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Veröffentlicht am 28.05.2019

Ein magisch schöner Dilogie-Auftakt!

Clans of London, Band 1: Hexentochter
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Als mir der Zweiteiler-Auftakt von „Clans of London“ auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, wusste ich einfach sofort, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Zu Hexengeschichten greife ich seit ...


Als mir der Zweiteiler-Auftakt von „Clans of London“ auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, wusste ich einfach sofort, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Zu Hexengeschichten greife ich seit meiner Kindheit unheimlich gerne und das Setting London geht für mich einfach immer. Da mich hier auf Anhieb alles ansprach (das Cover finde ich wunderschön!), wanderte das Buch schleunigst auf meine Wunschliste.

Auf einer Party, zu der ihre beste Freundin Megan sie mitgeschleift hat, lernt Caroline den geheimnisvollen und äußerst attraktiven Ash kennen. Mit seiner selbstverliebten Art kann Caroline zunächst nicht groß etwas etwas anfangen. Er ist in ihren Augen der totale Frauenaufreißer. Durch Ash soll sich ihr Leben aber noch komplett verändern. Durch ihn erfährt Caroline, dass sie eine Hexe ist und Kräfte in ihr schlummern, die noch nicht aktiviert wurden. Sollte sich das bis zu ihrem 18. Geburtstag nicht ändern, wird sie sterben. Allzu viel Zeit bleibt aber leider nicht mehr, denn Caroline wird in wenigen Tagen volljährig werden. Für die Aktivierung ihrer Hexenkräfte wird allerdings die Magie ihrer Eltern benötigt. Eine knifflige Angelegenheit, denn Caroline hat ihre Familie nie kennengelernt und wurde schon als Baby in ein Kinderheim gegeben. Zusammen mit Ash wird sich Caroline auf die Suche nach ihren Eltern begeben. Als wäre dieses Unterfangen nicht schon schwierig genug, beginnen auch noch die mächtigsten Hexenclans Londons Jagd auf die 17-jährige zu machen. Angeblich ist Caroline Teil einer uralten Prophezeiung, deren Erfüllung die Clans unbedingt verhindern wollen...

Ich hatten einen wunderbaren Einstieg in das Buch. Man ist sofort mittendrin im Geschehen und schon nach den ersten Seiten wie gebannt von der Handlung. Von Beginn an ist eine fesselnde Spannung vorhanden, die auch durchweg erhalten bleibt, sodass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Mir hat dieser schöne Dilogie-Auftakt richtig gut gefallen. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich zwar, sodass ich hier leider nicht die volle Sternenzahl vergeben kann, aber wärmstens empfehlen kann ich das Buch natürlich dennoch. Ich bin hier nur so durch die Seiten geflogen und hätte nach dem Beenden am liebsten sofort zu Band 2 gegriffen. Echt schade, dass dieser erst nächstes Jahr erscheinen wird. Auf die Fortsetzung freue ich mich jetzt schon sehr!

Erfahren wir tun wir alles aus der Sicht von Caroline in der Ich-Perspektive. Mit ihr ist Sandra Grauer eine tolle Protagonistin gelungen. Mir war Caroline auf Anhieb sympathisch. Sie ist mutig, selbstbewusst und besitzt so eine schön sarkastische und schlagfertige Art. Ich muss nur gestehen, dass ich Carolines Handeln nicht immer verstanden habe. Besonders bezüglich des Liebes-Hin-und-Hers mit Ash und Henri habe ich ihre Entscheidungen nicht so wirklich nachvollziehen können.

Hier komme ich dann auch zu meinem ersten negativen Kritikpunkt. Mir hat die Dreiecksgeschichte, die im Verlaufe des Buches entsteht, nicht so gut gefallen. Ich empfand sie als etwas störend und zu klischeehaft. In meinen Augen hätte das Buch diese Liebesdreieck nicht gebraucht. Hinzu kommt, dass ich Henri nicht so gerne mochte. Keine Ahnung, er hatte einfach etwas an sich, was mir nicht gefallen hat. Ich war ihm gegenüber beim Lesen irgendwie immer total misstrauisch eingestellt und fand sein Verhalten manchmal ziemlich komisch.

Wen ich dafür umso großartiger fand, war Ash. Ihn fand ich total witzig, charmant und sympathisch. Sein geheimnisvolles Bad Boy-Gehabe hat mich zwar manchmal die Augen verdrehen lassen, aber irgendwie war es auch gerade das, was Ash für mich zu so einem interessanten und aufregenden Charakter gemacht hat. Mir hat es total gut gefallen, dass man Ash öfters überhaupt nicht einschätzen konnte. Das Lesen wird dadurch so herrlich mitreißend.
Sehr gut gefallen hat mir auch das Zusammenspiel von Ash und Caroline. Es sorgt für prickelnde Gänsehaut-Momente und jede Menge breite Schmunzler.

Auch wenn mir das Liebesdreieck nicht so gut gefallen hat, fand ich es dennoch super, dass die Liebe hier eine sehr große Rolle spielt. Mir hätte einfach etwas gefehlt, wenn das Buch keine Lovestory enthalten hätte.
Der Hauptfokus der Handlung liegt aber eindeutig auf dem Fantasyanteil und damit verbunden auf Carolines nicht aktivierter Magie.

