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Veröffentlicht am 04.04.2026

Ein unterhaltsamer historischer Krimi

Lady Grace Mysteries
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England, 1569. Die junge Waise Lady Grace Cavendish lebt am Hof von Elisabeth I. und zählt seit dem Tod ihrer Mutter zu den liebsten Hofjungfern der Königin. Doch nun wünscht Ihre Majestät, dass sich Grace ...

England, 1569. Die junge Waise Lady Grace Cavendish lebt am Hof von Elisabeth I. und zählt seit dem Tod ihrer Mutter zu den liebsten Hofjungfern der Königin. Doch nun wünscht Ihre Majestät, dass sich Grace verloben soll und stellt ihr drei Heiratskandidaten zur Wahl. Graces Begeisterung hält sich sehr in Grenzen. Sie will gar nicht heiraten und schon gar nicht einen dieser drei Freier. Sir Charles ist zwar nett, aber viel zu alt. Sir Gerald ist ein eingebildeter Schnösel und Lord Robert bringt in ihrer Anwesenheit kaum ein Wort heraus. Grace bleibt aber keine andere Wahl, als sich auf dem Valentinsball für einen der drei Männer zu entscheiden. Sie trifft schließlich eine Entscheidung, doch schon wenig später wird Lord Gerald tot aufgefunden und Lord Robert wird als Hauptverdächtiger verhaftet. Grace aber merkt schnell, dass sich Sir Charles auf einmal äußert merkwürdig verhält. Und mit der Leiche stimmt ebenfalls etwas ganz und gar nicht. Gemeinsam mit ihren Freunden, dem Dienstmädchen Ellie und dem Akrobaten Masou, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln...

Als großer Fan von historischen Kinder- und Jugendkrimis war meine Neugier sofort geweckt, als mir Lady Gtace zum ersten Mal in der Verlagsvorschau begegnete. Vor allem das wunderschöne Cover hat mich direkt in den Bann gezogen (der Max Meinzold ist einfach ein echter Covergott). Die Geschichte dahinter hat sich leider nicht als das erhoffte Highlight entpuppt, hat mich aber dennoch gut unterhalten.

Bereits 2004 ist die englische Original-Reihe rund um die junge Lady Grace Cavendish erschienen. Vielleicht hat die erfolgreiche Bridgerton-Serie ein wenig dazu beigetragen, dass Lady Grace nun endlich auch zu uns nach Deutschland kommt (sowohl als Buch als auch Fernsehserie). Denn auch wenn die beiden Reihen insgesamt recht verschieden sind, kommt hier ein gewisses Bridgerton-Feeling dennoch durchaus auf. Die Geschichte entführt uns ins Jahr 1569 an den Hof von König Elisabeth I. und wird in Tagebuchform aus der Sicht von Grace geschildert. Mit viel Witz und Charme schreibt die junge Hofjungfer ihre Erlebnisse nieder und gewährt uns interessante Einblicke in die damalige Zeit. Das Leben am Hofe des 16. Jahrhunderts wird sehr detailreich und anschaulich beschrieben. Man erfährt viel über Kleidung, Essen, Sitten und Regeln und den Tagesablauf junger adliger Damen. Die etwas gehobene (aber keineswegs schwülstige) Ausdrucksweise passt dazu wunderbar, sodass man sich direkt in die Epoche hineinversetzen kann. Ein paar Beschreibungen weniger hier und da wären jedoch nicht schlecht gewesen. Stellenweise dreht sich die Handlung sehr viel um das Hofleben, was so manchen vielleicht ein wenig langweilen könnte. Auch der Kriminalfall ist recht simpel gestrickt. Eine gewisse Grundspannung ist zwar vorhanden und man kann auch ein bisschen miträtseln, aber erfahrenere Krimileser*innen werden am Ende nicht allzu sehr überrascht. Nichtsdestotrotz macht es Spaß dieses Buch zu lesen, was vor allem unserer Ich-Erzählerin zu verdanken ist. Grace ist eine herrlich eigensinnige, mutige und pfiffige Protagonistin, die sich nicht den Normen der damaligen Gesellschaft fügt und (ganz undamenhaft) ihren eigenen Weg geht. Ihr rebellischer Charakter ist höchst erfrischend, ohne übertrieben zu wirken.
Besonders gelungen ist die Mischung aus Fiktion und historischen Fakten, was durch ein mehrseitiges Glossar mit Begriffserklärungen im Anschluss gekonnt abgerundet wird. Die Leseprobe zum zweiten Band, der im Mai erscheinen wird, macht neugierig auf mehr, allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Ich fand diesen Auftakt wirklich nett, aber so richtig überspringen wollte der Funke bei mir dann irgendwie doch nicht.

