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Veröffentlicht am 31.05.2018

Überraschende Wendungen

Oxen. Der dunkle Mann
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Der Protagonist und seine Geschichte
Der hochdekorierte Ex-Elitesoldat Niels Oxen leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung und hat sieben immer wiederkehrende Alpträume.

In Band 1 hatte er ...

Der Protagonist und seine Geschichte
Der hochdekorierte Ex-Elitesoldat Niels Oxen leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung und hat sieben immer wiederkehrende Alpträume.

In Band 1 hatte er sich in der Einsamkeit der dänischen Wälder verkrochen um seinen Frieden zu finden. Doch als er bei einem seiner Streifzüge auf einen Toten stieß, geriet er in die Schusslinie von Polizei und Geheimdienst. Gezwungenermaßen arbeitete er anschließend mit der Agentin Margrethe Franck zusammen und konnte sich von den Anschuldigungen entlasten. In diesem Zusammenhang kamen sie auf die Spur des Danehofes, einer Art mitteralterlichem Parlament, das es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Am Ende von Band 1 übergibt Oxen dem Historiker Malte Bulbjerg, der über den Danehof recherchiert, verschiedene Unterlagen. Danach verschwindet er wieder spurlos.

In Band 2 arbeitet Niels Oxen unter falschem Namen bei einem Fischzüchter in der Abgeschiedenheit Jütlands. Ohne Anschluss an die Zivilisation hört er zunächst nichts darüber, dass Malte Bulbjerg ermordet wurde. Als die Fischzucht überfallen wird, muss flüchtet Oxen zu Margrethe Franck. Die beiden recherchieren erneut gegen den Danehof, doch dann stellt man ihnen eine Falle und sie geraten einmal mehr in Gefahr.

Meine Gedanken zum Buch
Wer Niels Oxen noch nicht kennt, sollte unbedingt zunächst den ersten Band lesen, um alle Zusammenhänge zu verstehen.

Jens Henrik Jensen hat sich für ungewöhnliche Protagonisten entschieden. Während Oxen psychische Probleme aus dem Krieg mit nach Hause gebracht hat, hat Margrethe Franck mit einer körperlichen Einschränkung zu kämpfen, die sie sich ebenfalls im Einsatz zugezogen hat. In einem Interview hat Jens Henrik Jensen erzählt, dass er Oxen bewusst so dargestellt hat, dass man erst zur Mitte des ersten Bandes mit ihm warm wird. Das kann ich bestätigen, anfangs war er mir suspekt, doch von Seite zu Seite ist er mir mehr ans Herz gewachsen. In Band 2 erhält der Leser nun weiteren Einblick in die Psyche der beiden Protagonisten.

Auch in diesem Band hat der Autor wieder auf wahre Ereignisse um den Einsatz dänischer Soldaten im Balkankrieg in seine Geschichte eingebaut. Auch hierzu hat sich der Autor in einem Interview geäußert. Er bezeichnet den Balkankrieg als schwarzes Kapitel der europäischen Geschichte, das in Vergessenheit geraten ist. Und wenn ich ehrlich bin, muss ich ihm recht geben, die Kenntnisse und Erinnerungen an die Kriege in Ex-Jugoslawien sind mir lange nicht mehr so präsent wie 9/11, Enduring Freedom oder der Golfkrieg. Jensen möchte nicht nur gute Geschichten schreiben, sondern auch wesentliche Geschichten erzählen und das ist ihm hier wieder gelungen.

Erneut dreht sich vieles um den Danehof, der scheinbar über Jahrhunderte weg eine Art Schattenregierung gebildet hat und das Land aus dem Hintergrund hinaus lenkt. Während man sich als Leser noch die Verbindungen zusammenreimt, überrascht der Autor mit Wendungen, die so nicht zu erwarten waren und die das ganze Konstrukt, dass man sich im Kopf zusammengereimt hat, zum Einsturz bringen.

Mir hat der erste Band einen Ticken besser gefallen, da ich bei „Der dunkle Mann“ mit ein paar Längen zu kämpfen hatte, dennoch konnte mich auch Band 2 überzeugen. Im Sommer 2018 erscheint der Abschluss dieser Trilogie und ich bin sehr gespannt, wie Jens Henrik Jensen die Ereignisse um den Danehof zu Ende bringen wird.