Wie oben bereits erwähnt lese ich Hexengeschichten wahnsinnig gerne. Ich bin hier daher ganz auf meine Kosten gekommen, denn es geht hier durchweg magisch zu. Gegenstände werden durch Gedankenkraft bewegt, die Zeit wird beeinflusst (und nicht nur die), Voodomagie kommt zum Einsatz, es werden Zaubertränke gemischt...hach ja, da hat mein hexenbegeistertes Leserherz einen richtigen Hüpfer vor Freude getan. Super fand ich auch die Idee mit den verschiedenen Hexenclans. Da werde ich aber nicht näher ins Detail gehen, ich möchte schließlich nicht zu viel von der Handlung verraten oder spoilern.

Mit der Ausarbeitung des Settings konnte mich Sandra Grauer ebenfalls hellauf begeistern (Kopfkino pur!). London zählt für mich einfach zu meinen liebsten Handlungsorten in Büchern und in Kombination mit Magie und Hexerei finde ich diese coole Stadt ganz besonders faszinierend.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass wir die Geschichte nicht nur ausschließlich aus Carolines Sicht erfahren. Es gibt immer mal wieder kleine Einschübe, bei denen es sich um visionenartige Träume von Caroline handelt. Was genau es mit diesen auf sich hat, erfährt man erst so nach und nach. Fand ich klasse, das Lesen wird dadurch nur noch spannender, da man unbedingt erfahren möchte, was diese merkwürdigen Träume nur zu bedeuten haben.

Was ich ein klein bisschen schade fand, ist, dass manche Dinge dann doch etwas vorhersehbar für mich waren. Man wird im Verlaufe der Geschichte mit jeder Menge offener Fragen konfrontiert und bei manchen hatte ich recht schnell eine Vermutung, wie die Antworten lauten könnten, was sich sich in den meisten Fällen auch als richtig erwiesen hat. Allzu groß gestört hat es mich aber nicht, ich hatte hier dennoch jede Menge Spaß beim Lesen.

Fazit: Spannend, romantisch, magisch schön und fesselnd bis zum Schluss! Mir hat der erste Band von „Clans of London“ richtig gut gefallen. Für volle 5 Sterne hat es mir hier zwar leider nicht gereicht, aber ich kann das Buch natürlich dennoch absolut empfehlen. Die Geschichte, die einen zwischen diesen herrlich schimmernden Buchdeckeln erwartet, lädt durchweg zum Mitfiebern ein und ist in meinen Augen für Hexenfans und Fantasyleser ein großes Muss. Ich bin hier so durch die Seiten geflogen und wäre danach am liebsten sofort in Band 2 abgetaucht. Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 27.05.2019

Berührend, witzig, wunderschön! Ein tolles und ganz besonderes Buch!

Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt
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Als ich das erste Mal auf „Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ gestoßen bin, konnten das wunderhübsche Cover und der originelle Titel meine Neugier sofort wecken. Der Klappentext überzeugte ...

Als ich das erste Mal auf „Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ gestoßen bin, konnten das wunderhübsche Cover und der originelle Titel meine Neugier sofort wecken. Der Klappentext überzeugte mich ebenfalls auf Anhieb, sodass für mich sehr schnell feststand: Dieses Buch muss ich unbedingt lesen! Ich ließ es daher nur zu gerne bei mir einziehen.

Für die 14-jährige Sofia bricht eine Welt zusammen, als ihre Mutter plötzlich stirbt. Ein Leben ohne ihre geliebte Mum kann sich Sofia einfach nicht vorstellen. Die Trauer erdrückt sie förmlich. Zum Glück hat sie ihre beste Freundin Kiki, die durch ihre lebensfrohe Art etwas Sonnenschein in Sofias graues Leben bringt. Eine weitere große Hilfe ist „Frag Kate“, ein Online-Kummerkasten für Jugendliche. Unter dem Namen Catlover99 vertraut Sofia Kate ihre ganzen Probleme und Gefühle an. Der E-Mail-Austausch, der daraufhin entsteht, tut ihr unheimlich gut. Nie aber hätte sie gedacht, wohin das alles noch führen würde. Sofias Leben soll sich noch komplett verändern. Sie wird umziehen, an eine neue Schule gehen und neue Menschen kennenlernen. Der Gedanke an ihre verstorbenen Mutter macht Sofia natürlich nach wie vor unendlich traurig, aber es fällt ihr immer leichter wieder Glück und Freude zu empfinden, ganz besonders dann, wenn sie mit einem bestimmten Jungen zusammen ist. Er heißt Sam und ist nicht nur sehr gutaussehend, sondern auch supernett und ziemlich süß. Dank ihm und den vielen Veränderungen in ihrem Leben erkennt Sofia, dass es sich lohnt weiterzumachen und dass nach schlechten Zeiten auch wieder gute folgen.

Mit „Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ ist Carol Weston ein ganz wundervolles Jugendbuch gelungen, welches mir zauberhafte Lesestunden beschert hat. Ich bin richtig verliebt in diese herzerwärmend schöne Geschichte und habe sie für meinen Geschmack viel zu schnell wieder beendet. Durch die mitreißende Handlung und den tollen Schreibstil der Autorin bin ich hier wirklich nur so durch die Seiten geflogen und hatte bei meiner Buchwegatmung jede Menge Spaß!

