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Veröffentlicht am 17.06.2023

Actionreicher Start und und perfide Machenschaften

Der Club. Dabeisein ist tödlich
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Ellery Lloyd bringt uns die Welt der Prominenten und Stars auf eine schockierende Weise nahe. Wir erleben eine Welt, wie sie wohl von Donald Trump und dem sich inzwischen selbst getöteten Jeffrey Epstein ...

Ellery Lloyd bringt uns die Welt der Prominenten und Stars auf eine schockierende Weise nahe. Wir erleben eine Welt, wie sie wohl von Donald Trump und dem sich inzwischen selbst getöteten Jeffrey Epstein gelebt wird und wurde. Eine geheuchelte Welt voller sexistischer Verbrechen und Erpressung.

Ned Groom hat Anfang der 1990er Jahre einen Club in London geerbt. Dieser war von seinem Großvater betrieben worden, schien aber den Bach runter zu gehen. Doch Ned übernimmt den Klub mit einer Vision, ihn wieder ganz groß zu machen. An seiner Seite ist sein jüngerer Bruder Adam Groom.

Inzwischen hat die „Home Group“, wie sich der Club nennt, sehr viele noble und exklusive Häuser auf der ganzen Welt. Die Mitgliedsbeiträge sind exorbitant hoch. Nicht jeder Hollywoodstar erhält Eintritt in diesen Club, der für extremen Datenschutz bekannt ist. Beim Betreten eines Home-Areals müssen die Handys abgegeben werden. Es dürfen auf dem Gelände keine Fotos gemacht werden, es dürfen keine Telefonate geführt werden. Paparazzi es gibt es hier nicht.

An diesem kommenden Wochenende steht die Eröffnung eines neuen Home-Areals bevor. Ned hat es sich nicht nehmen lassen, eine ganze Insel zu kaufen und auf ihr das Island Home zu etablieren. Island Home ist schöner, teurer, exklusiver als seine Vorgänger, wie das Coventry Garden Home, das Manhattan Home oder das India Home. Reiner Luxus pur und statt Apartments gibt es hier kleine luxuriöse Bungalows für die Mitglieder. Da die Insel bei Ebbe auch mit einem Auto erreichbar ist, fühlte ich mich an Sankt Michaels Mount in Südengland erinnert.

Der Start von »Der Club – Dabeisein ist tödlich« ist actionreich, aber ziemlich banal. Auf dem Damm zum Festland rast ein Land Rover mit zwei Insassen dahin. Sie wollen von der Insel fliehen, doch die Flucht ist illusorisch, denn die Flut hat bereits eingesetzt und sie können das Festland nicht erreichen. Das Auto mit den Insassen verunglückt.

Ab jetzt erfährt der Leser in Rückblenden, worum es sich bei der Flucht handeln kann. Präzise und minutiös werden die perfiden Machenschaften des Betreibers Ned Groom aufgedeckt. Es werden Morde begangen und es werden welche geplant. Es werden die Beziehungen und Verhältnisse einzelner Figuren untereinander dargelegt und aus so manchem „Guten“ wird ein „Böser“ oder umgekehrt.

Ellery Lloyd, welches das Pseudonym für ein Autorenehepaar ist, erzählt die schockierende Geschichte in Rückblenden und aus der Sicht verschiedener Hauptfiguren. Die einzelnen Kapitel sind einerseits mit dem Wochentag überschrieben, andererseits mit den Namen der Figur, aus der das Geschehen betrachtet wird. Auf diese Weise erlebt man manches Geschehen parallel aus mehreren Blickwinkeln.

Ellery Lloyd wartet immer wieder mit neuen Überraschungen auf.

Mir hat der Roman sehr viel Spaß gemacht. Ich konnte damit in den Sumpf der Welt der Prominenten blicken und kann mir die echte Promiwelt nun viel lebhafter vorstellen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 14.06.2023

Die Suche nach Lilly und das Ende der Ermittlungen

Der Strand: Vergessen
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Mit dem dritten Teil »Der Strand: Vergessen« schließt Karin Sander ihre Romanserie ab. Zusammen mit den vorhergehenden beiden Romanen »Der Strand: Verraten« und »Der Strand: Vermisst« wurden alle drei ...