Fazit: „Lady Grace Mysteries: Giftmord“ ist ein unterhaltsamer und charmanter, historischer Krimi ab 12 Jahren mit einer starken Heldin, die sich nicht unterkriegen lässt. Wer gerne in das elisabethanische Zeitalter eintaucht und spannende Detektivgeschichten mit cleveren Ermittlerinnen mag, sollte sich diesen Reihenauftakt unbedingt mal genauer ansehen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Ein origineller Kindercomic, der Stoff zum Nachdenken liefert.

Holzinsel
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Aki ist alles andere als begeistert darüber, dass er 14 Tage mit seinen Eltern auf einer einsamen Insel verbringen soll. Zwei lange Wochen kein Kontakt zur Außenwelt. Kein Internet, dafür jede Menge Natur ...

Aki ist alles andere als begeistert darüber, dass er 14 Tage mit seinen Eltern auf einer einsamen Insel verbringen soll. Zwei lange Wochen kein Kontakt zur Außenwelt. Kein Internet, dafür jede Menge Natur und die Gesellschaft seiner altmodischen Eltern. Na super. Doch ganz so öde werden die Ferien dann doch nicht. Aki schließt schnell Freundschaft mit einem Wildesel und erkundet gemeinsam mit ihm die Insel. Am Strand treffen sie auf eine alte, etwas sonderbare Frau, die zurückgezogen auf der Insel wohnt. Hier betreibt sie wichtige Experimente, mit dem Ziel, die Erde von Umweltverschmutzung und Kriegen zu befreien. Das klingt in Akis Ohren zunächst ziemlich gut. Doch als er das geheime Versuchslabor der Wissenschaftlerin findet und entdeckt, was diese wirklich vorhat, wird es richtig gefährlich.

Der Kibitz Verlag ist immer ein Garant für tolle Kindercomics. Mich hat noch kein Werk aus diesem Verlag enttäuschen können – und der hier vorliegende Comic bildet da keine Ausnahme.
Das Künstlerinnen-Duo Zuni und Christopher Fellehner legt hier ein gelungenes Comicdebüt vor, in dem sie Realität und Fantasie zu einem packenden Ferienabenteuer verweben. Die Geschichte weiß von Anfang bis Ende zu unterhalten, regt gleichzeitig aber auch zum Nachdenken an. Würde man es selbst schaffen, 14 Tage ohne Internet zu leben? Welche Größe hat der eigene ökologische Fußabdruck? Wie weit darf man für seine Überzeugungen gehen? Man merkt schnell, dass mit der alten Frau auf der Insel etwas nicht stimmt, aber wie schräg sie wirklich drauf ist, wird einem erst zum Ende hin klar. Die Story ist stellenweise ganz schön skurril und aufregend und wird bisweilen auch ein wenig gruselig. Für Kinder ab 8 Jahren ist sie aber dennoch sehr gut geeignet. Aki ist ein überaus sympathischer und aufgeweckter Protagonist, mit dem sich junge Leserinnen direkt identifizieren können. Es macht Spaß, ihn auf seinen Erkundungen zu begleiten und dem Rätsel der wahnsinnigen Wissenschaftlerin auf den Grund zu gehen. Langweilig wird es dabei zu keiner Zeit!

Die Zeichnungen von Christopher Fellehner sind ein besonderes Highlight. Sehr detailliert und naturverliebt und so ausdrucksstark, dass viel Text meist gar nicht vonnöten ist. In offenen und randlosen Panels erwecken die Bilder die Geschichte zum Leben und sorgen für ein wunderbares, abenteuerliches Inselfeeling.