Mich hat das Buch auf eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen. Es ist stellenweise sehr traurig, besonders zu Beginn, als Sofia ihre geliebte Mutter verliert. Es ist aber auch öfters richtig witzig und humorvoll, sodass man sich hier beim Lesen köstlich amüsiert und immerzu am Schmunzeln ist. Auch warmherzig ist die Geschichte und zuckersüß. Meine Erwartungen wurden hier wirklich komplett erfüllt, ich finde die Mischung aus Teenieroman, Humor, Ernst und Tiefgründigkeit einfach nur perfekt.

Erfahren tun wir hier alles aus der Sicht von Sofia in der Ich-Perspektive. Sofia habe ich vom ersten Moment an ganz fest in mein Herz geschlossen. Sie ist so ein liebes und sympathisches junges Mädchen, man gar nicht anders, als sie gernzuhaben. Ihre Gefühle werden so einfühlsam und authentisch beschrieben, sodass es einem spielend leicht fällt sich in sie hineinzuversetzen und ihr Handeln und Denken jederzeit nachzuvollziehen.
Als Leser dürfen wir Sofia ein gutes Jahr begleiten und dabei miterleben, wie wunderbar sie sich nach dem tragischen Tod ihrer Mutter weiterentwickeln wird. Die große Trauer um ihre Mum ist natürlich jederzeit da und wird auch nie ganz verschwinden, aber durch die vielen Veränderungen lernt Sofia wieder Glück und Freude in ihr Leben zu lassen. Stolpersteine und Hürden gibt es auf ihrem Weg natürlich viele, aber Sofia wird sie meistern und kann am Ende stolz darauf sein, was sie geschafft hat. Der deutsche Buchtitel ist in meinen Augen hervorragend gewählt, er passt perfekt zu dieser schönen Geschichte.

Neben Sofia haben mir auch die Nebencharaktere unheimlich gut gefallen. Sie haben alle so ihre Ecken und Kanten, was sie nur noch sympathischer und authentischer macht.
Sofias beste Freundin Kiki (ein so witziges und aufgewecktes Mädchen!), Sofias superlieber Dad, die herzensgute Kate (die hinter „Frag Kate“ steckt), der charmante Sam, Kates Tochter Alexa – ich habe sie allesamt ganz fest in mein Herz geschlossen. Na ja, bei Alexa, muss ich gestehen, hat es ein ganzes Weilchen gedauert, ehe ich mit ihr warmgeworden bin. Alexa kann so ein richtiges Biest sein, sie ist frech, kratzbürstig, ziemlich rücksichtslos und nimmt kein Blatt vor den Mund. Wie sie sich manchmal gegenüber ihrer Mutter verhält, hat mich fast schon schockiert. Alexa ist schon ein sehr spezieller Mensch. Ich habe mich stellenweise richtig über sie aufgeregt und fand es so gemein, wie fies sie die arme Sofia anfangs behandelt (sie verpasst ihr zum Beispiel den Spitznamen Doofia). Ein bisschen konnte ich Alexa zwar auch verstehen, aber okay fand ich ihr Verhalten dennoch nicht. Zum Glück aber wandelt sich das noch. Hat man erst einmal Alexas harte Schale geknackt, darf man die nette und deutlich sanftere Alexa kennenlernen.

Was ich in „Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ ganz besonders schön fand, war der E-Mail-Austausch zwischen Sofia und Kate. Die Mails der beiden sind so emotional und bewegend und richtig witzig. Mich haben sie bestens unterhalten und zugleich auch zutiefst berührt.

Ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert haben mir auch die gemeinsamen Momente zwischen Sofia und Sam. Die beiden geben ein total niedliches Pärchen ab. Ich glaube, ich an Sofias Stelle hätte mich auch sofort in Sam verliebt. Er ist einfach so ein lieber und hilfsbereiter Kerl. Gutaussehend ist er natürlich auch und sehr charmant. Wie das Thema erste große Liebe hier behandelt wird ist einfach herrlich und absolut frei vom jeglichen Kitsch. Kitschig geht es hier generell nicht zu. Alles wirkt so lebensecht und glaubwürdig - Ich kann mich da nur immer wieder wiederholen: Carol Weston ist hier ganz besonderes Jugendbuch gelungen, welches definitiv auch für eine deutlich ältere Zielgruppe absolut lesenswert ist. Ich bin mir sehr sicher, dass sich so gut wie jeder, ganz egal welchen Alters, wunderbar in Sofia hineinversetzen wird und sie genauso liebgewinnen wird wie ich.

„Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ ist auf jeden Fall so ein Buch für mich, welches mir noch sehr lange sehr gut im Gedächtnis bleiben wird. Es erzählt eine so tolle Geschichte über Trauerbewältigung, dem Erwachsenwerden, Liebe, Freundschaft und Familie und enthält eine so großartige Message.

