Mysteriöser Fall
Missing Page - Tödliche WorteEin abgelegenes Herrenhaus, ein Sturm, der alle Wege abschneidet, und eine Gruppe ehrgeiziger Nachwuchsautor:innen – Missing Page spielt gekonnt mit genau den Zutaten, die man für einen richtig guten Mystery-Thriller ...
Ein abgelegenes Herrenhaus, ein Sturm, der alle Wege abschneidet, und eine Gruppe ehrgeiziger Nachwuchsautor:innen – Missing Page spielt gekonnt mit genau den Zutaten, die man für einen richtig guten Mystery-Thriller braucht. Schauplatz ist ein düsteres Anwesen irgendwo in den Highlands von Schottland, und schon nach wenigen Seiten liegt diese unheilvolle, fast greifbare Spannung in der Luft.
Im Mittelpunkt steht Toni, eine 17-Jährige, die eigentlich nur an einem Schreibworkshop teilnehmen will – und sich plötzlich in einem Albtraum wiederfindet. Besonders spannend ist dabei ihre Schlafwandler-Problematik: Man weiß als Leser:in nie so genau, was real ist und was nicht. Diese Unsicherheit zieht sich durch das ganze Buch und sorgt für eine konstant unterschwellige Nervosität.
Der mysteriöse Bestsellerautor, der sein Vermögen vererben will, gibt der Geschichte einen zusätzlichen Twist. Anfangs wirkt alles noch wie ein Wettbewerb unter ambitionierten Talenten, doch schnell kippt die Stimmung. Das Personal benimmt sich seltsam, Schatten huschen durch die Flure, und mit dem Sturm wächst das Gefühl, dass niemand diesem Ort so einfach entkommen wird.
Was Missing Page besonders gut macht, ist das Spiel mit Wahrnehmung und Realität. Die Grenzen verschwimmen immer mehr – nicht nur für Toni, sondern auch für die Leser:innen. Dadurch entsteht ein Sog, der einen förmlich zwingt, weiterzulesen, weil man unbedingt verstehen will, was hier eigentlich vor sich geht.
Auch die Atmosphäre ist ein echtes Highlight: düster, klaustrophobisch und stellenweise fast schon filmisch. Man hört den Wind ums Haus peitschen, spürt die Isolation und dieses nagende Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Wendungen sind eher auf Effekt ausgelegt als auf vollständige logische Auflösung. Wer also Wert auf ein komplett „sauberes“ Ende legt, könnte hier leicht ins Grübeln kommen. Dafür punktet das Buch aber umso mehr mit Spannung und Stimmung.