Fazit: „Holzinsel“ ist eine spannende und verrückte Abenteuergeschichte mit Ökobotschaft und einer Prise Magie. Ein origineller Kindercomic ab 8 Jahren, der Spaß macht und Stoff zum Nachdenken liefert. Wer Lust auf eine etwas ungewöhnliche Story hat, sollte sich das Comic-Debüt von Zuni und Christopher Fellehner unbedingt mal genauer anschauen. Ich kann es nur empfehlen. Von mir gibt es 4,5 - hier gerundet auf 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Ein zauberhaftes Bilderbuch über die Höhen und Tiefen der Geschwisterliebe.

Der allertollste Bruder der Welt
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Nano hat einfach den tollsten großen Bruder der Welt. Die beiden sind beste Freunde und können gemeinsam alles schaffen – sogar die Gedanken des anderen lesen! Sie haben sich ganz doll lieb – zumindest ...

Nano hat einfach den tollsten großen Bruder der Welt. Die beiden sind beste Freunde und können gemeinsam alles schaffen – sogar die Gedanken des anderen lesen! Sie haben sich ganz doll lieb – zumindest meistens. Denn manchmal ist Felix ziemlich genervt von seinem kleinen Bruder und möchte lieber alleine sein. Wie an dem Tag, als Nano mit ins Baumhaus will und plötzlich ein „Für Nanos verboten!“ - Schild an der Tür hängt. Mama meint, dass es völlig normal sei, dass Menschen auch mal Zeit für sich brauchen. Nano respektiert das. Wenn er nicht mit ins Baumhaus darf, baut er sich eben sein eigenes Haus. Zuerst scheint es auch zu klappen, doch als es heftig zu regnen beginnt und der Wind „Wuuuuuuusch!“ sein cooles Regenhaus davonweht, wird Nano sauer. Das ist alles nur wegen Felix. Weil er ihn ausschließt und ihm eben nicht geholfen hat. Enttäuscht verzieht er sich ins Haus und liegt unglücklich auf seinem Bett. Doch da taucht plötzlich Felix auf. Er hat eine Überraschung für seinen kleinen Bruder. Was das wohl sein kann?

Dem neuen Buch von Ben Mantle (übersetzt von Franziska Jaekel) habe ich voller Vorfreude entgegen geblickt und ich wurde nicht enttäuscht! Der britische Künstler präsentiert mit „Der allertollste Bruder der Welt“ ein herzallerliebstes Bilderbuch über kleine Streitereien und starke Geschwisterbindung. Hier werden sich garantiert viele mit Geschwistern wiederfinden können. Auch ich habe die Geschichte richtig gefühlt. Denn wie bei Nano und Felix, so wollte auch meine kleine Schwester früher immer mitspielen und ist mir manchmal ganz schön auf die Nerven gegangen. Jüngere Geschwister müssen meist noch lernen, dass sie nicht immer mitmachen können und dass das größere Kind auch mal seine Privatsphäre braucht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht geliebt werden. Das besondere tiefe Band führt Geschwister immer wieder zusammen und ist nach einer Zankerei vielleicht sogar stärker als zuvor. Denn eine kleine Pause voneinander kann Kindern zeigen, wie viel sie einander wirklich bedeuten.
Ben Mantle behandelt dieses alltägliche und wichtige Thema auf eine wunderbar warme, augenzwinkernde und nachvollziehbare Weise. Wir erleben alles aus der Sicht von Nano, spüren dank der Bilder aber auch Felix’ Gefühle.

Die Illustrationen von Ben Mantle sind mal wieder ein besonderes Highlight. Farbenfroh, lustig und ausdrucksstark und voller liebevoller Details. Sie fangen die Emotionen perfekt ein und zaubern einem immerzu ein Lächeln ins Gesicht. Die vielen Comicelemente und Lautmalereien sind das Sahnehäubchen obendrauf und machen das Vorlesen zu einem herrlich spaßigem Erlebnis.

Fazit: „Der allertollste Bruder der Welt“ ist eine warmherzige und humorvolle Geschichte über die Höhen und Tiefen der Geschwisterliebe. Ein zauberhaftes Bilderbuch ab 4 Jahren, das Kindern zeigt, dass Konflikte zum Leben dazugehören, man trotz allem aber immer verbunden bleibt. Wundervoll erzählt und illustriert. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, mein Herz hat es im Sturm erobert. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein wunderbares Comic-Bilderbuch, das zum Lesenlernen motiviert!