Fazit: Ein wunderschönes und ganz besonderes Buch! „Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt“ erzählt auf eine sehr emotionale, humorvolle und mitreißende Weise eine zauberhafte Geschichte über Verlust, Trauer, dem Loslassen, Freundschaft, Familie und Liebe. Mir hat das Buch ein wundervolles Leseerlebnis beschert. Ich bin ganz verliebt in die einzigartigen Charaktere, in das kleine New Yorker Vorstädtchen und in die einfühlsame Art, mit der die Autorin Sofias Geschichte erzählt. Ich kann das Buch jedem nur ans Herz legen, sowohl Teenagern als auch Erwachsenen. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung sowie volle 5 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 25.05.2019

Ein ungewöhnliches und ganz besonderes Buch!

Es muss ja nicht perfekt sein
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Da mich Krystal Sutherland mit ihrem Debütroman „Unsere verlorenen Herzen“ richtig begeistern konnte, war meine Neugierde sofort geweckt, als ich beim Durchstöbern der cbj Verlag-Vorschau auf ihr neues ...

Da mich Krystal Sutherland mit ihrem Debütroman „Unsere verlorenen Herzen“ richtig begeistern konnte, war meine Neugierde sofort geweckt, als ich beim Durchstöbern der cbj Verlag-Vorschau auf ihr neues Jugendbuch gestoßen bin. Cover und Klappentext überzeugten mich auf Anhieb, sodass für mich sehr schnell feststand, dass ich das Buch unbedingt lesen muss.

Esthers Familie ist ungewöhnlich. Mehr als ungewöhnlich. Ihr Vater lebt im Keller und hat diesen seit vielen Jahren nicht mehr verlassen, ihr Zwillingsbruder Eugene hat eine panische Angst vor der Dunkelheit und ihre Mutter fürchtet sich vor allem, was Pech bringen könnte, daher laufen überall im Haus Kaninchen rum (Kaninchenpfoten sollen schließlich Glück bringen) und auch sonst hat Esthers Mum viele Vorkehrungen gegen das Unglück getroffen. Und Esther? Was ihre größte Angst ist, weiß die 17-jährige nicht, aber normal ist sie auch nicht. Nicht nur, dass man sie nur in den merkwürdigsten Verkleidungen antrifft, als Rotkäppchen zum Beispiel, sie führt auch eine recht seltsame Liste. Auf dieser notiert Esther all die Dinge, die ihr Angst machen. Das sind mittlerweile erstaunlich viele, 50, um genau zu sein. Maisfelder, Hummer, Motten…Ob es normal ist, dass man sich vor so vielen Dingen fürchtet? Vermutlich nicht, daher soll diese Liste auch nur ja keiner zu sehen bekommen! Leider fällt sie dann ausgerechnet Jonah Smallwood in die Hände, Esthers Schwarm aus der Grundschule. Doch anstatt sich über Esther lustig zu machen, bietet er ihr ihre Hilfe dabei an, sich ihren vielen Ängsten zu stellen. Gemeinsam beginnen sie die Liste Punkt für Punkt abzuarbeiten und kommen sich dabei immer näher…

„Es muss ja nicht perfekt sein“ war irgendwie so ganz anders als erwartet hatte. Ich hatte hier mit einer emotionalen, tiefgründigen und unterhaltsamen Liebesgeschichte gerechnet. All dies ist die Story zwar auch, nur eben nicht so, wie ich angenommen hatte. Das Buch ist ziemlich skurril und abgedreht, zugleich ist es aber auch ernst und tiefsinnig. Das Buch nimmt einen wahrlich auf eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Es bringt einen mit seinen vielen verrückten Ideen zum Lachen und Schmunzeln, es berührt und schockiert einen aber auch und beschäftigt einen noch eine ganze Weile nach dem Lesen.

Schon das erste Kapitel beginnt sehr schräg. Wir lernen Esther im ersten Kapitel als Rotkäppchen verkleidet kennen und ich kann euch ja schon mal verraten, dass noch so eine weitere ausgefallene Kostümierungen folgen werden. ;)
Esther ist schon ein bisschen komisch, aber auch total lieb und sympathisch. Ich mochte sie auf Anhieb und habe sie sehr schnell in mein Herz geschlossen.

Wen man als noch viel ungewöhnlicher bezeichnen kann, ist Esthers Familie. Ich muss gestehen, dass ich mich stellenweise köstlich über die Ticks und Eigenarten der Solars amüsiert habe, da sie manchmal einfach so witzig und auch etwas überspitzt dargestellt werden. Eigentlich aber ist all dies gar nicht zum Lachen. Esthers Eltern, ihr Bruder, sie selbst – sie alle haben psychische Probleme, leiden unter Ängsten, Phobien und Depressionen, sodass man eigentlich nur Mitleid mit ihnen empfinden sollte.

