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Veröffentlicht am 17.05.2026

Sommer der Veränderungen

Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod
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Alba ist eine sehr introvertierte junge Frau, die ihr Leben eher an sich vorbeiziehen lässt als es aktiv zu gestalten. Ihre Unsicherheiten und Ängste hemmen sie dabei, ihren Lebenstraum vom Singen auf ...

Alba ist eine sehr introvertierte junge Frau, die ihr Leben eher an sich vorbeiziehen lässt als es aktiv zu gestalten. Ihre Unsicherheiten und Ängste hemmen sie dabei, ihren Lebenstraum vom Singen auf Bühnen zu verfolgen. Als ihr eines Tages der Tod in Form einer Steckdose erscheint und ihr sagt, dass sie am Ende des kommenden Sommers sterben wird, muss Alba endlich das tun, was ihr am meisten Angst bereitet: Leben.

Mir hat der Roman insgesamt gut gefallen. Die Ich-Perspektive der weiblichen Hauptfigur Alba sorgte dafür, dass ihre Ängste auf mich direkt greifbar wirkten und sie zu einer Figur machten, mit der ich schnell mitfühlen konnte. Auch, wenn ihr Verhalten stellenweise sehr zurückhaltend und fast schon resigniert erschien.

Das Setting in Berlin im Sommer empfand ich als gut gewählt und so kam ich schnell in ein sommerliches Gefühl trotz aktuell doch eher kühler Temperaturen. Ein echtes Highlight waren für mich aber die Begegnungen mit dem Tod, der auf kreative und teils humorvolle Weise in Erscheinung trat. Ob als Steckdose, Gitarre oder Ohrring: Diese Szenen brachten Leichtigkeit in eine ansonsten eher nachdenkliche Geschichte und sorgten für einige wirklich unterhaltsame Momente mit Schmunzelfaktor.

Auch die Nebenfiguren trugen wesentlich zur Handlung bei: Rei als loyale beste Freundin und Marlon als sanfter, etwas esoterischer Gegenpol zu Alba. Besonders die Entwicklung zwischen Alba und Marlon empfand ich als ruhig, gefühlvoll und angenehm unkitschig erzählt. Diese Szenen habe ich besonders genossen und hätte von Marions Sanftheit auch noch 100 Seiten mehr in mich aufgesogen. Andere Momente und Konfrontationen im Roman mit weiteren Figuren wirkten auf mich hingegen stellenweise leider etwas gestelzt oder zu glatt und ließen es an der Tiefe vermissen, die stets zwischen Alba und Marlon aufkam.

Der Schreibstil war insgesamt flüssig, auch wenn die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu Beginn für mich etwas verwirrend waren. Die Entwicklung von Alba erfolgte jedoch glaubwürdig und Schritt für Schritt, ohne zu überstürzt zu wirken – auch wenn das Tempo gegen Ende etwas anzog und manche Konflikte vergleichsweise schnell aufgelöst wurden.

Besonders gelungen war in meinen Augen die zentrale Botschaft des Romans: das Leben bewusst wahrzunehmen, Ängste zu überwinden und den eigenen Weg zu finden. Trotz kleiner Schwächen in der Tiefe einzelner Handlungsstränge bleibt bei mir insgesamt ein warmes, hoffnungsvolles Gefühl eines fast endlosen Sommers zurück.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Im Schatten des Künstlers

The Artist
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Im Mittelpunkt von "The Artist" von Lucy Steeds stehen drei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der gefeierte, aber schwer zugängliche, cholerische Künstler Edouard Tartuffe, seine zurückhaltende ...

Im Mittelpunkt von "The Artist" von Lucy Steeds stehen drei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der gefeierte, aber schwer zugängliche, cholerische Künstler Edouard Tartuffe, seine zurückhaltende Nichte Ettie und ein junger Journalist Joseph aus England. Im Jahr 1920 reist Joseph nach Südfrankreich, um ein Interview von Edouard Tartuff "Tata" zu erlangen. Vor Ort wird er nicht sonderlich warmherzig empfangen, doch der Maler engagiert ihn als Modell für sein neuestes Bild "Junger Mann mit Orange". Nach und nach lernt Joseph den Maler und seine Nichte näher kennen und deckt ein großes Geheimnis auf, das die Zukunft der beiden vollkommen verändern könnte...