Veröffentlicht am 31.05.2018

Sehr bewegend und tiefgründig

Das Haus am Sunset Lake
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Jim Johnson ist mit knapp 40 Jahren auf dem besten Weg neuer CEO der Omari-Hotelkette zu werden. Doch zwischen ihm und dieser Beförderung liegt die Casa D´Or, jenes Haus in Savannah, Georgia, in dem er ...

Jim Johnson ist mit knapp 40 Jahren auf dem besten Weg neuer CEO der Omari-Hotelkette zu werden. Doch zwischen ihm und dieser Beförderung liegt die Casa D´Or, jenes Haus in Savannah, Georgia, in dem er vor zwanzig Jahren auf Jennifer Wyatt traf. Jennifer hatte gerade das College abgeschlossen und war in das Haus ihrer Eltern zurückgekehrt, als die Familie Johnson für einige Monate in ein Haus auf der gegenüberliegende Seite des Sunset Lake zog.

Lange Zeit verband Jennifer und Jim damals nur eine tiefe Freundschaft, weil sie sich ihre Gefühle füreinander nicht eingestehen wollten. Nachdem sie endlich zueinander gefunden hatten, war ihr Glück aber nur von kurzer Dauer, denn in der Casa D´Or ereignete sich eine Tragödie, die Jennifer dazu veranlasste, Jim wegzuschicken – die beiden haben sich nie wieder gesehen.

Jetzt, zwanzig Jahre später, will Jims Chef unbedingt die Casa D´Or kaufen, um dort ein weiteres Hotel zu eröffnen. Obwohl Jim sich im Klaren darüber ist, dass ein Besuch am Sunset Lake alte Wunden aufreißen wird, nimmt er Kontakt zu den Wyatts auf.

Tasmina Perry startet ihr Erzählung im Jahr 1995 in Savannah. Von dort springt die Geschichte 20 Jahre weiter und der Leser lernt zunächst Jim Johnson und später auch Jennifer Wyatt kennen und erfährt, was in ihrer beider Leben gerade passiert. In der Folge erzählt die Autorin in mehreren Rückblenden, was sich Mitte der 1990er Jahre in Savannah zugetragen hat. Lange Zeit deutet die sie nur an, was damals passiert ist und was zur Trennung des jungen Paares geführt hat. Bis zur Hälfte des Buches empfand ich die Geschichte zwar als völlig unaufgeregt aber überaus spannend.

So bedächtig dieser Teil des Buches auch ist, im weiteren Verlauf überschlagen sich die Ereignisse und stürzen die Protagonisten gleich mehrfach in ein Gefühlschaos von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Die Wendungen, die die Geschichte nimmt, haben mich stellenweise völlig überrumpelt und immer, wenn ich dachte, Jennifer und Jim finden endlich zueinander, ereignete sich etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Dies hatte auch zur Folge, dass ich mir bis zum Ende des Buches nicht sicher war, ob es ein Happy End für die beiden Protagonisten geben wird.

„Das Haus am Sunset Lake“ ist ein sehr bewegender und tiefgründiger Roman, den ich, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen konnte, bis ich jedes schonungslose Detail kannte und wusste, ob es eine zweite Chance für Jennifer und Jim gibt.

Veröffentlicht am 31.05.2018

Die Liebe zum geschriebenen Wort

Der Zauber zwischen den Seiten
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Die Protagonisten und ihre Geschichte
Sofia Bauer hat ihr Leben während ihrer Beziehung zu Alberto vollständig nach ihm ausgerichtet und ihren Beruf aufgegeben. Sie bemerkt, dass ihr etwas in ihrem Leben ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte
Sofia Bauer hat ihr Leben während ihrer Beziehung zu Alberto vollständig nach ihm ausgerichtet und ihren Beruf aufgegeben. Sie bemerkt, dass ihr etwas in ihrem Leben fehlt. Als sie bei einem alten Buchhändler ein abgenutztes Buch von Carl Philipp Fohr entdeckt, den sie sehr verehrt, beschließt sie, das Buch zu restaurieren. Bei dieser Arbeit entdeckt sie einen versteckten Brief einer gewissen Clarice Marianne von Harmel, die im 19. Jahrhundert gelebt hat.

Wie für Sofia selbst waren Bücher auch für Clarice die Möglichkeit, der Realität zu entfliehen und in andere Welten einzutauchen. Die junge Adelige erzählt in der Aufzeichnung aus ihrer Kindheit und Jugend und dass sie heimlich in der Kunst des Buchbindens ausgebildet wurde, was zu jener Zeit Männern vorbehalten war.