Mit dem dritten Teil »Der Strand: Vergessen« schließt Karin Sander ihre Romanserie ab. Zusammen mit den vorhergehenden beiden Romanen »Der Strand: Verraten« und »Der Strand: Vermisst« wurden alle drei als zusammengehörige Serie konzipiert. Aber keine Angst. Jeder Roman kann im Prinzip auch solo gelesen werden. Doch wenn man sie von vornherein alle lesen möchte, sollte man es in der vorgegebenen Reihenfolge, wie sie erschienen sind, tun.

Die ersten beiden Teile haben ausreichend spannungsvollen Stoff, der für einen eigenständigen Krimi reicht, in welchem ermittelt wird und der auch ein zufriedenstellendes Ende bietet. Über allem zieht sich die Suche nach der vermissten Lilly, die Hörgeschädigt ist. Die Suche nach ihr zieht sich durch alle Teile, steht aber nicht im Fokus der ersten beiden.

Erst in dem hier vorliegenden dritten Teil konzentriert sich die Handlung auf die Suche nach ihr. Hier erfahren die Leser schließlich, was mit Lilly geschehen ist.

Karin Sander hat im vorliegenden Band alle Strippen zusammengeführt und zu einem angemessenen Ende verknotet. Offene Stränge gab es aus den ersten beiden Büchern und auch aus dem Dritten zur genüge. Die Leser wurden vielfach hängen gelassen oder auf die falsche Spur geführt. So gehört es sich halt für einen spannenden Krimi. Karin Sander versteht zweifelsfrei ihr Handwerk und weiß, wie man die Leser fesselt.

Dazu gehören auch die extrem kurzen Kapitel. Mit dem Lesen aufzuhören, fällt ganz schwer. Denn „ein Kapitel geht noch“ von Kapitel zu Kapitel.

Das Figurenensemble gibt ein überaus stimmiges Bild. Die Figuren sind nicht alle liebenswürdig und dennoch gefallen sie. Die sich abzeichnenden Beziehungen machen neugierig. Wie wird es mit ihnen weitergehen? Offenbar dürfen die Leser darauf gespannt sein.

Auch dieser Roman bekommt von mir eine ganz klare Empfehlung. Seine Spannung schafft sehr gute Unterhaltung und man lernt nebenbei das Fischland in Mecklenburg-Vorpommern kennen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 08.06.2023

Mit »Kickstart« ins Düsseldorfer Milieu

Kickstart
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Dies ist der neueste Krimi des Autors Klaus Stickelbroeck, der im wahren Leben selbst Polizist ist. Weshalb er bekanntlich einen Privatdetektiv zu seiner Hauptfigur gemacht hat. „Die dürfen mehr als wir ...

Dies ist der neueste Krimi des Autors Klaus Stickelbroeck, der im wahren Leben selbst Polizist ist. Weshalb er bekanntlich einen Privatdetektiv zu seiner Hauptfigur gemacht hat. „Die dürfen mehr als wir Polizisten.“

Hartmann war mal Fußballprofi bei Fortuna Düsseldorf und hat nach seinem Ausscheiden eine Detektei eröffnet. Er wohnt am Konrad-Adenauer-Platz gegenüber des Hauptbahnhofs. Und das ist auch das Viertel, in welchem er sich am besten auskennt. Sein Milieu. Hier kennt und trifft Hartmann Leute, die schräger nicht sein könnten. Beispielsweise Krake, der einarmige Kneiper für das Feierabendbier. Oder sein Nachbar Johnny, ein Ex-Södler aus Ghana, der in Düsseldorf studiert und nebenbei Taxi fährt. Oder Regenrinnen-Rita, die bunt schillernde Prostituierte mit über zwei Meter Größe.

Von diesen unheimlich schrägen aber sympathischen Figuren gibt es noch jede Menge weitere.