"The Artist" hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen. Besonders beeindruckt hat mich dabei der bildhafte, sinnliche Schreibstil: Farben, Gerüche und Details wurden von der Autorin so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst Teil der Szenerie zu sein.

Im Fokus stand neben der Malerei stets die außergewöhnliche Konstellation rund um Tata, Ettie und Joseph. Die wirklich spannende Dynamik, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter verdichtete, hat mich das Buch zeitweise nicht mehr aus der Hand legen lassen. Während der Künstler Tata mit seiner cholerischen, dominanten Art schnell aneckte, wuchs mir vor allem die Nichte Ettie ans Herz. Ihre Situation war berührend und warf viele Fragen auf – über Selbstbestimmung, Abhängigkeit und die Möglichkeiten, ein eigenes Leben zu führen. Auch Joseph empfand ich als eine interessante Figur, deren persönliche Geschichte nach und nach mehr Raum einnahm und zusätzliche Tiefe in den Roman brachte. Besonders zu Beginn erinnerte er mich an ein kleines Küken, das aus dem Nest gefallen ist. Man musste ihn einfach gern haben.

Die wechselnden Perspektiven zwischen Joseph und Ettie erzeugten einen intensiven Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Figuren. Aus Dritter Hand erfuhr man so von Tata, der bei mir ziemlich schnell an Sympathie verlor. Unterschwellig herrschte stets eine subtile, aber durchgehende Spannung vor, die auch ruhigere Passagen trug.

Atmosphärisch überzeugte der Roman mich sehr, denn die Schauplätze, insbesondere die südfranzösische Umgebung, wurden eindrucksvoll eingefangen. Einzelne Szenen – etwa auf einem Markt beim Kauf von Obst oder in emotional aufgeladenen Momenten – blieben mir lange und bildlich im Gedächtnis.

Trotz der eher ruhigen Handlung entwickelte die Geschichte eine starke Sogwirkung, die vor allem aus der Beziehung zwischen den Figuren und der unausgesprochenen Spannung entstand. Doch im letzten Abschnitt hätte ich mir stellenweise deutlich mehr Raum und Ausarbeitung gewünscht. Denn der Roman endete sehr abrupt, was nicht etwas enttäuschte.

Insgesamt ist "The Artist" ein stilistisch sehr starker, atmosphärischer Roman, der mich weniger durch große Handlungssprünge als durch Figuren, Sprache und Stimmung überzeugte.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Ganz viel Herz

The Girls Ghostbusting Agency – Kooky Spooky Love
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Mit "Kooky Spooky Love" liefert Josie Silver einen wunderbar unterhaltsamen zweiten Band, der erneut über klassische Cozy Fantasy hinausgeht und der Reihe "The Girls Ghostbusting Agency" ihren ganz eigenen ...

Mit "Kooky Spooky Love" liefert Josie Silver einen wunderbar unterhaltsamen zweiten Band, der erneut über klassische Cozy Fantasy hinausgeht und der Reihe "The Girls Ghostbusting Agency" ihren ganz eigenen Charme verleiht. Diesmal verschlägt es Geisterseherin Melody Bittersweet und ihre kleine, liebgewonnene Geisterbefreier-Truppe (bestehend aus ihrer besten Freundin Marina und dem herzallerliebsten Azubi Art) in ein Schloss, das für Dreharbeiten von Geistern befreit werden soll. Was zunächst nach einem routinierten Auftrag klingt, entwickelt sich schnell zu einer emotionalen Herausforderung: Melody, sonst stark auf ihr Bauchgefühl vertrauend, hat plötzlich Schwierigkeiten, Zugang zu den Geistern zu finden. Zusätzliche Probleme entstehen durch die erzwungene Zusammenarbeit mit ihrem Ex-Freund Leo, der sich ausgerechnet in einen der Geister verliebt, wodurch Chaos und Drama natürlich vorprogrammiert sind. Und auch Journalist Fletcher ist wieder mit von der Partie und sorgt wieder für knisternde Spannung: Obwohl er weiterhin nicht so recht an Melodys Fähigkeiten glauben will, kann er seine Anziehung zu ihr nicht mehr leugnen.

Mich konnte der Roman wieder sehr begeistern. Die Handlung schritt angenehm und konstant voran, ohne zu hetzen. Besonders gelungen fand ich dabei aber die Weiterentwicklung der Figuren. Melody und Fletcher durchliefen eine glaubhafte, ruhige Entwicklung, die sich für mich organisch anfühlte und vor allem nicht überstürzt wirkte. Es gab insbesondere einen sehr persönlichen Moment von Fletcher, in dem er erstmals hinter die Fassade blicken ließ, was mich wahnsinnig begeisterte.

Auch emotional traf das Buch viele richtige Töne. Es gab romantische und leicht „spicy“ Momente, die auf mich jedoch nie übertrieben wirkten, sondern sich harmonisch in die Geschichte einfügten. Der Humor kam ebenfalls nicht zu kurz und ich empfand ihn wieder als subtil, charmant und mit viel Herz statt plumpem Klamauk.

Ein kleines Highlight war für mich erneut Azubi Art. Auch wenn er gefühlt diesmal etwas weniger vorkam als im ersten Band, hatte er wieder einige Szenen, die mich gleichzeitig berührten und zum Schmunzeln brachten. Er ist und bleibt einfach eine der liebenswertesten Figuren der Reihe!

Insgesamt hat mich Band 2 "Kooky Spooky Love" mit seinem einzigartigen Mix aus Humor, Herz und einem leichten Ghostbuster-Vibe – allerdings ohne überdrehten Slapstick, sondern mit viel Gefühl - wieder überzeugen können. Umso größer ist meine Vorfreude auf Band 3 und gleichzeitig die Wehmut darüber, dass die Reihe nur als Trilogie angelegt ist!

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Emotionale Distanz

Seamere College 1. Strange Familiars
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Der Auftakt von "Strange Familiars" von Keshe Chow bot eine spannende Grundidee: Magische Tiermedizin, rivalisierende Studierende und mysteriöse, gefährliche Entladungen. Die Handlung rund um Harrisford ...

Der Auftakt von "Strange Familiars" von Keshe Chow bot eine spannende Grundidee: Magische Tiermedizin, rivalisierende Studierende und mysteriöse, gefährliche Entladungen. Die Handlung rund um Harrisford und Gwendolynne, die am Seamere College studieren und gezwungen sind, zusammenzuarbeiten, um die Ursache für die magischen Entladungen zu finden, hatte definitiv Potenzial. Doch leider wurde dies nicht ganz so umgesetzt, wie ich erhofft hatte.

Denn ich hatte große Schwierigkeiten, emotional wirklich in die Geschichte einzutauchen. Obwohl das Buch aus wechselnden Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählt wird, blieb eine echte Verbindung zu Harrisford und Gwendolynne für mich aus. Ich konnte nicht richtig mitfühlen, was dazu führte, dass mich die Handlung insgesamt weniger gefesselt hat, als ich es mir gewünscht hätte.

Die Dynamik zwischen Harrisford und Gwendolynne wurde als Enemies-to-Lovers angelegt, und gerade der „Enemies“-Teil kam auch gut zur Geltung. Die Entwicklung hin zur romantischen Ebene hingegen konnte mich weniger überzeugen. Dafür fehlte mir spürbare emotionale Nähe und vor allem Kommunikation zwischen den beiden. Hier wäre in meinen Augen deutlich mehr möglich gewesen.

Ein Kritikpunkt, der für mich dabei besonders herausstach, war eine Szene gegen Ende: Gwendolynne trifft eine Entscheidung, die zwar riskant für sie ist, aber dennoch ihre eigene. Dass Harrisford sich darüber hinwegsetzte und eigenmächtig eingriff, wirkte auf mich problematisch und hat mich aus der Geschichte gerissen. Solche Momente nehmen der weiblichen Figur ihre Handlungsmacht – und das fühlte sich für mich unnötig und frustrierend an!

Auch die titelgebenden „Familiars“, insbesondere der Kater Percy, kamen mir insgesamt zu kurz. Gerade hier hätte ich mir mehr Beschreibungen, mehr Interaktion und mehr emotionale Bindung gewünscht. Das gleiche gilt für die Nachwirkungen der tiermedizinischen Fälle, die oft nur angerissen wurden.

Dennoch gab es positive Aspekte, wie, dass die Geschichte sich nicht ausschließlich auf die Romance konzentrierte, sondern die Haupthandlung klar im Fokus blieb. Auch der tiermedizinische Aspekt wirkte auf mich gut recherchiert und überzeugend umgesetzt, was dem Setting eine glaubwürdige Tiefe verlieh. Auch einige der fantasievollen Tierwesen und Szenen konnten mich durchaus begeistern.