Sofia ist fasziniert von Clarice, sie findet ein Stück weit wieder zurück zu sich selbst und sie hofft, in zwei anderen Bänden weitere Briefe von Clarice zu finden, da deren Geschichte noch nicht abgeschlossen zu sein schien. Unterstützung findet sie dabei in dem Graphologen Tomaso Leoni. Bei ihrer Suche nach den Büchern, die sie quer durch Europa führt, stoßen die beiden auf eine unglaubliche Geschichte.

Meine Gedanken zum Buch
Cristina Caboni erzählt im Wechsel die Geschichten von Sofia und Clarice, wobei jedes Kapitel mit einem Zitat bedeutender Persönlichkeiten wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, Oscar Wilde, Charles Dickens, Victor Hugo und anderen überschrieben ist.

Wenngleich wir es nicht schaffen, die Dinge unseren Wünschen anzupassen, passen sich mit der Zeit unsere Wünsche an.

(Marcel Proust, Zitat aus Kapitel 13)

Die Autorin zeigt auf, wie sich das Leben von Frauen in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat. Dabei hat sie wunderbar herausgearbeitet wie Clarice mit vielen Widrigkeiten ihrer Zeit zu kämpfen und sich den Männern unterzuordnen hatte. Im Gegensatz zu ihr hätte Sofia in der Gegenwart so viel mehr Möglichkeiten, die sie aber freiwillig aufgegeben hat, um sich den Wünschen ihres Mannes zu beugen. Was die beiden Frauen vereint ist ihre Liebe zu Büchern und der Buchbinderei, durch die sie sich verwirklichen können und die ihnen Sicherheit in ihrer jeweiligen Situation bietet, so dass sie sich beide weiterentwickeln können.

Das Buch hat mich nicht sofort eingenommen, aber es hat mich von Seite zu Seite mehr fasziniert. Obwohl ich kein Fan historischer Romane bin, hat mich die Geschichte um Clarice sogar mehr in den Bann ziehen können, als die Geschichte um Sofia. Die teilweise tiefgründige Thematik hat Cristina Caboni in einem wunderbar leichten Schreibstil verarbeitet. Leider ergibt sich dadurch auch ein Kritikpunkt, nämlich der, dass die Szenen, in denen Clarice mit Gewalt konfrontiert wird, durch den lockeren Schreibstil ein wenig verharmlost wurden.

Doch der Roman ist seinem Titel absolut gerecht geworden. Der Zauber von Büchern war zwischen den Seiten spürbar und es war herrlich, zu erleben, wie die beiden Frauen sich durch ihre Liebe zu geschriebenen Worten verändert und ihren Weg gefunden haben.

Veröffentlicht am 07.05.2018

Hab mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt

Barfuß im Sommerregen
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Die Protagonistin und ihre Geschichte
Die Singlemama Romy braucht dringend einen Job und eine neue Wohnung und das am besten außerhalb von München, weil die Stadt schlichtweg zu teuer für sie geworden ...

Die Protagonistin und ihre Geschichte
Die Singlemama Romy braucht dringend einen Job und eine neue Wohnung und das am besten außerhalb von München, weil die Stadt schlichtweg zu teuer für sie geworden ist. Nach einen gescheiterten Bewerbungsgespräch entdeckt sie eine Annonce. Es wird eine Haushälterin für den Rentner Alfred gesucht, gegen kostenlose Unterbringung auf seinem Hof. Das wäre ideal für Romy und den vierjährigen Tommi.

Nach einigen Startschwierigkeiten entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Alfred und Romy und die junge Frau hat auch schon einige Ideen, wie die beiden ihre Kasse aufbessern können. Als dann auch noch Hannes in ihr Leben tritt, fühlt Romy sich angekommen. Doch dann wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Meine Gedanken zum Buch
Während Romy anfangs eine übervorsichtige Mutter ist, kommt Alfred etwas rauhbeinig daher, doch Romy und Tommi können Alfreds Herz gewinnen und Alfred macht Romy seinerseits klar, dass Tommi seine Freiheiten braucht, um seine eigenen Erfahrungen machen zu können. Zwischen den beiden entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Nach und nach offenbaren sie sich und erzählen aus ihrer Vergangenheit. So erfährt der Leser, dass Romy aus einer schweren Enttäuschung heraus ihren Beruf und Alfred seinen Traum, zur See zu fahren, aufgegeben hat.

