor der Frage, was sie sich im Leben eigentlich wünscht.

Rebecca Yarros hat einfach einen ganz besonderen Schreibstil, der mich auch mit Variation sofort wieder mitten ins Geschehen gezogen hat. Ihr dichtes, atmosphärisches Erzählen und die feine Melancholie, die über der Handlung liegt, haben mich von Beginn an gepackt. Die Küstenkulisse von Cape Cod, die Themen Ballett und Rettungsschwimmer - all das sind Themen, die mich ansprechen und gaben dem Roman eine besondere Stimmung, die ich sehr genossen habe.

Die Handlung selbst war für mich stellenweise etwas vorhersehbar, denn einige Geheimnisse konnte man recht früh erahnen, auch wenn die Autorin glücklicherweise nicht endlos mit den Auflösungen wartete. Dennoch blieben ein paar offene Fragen und überraschende Wendungen, die mich neugierig gehalten haben und zum Ende hin zufriedenstellend aufgelöst wurden.

Die Figuren haben mich größtenteils überzeugt. Die männliche Hauptfigur Hudson habe ich direkt ins Herz geschlossen: ein guter Kerl mit einem weichen Herzen, auf den seine Familie sich verlassen kann. Bei der Protagonistin Allie brauchte ich hingegen etwas länger, um warm zu werden. Ihre kühle Fassade fiel erst nach und nach und sie schien mir mit ihren Zweifeln teilweise etwas zu sprunghaft und nervte mich daher etwas. Am schönsten fand ich allerdings die Entwicklung ihrer Beziehung zu Hudson: Sie waren zusammen wirklich süß, sobald Allie es schaffte, sich mal fallen zu lassen. Die zu Beginn entstandene Fake-Dating-Idee zwischen Allie und Hudson konnte mich hingegen nicht ganz überzeugen. Für mich wirkte sie nicht immer schlüssig, da eine normale Freundschaftsgeschichte meiner Meinung nach genauso gut funktioniert hätte. Zum Glück blieb es nicht beim typischen Klischee, weil Hudson von Anfang an ehrlich war und keine Lügen zuließ - so wirkte die Konstellation glaubwürdiger und passte besser zur eher ernsten Grundstimmung der Geschichte.

Hudsons Nichte Juniper war für mich der eigentliche Mittelpunkt des Romans. Mit ihrer fröhlichen Art, ihrer Tapferkeit und ihrem Humor hat sie der Geschichte Leichtigkeit verliehen. Ohne sie wäre die Handlung deutlich eintöniger gewesen. Einige Nebenfiguren, gerade aus dem Ballettzirkel, blieben für mich dagegen zu blass. Das fand ich schade, da sie letztlich doch eine größere Rolle spielten.

Insgesamt hat mir Variation gut gefallen, auch wenn ich finde, dass die über 500 Seiten etwas gestrafft hätten werden können. Die Grundhandlung ist eigentlich schlicht, aber die Atmosphäre, die Themen und vor allem Rebecca Yarros’ Schreibstil machen den Roman zu einem echten Pageturner. Ihre Fantasy-Romane beeindrucken mich inhaltlich noch mehr, aber auch hier zeigt sie, wie stark sie Emotionen transportieren kann.

Fazit: Für Fans von gefühlvollen Liebesromanen mit etwas Drama, einem Schuss Melancholie und liebenswerten Figuren ist Variation auf jeden Fall eine Empfehlung, auch wenn die ganz große Tiefe eines Cecilia-Ahern-Romans für mich nicht erreicht wurde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2025

Rechtsmedizin im Jahr 1886

Der Dienstmädchenmörder
0

Inhalt: München, 1886. Der Pathologe und begeisterte Amateurdetektiv Hajo von Zündt obduziert mit Hilfe seiner jungen Assistentin Charlotte Brauchitsch eine Leiche – und stellt fest, dass die Frau ermordet ...

Inhalt: München, 1886. Der Pathologe und begeisterte Amateurdetektiv Hajo von Zündt obduziert mit Hilfe seiner jungen Assistentin Charlotte Brauchitsch eine Leiche – und stellt fest, dass die Frau ermordet wurde. Die Polizei hat mit dem Verlobten der Toten schnell einen Verdächtigen im Visier, doch Hajo glaubt nicht an dessen Schuld. Unter Einsatz neuester kriminologischer Methoden folgen er und Charlotte einer Spur, die tief in ein nahes Moor und in höchste adelige Kreise führt.

Mit "Der Dienstmädchenmörder" entführt Walter Christian Kärger seine Leser ins München des Jahres 1886 — ein Setting, das er atmosphärisch dicht und historisch überzeugend zeichnet. Die damalige Zeit wird nicht nur durch die detailreiche Schilderung der Umgebung und Verhältnisse, in der sich die Figuren bewegen, sondern auch durch spannende Fakten zur Rechtsmedizin und deren Weiterentwicklung durch die Hauptfigur Hajo von Zündt lebendig vermittelt.

Besonders gelungen fand ich die drei befreundeten bzw. miteinander verwandten Hauptfiguren, die sich deutlich voneinander abheben und die Geschichte tragen. Sie sind mir direkt ans Herz gewachsen und ich freue mich, dass es sich hierbei um einen Serienauftakt handelt. So werde ich die Figuren hoffentlich noch über längere Zeit begleiten können. Die Handlung selbst ist fesselnd und gut konstruiert, auch wenn sich der Showdown am Ende für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge zog und prägnanter hätte ausfallen dürfen.

Ich habe den Roman als Hörbuch, gelesen von Fynn Engelkes, gehört und fand die Umsetzung sehr angenehm.

Insgesamt hat mich "Der Dienstmädchenmörder" bestens unterhalten und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, die am Ende bereits angedeutet wurde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere