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Veröffentlicht am 10.10.2022

Spannend, geheimnisvoll, lehrreich und außergewöhnlich.

Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen
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Als ich zum ersten Mal von „Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen“ hörte, konnte das bezaubernde Cover meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch der Klappentext direkt ansprach, stand für mich ...

Als ich zum ersten Mal von „Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen“ hörte, konnte das bezaubernde Cover meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch der Klappentext direkt ansprach, stand für mich sehr schnell fest, dass ich das Mädchen Alva und ihre Geschichte kennenlernen möchte.

Seit ihre Mutter verstorben ist, lebt die 12-jährige Alva alleine in einer kleinen Holzhütte am Thorne-Creek-Fluss. Gesellschaft leistet ihr nur ihr Pferd Captain - und ihre geliebten Pflanzen natürlich, zu denen sie eine ganz besondere Bindung hat. Alva besitzt die ungewöhnliche Gabe Pflanzen verstehen und mit ihnen kommunizieren zu können und kann zudem Heilmittel aus ihnen herstellen. Als plötzlich eine rätselhafte Seuche ausbricht, an der sowohl die Menschen als auch die Natur erkranken, beschuldigt der mächtige Dorfbewohner Atlas ausgerechnet die Pflanzen, etwas damit zu tun haben und befiehlt sie zu vernichten. Alva ist felsenfest davon überzeugt, dass etwas anderes der Auslöser sein muss. Um ihre Pflanzen zu retten und die Ursache der Krankheit herausfinden, schleicht sich Alva – bewaffnet mit dem Kräuterbuch ihrer Mutter – heimlich auf ein Handelsboot, wo sie auf Idris und Ariana trifft. Alva hält zunächst wenig davon, dass die beiden sie auf ihrer Reise begleiten wollen, allerdings wird ihr Abenteuer die Kinder immer mehr zusammenwachsen und schließlich zu echten Freunden werden lassen. Ob es ihnen gemeinsam wohl gelingen wird, die Wahrheit ans Licht zu bringen und Altas’ böse Pläne zu verhindern?

Als ich mir damals den Klappentext zum ersten Mal durchlas, war mir sofort klar, dass es sich bei „Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen“ um ein Buch abseits des Mainstreams handelt. Mit dieser Vermutung habe ich auch vollkommen richtig gelegen. Die englische Autorin Yarrow Townsend beschert uns mit ihrem Debüt eine originelle Mischung aus mitreißendem Abenteuerschmöker, warmherziger Freundschaftsgeschichte und informativen Fakten und nimmt uns in eine Welt voller Mysterien und finsterer Machenschaften mit. Dazu noch ein Hauch Magie und eine genau richtige Portion Tiefgang machen diesen Roman wirklich zu etwas Besonderem. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen, muss allerdings sagen, dass ich mir ein bisschen mehr erhofft habe. Obwohl die Story von Beginn an spannend erzählt wird, hat sie mich trotz allem nicht durchweg packen können. Zudem wollte bei mir dieser letzte Funke irgendwie nicht überspringen, mir hat insgesamt einfach etwas gefehlt, etwas, das ich leider nicht näher benennen kann. Aber wie gesagt, mir hat das Erstlingswerk von Yarrow Townsend dennoch gefallen und ich kann es auch nur empfehlen, sowohl Mädchen und Jungen ab 10 Jahren als auch deutlich älteren Leserinnen.

In die Erzählung habe ich mühelos hineingefunden. Yarrow Townsend hat einen angenehmen flüssigen und bildhaften Schreibstil, der sich wunderschön liest und in uns Leser
innen ein wahres Kopfkino entstehen lässt. Man meint die wispernden Stimmen der Pflanzen, die unsere Romanheldin Alva ständig vernimmt, selbst im Ohr zu haben, den Geruch von verschiedenen Gewächsen regelrecht riechen und das Rauschen des reißenden Flusses hören zu können.
Was das Setting angeht, bin ich auf jeden Fall auf meine Kosten gekommen. Die Welt, in die Yarrow Townsend geschaffen hat, strahlt so etwas herrlich Zeitloses aus und verströmt von Anfang an eine märchenhaft-düstere Atmosphäre.

Auch die Charaktere mochte ich sehr, allen voran unsere 12-jährige Hauptprotagonistin Alva, aus deren Sicht alles in der dritten Person geschildert wird. Mit ihr hat die Autorin eine starke Heldin erschaffen, die man trotz ihrer etwas eigenwilligen Art sofort gernhaben muss und vor deren Tapferkeit und Entschlossenheit man nur den Hut ziehen kann. Ich habe Alva sehr rasch in mein Herz geschlossen und für ihre Entschlossenheit und Willensstärke habe ich sie richtig bewundert.
Alva lässt sich so schnell wahrlich nicht ins Bockhorn jagen und würde alles tun, um das zu retten und zu beschützen, was sie liebt. Perfekt ist unsere Hauptfigur jedoch nicht. Sie hat durchaus so ihre Fehler und zeigt sich nicht immer von ihrer besten Seite. So begegnet sie anderen Menschen stets mit großen Misstrauen und Vorurteilen und ist der Ansicht, dass sie auf Hilfe nicht angewiesen ist und prima alleine zurecht kommt. Im Verlauf des Buches wird Alva aber noch erkennen, wie wundervoll und wichtig es ist, gute Freunde an seiner Seite zu haben, die einen unterstützen und auf die man sich verlassen kann. Ich fand es toll mitzuerleben, wie Alva ihre vorgefasste Meinung und Skepsis gegenüber anderen immer mehr ablegt und wie sie und ihre Reisegefährten Idris und Ariana sich mit der Zeit immer mehr anfreunden werden.

Das Buch vermittelt so einige Werte und Botschaften wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, die Schönheit und Wichtigkeit der Natur sowie das Hinauswachsen über sich selbst. Auch die Themen Verlust und Trauer sind Teil der Erzählung und werden mit viel Feingefühl behandelt und viel Wissenswertes über Heilkräuter haben ebenfalls ihren Platz zwischen den Seiten gefunden. Letzteres hat mir besonders gut gefallen. Jeder Kapitelanfang widmet sich einer Pflanze und ihren heilenden Kräften und auch eigentliche Geschichte bringt uns eine Menge interessante Informationen darüber näher, ohne dabei lehrbuchmäßig zu wirken.
Sehr cool fand ich auch die vielen Zwiegespräche zwischen Alva und den Pflanzen. Da Alva eine ganz besondere Bindung zur Natur hat und die Gabe besitzt mit Pflanzen kommunizieren zu können, kommen auch wir Leser*innen immer wieder in den Genuss der flüsternden Pflanzenstimmen, was dem Ganzen etwas faszinierend Geheimnisvolles verleiht.

Mit der Gestaltung hat das Buch ebenfalls bei mir punkten können. Größere Illustrationen, die die Geschichte begleiten, gibt es zwar nicht leider, was ich etwas schade fand, aber dafür sind die Kapitelanfänge mit hübschen schwarz-weiß Vignetten von Pflanzen aufgemacht und auf den Vorsatzpapieren befindet sich eine zauberhafte doppelseitige Landkarte, die das Setting zeigt. Der Torben Kuhlmann kann einfach so schön zeichnen! Ich bin schon seit langem ein großer Fan seiner Zeichenkunst.

Fazit: Yarrow Townsend hat mit ihrem Kinderbuchdebüt „Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen“ eine außergewöhnliche und atmosphärische Abenteuer- und Freundschaftsgeschichte geschrieben, die spannend, unterhaltsam, tiefgründig und lehrreich zugleich ist und uns in eine magisch angehauchte Welt voller Geheimnisse entführt. Mich hat das Buch leider nicht vollends überzeugen können, hatte aber dennoch sehr viel Spaß dabei, Alva und ihre Gefährten auf ihrer gefahrvollen und aufregenden Reise zu begleiten. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2022

Ein absolutes Highlight für mich!

The Boy Who Steals Houses: The Girl Who Steals His Heart
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Als ich beim Durchstöbern der neuen Vorschau des Fischer Verlags auf „The Boy Who Steals Houses“ stieß, konnte der außergewöhnliche Titel meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch das Cover und der ...

Als ich beim Durchstöbern der neuen Vorschau des Fischer Verlags auf „The Boy Who Steals Houses“ stieß, konnte der außergewöhnliche Titel meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch das Cover und der Klappentext direkt ansprachen, stand für mich sehr schnell fest, dass ich das Buch lesen möchte.

Der 15-jährige Sammy Lou und sein älterer autistischer Bruder Avery haben es nicht leicht. Ihre Mutter hat sie vor vielen Jahren verlassen, ihr Vater ist gewalttätig und völlig überfordert mit Averys Verhalten und seit die beiden von ihrer Tante ausgerissen sind, leben sie auf der Straße und sind auf sich alleine gestellt. Um irgendwie über die Runden zu kommen, steigt Sam regelmäßig in verwaiste Häuser ein, klaut Essen und Wertgegenstände und lebt dort so lange wie möglich. Bisher ist immer alles glatt gelaufen – bis zu dem Tag, an dem er in das Haus der De Laineys einbricht. Zu seinem Schrecken kommt die Familie früher als erwartet zurück, doch obwohl er erwischt wird, ruft niemand die Polizei oder schmeißt ihn raus. Im Gegenteil, er wird sogar zum Essen eingeladen. Man hält ihn für den Freund eines der Geschwister und auch wenn Sam weiß, dass es falsch ist, stellt er diesen Irrtum nicht richtig. Die De Laineys sind all das, wonach sich Sam schon so lange sehnt: Eine liebevolle Familie, in der Wärme und Geborgenheit herrschen und alle zusammenhalten. Als Sam sich in die gleichaltrige Moxie verliebt (und ihre himmlichen Waffeln), fällt es ihm nur noch schwerer, die achtköpfige Familie wieder zu verlassen. Seiner dunklen Vergangenheit kann er jedoch nicht entkommen.

Kennt ihr das, ihr schlagt ein Buch auf und möchtet eigentlich nur mal kurz reinlesen, seid dann aber von Beginn an so gebannt und fasziniert von der Story, dass aus den geplanten wenigen Seiten auf einmal immer mehr und letztendlich sehr viele werden? Mir erging es so bei „The Boy Who Steals Houses“. Ich hatte mir ja schon gedacht, dass mir das Buch gefallen wird, aber dass es mich so dermaßen fesseln und beeindrucken würde, hätte ich dann doch nicht erwartet. Ich bin dank des angenehm flüssigen Schreibstils, der mitreißenden Handlung und den kurzen Kapiteln nur so durch die Seiten geflogen und habe die Geschichte innerhalb kurzer Zeit mit großer Begeisterung verschlungen.

Erzählt wird alles aus der Sicht des 15-jährigen Sam in der dritten Person. Mir war unser Romanheld auf Anhieb sympathisch. Dass er ein Dieb ist, sich regelmäßig Zutritt zu fremden verlassenden Häusern verschafft und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, lässt ihn natürlich auf den ersten Blick in keinem guten Licht dastehen, aber da noch deutlich wird, warum er all das tut (und einen Teil kann man ja auch bereits dem Klappentext entnehmen), verzeiht man Sam seine Fehler und muss ihn einfach gernhaben. Ich jedenfalls habe ihn sehr schnell in mein Herz geschlossen. Sam ist ein total lieber und einfühlsamer Kerl und bemerkenswert tapfer und stark, sein älterer autistischer Bruder Avery ist die wichtigste Person in seinem Leben und er würde alles tun, um ihn zu beschützen. Dass Sam erst fünfzehn Jahre alt ist und eigentlich selbst jemanden bräuchte, der ihm hilft und auf ihn aufpasst, verdrängt er gekonnt. Ich habe Sam zutiefst für seine Stärke bewundert und obwohl die Handlung nicht in der Ich-Perspektive geschildert wird, habe ich mich in unserem Protagonisten unglaublich gut ihn hineinversetzen können und all das empfunden, was er empfunden hat: Wut, Verzweiflung, Hilfslosigkeit und Angst, aber auch Hoffnung, Liebe und Freude. Dieses Buch steckt wahrlich voller Emotionen und mit einen auf die reinste Gefühlsachterbahnfahrt mit.

In meinen Augen hat C. G. Drews die schmale Gratwanderung zwischen Ernst und Humor mit Bravour gemeistert. Das Buch behandelt viele wichtige und größtenteils ziemlich schwierige Themen wie Autismus, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und Verlust, der Wunsch nach einem liebevollen Zuhause und nach Zugehörigkeit und Geborgenheit. Die Story ist definitiv keine leichte Kost und stellenweise auch brutal. Sam und sein großer Bruder Avery haben in ihrer Vergangenheit eine Menge Schlimmes durchmachen müssen, wie wir dank zahlreicher Rückblenden erfahren, und auch in der Gegenwart haben es die beiden überhaupt nicht leicht. Eine Triggerwarnung hätte ich daher nicht schlecht gefunden.
Obwohl die Grundstimmung insgesamt eine recht düstere ist und es immer wieder herzzerreißende und dramatische Szenen gibt (vor allem in den Rückblicken), wird die Geschichte niemals zu beklemmend oder heftig. Sie ist oft auch überraschend lustig und lässt einen immer wieder breit schmunzeln. So sorgt vor allem die Familie De Lainey für eine tolle Stimmung und richtig gute Laune.

Der Unterschied zwischen dem Leben der De Laineys und dem von Sam und Avery könnte unterschiedlicher nicht sein. Während die beiden Brüder kaum Liebe und eine Menge Gewalt erfahren haben und ständig Hunger leiden müssen, herrscht bei den De Laineys ganz viel Wärme, Sicherheit und Trubel und Essen gibt es auch genug.
Ich fand die De Laineys einfach nur wundervoll. Ihr Familienleben wird so herrlich chaotisch, lustig und herzlich beschrieben und die Familienmitglieder sind auf ihre jeweilige Art und Weise einzigartig. Man fühlt sich bei ihnen einfach sofort pudelwohl und möchte ihr Zuhause am liebsten gar nicht mehr verlassen. Sams Wunsch, Teil dieser trubeligen achtköpfigen Großfamilie und ihres Alltags zu sein, der sich so krass von dem seinen unterscheidet, habe ich daher nur zu gut nachvollziehen können. Es zeigt sich allerdings noch, dass auch bei den De Laineys nicht alles eitel Sonnenschein ist und sie ihre Sorgen und Probleme haben. Als Leser*in leidet man daher auch mit ihnen mit, vor allem mit Moxie habe ich stellenweise sehr mitgefühlt.
Moxie hat mir mit ihrer durchsetzungsstarken und toughen Art ganz besonders gut gefallen. Sie ist zwar meist sehr mürrisch drauf, aber da man noch die Gründe dafür erfährt, kann man ihr kratzbürstiges Verhalten absolut verstehen. Also ich fand Moxie klasse und die Liebesgeschichte, die sich zwischen ihr und Sam entwickeln wird, mochte ich ebenfalls sehr gerne. Sie ist glaubhaft und zart und fügt sich stimmig ins Geschehen ein.

Neben der Lovestory hat mich auch die Darstellungsweise von Sams autistischem großen Bruder Avery überzeugen können. Da ich keine Erfahrungen mit Autismus habe, kann ich nun natürlich nicht sicher sagen, ob die Veranschaulichung wirklich authentisch ist, allerdings gehe ich sehr davon aus, dass dem so ist. Auf mich jedenfalls hat alles sehr realistisch gewirkt.

Das Ende hat mich ebenfalls vollkommen zufriedenstellen können. Es ist kein klassisches Happy End und recht offen, es lässt einen aber voller Hoffnung zurück und passt in meinen Augen perfekt zur Geschichte. Also für mich hat hier einfach alles gestimmt. Dies war mein erstes Werk von der US-amerikanischen Autorin C. G. Drews und es wird bestimmt nicht mein letztes gewesen sein.

Fazit: Ein eindrucksvoller Roman, der mitreißt, berührt und aufwühlt und einen einfach nicht mehr loslässt!
„The Boy Who Steals Houses“ von C. G. Drews ist so ein Buch, bei welchem ich sehr hoffe, dass es die Aufmerksamkeit erhalten wird, die es verdient. Ich kann es nur empfehlen, für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight! Es ist emotional, intensiv, ehrlich und ergreifend, es ist schmerzhaft und wunderschön zugleich und von der ersten bis zu letzten Seite absolut fesselnd. Ich habe es so richtig weggesuchtet und eine unvergessliche Zeit mit Sam, Avery und den weiteren großartigen Charakteren verbracht. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2022

Ein zauberhaftes Weihnachtsabenteuer voller Fantasie, Warmherzigkeit und Magie!

Der Weihnachtosaurus und die böse Liste
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Was war meine Freude groß als ich hörte, dass dieses Jahr endlich der dritte Teil vom Weihnachtosaurus auf Deutsch erscheinen wird. Die ersten beiden Bände habe ich richtig geliebt, für mich ist diese ...

Was war meine Freude groß als ich hörte, dass dieses Jahr endlich der dritte Teil vom Weihnachtosaurus auf Deutsch erscheinen wird. Die ersten beiden Bände habe ich richtig geliebt, für mich ist diese Reihe eine der schönsten Weihnachtsbuchserien, die ich kenne. Den dritten Band musste ich daher natürlich unbedingt bei mir einziehen lassen.

Die Adventszeit hat begonnen und im Weihnachtshauptquartier am Nordpol sind die Vorbereitungen für Heiligabend bereits im vollen Gange. Auch der Weihnachtsmann erfüllt seine jährlichen Pflichten und widmet sich wie in jedem Jahr am 1. Dezember der berüchtigten Liste der unartigen und artigen Kinder. Zu seinem Entsetzen muss der Weihnachtsmann dabei feststellen, dass auf der bösen Liste der Unartigen deutlich mehr Namen stehen als auf der mit den Artigen. Und nicht nur das: Auch William Trudel, der beste Freund des Weihnachtosaurus, gehört in diesem Jahr zu den ungezogenen Kindern. Der Weihnachtsmann und sein Dino können es gar nicht glauben. Was ist nur passiert, das dazu geführt hat, dass Williams Name auf der bösen Liste aufgetaucht ist? Für den Weihnachtosaurus steht sofort fest, dass er der Sache nachgehen muss. Und eine weitere wichtige Mission wartet auf ihn: Er muss unbedingt dafür sorgen, dass die Listen wieder im Gleichgewicht sind – schafft er dies nicht, würde es kein Weihnachten mehr geben. Der Weihnachtosaurus begibt sich daraufhin auf eine abenteuerliche Reise. Ob es ihm wohl gelingen wird, den unbraven Kindern dabei zu helfen ihre Fehler einzusehen und das Weihnachtsfest zu retten?

Obwohl es bei mir nun schon wieder eine ganze Weile her ist, dass ich die ersten beiden Bände gelesen habe und mir die genauen Ereignisse inzwischen nicht mehr so präsent waren, habe ich problemlos in das Weihnachtosaurus-Universum zurückgefunden. Meiner Ansicht nach muss man die beiden Vorgänger auch gar nicht kennen, um der Handlung im dritten Band folgen zu können. Die Bücher bauen zwar aufeinander auf, aber da die Geschichten dennoch sehr abgeschlossen sind und alles Wichtige erklärt wird, sind sie in meinen Augen gut unabhängig voneinander lesbar. Ich kann allerdings trotzdem nur raten, die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Die Lesefreude ist dann einfach um einiges höher.

Was mein Lesevergnügen anbelangt, kann ich nur sagen, dass ich mich eindeutig zurecht so sehr auf das neue Weihnachtosaurus-Abenteuer gefreut habe. Im Vergleich zu den zwei vorherigen Teilen habe ich diesen Band zwar als ein klein wenig schwächer empfunden, aber ein Highlight war er dennoch für mich, auf jeden Fall. Auch „Der Weihnachtosaurus und die böse Liste“ steckt voller Fantasie, herrlicher Weihnachtsmagie und toller Lebensweisheiten und wird mit viel Liebe und Humor erzählt. Ich habe mich von den ersten Zeilen an pudelwohl in der Geschichte gefühlt und eine wunderschöne, und leider viel zu kurze Zeit zwischen den Buchdeckeln verbracht.

Anders als in den Vorgängern, in denen William Trudel eine der Hauptpersonen ist, übernimmt er in diesem Band nur eine sehr kleine Rolle und taucht erst zum Ende hin auf, genauso wie sein weihnachtsverrückter Dad Bob und seine neue Stieffamilie. Tatsächlich hat es mich gar nicht gestört, dass die Auftritte der Trudels dieses Mal recht kurz ausfallen. Ein bisschen vermisst habe sie natürlich schon, vor allem Bob Trudel mit seiner großen Weihnachtsbegeisterung, aber da das Buch dafür mit vielen anderen Großartigkeiten und neuen wundervollen Charakteren aufwarten kann, fand ich es letztendlich wirklich nicht schlimm, dass William diesmal nicht durchweg dabei ist.

„Der Weihnachtosaurus und die böse Liste“ besteht aus mehreren einzelnen Geschichten, die sich zusammen zu einer fortlaufenden Story und einem rundum stimmigen Gesamtpaket vereinen. Jede Erzählung widmet sich einem der Kinder, die es – aus völlig unterschiedlichen Gründen – auf die berüchtigte böse Liste der Unartigen geschafft haben. Da wäre zum Beispiel Ronnie Pranke, der Fäuste wie Kartoffeln hat und seinen Mitschülerinnen immer ihr Taschengeld wegnimmt. Oder die Prinzessinnen-Zwillinge Schicki und Micki von Schnösel, die superreich und wahnsinnig verwöhnt sind und sämtliche Spielsachen besitzen, die es auf dieser Welt gibt – und zwar in mehrfacher Ausführung. Mit der Hilfe des Weihnachtosaurus werden die unbraven Kinder ihr falsches Verhalten aber einsehen und sich daraufhin ändern und bessern. Mitzuerleben wie sich die Kinder ihrer Fehler bewusst werden, wie sie realisieren, dass sie nicht nur sich selbst, sondern auch anderen schaden und sich daraufhin zum Positiven wandeln, hat mich sehr berührt und glücklich gemacht.

Seine Fehler erkennen und wieder gutmachen und aus ihnen lernen, eine zweite Chance erhalten – diese Messages werden hier unter anderem vermittelt. Das Buch handelt zudem von Familie, Freundschaft und Ehrlichkeit, von der Kraft des Glaubens und davon, was im Leben wirklich wichtig ist. All diese Dinge haben ihren Platz in der Erzählung gefunden, warmherzig und kindgerecht verpackt in einem spannenden, lustigen und dinotastischen Weihnachtsabenteuer.

Ich kann euch versprechen: Langeweile kommt beim Lesen garantiert auf. Da die einzelnen Stories so verschieden sind und man bei jeder neuen Geschichte immer schon ganz gespannt ist, was einen wohl diesmal Aufregendes erwartet, gerät man beim Lesen ordentlich ins Mitfiebern und mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Auch die witzigen Momente können sich sehen lassen. So sorgt zum Beispiel der Autor selbst mit seiner direkten Ansprache an uns Leser
innen mal wieder für die beste Unterhaltung und jede Menge gute Laune. Aber auch sonst enthält dieser Band zahlreiche amüsante Szenen, die einem immerzu ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern.

Mit den Charakteren hat mich der Autor ebenfalls wieder komplett überzeugen können. Ob alte Bekannte wie William, der Weihnachtsmann und die singenden Wichtel oder die vielen neuen Gesichter – alle wurden sie liebevoll ausgearbeitet und sind auf ihre Art und Weise einzigartig. Am besten gefallen hat mir natürlich wieder der Held dieses Buch: Der Weihnachtosaurus. Mit diesem zuckersüßen und herzensguten Dino hat der Tom Fletcher einfach eine unvergleichbare Figur erschaffen, man muss den Weihnachtosaurus einfach lieben.

Empfohlen wird die Reihe für Kinder ab 8 Jahren und dem schließe ich mich an. Für geübte Leser*innen ab diesem Alter bieten sich die Bücher meinem Empfinden nach ideal zum Selberlesen an. Die Schrift ist angenehm groß, die Kapitel sind sehr kurz, der Schreibstil ist leicht und humorvoll und es gibt zahlreiche Illustrationen und kreative Schriftspielereien, die den Text auflockern und das Lesen zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Ich, als Erwachsene, habe das Buch trotz seiner über 400 Seiten quasi in einem Rutsch durchgelesen und leider viel zu schnell wieder beendet.

Und zu guter Letzt noch ein paar Worte zu der Innengestaltung, diese darf schließlich auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben. Shane Devries, der bereits die Vorgänger bebildert hat, hat auch diesen Band mit vielen zauberhaften schwarz-weiß Illustrationen versehen, die superniedlich gezeichnet sind und die die magische Atmosphäre der Geschichte hervorragend einfangen.

Fazit: Ein fantastisches Abenteuer voller wunderbarem Weihnachtszauber, Herzenswärme und Magie!
Tom Fletcher hat mit „Der Weihnachtosaurus und die böse Liste“ ein weiteres perfektes Weihnachtsbuch für die ganze Familie geschrieben, das wie die zwei vorherigen Bände voll gespickt ist mit wertvollen Botschaften, bezaubernden Charakteren und fantasievollen Ideen und zum Träumen schön von Shane Devries illustriert ist. Ich kann auch diesen Band nur empfehlen, mich hat er vollkommen verzaubern können. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, den Weihnachtosaurus auf seiner neuen weihnachtlichen Mission zu begleiten und ich hoffe sehr auf ein weiteres Wiedersehen mit ihm. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2022

Spannend, witzig, warmherzig und aufrüttelnd. Ein tolles Kinderbuch!

Ajay und die Tintenhelden
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Als ich zum ersten Mal von „Ajay und die Tintenhelden“ hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Cover gefiel mir auf Anhieb, ich liebe diese orientalischen Vibes, die es ausstrahlt, und da ich mich ...

Als ich zum ersten Mal von „Ajay und die Tintenhelden“ hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Cover gefiel mir auf Anhieb, ich liebe diese orientalischen Vibes, die es ausstrahlt, und da ich mich auch der Klappentext direkt ansprach, stand für mich sehr schnell fest, dass ich das Buch lesen möchte.

Ajay ist als Straßenjunge in Mumbai aufgewachsen und hat einen großen Traum: Er möchte ein bekannter Journalist zu werden. Mehr als zum Zeitungsverkäufer hat er es bisher allerdings noch nicht gebracht. Dies soll sich jedoch ändern, als er eines Tages eine alte ausrangierte Druckerpresse findet. Ajay hat daraufhin eine tolle Idee: Er gründet einfach seine eigene Zeitung! Dank seines Freundes Saif, der Ingenieurlehrling ist, ist die Maschine schnell repariert und seine Freundin Yasmin, die großartig zeichnen kann, ist sofort bereit, die Illustrationen für die Artikel zu liefern. Nun fehlt nur noch eine gute Story. Ajay begibt sich auf die Suche...und stolpert mitten hinein in ein gefährliches Abenteuer. Die Textilfabrik, in der Yasmin täglich hart arbeitet, ist unter mysteriösen Umständen eingestürzt. Für Ajay und seine Freunde steht sofort fest, dass sie der Sache nachgehen müssen. Bei ihrem Versuch, die Wahrheit ans Licht zu bringen, bekommen sie es mit einigen der einflussreichsten Menschen Mumbais zu tun und diese halten natürlich gar nichts davon, dass sich eine Bande Straßenkinder mit ihnen anlegt und ihre Pläne zu vereiteln versucht. Ob es den gewitzten Freunden wohl gelingen wird für Gerechtigkeit zu sorgen?

Als ich mit dem Lesen begann, war mir bereits nach wenigen Seiten klar, dass ich mal wieder den richtigen Riecher gehabt habe und mit „Ajay und die Tintenhelden“ ein Buch in Händen halte, das mir richtig gut gefallen wird. Inzwischen habe ich es beendet und tja, was soll ich sagen, mein erster Eindruck hat mich getäuscht – mich hat Varsha Shah mit ihrem Kinderbuchdebüt hellauf begeistern können. Ich habe dank des flüssigen und leichten Schreibstils mühelos in das Buch hineingefunden und da ich es kaum mehr aus der Hand legen konnte, habe ich es nahezu in einem Rutsch durchgelesen.

Geschildert wird alles aus der Sicht des 12-jährigen Straßenjungen Ajay in der dritten Person. Mir war unser Hauptprotagonist direkt sympathisch. Ich mochte seine pfiffige und humorvolle Art total gerne und für seine Entschlossenheit und Tapferkeit und sein großes Selbstbewusstsein habe ich ihn richtig bewundert. Stellenweise war mir Ajay für sein Alter allerdings fast schon etwas zu mutig und selbstsicher drauf, muss ich gestehen. Groß gestört hat mich dieser Aspekt jedoch nicht. Ich habe Ajay dennoch innerhalb kurzer Zeit fest in mein Herz geschlossen und mich nur zu gerne von ihm in seine Welt mitnehmen lassen.

Im Verlauf der Geschichte dürfen wir noch viele weitere unterschiedliche Charaktere kennenlernen, die wie unser Romanheld liebevoll und glaubhaft gezeichnet sind und alle ihre Besonderheiten besitzen. Nett und freundlich sind sie jedoch nicht alle. Ajay und seine Freunde Yasmin, Jai, Vinod und Saif werden auf ihrer Mission auf so einige unangenehme und machthungrige Personen treffen, die wahrlich vor nichts zurückschrecken, um ihre fiesen Pläne in die Tat umzusetzen.

Die Erzählung befasst sich insgesamt mit einer Vielzahl wichtiger und teils auch schwerer Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Kinderarbeit und Armut. Auf eine ehrliche, aber stets kindgerechte Weise wird uns vor Augen geführt, was für unmenschliche Arbeitsbedingungen in vielen Textfabriken Indiens herrschen und wie groß und gravierend die Folgen von Fast Fashion sind. Wir erhalten überdies einen, sofern ich das beurteilen kann, sehr realistischen Einblick in das Leben in den Slums Mumbais und erfahren, wie hart es vor allem Straßenkinder haben. Die Story liefert eine Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren und rüttelt auf, sie wird aber an keiner Stelle zu heftig oder ernst. Sie steckt zugleich auch voller Hoffnung und mutmachender Botschaften und zeigt uns, dass man niemals zu klein ist, um die Welt ein Stückchen besser zu machen und man gemeinsam eine Menge schaffen und erreichen kann. Zusammenhalt, Mut und Freundschaft, der Glaube an sich selbst und das Kämpfen für seine Ziele und Träume – von all diesen Dingen handelt das Buch neben den bereits genannten Themen noch, gelungen verpackt in einem fesselnden, witzigen und warmherzigen Abenteuer, das uns in das ferne Indien mitnimmt und das, obwohl es in der heutigen Zeit spielt, einen herrlich zeitlosen Charme verströmt.

Mit dem Stichwort Indien leite ich dann auch mal zum Setting über. Mir hat die Kulisse unheimlich gut gefallen. Varsha Shah beschreibt sämtliche Orte sehr bildhaft und stimmungsvoll, sodass man sich alles ganz genau vorstellen kann und in den Genuss einer wundervollen Atmosphäre kommt. Klasse fand ich auch, dass viele indische Begriffe und Gerichte genannt werden, die hinten im Buch erklärt werden, und die das Ganze nur noch authentischer machen (und stellenweise auch die große Lust auf fernöstliche Speisen in einem erwecken).

Das Ende ist abgeschlossen und schließt die Erzählung stimmig ab, es lässt allerdings genügend Spielraum für eine Fortsetzung. Ich persönlich gehe eher davon aus, dass es sich bei „Ajay und die Tintenhelden“ um einen Einzelband handelt, aber wer weiß, vielleicht irre ich mich ja auch. Ich würde mich jedenfalls sehr über einen zweiten Teil freuen.

Und zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Innengestaltung. Diese darf schließlich auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben.
Sònia Albert, der wir auch dieses tolle Cover zu verdanken haben, hat das Buch mit vielen bezaubernden schwarz-weiß Illustrationen versehen, die die Stimmung der Geschichte perfekt einfangen und das Leseerlebnis nur noch schöner machen.

Fazit: Varsha Shah hat mit ihrem Debüt „Ajay und die Tintenhelden“ einen wunderbaren Kinderroman ab 10 Jahren geschrieben, der informiert und wachrüttelt wie ein Zeitungsartikel, zum Mitfiebern einlädt wie ein spannendes Detektivabenteuer, berührt wie eine herzerwärmende Freundschaftsgeschichte und nicht für Kinder absolut lesenswert ist. Mir hat es jede Menge Freude bereitet, Ajay und seine Freunde auf ihrem Abenteuer zu begleiten und ich hoffe sehr auf ein Wiedersehen mit ihnen. Ich kann das Buch nur empfehlen und vergebe 4,5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2022

Ein wundervolles und ganz besonderes Buch voller Poesie, Herz und Tiefgang!

Die Sprache der Freundschaft
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Als ich das erste Mal von „Die Sprache der Freundschaft“ hörte, wusste ich sofort, dass ich das Buch lesen muss. Beim Cover war es bei mir Liebe auf den ersten Blick und der Klappentext klang nach einer ...

Als ich das erste Mal von „Die Sprache der Freundschaft“ hörte, wusste ich sofort, dass ich das Buch lesen muss. Beim Cover war es bei mir Liebe auf den ersten Blick und der Klappentext klang nach einer Story ganz nach meinem Geschmack. Von der US-amerikanischen Autorin Claudia hatte ich bisher noch nichts gelesen. „Die Sprache der Freundschaft“ sollte also mein erstes Werk aus ihrer Feder werden.

Betsy und Lizard gehen in die sechste Klasse und sind seit dem dritten Schuljahr die besten Freundinnen. Beide heißen eigentlich Elizabeth, nur sprechen sie sich gegenseitig immer nur mit ihren Spitznamen an: Biene und Lizard. Bis auf ihre gleichen Namen haben die beiden jedoch kaum etwas gemeinsam. Lizard hat vor nichts Angst und will immer alles bestimmen und bei allem die Erste sein, sie ist wie eine Sturmwolke und ein Wirbelwind. Betsy dagegen fürchtet sich vor vielen Dingen und ist sehr gut darin, die Zweite zu sein, sie ist wie ein Blatt, das in die Luft gehoben und umhergeweht wird.
Als Betsy Lizard erzählt, dass ihre Mutter, die Linguistik-Professorin an der Uni ist, über aussterbende Sprachen schreibt, ist sie sofort begeistert. Sie möchte unbedingt eine bedrohte Sprache retten und startet zusammen mit Betsy ein Projekt. Die Mädchen versuchen Guernésiais zu lernen, doch während Lizard mit Feuereifer dabei ist, fühlt sich Betsy zunehmend eingeengt in ihrer Freundschaft. Sie möchte auch mal Zeit mit anderen Mädchen verbringen und neue Dinge ausprobieren, wie zum Beispiel bei dem Schultheaterstück „Alice im Wunderland“ mitmachen. Obwohl Lizard dagegen ist, tritt Betsy der Theater-AG bei und trifft sich immer häufiger mit Zoey, die fantastische Kuchen backen kann. Betsy und Lizard entfernen sich immer weiter voneinander. Als dann etwas Schlimmes in Betsys Leben passiert und sie dringend jemanden an ihrer Seite braucht, ist es ausgerechnet Lizard, die sie im Stich lässt.