Mit Klaus Stickelbroeck taucht man ab in eine Unterwelt, die man vielleicht im realen Leben gar nicht kennen möchte. Mit dem humorvollen Stil des Autors, der auch auf Lesungen ein Magnet ist, erzählt er eine spannende Geschichte mit sehr viel Klamauk, Chaos und Action.

Hartmann wird vom Präsidenten der Black Mambas, der angesagtesten Rockergruppe in Düsseldorf, für einen delikaten Auftrag angeheuert. Er soll die Harley Davidson des Rockerkönigs suchen. Die wurde dem nämlich an der Tanke gestohlen. Der Auftrag ist allerdings schon deshalb so delikat, weil kein Mensch davon wissen darf. Der Rockerkönig kann sich doch vor seinen Leuten nicht lächerlich machen.

Offenbar scheint das Auffinden der des schweren Baix eine einfache Aufgabe für Hartmann zu sein Punkt ein paar Anrufe tätigen, einige Überprüfungen Punkt mehr sollte nicht nötig sein Punkt doch schnell wird klar Komma der Detektiv muss umdenken,denn es wird Jagd auf ihn und seinen Kumpel gemacht Punkt

Wunderbar sind die Wortschöpfungen des Autors, die verständlich, aber teils völlig neu und unbekannt sind. Der „Stickel“ kann das halt.

Die Dialoge setzen noch einen drauf. So, wie der Schnabel gewachsen ist: schnoddrig, kumpelhaft, völlig plausibel und authentisch für die jeweiligen Figuren.

Der krönende Abschluss wird natürlich wieder wie in jedem Krimi von der Playlist der Songs, die in diesem Roman Vorkommen, gebildet.

Klamauk und Humor gepaart mit Spannung und viel Äktschen kann nur eine Top-Empfehlung geben.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 01.06.2023

Wenn die Party steigt

Malibu Rising
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Dies ist ein ebenso herausstechender Roman wie »Die sieben Männer der Evelyn Hugo« von Taylor Jenkins Reid, der mich im vorigen Jahr beeindruckt hat. Erneut entführt uns die Autorin in eine glamouröse ...

Dies ist ein ebenso herausstechender Roman wie »Die sieben Männer der Evelyn Hugo« von Taylor Jenkins Reid, der mich im vorigen Jahr beeindruckt hat. Erneut entführt uns die Autorin in eine glamouröse Szene anhand einer fiktiven Biografie.

Eigentlich sind es gleich mehrere Biografien. Anfang der 1980 er Jahre leben die Geschwister Nina, Jay, Hug und Kit Riva in Malibu und verdienen ihr Geld mit surfen. Professionell. Jay versucht, Worldchampion zu werden, sein Bruder Hug ist stets an seiner Seite, um Jay zu fotografieren. Jay ziert viele Surfer-Zeitschriften weltweit.

Die älteste Schwester Nina ist die weltweit bekannteste Surferin, obwohl sie gar nicht so viel zum Surfen kommt, Denn sie wird als das Vorzeigemädchen auf den Zeitschriften gebraucht. Dass sie wirklich surfen kann, ist bei den Medien zweitrangig. Hauptsache, sie sieht großartig aus. Kit, die jüngste von ihnen, strebt eine ähnliche Karriere wie Jay an. Während sie noch im Teenageralter ist, sind die Älteren bereits knapp über Zwanzig.

An diesem ersten Tag, an dem die Leser die vier jungen Leute kennenlernen, soll wieder die berühmte Riva-Party steigen. Einmal im Jahr findet diese Partie statt. Seitdem die Vier über sehr viel Geld verfügen, veranstalten sie diese Partys. Es heißt: Wer ihre Adresse nicht kennt, ist auch nicht eingeladen. Dennoch spricht sich jedes Jahr immer mehr herum, wann und wo die Party stattfindet. Alles, was Rang und Namen hat oder auch nicht, ist auf dieser Party anzutreffen, die Sterne der Film- und Musikszene sind hier zu finden.

