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Veröffentlicht am 16.11.2023

Kit und die Menschen um sie herum

Kaltblütige Lügen
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Dies ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe von Karen Rose, die im kalifornischen San Diego spielt.

Im Prolog wird uns Kit vorgestellt, deren Pflegeschwester verschwunden ist. Spurlos. Zusammen mit ...

Dies ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe von Karen Rose, die im kalifornischen San Diego spielt.

Im Prolog wird uns Kit vorgestellt, deren Pflegeschwester verschwunden ist. Spurlos. Zusammen mit ihrem Pflegevater und einem Detective vom San Diego Police Department sucht sie nach Wren, auch noch , als die Polizei schon längst aufgehört hat, nach der Schwester zu suchen.

Anhand dieses Auftakts wissen die Leser, warum Kit sechzehn Jahre später als Detective im San Diego Police Department in der Mordkommission arbeitet. Sie hat eine sehr hohe Erfolgsquote und ihre Spezialität sind die Suche nach vermissten Mädchen.

Mädchen werden immer vermisst. Oft werden sie zunächst als „Ausreißer“ eingestuft und erlangen wenig Beachtung. Außer bei Kit McKittrick. Kit bekommt einen Hinweis zu einem vermissten Mädchen. Als deren Leiche gefunden wird, stellen die Ermittler ein besonderes Merkmal fest: Sie wurde mit pinkfarbenen Handschellen gefesselt.

Da rattert es in den Köpfen der Ermittler und weil Kit mit ihrem Partner Baz damals schon nach Wren gesucht hatten, wissen Sie, dass vor fünfzehn Jahren eine erste Leiche mit pinkfarbenen Handschellen gefunden wurde. Sie haben es mit einem durchtriebenen Serienkiller zu tun! Es gibt noch weit mehr Leichen mit diesem Merkmal und sie gehen davon aus, dass wahrscheinlich noch nicht alle Leichen damit gefunden wurden.

»Kaltblütige Lügen« würde ich in erster Linie in die Reihe der „Wohlfühlthriller“ einordnen. Nicht, weil mir die Verbrechen gefallen, sondern weil das Komplettpaket dieser Geschichte einfach klasse ist. Dazu trägt auch das Figurenensemble bei, welches Karin Rose zusammengestellt hat. Es ist umwerfend sympathisch. Allein schon der Prolog hat seinen Anteil daran, denn durch ihn erfährt man so einiges, warum sich Kit McKittrick so und nicht anders verhält.

Wenn ich von einem sympathischen Figurenensemble spreche, heißt das nicht, dass alle Figuren liebenswert sind. Im Gegenteil, schließlich sind da auch noch Bösewichte und verkorkste Existenzen, die für reichlich Konfliktstoff sorgen.

Aber im Laufe der Geschichte zeichnet sich eine besondere Gruppe um die Detective ab, von deren Leben und Umgang miteinander man sehr gerne mehr erfahren möchte. Sie sind die Triebfedern, die die Leser zum Warten auf den nächsten Band in dieser Reihe aufstacheln. Es macht einfach nur Spaß, diesen Leuten in der Geschichte zuzusehen.

Sehr viel Spannung bezieht die Geschichte über einen Psychologen, der der Polizei einen anonymen Hinweis gibt. Schnell wird klar: Das hätte er vielleicht nicht tun sollen. Sein Verhältnis zur Polizei bleibt gestört, und dass er in einen Konflikt mit Kit gerät, macht es nicht besser.

Es treten viele Figuren auf, die alle in Verdacht geraten können, der Täter zu sein. Da geht es den Lesern nicht besser als den Ermittlern in »Kaltblütige Lügen«. Das ist einfach nur super gut!

Ich gebe ohne Bedenken eine höchste Empfehlung. Trotz aller Verbrechen ist die Geschichte um Kit McKittrick, ihre Familie und dem SDPD einfach nur hervorragend! Ich bin gespannt auf die weiteren Romane dieser Reihe.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 09.11.2023

blutentleerte Leichen in der Stadt der Vampire

BLOODLESS - Grab des Verderbens
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Mit die4sem Roman habe ich das Autorenduo Douglas Preston und Lincoln Child kennengelernt. Die beiden Autoren sind mir in Katalogen und Regalen immer mal wieder in den letzten Jahren über den Weg gelaufen. ...