Irgendwie ist es völlig an mir vorbeigegangen, dass es sich bei diesem Buch um einen Versroman handelt. Ich war beim Aufklappen daher etwas überrascht als ich sah, dass die Erzählung ausschließlich in freien Versen verfasst wurde. Normalerweise greife ich zu solchen Bücher nicht ganz so gerne, allerdings habe ich auch schon welche gelesen, die mir gefallen haben und die sich sogar als ein Highlight für mich entpuppt haben. So wie „Die Sprache der Freundschaft“.

Mich hat das Buch mit seinem ausdrucksstarken Erzählstil von den ersten Zeilen an begeistern können. Die Geschichte ist in einer herrlich poetischen Sprache geschrieben, die sich wunderschön liest, und wird mit viel Authentizität aus der Sicht eines 11-jährigen Mädchens geschildert.
Betsy, unsere Protagonistin und Ich-Erzählerin, habe ich direkt in mein Herz geschlossen. Mit ihr hat die Autorin eine bezaubernde Hauptperson erschaffen, die man mit ihrer liebenswerten Art einfach sofort gernhaben muss und der man sich beim Lesen unheimlich nahe fühlt. Ich habe mich von Betsy nur zu gerne in ihre Welt mitnehmen lassen und fand es großartig mitzuerleben, wie sie im Verlauf des Buches an Selbstbewusstsein und Stärke gewinnt und zunehmend erkennt, was im Leben wirklich zählt.

Neben Betsy wurden auch die weiteren Charaktere realistisch gezeichnet und sind auf ihre Art und Weise einzigartig. Da hätten wir zum Beispiel Lizard, die seit der dritten Klasse Betsys beste Freundin ist und die eine ziemlich spezielle Persönlichkeit besitzt. Als sympathisch kann man Lizard eigentlich nicht bezeichnen, mit ihrem tonangebenden und besitzergreifenden Wesen. Ich fand es oft erschütternd zu sehen, wie dominant sie sich gegenüber ihrer Freundin verhält und wie sehr sie sie einengt. Betsy wiederum lässt sich eine lange Zeit viel zu viel gefallen und das, wo ihr durchaus klar ist, dass Lizards Verhalten nicht okay ist. Doch nicht nur zwischen den beiden läuft nicht alles rund – auch bei ihnen zu Hause ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Das Buch befasst sich mit so einigen schweren Themen wie toxische Beziehungen, psychische Erkrankungen (Depressionen und Alkoholismus) und das Auseinanderleben von Freunden. Die Stimmung ist insgesamt schon recht ernst, sie wird aber niemals zu drückend oder traurig. Claudia Mills behandelt alles sehr einfühlsam und kindgerecht, sodass die Altersangabe mit ab 10 Jahren in meinen Augen absolut passend ist. Die Geschichte ist zudem stellenweise auch unterhaltsam und lässt einen schmunzeln, was vor allem der kindlichen Unschuld und Weltanschauung unserer Protagonistin zu verdanken ist.
Neben den bereits genannten Themen handelt die Erzählung auch noch von Familie und Freundschaft, von aussterbenden Sprachen und dem Mut, Neues auszuprobieren und man selbst zu sein. Die Story vermittelt eine Menge wertvoller Botschaften und regt zum Nachdenken an und da sie überdies auch viele interessante Fakten über Sprachen enthält und uns vor Augen führt, wie schön und wichtig die sprachliche Vielfalt ist, ist sie auch sehr informativ und inspirierend. Als Schullektüre kann ich mir das Buch nur zu gut vorstellen, meiner Meinung nach ist es dafür ideal geeignet.

Für mich kam beim Lesen an keiner Stelle Langeweile auf. Da nicht nur die Sprachen-Rettungsaktion von Betsy und Lizard für jede Menge Aufregung und Spannung sorgt, sondern auch die Ereignisse bei Betsy zu Hause sowie das Schultheaterstück „Alice im Wunderland“, bei dem unsere Romanheldin mitmacht, reißen einen die Geschehnisse durchweg mit, sodass man mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mag. Die Geschichte liest sich dank der Verse und den sehr kurzen Kapiteln zudem extrem flott. Ich, als Erwachsene, habe das Buch nahezu in einem Rutsch durchgelesen und leider viel zu schnell beendet.

Fazit: Der US-amerikanischen Autorin Claudia Mills ist mit „Die Sprache der Freundschaft“ ein ganz besonderer Kinderroman ab 10 Jahren gelungen, den ich jedem, egal ob Jung oder Alt, nur ans Herz legen kann. Ich bin vollkommen begeistert von dem Buch. Es erzählt eine fesselnde, ergreifende und lehrreiche Geschichte über bedrohte Sprachen, verlorene und neue Freundschaften und Selbstfindung, es steckt voller Poesie, Ehrlichkeit und Tiefgang und verzaubert uns mit einer wunderbar bildlichen Sprache und viel leckerem Kuchen. Ich habe Betsy nur zu gerne auf ihrem Weg begleitet und vergebe 5 von 5 Sternen!

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