Lass das Lesen, Leo!
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Leo ist kein normaler Hund. Er ist überaus schlau und kann sogar sprechen. Gemeinsam mit seinem Herrchen unternimmt er jeden Tag lange ausgiebige Spaziergänge. Beide sind glücklich und zufrieden. Doch ...

Leo ist kein normaler Hund. Er ist überaus schlau und kann sogar sprechen. Gemeinsam mit seinem Herrchen unternimmt er jeden Tag lange ausgiebige Spaziergänge. Beide sind glücklich und zufrieden. Doch dann entdeckt Leo eines Tages ein Schild, auf dem EIS steht. Er fragt seinen Besitzer, was das heißt und findet gefallen an dem Wort. Dieser Moment entfacht eine große Leidenschaft in dem Hund. Er möchte unbedingt das Lesen lernen und tut es mit vollem Einsatz. Ihn zieht es nur noch in die Stadt, um dort die vielen verschiedenen Schilder und Werbetafel zu lesen. Vor allem vom Bahnhof – das reinste Schilderparadies – kann man ihn kaum noch wegbekommen. Sein Herrchen wird irgendwann ziemlich übellaunig. Hätte er seinem Hund doch nie das Lesen beigebracht. Jetzt kann er sich die Beine in den Bauch stehen, während Leo die Schilder entziffert und langweilt sich dabei entsetzlich. So kann es nicht weitergehen. Er muss seinen Hund unbedingt vom Lesen abhalten. Doch egal, was er versucht, Leo lässt sich das Lesen nicht verbieten. Zum Glück, wie sich bei einem Spaziergang am Strand zeigt.

Lesen macht Spaß und bereichert das Leben ungemein. Genau davon erzählen der 2023 verstorbene Autor Andreas Greve und die Illustratorin Lena Winkel in „Lass das Lesen, Leo!“. Mit ihrem gemeinsamen Bilderbuch-Comic haben die beiden ein wunderbares Plädoyer für die Leseförderung geschaffen. Die große Begeisterung von Hund Leo für die Welt der geschrieben Sprache wirkt richtig ansteckend und wird hoffentlich viele Kinder dazu anregen, selbst mehr Zeit mit dem Lesen zu verbringen und worthungrig durch die Welt zu gehen. Zudem zeigt sich am Ende auch, dass das Lesen ein echter Lebensretter sein kann.
Darüber hinaus erzählt das Buch auch von der einzigartigen Bindung zwischen Hund und Mensch. Leo und sein Halter sind ein gutes Team – zumindest anfangs. Im Verlauf der Geschichte ändert sich ihr Verhältnis, wird angespannter. Der Besitzer ist zusehendes genervt von der Lesebegierde seines Hundes. Leo wiederum will sich das Lesen nicht verbieten lassen. Wie sich die beiden voneinander entfernen und wieder zueinanderfinden wird mit viel Humor und Herz aus der Sicht des Mannes geschildert. Allein dass Leo sprechen kann sorgt für Unterhaltung, aber auch die Tricks unseres Ich-Erzählers, um seinen vierbeinigen Freund wieder in die Natur zu locken, sind sehr amüsant.

Geschrieben ist die Geschichte in einer gelungenen Mischung aus kurzen Textpassagen und Sprechblasen. Genauso abwechslungsreich kommt auch die Optik daher. Mal in ganzseitigen Bildern, mal in kleineren rahmenlosen Panels setzt die Künstlerin Lena Winkel das Erzählte kongenial in Szene. Ihre Zeichnungen sind humorvoll, lebendig und voller Details und Leichtigkeit. Besonders ulkig ist das Aussehen des Herrchens, bei dem man nicht so wirklich weiß, ob er nun Mensch oder Tier ist. :D

Fazit: „Lass das Lesen, Leo!“ ist eine feinhumorige und herzlich-schräge Geschichte über einen buchstabenverrückten Hund und die Freude am Lesen. Ein herrlicher Erstlesecomic ab 5 Jahren, der zum Lesenlernen motiviert und Jung und Alt gleichermaßen begeistert. Meine Sammlung ist um einen weiteren tollen Kibitz-Titel reicher geworden, ich kann „Lass das Lesen, Leo!“ nur empfehlen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein wunderschönes Bilderbuch über die Magie der Zeit & Bedeutung von Geduld.