Insgesamt hatte das Buch einen gewissen Unterhaltungswert für mich. Es las sich angenehm, und der Cliffhanger am Ende sorgt dafür, dass ich durchaus neugierig bin, wie es weitergeht. Ich werde den zweiten Teil wahrscheinlich lesen oder hören – in der Hoffnung, dass dort mehr emotionale Tiefe und eine stärkere Charakterentwicklung geboten werden!

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Leise und zauberhaft

The House Witch 1
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„The House Witch“ ist ein seltenes Juwel unter den Fantasy-Romanen: entschleunigt, ohne jemals langweilig zu sein, und durchzogen von einer warmen, beinahe greifbaren Wohlfühlatmosphäre. Schon nach wenigen ...

„The House Witch“ ist ein seltenes Juwel unter den Fantasy-Romanen: entschleunigt, ohne jemals langweilig zu sein, und durchzogen von einer warmen, beinahe greifbaren Wohlfühlatmosphäre. Schon nach wenigen Seiten stellte sich bei mir ein Gefühl ein, als würde ich nach Hause kommen. Ein echtes Komfortbuch, das einen aufatmen lässt und sanft in seine Welt hineinzieht.

Im Mittelpunkt stand Finlay, genannt Fin, der als neuer Koch an den Königshof von Daxaria kommt. Anfangs wirkte er verschlossen, beinahe schroff, und zog sich lieber in die Sicherheit der Küche zurück, als sich auf andere Menschen einzulassen. Doch gerade diese leisen, vorsichtigen Entwicklungen machten den Reiz der Geschichte aus: Nach und nach gewann Fin die Herzen des gesamten Hofstaats – und auch meins. ;)

Den Schreibstil der Autorin empfand ich als sehr schön und detailreich, ohne jemals ausufernd zu wirken. Die vielen kleinen Beobachtungen und Beschreibungen verliehen der Welt Tiefe, ohne meinen Lesefluss zu bremsen. Besonders gelungen war auch die Figurenzeichnung – jede Person wirkte lebendig und vielschichtig, und viele von ihnen durchliefen eine glaubwürdige, angenehme Entwicklung.

Erzählt wurde überwiegend aus der dritten Person mit Fokus auf Finlay, ergänzt durch geschickt eingestreute Perspektivwechsel. Kapitel aus der Vergangenheit, Einblicke aus der Sicht seiner Katze Kraken oder sogar zunächst unbekannter Figuren sorgten bei mir für zusätzliche Spannung und Tiefe. So entfaltete sich nach und nach auch das Geheimnis um Fins magische Fähigkeiten.

Ein weiteres Highlight war zweifellos die Kulinarik: Die liebevollen Beschreibungen der Speisen, die Fin durch das Buch hindurch zauberte, machten mich beim Lesen regelrecht hungrig und trugen stark zur gemütlichen Atmosphäre bei. Gleichzeitig blieb die Geschichte nicht nur im Kleinen – im Hintergrund braute sich ein Krieg zusammen, der das Königreich Daxaria bedrohte. Auch hier gelang der Autorin ein schöner Balanceakt zwischen den ruhigen Alltagsmomenten und den größeren politischen Entwicklungen und strategischen Plänen, inklusive Perspektiven der Gegenseite.

Trotz dieser drohenden Gefahr verlor das Buch nie seinen Kern: Es ging um die kleinen Dinge, um zwischenmenschliche Beziehungen und darum, seinen Platz zu finden. Genau das machte für mich den besonderen Charme dieser Geschichte aus.

Auch die äußere Gestaltung des Buches verdient eine Erwähnung: Mit seinem wunderschönen Cover, dem Farbschnitt und den hochwertigen Seiten ist es ein echter Blickfang. Umso erfreulicher, dass auch die inhaltliche Qualität mithalten konnte – das Buch ist sorgfältig lektoriert und überzeugt durch eine saubere Verarbeitung, was für mich letztlich mehr zählt als jede optische Veredelung. Einziges Manko: im Einband hätte ich mir eine Karte der Welt gewünscht, die die geographischen Verhältnisse darstellt. Dies hätte das Leseerlebnis noch weiter abgerundet.

„The House Witch“ ist ein rundum gelungenes Leseerlebnis – warmherzig, ruhig und dennoch fesselnd. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern in dem man sich für eine Weile zuhause fühlt. Es legte sich beruhigend über meine durch den Alltag angespannten Nerven. Die Vorfreude auf den nächsten Roman der Autorin ist entsprechend groß.

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