Sommer der Veränderungen
Du hast noch einen Sommer, sagt der TodAlba ist eine sehr introvertierte junge Frau, die ihr Leben eher an sich vorbeiziehen lässt als es aktiv zu gestalten. Ihre Unsicherheiten und Ängste hemmen sie dabei, ihren Lebenstraum vom Singen auf ...
Alba ist eine sehr introvertierte junge Frau, die ihr Leben eher an sich vorbeiziehen lässt als es aktiv zu gestalten. Ihre Unsicherheiten und Ängste hemmen sie dabei, ihren Lebenstraum vom Singen auf Bühnen zu verfolgen. Als ihr eines Tages der Tod in Form einer Steckdose erscheint und ihr sagt, dass sie am Ende des kommenden Sommers sterben wird, muss Alba endlich das tun, was ihr am meisten Angst bereitet: Leben.
Mir hat der Roman insgesamt gut gefallen. Die Ich-Perspektive der weiblichen Hauptfigur Alba sorgte dafür, dass ihre Ängste auf mich direkt greifbar wirkten und sie zu einer Figur machten, mit der ich schnell mitfühlen konnte. Auch, wenn ihr Verhalten stellenweise sehr zurückhaltend und fast schon resigniert erschien.
Das Setting in Berlin im Sommer empfand ich als gut gewählt und so kam ich schnell in ein sommerliches Gefühl trotz aktuell doch eher kühler Temperaturen. Ein echtes Highlight waren für mich aber die Begegnungen mit dem Tod, der auf kreative und teils humorvolle Weise in Erscheinung trat. Ob als Steckdose, Gitarre oder Ohrring: Diese Szenen brachten Leichtigkeit in eine ansonsten eher nachdenkliche Geschichte und sorgten für einige wirklich unterhaltsame Momente mit Schmunzelfaktor.
Auch die Nebenfiguren trugen wesentlich zur Handlung bei: Rei als loyale beste Freundin und Marlon als sanfter, etwas esoterischer Gegenpol zu Alba. Besonders die Entwicklung zwischen Alba und Marlon empfand ich als ruhig, gefühlvoll und angenehm unkitschig erzählt. Diese Szenen habe ich besonders genossen und hätte von Marions Sanftheit auch noch 100 Seiten mehr in mich aufgesogen. Andere Momente und Konfrontationen im Roman mit weiteren Figuren wirkten auf mich hingegen stellenweise leider etwas gestelzt oder zu glatt und ließen es an der Tiefe vermissen, die stets zwischen Alba und Marlon aufkam.
Der Schreibstil war insgesamt flüssig, auch wenn die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu Beginn für mich etwas verwirrend waren. Die Entwicklung von Alba erfolgte jedoch glaubwürdig und Schritt für Schritt, ohne zu überstürzt zu wirken – auch wenn das Tempo gegen Ende etwas anzog und manche Konflikte vergleichsweise schnell aufgelöst wurden.
Besonders gelungen war in meinen Augen die zentrale Botschaft des Romans: das Leben bewusst wahrzunehmen, Ängste zu überwinden und den eigenen Weg zu finden. Trotz kleiner Schwächen in der Tiefe einzelner Handlungsstränge bleibt bei mir insgesamt ein warmes, hoffnungsvolles Gefühl eines fast endlosen Sommers zurück.