Mit die4sem Roman habe ich das Autorenduo Douglas Preston und Lincoln Child kennengelernt. Die beiden Autoren sind mir in Katalogen und Regalen immer mal wieder in den letzten Jahren über den Weg gelaufen. Jetzt war Gelegenheit, eine ihrer Geschichten kennenzulernen. Ich war neugierig darauf.

Ich wurde ziemlich überrascht von dem, was sie schreiben. Habe ich »Bloodless« nach den ersten Seiten als Thriller abgeschrieben und ihn in die Schublade des cozy crime gesteckt, so musste ich dies am Ende des Romans ebenfalls revidieren.

Aber nun zur Geschichte: Im Prolog wird von der Entführung eines Flugzeuges zu Beginn der 1970er Jahre berichtet. Doch die Entführung läuft für den Entführer nicht glatt, jedoch wird diese Entführung für lange Jahre einer der größten ungeklärten Fälle des FBI.

Dann beginnt die Geschichte in der Gegenwart mit den drei Agenten des FBI A.X.L. Pendergast, Constance Green und Special Agent Coldmoon, die gerade einen Fall in Florida abgeschlossen haben und sich auf die Heimkehr freuen. Besonders Coldmoon ist froh, nichts mehr mit Pendergast zu tun haben zu müssen.

Bevor sie daheim sind, werden sie von ihrem Chef umgeleitet nach Savannah, der Stadt der Vampire. Dort ist eine Leiche eines Mannes aufgetaucht, der nicht gerade unbekannt ist und dem alles Blut entnommen war. Die Leiche hatte keinen einzigen Tropfen mehr in sich.

Bei ihren Ermittlungen treffen die Agenten auf okkulte Sekten und ein arrogantes Drehteam, welches eine Dokumentation über das mysteriöse Savannah drehen will.

Spätestens jetzt wird mir klar, dass hinter diesen Romanen noch viel mehr als ein einfacher Kriminalroman steckt. Da es mein erster Pendergast-Roman war, mag man mir verzeihen, dass ich nicht wusste, dass es sich hierbei um einen Mix aus Fantasy, Science-Fiction, Horror, Krimi und Thriller im FBI-Milieu handelt. Aber als ich las, dass Constance Green über hundert Jahre alt ist und ihr Leben immer wieder verlängert wird, sträubten sich mir die Nackenhaare.

Für mich persönlich war dann die Geschichte auch zu Ende, aber ich habe dennoch bis zum echten Ende durchgehalten. Ich mag solch ein Genremix von Science fiction, Fantasy und Horror nicht. Auch nicht diese Genre, wenn sie nicht gemischt werden. All das schöne Ambiente zwischen den Hauptfiguren, den Ärger mit einem US-Senator und der örtlichen Polizei, welches sich für mich bis dato ganz spannend und gut angefühlt hatte, brach für mich persönlich zusammen.

Ich weiß, dass es Fans für solch ein Genre gibt. Ein Genre welches auch in der TV-Serie »Supernatural« eine Rolle spielt. Jedoch ist es nichts für mich. Ich kann diesen abgedrehten Motiven für einen Mord nichts abgewinnen.

Meine Empfehlung richtet sich also speziell an die Fans der genannten Genres. Sie werden in diesem Roman höchst unterhaltsamen Lesestoff finden und sollten sich regelmäßig per Pendergast File von den Autoren auf dem laufenden halten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 07.11.2023

Corona-Leugnung in Bern

Demaskiert
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Mit diesem Kriminalroman stellt uns der Autor Sascha Michael Campi einen interessanten Kriminalroman mit Berner Lokalcolorit vor, der zudem vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie spielt.

Alina hat ihren ...

Mit diesem Kriminalroman stellt uns der Autor Sascha Michael Campi einen interessanten Kriminalroman mit Berner Lokalcolorit vor, der zudem vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie spielt.

Alina hat ihren 18 Geburtstag. Mit ihren Freunden möchte sie ihn feiern. Doch ihre Eltern schwindelt sie an und besucht zunächst mit den Freunden eine Veranstaltung von Corona-Leugnern.

Nachdem sich die Freunde anschließend bei der Party in einer Kneipe zerstritten haben, steigt Alina in das Auto des Redners der vorherigen Veranstaltung. Ab dann wird sie nicht mehr gesehen.

Auf dem Friedhof treffen sich der im Rollstuhl sitzende ehemalige Kriminalkommissar Walter Lehmann und die aus Kenia stammende Lisi Badou. Beide trauern um ihren Lebenspartner, die hier auf dem Friedhof begraben sind. Doch beide finden in ihrer Trauer zusammen und gründen voller Tatendrang eine Privatdetektai, um der Trauer zu entgehen.