Angelika Schwarzhuber hat es erneut geschafft, mir Bilder von Landschaften in den Kopf zu zaubern. Die Geschichte ist bis hin zu Kleinigkeiten wie den Schwierigkeiten einer allein erziehende Mutter bei der Jobsuche, den Mietpreisen in München und dem Zusammenhalt auf dem Dorf authentisch. Ich habe mich mit dem Roman, bei dem es um Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe geht, sehr wohl gefühlt.

Veröffentlicht am 07.05.2018

Solider Krimi mit Längen

Ich weiß, wann du stirbst
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Die Protagonistin und ihre Geschichte
Marian Dahle stammt ursprünglich aus Korea, wurde aber mit drei Jahren adoptiert und ist dann in Norwegen aufgewachsen. Mittlerweile ist sie 33 Jahre alt und war bis ...

Die Protagonistin und ihre Geschichte
Marian Dahle stammt ursprünglich aus Korea, wurde aber mit drei Jahren adoptiert und ist dann in Norwegen aufgewachsen. Mittlerweile ist sie 33 Jahre alt und war bis vor einem Jahr eine vielversprechende Ermittlerin. Doch ein Verdächtiger hat sie gezwungen, in einen Krematoriumsofen zu steigen, dabei hat sie sich Brandverletzungen zugezogen, deren Narben über eine Seite ihres Gesichtes bis zum Oberkörper reichen. Sie hat sich zurückgezogen und vermeidet den Kontakt zu anderen Menschen.

Als ihr alter Chef, Cato Isaksen, ihr einen Cold Case anbietet, sieht sie eine Möglichkeit, ein Stück weit in ihr altes Leben zurückzukehren. Sie rollt den Fall der vor 15 Jahren verschwundenen Thorna neu auf.

Meine Gedanken zum Buch
Dieser Krimi lebt von der Protagonistin Marian Dahle, die versucht, einen Weg zurück ins Leben zu finden, sich dabei aber mit einigen Widrigkeiten auseinandersetzen muss.

Leider bin ich mit ihr nicht ganz warm geworden. Marian Dahle ist eigentlich eine gebrochene Frau und stellt selbst fest, dass sie dem Wiedereinstieg in ihren Job nicht gewachsen ist. Sie betäubt sich mit Schmerztabletten und Alkohol, was soweit nicht ungewöhnlich ist, denn viele Autoren haben Hauptfiguren geschaffen, die Probleme haben. Doch die Ermittlerin agiert chaotisch, macht Fehler und versucht auch noch, diese zu vertuschen. Das war mir zu unrealistisch.

Außerdem führt der Klappentext den interessierten Leser in die Irre. An dessen Ende wird nämlich nur kurz erwähnt, dass jemand in Marians Wohnung eindringt. Tatsächlich ist es so, dass jemand sie immer und immer wieder in ihren eigenen vier Wänden beobachtet und sich dieser Handlungsstrang durch das ganze Buch zieht. Wenn man nun weiß, dass der Titel im Original „Jeg vet hvor du bor“ heißt, was übersetzt „Ich weiß, wo du wohnst“ bedeutet, erweckt das bei mir den Eindruck, dass die Autorin sehr bewusst ein großes Augenmerk auf diesen Beobachter gelegt hat. Das geht im deutschen Titel und im Klappentext jedoch fast unter.

Der Cold Case, an dem die Protagonistin arbeitet, ist durchaus spannend gestaltet, hat interessante Wendungen, aber auch einige Längen. Außerdem verwendet die Autorin Szenen um ein selbstgebautes Folterinstrument, deren grausige Details sogar mir als hart gesottenen Thriller-Leser zu schaffen gemacht haben und bei denen sich beim Lesen alles in mir zusammengezogen hat.

Im Übrigen wird durch einen Absatz auf der Rückseite des Buches suggeriert, dass es sich um eine „neue“ Protagonistin handelt. Tatsächlich hat die Autorin aber eine Cato-Isaksen-Reihe mit bislang zehn Bände geschrieben und Marian Dahle ist seit Band 6 die Partnerin von Cato Isaksen.

Fazit
Wer bis zur Mitte des Buches durchhält und darüber hinwegsehen kann, dass der Protagonistin schwere Schnitzer unterlaufen, die sie normalerweise ihren Job kosten würden, der darf sich auf teils mehr, teils weniger überraschende Wendungen einstellen, die das Buch in der zweiten Hälfte zu einem soliden Krimi machen