Alle Zeit der Welt
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Schon wenn das kleine Mädchen morgens aufwacht, geht es hektisch zu. Sie sind spät dran, ihre Mama ist gestresst und es bleibt keine Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Auch draußen auf den Straßen hetzen ...

Schon wenn das kleine Mädchen morgens aufwacht, geht es hektisch zu. Sie sind spät dran, ihre Mama ist gestresst und es bleibt keine Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Auch draußen auf den Straßen hetzen die Menschen vorüber, alles ist laut und geschäftig. Die Zeit rennt einfach nur so, findet Mama, und wünscht sich nichts mehr, als sie aufhalten zu können. Für das Mädchen aber vergeht sie furchtbar laaangsam. Wenn man hungrig ist oder sich langweilt, zieht sie sich endlos in die Länge; der Kuchen im Ofen braucht Ewigkeiten, bis er endlich fertig ist und in der Schule dauert jede Sekunde furchtbar lange. Das Mädchen würde die Zeit liebend gerne beschleunigen. Dann könnte sie schneller wieder Geburtstag feiern oder dafür sorgen, dass sofort wieder die Sonne scheint, wenn es draußen regnet. Doch da sie die Zeit nicht verändern kann, beginnt sie notgedrungen zu warten. Und da entdeckt das Mädchen auf einmal Dinge, die sie vorher nie gesehen hat. Eine winzige Schnecke, die eine Spur hinterlässt; eine Spinne in ihrem Netz oder der Wind, der durch die Zweige und Blätter der Bäume streicht. Nun weiß das Mädchen, dass es sich lohnen kann, alle Zeit der Welt zu haben und zu warten.

Marina Ruiz präsentiert hier ein hinreißendes Bilderbuch über die Magie der Zeit und Bedeutung von Geduld. Während wir Erwachsenen meist durch den Alltag hetzen und das Gefühl haben, dass die Zeit nur so rast, kann es für Kinder oft gar nicht schnell genug gehen. Ob in der Schule, beim Einkaufen oder Backen – alles dauert ewig lange, wie ein Kaugummi zieht sich die Zeit in die Länge. Hier wird sich garantiert jeder wiederfinden, sowohl wir Großen, als auch die kleinen Zuhörer*innen. Denn die Geschichte zeigt wunderbar, wie unterschiedlich Jung und Alt die Zeit wahrnehmen. Sie richtet sich somit nicht nur an Kinder – sie lehrt Groß und Klein gleichermaßen, innezuhalten und jeden Moment zu genießen. Es kann sich lohnen zu warten und die Welt in aller Ruhe zu betrachten. Denn die Natur hält so viele Wunder bereit. Ob winzige Samen, die zu Bäumen werden; Bäume, die zu Wälder werden; eine Blume, die langsam ihre Blütenblätter öffnet - wenn du lernst, geduldig zu sein, kannst du so viel sehen und entdecken. So wie unsere kleine liebenswerte Ich-Erzählerin in dieser Geschichte. Dieses Buch macht einfach richtig Freude, vor allem optisch ist es ein Genuss.

Die zarte Aquarellillustrationen von Marina Ruiz sind herrlich bunt, ein bisschen chaotisch und voller Details, strahlen zugleich aber auch ganz viel Ruhe aus. Sie untermalen das Erzählte auf eine bezaubernde Weise und laden zum Verweilen und Betrachten ein.

Fazit: „Alle Zeit der Welt“ ist eine warmherzige und farbenfrohe Geschichte, die dazu einlädt, geduldig zu sein und jeden Tag für das zu schätzen, was er zu bieten hat. Ein wunderschönes Bilderbuch mit einer wertvollen Botschaft für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Mich konnte dieses Buch vollkommen verzaubern, ich kann es nur wärmstens empfehlen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

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