Zwar starten sie ihre detektivischen Geschäfte mit einer vermissten Katze, aber schnell werden sie in die Suche nach der verschwundenen Alina einbezogen.

Sascha Michael Campi hat eine gut durchdachte Geschichte erzählt, die viele Wendungen aufzuweisen hat. Manches Mal werden die Leser aufs Glatteis geführt.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Da ist zunächst die Sichtweise von Alina, die ihren Geburtstag begeht und plötzlich an einem anderen Ort aufwacht. Dann gibt es die Sichtweise der Täter auf das Verschwinden von Alina. Hierbei erfährt man nicht sofort, um wen es sich dabei handelt. Schließlich gibt es die dritte Perspektive des netten Detektivduos. Diese beiden muss man einfach mögen. Sie sind dem Autor sehr gut gelungen.

Leider gibt es einen Wermutstropfen, der einem das Leseerlebnis nimmt. Der Verlag hat offenbar wenig Arbeit in das Manuskript investiert. Anders als der Autor scheint der Verlag nicht mal Korrektorat und/oder Lektorat über das Manuskript laufen lassen.

Dabei geht es nicht um einzelne Tippfehler, die ich in jedem Buch entdecke und gerne überlege. In diesem Buch gibt es auf vielen Seiten Fehler durch fehlende, falsche und/oder zu viele Wörter. Man versteht den Satz beim ersten Mal nicht, liest ihn ein zweites Mal und korrigiert ihn im Kopf. Man musste aber das Lesen der Geschichte dabei unterbrechen. Dass der Buchsatz leider nicht den professionellen Ansprüchen eines Verlages entspricht, ist noch ein I-Tüpfelchen.

Da mir aber die Geschichte gefällt, die der Autor Sascha Michael Campi präsentiert hat, empfehle ich den Roman dennoch. Leser sollten sich möglichst nicht stören lassen und der Story und dem Autor eine Chance geben, denn spannend ist der Roman allemal.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 03.11.2023

Ein vorprogrammiertes Weihnachtstrauma: Judith Merchants Thriller

SCHWEIG!
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Der Psychothriller von Judith Merchant ist ein Paradebeispiel für die Fehlinterpretation und das Missverstehen. Das geht nicht nur den Figuren im Roman so, sondern kann auch den Lesern passieren. Es ist ...

Der Psychothriller von Judith Merchant ist ein Paradebeispiel für die Fehlinterpretation und das Missverstehen. Das geht nicht nur den Figuren im Roman so, sondern kann auch den Lesern passieren. Es ist der Autorin Judith Merchant (dankenswerterweise) zuzuschreiben, dass sie die Leser auf die falsche Fährte schickt, nur weil die sich denken, wie es sein könnte.

Es ist ein Tag vor Heiligabend. Diese Zeit ist voller Stress für Esther jahraus, jahrein. Es ist vorprogrammiert. Weihnachtsbaum holen, Baum schmücken, Kinder von der Schule abholen. Es geht hoch her. Ihr Mann Martin muss helfen.

Außerdem will sie noch kurz bei ihrer Schwester vorbeischauen und der ihr Weihnachtsgeschenk bringen, obwohl ihre Schwester letztes Weihnachten eine Katastrophe für Esthers Familie war. Jetzt versucht Martin hartnäckig, seine Frau vom Besuch bei der Schwägerin abzuhalten. Doch die lässt sich dank schwesterlicher Loyalität nicht beeinflussen.

Schließlich ist da noch Sue, die von ihrem Mann geschieden wurde. Sie lebt auf dem Grundstück mitten im Wald, wo es kaum Handyempfang gibt. Sie hasst den Besuch ihrer Schwester und mag sie nicht. Schon seit der Kindheit. Sie hasst es, wie sie sich immer aufdrängt.

Es verwundert nicht, dass der diesjährige Besuch bei Sue aus dem Ruder läuft und ein größeres Desaster als im Jahr zuvor verursacht wird. Judith Merchant erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. sowohl Esther als auch Sue lassen uns in ihre Gedanken blicken und erzählen jeweils selbst ihre eigene Sichtweise. Zwischendurch wird immer mal wieder von Martin erzählt, zum Ende hin immer häufiger.

Zu Beginn hatte ich leichte Probleme mit den beiden Ich-Erzählerinnen Esther und Sue, zumal sie auch manchmal aus ihrer Kindheit erzählen. Es dauerte ein paar Kapitel bis ich die erste Verwirrung überwunden hatte und auch ohne die Kapitelüberschriften wusste, an welcher Stelle ich mich im Leben der Figuren befand.

Das Kopfkino beginnt natürlich nach den ersten Seiten zu laufen., wie sich offenbar die beiden Schwestern ihr ganzes Leben haben, sollten Leser keine voreiligen Schlüsse ziehen. es bringt gar nichts, wenn sich einer einbilde zu wissen, was der andere denkt.

Die Leser sollten sich darauf einstellen, dass in diesem Thriller die Gedanken der Figuren großen Raum einnehmen. Judith Merchant ist eine hochkarätige Meisterin darin, die Leser zusammen mit ihren Figuren ins Nirvana zu schicken.

»Schweig!« ist ein erstklassiger Psychothriller mit einer anrührenden Weihnachtsgeschichte und passt deshalb hervorragend in die Vorweihnachtszeit.

Meine beste Empfehlung für den Roman, mag er unter vielen Weihnachtsbäumen liegen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

Veröffentlicht am 30.10.2023

unglaublich authentisches Figurenensemble

Ein Bild der Niedertracht
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Der Roman ist ein Fall für die Cold-Case-Ermittlerin Karen Pirie, die von der schottischen Bestsellerautorin Val McDermid erschaffen wurde. Auf dem Blog "Der Krimi und mehr" habe ich Karen Pirie bereits ...

Der Roman ist ein Fall für die Cold-Case-Ermittlerin Karen Pirie, die von der schottischen Bestsellerautorin Val McDermid erschaffen wurde. Auf dem Blog "Der Krimi und mehr" habe ich Karen Pirie bereits in einer britischen TV-Serie und in einem Roman vorgestellt.

Im ersten Fall wird die Leiche bzw. deren Überreste in einem abgestellten Van in einer Garage gemeldet. Die Frau, die sie gemeldet hat, sollte den Nachlass ihrer Schwester aufräumen. Ihre Schwester war vor wenigen Tagen bei einem Unfall ums Leben gekommen. Nun steht sie auf deren Anwesen, findet in der Garage einen abgedeckten Van und darin eine Leiche. Offenbar hat sie schon einige Jahre dort verbracht.

Im zweiten Fall wird eine männliche Leiche an den Strand gespült. Es ist ein Mann, der in der in der Fremdenlegion diente und nun seit vielen Jahren in Frankreich lebte. Sein Bruder war schottischer Beamter in London und vor vielen Jahren spurlos verschwunden. Erst vor drei Jahren war der für tot erklärt worden. Doch hat das Verschwinden des älteren Bruders etwas mit dem Tod des jüngeren Bruders zu tun? War der Tod nicht ein Unfall oder gar ein Selbstmord? Karen Pirie muss in Frankreich ermitteln.

Val McDermid hat ein unglaublich authentisches Figurenensemble geschaffen. Sie dirigiert die DCI so trickreich durch die Ermittlungen in beiden Strängen und lässt sie zwei so unterschiedliche Polizeiabteilungen führen, dass es ein Vergnügen ist, diese Geschichte zu lesen.

DCI Karen Piri ist zwar manchmal eine Oberlehrerin für ihre Leute, aber dann kommt immer wieder durch, dass sie auch Spaß versteht und vor allem über sehr viel Erfahrung und Kontakte verfügt, die es ihr einfach machen, immer auf den richtigen Knopf zu drücken. Es macht einfach nur Spaß, den Leuten in diesem Roman virtuell zuzuschauen.

Detailliert beschreibt Val McDermid nicht nur Orte, sondern auch Figuren. jede auftretende Nebenfigur, jedes Zimmer in welchem sich eine Figur aufhält wird mit einer bilderzeugenden Beschreibung ausgestattet. Das macht es den Lesern einfach, sich Menschen und Orte vorstellen zu können.

Die Spannung bleibt bis zum Schluss, auch wenn die Täter im Laufe der Geschichte schon feststehen, so bleibt schließlich das Abenteuer der Festnahme. In beiden Fällen lassen sich die Täter nicht einfach so dingfest machen.

»Ein Bild der Niedertracht« ist ein Roman, den ich unbedingt empfehle, wenn man sehr gute Spannung und Unterhaltung vor schottischer Kulisse sucht.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023