Ein etwas anderes Buch
Gelb, auch ein schöner Gedanke"Gelb, auch ein schöner Gedanke" ist kein Buch, das sich einfach lesen lässt – nicht wegen einer komplizierten Handlung, sondern weil es emotional an Stellen trifft, die still und gleichzeitig unglaublich ...
"Gelb, auch ein schöner Gedanke" ist kein Buch, das sich einfach lesen lässt – nicht wegen einer komplizierten Handlung, sondern weil es emotional an Stellen trifft, die still und gleichzeitig unglaublich laut sind. Nefeli Kavouras erzählt von Krankheit, Abschied und Familie, aber vor allem davon, was mit Menschen passiert, wenn ein Ausnahmezustand zum Alltag wird.
Besonders berührend ist die Beziehung zwischen Ruth und Lea. Beide leiden, beide brauchen einander und trotzdem entfernen sie sich immer mehr voneinander. Ruth verliert sich in der Pflege ihres Mannes, während Lea sich nach etwas sehnt, das für andere Jugendliche selbstverständlich scheint: Normalität. Genau diese Spannung zwischen Verantwortung, Überforderung und dem Wunsch nach einem eigenen Leben wirkt unglaublich authentisch.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie das Buch erzählt wird. Die Geschichte bewegt sich zwischen poetischen Bildern, leisen Beobachtungen, Wut, Humor und Momenten, die plötzlich mitten ins Herz treffen. Es gibt Sätze und Gedanken, die sich nicht einfach lesen und wieder vergessen lassen. Trotz des schweren Themas wirkt das Buch dabei nie ausschließlich bedrückend – immer wieder blitzen Wärme, Zärtlichkeit und auch unerwartete Leichtigkeit auf.
Auch die ungewöhnlichen und teilweise fast surreal wirkenden Elemente verleihen der Geschichte etwas Eigenes. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die sich schwer einordnen lässt und gerade deshalb so besonders wirkt.
Wer eine geradlinige Handlung oder eine klassische Familiengeschichte erwartet, sollte wissen, dass das Buch seinen eigenen Rhythmus hat. Es lebt weniger von großen Ereignissen als von Gefühlen, Stimmungen und Zwischentönen.