Besonders schockiert hat mich die Geschichte des Vaters. Dieser lebt seit sechs Jahren im Keller des Hauses und hat diesen tatsächlich seit seinem Einzug nicht mehr verlassen. Ich fand das einfach nur schlimm. Sehr getroffen haben mich aber auch Eugenes Probleme. Er leidet an Depressionen und hat eine panische Angst vor der Dunkelheit. Jeden Abend, ehe es dunkel wird, läuft er durchs ganze Haus, um alle Lampen anzuschalten und viele, viele Kerzen anzünden, damit die Dunkelheit auch nur ja keine Chance hat, in das Haus der Solars einzuziehen.
Das Schicksal der Mutter ist ebenfalls furchtbar. Man kann zwar irgendwie nicht anders, als über ihre ganzen Schutzvorkehrungen gegen das Unglück und ihren großen Glauben daran zu schmunzeln, aber lustig ist es ja eigentlich nicht. Das Leben, dass die Solars durch ihre Ängste führen, ist alles andere als schön und fröhlich. Hinzu kommt dann auch noch der Familienfluch, der angeblich schon seit vielen Jahren auf den Solars lastet.

Der Handlungsstrang mit dem Fluch hat mir persönlich nicht ganz so gut gefallen. Wir erfahren durch Rückblenden wie dieser sonderbare Familienfluch entstanden ist und, keine Ahnung, mir war das irgendwie etwas zu creepy und verrückt. Spannend sind diese Erzählungen zwar, sogar gruslig, finde ich, aber eben auch komisch.
Die Geschichte, die hier erzählt wird, wird definitiv nicht jedermanns Sache sein. Es ist schon eine recht spezielle Art, wie wichtige Themen wie psychische Erkrankungen, Tod und Ängste hier behandelt werden. Da ich total auf einen schwarzen Humor stehe, hat mir diese Erzählweise sehr gefallen, nur eben die Sache mit dem Fluch, die fand ich dann doch etwas eigentümlich.

Was mir dafür umso besser gefallen hat, sind die gemeinsamen Erlebnisse von Esther und Jonah. Die beiden machen sich zusammen daran, Esthers Angst-Liste abzuarbeiten und wie das beschrieben wird, ist einfach nur wunderschön, sehr berührend und stellenweise auch richtig lustig. In der Mitte hat sich das Buch für meinen Geschmack zwar ein bisschen gezogen, aber wirklich schlimm fand ich das nicht. Durch den locker-leichten Schreibstil haben sich auch die etwas langatmigen Passagen sehr gut lesen lassen.

Wen ich im Verlaufe des Buches unheimlich liebgewonnen habe, ist Jonah. Mit ihm ist Krystal Sutherland ein wundervoller Charakter gelungen, er ist so ein lieber und hilfsbereiter Kerl. Leider aber hat auch Jonah sein Päckchen zu tragen. Mit ihm bringt Krystal Sutherland ein weiteres ernstes Thema zur Sprache: Häusliche Gewalt.
Esther und Jonah haben es also beide nicht leicht im Leben. Gemeinsam werden sie sich ihren Problemen stellen und geben sich gegenseitig halt. Die zarte Liebesgeschichte, die dabei entsteht, hat mich sehr berührt. Ich hatte zwar mit mehr Romantik gerechnet, aber gestört hat es mich nicht, dass das Augenmerk der Handlung deutlich mehr auf den bereits genannten ernsthaften Themen liegt.

Mit weiteren Nebencharakteren bringt die Autorin sogar noch weitere Erkrankungen mit ins Spiel. So leidet der Großvater der Zwillinge an Demenz und Esthers beste Freundin Hephzibah weigert sich zu sprechen. Heph ist ebenfalls ein sehr wundersamer Charakter. Da hatte ich sogar zuerst gedacht, dass sie nur eine Fantasiefreundin von Esther sei. Erst später habe ich dann festgestellt, da sie wohl doch existiert. Als normal kann man hier wirklich keinen der Charaktere bezeichnen. Wobei – was ist schon normal?
Mir haben die Charaktere wahnsinnig gut gefallen. Sie wirken einfach so echt und authentisch und sind durch ihre vielen Eigenarten allesamt einzigartig.

Krytal Sutherland ist mit „Es muss ja nicht perfekt sein“ ein ungewöhnliches, aber wirklich tolles Buch gelungen, welches eine großartige Message enthält: Es ist wichtig sich seinen Ängsten zu stellen und sich Hilfe zu holen, wenn man Probleme hat oder an einer psychischen Erkrankung leidet. Sich Hilfe holen ist nicht schlimm und man wirkt dadurch nicht schwach. Im Gegenteil, es zeigt, wie stark und mutig man ist, wenn man den Schritt tut, seine Probleme anzugehen und bereit ist, Hilfe von außen anzunehmen.

Fazit: Ganz anders als erwartet, aber keineswegs schlecht anders. Mir hat das Buch ein sehr ungewöhnliches und unerwartetes Leseerlebnis beschert. Es behandelt auf eine ganz besondere Weise ernste Themen wie psychische Erkrankungen, Tod und Ängste. Die Geschichte ist stellenweise ziemlich abgedreht und skurril, zugleich ist sie aber sehr berührend und emotional. Man muss sich darauf einlassen können und wenn einem das gelingt, wird man unvergessliche Lesestunden mit dem Buch erleben. Für volle 5 Sterne hat es mir hier zwar nicht gereicht, aber wärmstens empfehlen kann ich „Es muss ja nicht perfekt sein“ natürlich dennoch. Von mir gibt es sehr gute 4 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 23.05.2019

Eine weitere tolle Fortsetzung! Magisch und zum Träumen schön!

Das Hotel der verzauberten Träume - Die goldene Botschaft (Das Hotel der verzauberten Träume 3)
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Letztes Jahr hatte ich die ersten Bände von „Das Hotel der verzauberten Träume“ gelesen und war von beiden Büchern ganz begeistert. Auf den dritten Band habe ich mich daher schon richtig gefreut.

Zusammen ...

Letztes Jahr hatte ich die ersten Bände von „Das Hotel der verzauberten Träume“ gelesen und war von beiden Büchern ganz begeistert. Auf den dritten Band habe ich mich daher schon richtig gefreut.

Zusammen mit ihrem großen Bruder Lancelot hat die 10-jährige Joëlle in ihrem Sommerurlaub herausgefunden, was für wundersame Dinge in dem kleinen geheimnisvollen Strandhotel der Apfel-Schwestern vor sich gehen. Rosa und Linde Apfel sind sogenannte Traumfängerinnen, ihre Aufgabe ist es, die Bewohner des kleinen Städtchens Korbutz von ihren Albträumen zu befreien. Was aber noch viel unglaublicher ist: Auch Joëlle besitzt eine magische Gabe! Sie ist eine Traumdeuterin und somit dafür zuständig, gefangene Träume zu befreien und die verloren gegangenen an ihre richtigen Besitzer zurückzubringen. Das ist nur leider öfters gar nicht so leicht, denn manche Träume sind ziemlich tückisch. Joëlle hat das schon zu spüren bekommen und auch ihr neues Abenteuer wird alles andere als einfach werden. In dem wunderschönen Haus in den Dünen, welches bald das neue Zuhause von Familie Fröhlich sein wird (hurra!), findet die junge Traumdeuterin eine mysteriöse goldene Kapsel. In ihr schlummert ein lang verlorenen gegangener Traum. Zu wem aber gehört er? Joëlle möchte das unbedingt herausfinden, schließlich ist sie die Einzige, die den Traum zu seinem Besitzer zurückbringen kann. Ob ihr dieses Vorhaben wohl gelingen wird?

Auch mit Band 3 ist Gina Mayer ein wunderschönes Buch gelungen, welches von den ersten Seiten an zum Träumen einlädt und einen durchweg mitfiebern lässt. Es erzählt eine tolle Geschichte über Familie, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Mut, Träume und Magie und macht große Lust auf mehr!

Obwohl es bei mir tatsächlich schon wieder fast ein ganzes Jahr her ist, dass ich die ersten beiden Bände gelesen habe, hatte ich hier überhaupt keine Einstiegsprobleme und habe wunderbar zurück ins bezaubernde Strandhotel der Apfel-Schwestern zurückgefunden. Und zwar ganz ohne Navi. ;)
Wer den Reihenauftakt gelesen hat, der weiß, dass Joëlle und ihre Familie nur deswegen in Korbutz gelandet sind, weil die Mutter das Navi falsch programmiert hatte. Tja, zum Glück, denn ansonsten hätte es sie wohl nie an diesen wundervollen Ort verschlagen, der ihnen so gut gefällt, dass sie sogar beschlossen haben, fortan dort zu leben. 

Diese Information und auch noch so einige weitere wichtige Dinge mehr werden von Joëlle in diesem Band kurz erklärt. Man kann vermutlich recht problemlos mit diesem Teil der Reihe starten, allerdings rate ich dennoch sehr, die chronologische Reihenfolge hier lieber einzuhalten. Die Bände sind zwar größtenteils in sich abgeschlossen, bauen aber dennoch aufeinander auf. Ich denke, dass der Lesespaß hier einfach deutlich höher ist, wenn man die Reihenfolge einhält.

Erfahren tun wir alles wieder aus der Sicht von Joëlle Fröhlich in der Ich-Perspektive. Joëlle Fröhlich, ist das nicht mal ein hübscher Name? Er passt auf jeden Fall perfekt zu unserer 10-jährigen aufgeweckten Buchheldin. Joëlle ist ein super sympathisches, sehr neugieriges und hilfsbereites junges Mädchen. Man muss sie einfach sie sofort ins Herz schließen. Die Zielgruppe wird sich wunderbar mit ihr identifizieren können, allerdings ist es auch mir als Erwachsene erneut prima gelungen, mich in die liebe Joëlle hineinzuversetzen.

Für Kinder ab etwa 9 Jahren bietet sich die Reihe sehr gut zum Selberlesen an. Die Schrift ist angenehm groß, die Sätze und Kapitel schön kurz und der lebendige Schreibstil ist sehr einfach gehalten. Das Tolle bei dieser Reihe ist, dass sie für Mädchen und Jungen gleichermaßen gut geeignet ist. Joëlle ist zwar die Protagonistin, allerdings ist ihr großer 12-jähriger Bruder Lancelot ebenfalls ein sehr wichtiger Charakter in den Büchern. Lancelot, hihi, irgendwie muss ich immer breit schmunzeln, wenn ich diesen ulkigen Namen lese. :D

Die Abenteuer, die die Geschwister zusammen erleben, werden definitiv Mädels und Jungen hellauf begeistern. Sie sind spannend, mitreißend, witzig, fantasievoll und magisch schön. Ein bisschen gruselig sind sie übrigens auch. In allen drei Bänden spielen Albträume eine große Rolle, sodass schaurig schöne Szenen entstehen, die für prickelnde Gänsehaut-Momente sorgen. Auch in diesem Band geht es durchweg geheimnisvoll und öfters mal unheimlich zu. Ich fand es total spannend zusammen mit Joëlle dem Rätsel des verloren gegangenen Traums auf den Grund zu gehen. Ob sie das Geheimnis lüften wird und was sie dabei alles Aufregendes erleben wird, werde ich hier aber natürlich nicht verraten, da müsst ihr das Buch schon selber lesen. ;)

Womit mich Gina Mayer wieder komplett überzeugen konnte, sind die Charaktere. Wie ich schon in meinen Besprechungen zu den ersten beiden Bänden geschrieben habe: In dieser Reihe gibt es tatsächlich keinen Charakter, der mir unsympathisch ist. Familie Fröhlich (der Name klingt ja schon so schön fröhlich!), die herzensguten Apfel-Schwestern Rosa und Linde, Joëlles neue Freundin Flora, die weiteren Nebenfiguren – alle sind sie so nett und liebenswert, man muss sie einfach gernhaben.

Wovon ich ebenfalls wieder ganz verzaubert bin, ist das Setting. Das kleine malerische Strandhotel wird so gemütlich und urig beschrieben. Man hat beim Lesen die tollsten Bilder im Kopf und würde am liebsten sofort die Koffer packen, um selbst an dieses idyllische Fleckchen Erde zu reisen und den Urlaub dort zu verbringen. Da Korbutz direkt an der Ostsee liegt, kommt hier ein herrliches Sommer-Feeling auf, sodass ich die Reihe für die warme Jahreszeit ganz besonders empfehlen kann.

Zu guter Letzt muss ich unbedingt noch die zauberhaften Illustrationen von Gloria Jasionowski erwähnen. Von denen könnte es für meinen Geschmack noch viele mehr geben. Leider gibt es in dem Buch nur sehr zwei ganzseitige Illustrationen. Dafür aber zieren die Kapitelanfänge süße kleine Bildchen. Ich mag den Zeichenstil von Gloria Jasionowski richtig gerne und finde, dass er wunderbar zu dieser schönen Reihe passt.

Fazit: Ein mitreißendes und magisch schönes Buch, welches von den ersten Seiten an zum Träumen und Mitfiebern einlädt! Nach den ersten beiden Bänden von „Das Hotel der verzauberten Träume“ konnte mich nun auch der dritte Teil hellauf begeistern und mir ein zauberhaftes Leseerlebnis bescheren. Ich freue mich schon sehr auf den vierten Band, der im September erscheinen wird. „Die goldene Botschaft“ kann ich wärmstens empfehlen, sowohl Kindern als auch Erwachsenen, und vergebe 5 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 22.05.2019

Ein wunderschönes und ganz besonderes Buch!

Ihr mich auch
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Als ich das erste Mal über „Ihr mich auch“ gestolpert bin, konnte das hübsche Cover meine Neugier sofort wecken. Es hat so etwas wunderbar Harmonisches und Sommerliches, finde ich. Da mich auch der Klappentext ...

Als ich das erste Mal über „Ihr mich auch“ gestolpert bin, konnte das hübsche Cover meine Neugier sofort wecken. Es hat so etwas wunderbar Harmonisches und Sommerliches, finde ich. Da mich auch der Klappentext auf Anhieb überzeugen konnte, stand für mich sehr schnell fest, dass das Buch unbedingt bei mir einziehen muss.

Lu rebelliert gegen alles und jeden. Ihre frisch knallpink gefärbten Haare spiegeln nur zu gut wieder, wie Lu ist: Frech, tough, rebellisch, aggressiv. Sie ist einfach von allem genervt: Von ihrer Mutter, die keinen richtigen Job findet, sodass sie ständig knapp bei Kasse sind und Lu die alten Klamotten ihrer Cousins tragen muss, von den Jungs in ihrer Klasse, die total gemein sind, von der Schule und von so einigen weiteren Dingen mehr. In Lu schlummert eine große Wut, die sie noch nicht einmal beim Boxtraining loswird. Mit Lu kommt einfach niemand zurecht, niemand außer Rhys. Rhys zählt aber eigentlich nicht, schließlich existiert er gar nicht wirklich...
Lus Leben soll sich schlagartig ändern, als ihre Mutter einen neuen Job bei der wohlhabenden Familie Kunzendorff annimmt. Ihre Aufgabe ist es, sich um Herrn Kunzendorffs Tochter Viola zu kümmern. Diese hat ein schlimmen Unfall hinter sich, bei dem sie nicht nur ein Auge und einen Arm verloren hat, sondern auch ihre Mutter. Als Lu das erste Mal auf Viola trifft, knallt es gewaltig. Die beiden können sich gar nicht leiden und feinden sich richtig an. Als Lu erfährt, dass die blöde Viola unbedingt möchte, dass sie mit nach Mallorca fliegen soll, ist sie entsetzt. Dieser Urlaub kann einfach nur der reinste Albtraum werden. Oder?

Mit „Ihr mich auch“ ist Pia Herzog ein ganz besonderes Jugendbuch gelungen, welches mir wundervolle Lesestunden beschert hat. Auf mich konnte die Handlung von den ersten Seiten an eine richtige Sogwirkung ausüben, der mich einfach nicht mehr entziehen konnte, sodass ich dass Buch quasi inhaliert habe. Es liest sich unheimlich gut, Pia Herzog hat einen sehr leichten, jugendlichen und herrlich lebendigen Schreibstil.

Erfahren tun wir alles aus der Sicht von Lu in der Ich-Perspektive. Mit ihr ist der Autorin eine außergewöhnliche Protagonistin gelungen. Lu ist vorlaut, kratzbürstig und wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Sie befindet sich mitten in der Pubertät, was man nur zu deutlich spürt. Sie ist sehr oft wütend und aggressiv, lässt sich nichts gefallen und schert sich nicht darum, was andere über sie denken. Lu ist schon irgendwie sehr speziell und obwohl sie so rotzfrech ist, muss man sie einfach gernhaben. Ich fand Lu großartig und konnte mich wunderbar in sie hineinversetzen, trotz des Altersunterschiedes. Ich denke, dass besonders die Zielgruppe sich prima mit der toughen Lu identifizieren wird.

Was ich zuerst etwas komisch fand, war die Sache mit Rhys, Lus Fantasiefreund. Ich fand die Idee schon super und wahnsinnig interessant, aber irgendwie auch etwas sonderbar. Man muss sich darauf einlassen können, was mir zum Glück auch gelungen ist.
Mich hat diese Idee mit dem unsichtbaren Freund richtig fasziniert. Rhys wird einfach so real und greifbar beschrieben, sodass man beim Lesen öfters mal vergisst, dass er gar nicht existiert, sondern nur Lus Fantasie entsprungen ist.
Ich persönlich habe nur nicht so ganz verstanden, warum Lu so ist. Das wird leider nicht genauer erklärt. Wir erfahren zwar, dass sie sich schon immer sehr schwer damit getan hat, Freunde zu finden, aber warum, erfährt man leider nicht.
Was wir aber erfahren, ist, dass Lu vor Rhys noch weitere unsichtbare Freunde hatte. Zuerst waren es nur Mädchen, aber schließlich war eines Tages Rhys da. Rhys gibt Lu halt, sie braucht ihn einfach, um mit allem klarzukommen. Sie hat das Gefühl, dass niemand für sie da ist, nur Rhys hält zu ihr. Lu lebt wirklich total in ihrer eigenen Welt, was sich aber dank Viola noch ändern soll.

Viola, muss ich gestehen, konnte ich anfangs gar nicht leiden. Über ihr fieses und zickiges Verhalten habe ich mich richtig aufgeregt. Da wir alles aus Lus Sicht erfahren, ist Viola vermutlich besonders krass dargestellt, denn Lu kommt mit Viola zuerst überhaupt nicht gut klar. Die beiden Mädchen bekriegen sich sogar richtig im Sommerurlaub auf Mallorca, sie streiten sich und spielen sich die gemeinsten Streiche. Kaum vorstellbar, dass aus den beiden schließlich noch die allerbesten Freundinnen werden.

Ich fand es so schön, wie einfühlsam und berührend die Freundschaft von Lu und Viola beschrieben wird. Beide Mädchen entwickeln sich wunderbar weiter, sie geben sich gegenseitig halt und helfen einander, um ihre Probleme in den Griff zu kriegen. Was ich dabei wirklich toll, zugleich aber auch ein wenig irritierend fand, ist, dass Viola Lu sofort glaubt, dass es Rhys gibt. Da war ich mir bis zum Schluss nicht sicher gewesen, ob sie Rhys nun auch sehen kann oder nicht. Die Geschichte rund um diesen unsichtbaren Freund ist schon etwas strange, aber auch so erfrischend anders und einzigartig.

Erfrischend anders, so lässt sich „Ihr mich auch“ perfekt beschreiben. Es ist definitiv ein Buch abseits des Mainstreams. Hier hoffe ich sehr, dass das Buch die Aufmerksamkeit erhalten wird, die es verdient. Es erzählt eine so wunderschöne Geschichte über Freundschaft, das Anderssein und das Erwachsenwerden. „Ihr mich auch“ beschert einem ein außergewöhnliches Leseerlebnis, welches einen zutiefst berührt, sehr zum Nachdenken anregt, öfters zum Schmunzeln bringt und durchweg mitfiebern lässt. 
 
Fazit: „Ihr mich auch“ ist ein wunderschönes und ganz besonderes Buch, welches einen von den ersten Seiten an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Geschichte ist einzigartig, sehr berührend, stellenweise richtig witzig und so erfrischend anders. Die Story rund um den unsichtbaren Freund fand ich zwar irgendwie etwas seltsam, zugleich aber auch genial und faszinierend. Ebenfalls ganz begeistert bin ich von Lu, mit der der Autorin eine großartige Buchheldin gelungen ist. Ich freue mich schon sehr über weitere Bücher von Pia Herzog, mein erstes Werk von ihr konnte mich richtig begeistern. Ich kann „Ihr mich auch“ wärmstens empfehlen und vergebe 4,5 von 5 Sternen!