Taylor Jenkins Reid nutzt 24 Stunden rund um die Partie, um die vier Personen vorzustellen. Vor allem ihren Weg zu beschreiben, wie sie so geworden sind, wie sie sind. Jede Stunde dieses Tages hat ein eigenes Kapitel. Es beginnt reichlich vor der Partie und endet nach der Partie.

Dazwischen gibt es Rückblenden bis ins Jahr 1956 zurück, als Ninas Mutter den jungen Mike Riva kennenlernte, der ein großer Star als Sänger werden wollte. Ninas Mutter kommt aus eher ärmlichen Verhältnissen. Sie war zu arbeiten gewöhnt, um genügend Essen auf den Tisch zu bekommen. Und sie unterstützt ihren Mann in allem, um ihm seinen Traum vom Schlagerstar erleben zu lassen.

In dem Roman »Malibu Rising« geht es also um die vier Geschwister, aber durch die Rückblenden erfahren wir auch von deren Eltern und Großeltern. Es stecken also mehr als nur vier Biografien hierin.

Taylor Jenkins Reid hat einen wundervollen Stil, um die Atmosphäre der damaligen Zeit herüberzubringen. Als Leser fühlt sich hineingezogen in eine Welt, die es offenbar tatsächlich gegeben hat. Ich habe selbst Anfang der 1990 er Jahre kurze Zeit in Malibu gelebt und erlebte so einige Flashbacks beim Lesen.

Die Spannung, die Taylor Jenkins Reid erzeugt, kommt ganz schleichend. Es findet ja auch kein Mord statt und der Leser wechselt stets von der Party und deren Vorbereitungen zur Vergangenheit der Familie in den Jahrzehnten zuvor. Man freut sich, dass es die Kinder geschafft haben, ein solches Leben auf die Beine gestellt zu haben und muss doch befürchten, dass demnächst etwas ganz Fürchterliches auf der Party passieren wird. Das erzeugt solch ein dumpfes Bauchgefühl.

Die Spannung kommt über die unzähligen Konflikte, die jeder von ihnen austrägt. Egal, bei wem von den Vieren der Konflikt am stärksten wird, es muss am Ende auf ein Chaos hinauslaufen. Das ist sehr gut und fesselnd gemachte Spannung.

Für diesen Roman kann ich nur eine höchste Empfehlung aussprechen. Nur wenige Romane im Jahr erreichen solch ein hohes Niveau an interessantem Nervenkitzel.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 01.06.2023

Spiel mit den Rückblenden

Die Affäre Alaska Sanders
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Dies ist der Nachfolgeroman von »Die Wahrheit über Harry Quebert« von Joël Dicker. Es hat viele Jahre gebraucht, bevor sich Joël Dicker dazu aufraffte, eine Fortsetzung zu schreiben. »Die Wahrheit über ...

Dies ist der Nachfolgeroman von »Die Wahrheit über Harry Quebert« von Joël Dicker. Es hat viele Jahre gebraucht, bevor sich Joël Dicker dazu aufraffte, eine Fortsetzung zu schreiben. »Die Wahrheit über Harry Quebert« ist ein ganz besonderer Kriminalroman, was ich damals schon geschrieben hatte. Er weicht von so vielen Regeln für Autoren ab und wirkt deshalb umso spannender und fesselnder.

Mit »Die Affäre Alaska Sanders« knüpft Joël Dicker an diese ungewöhnliche Konstruktion eines Kriminalromans an. Das ist auch der besondere Stil dieses Schriftstellers. Auf die Figuren des vor einigen Jahren erschienenen Romans zurückzugreifen, ist ein Trick, um alte Leser wieder zurückzugewinnen. Ein hilfreicher Trick, der meiner Meinung nach zu funktionieren scheint.

Der Schriftsteller Marcus Goldmann hatte vor zwei Jahren (2008) den Fall um den Schriftsteller Harry Quebert erfolgreich gelöst. Sein daraus resultierender Krimi war überaus erfolgreich. Sein Verleger liegt ihm heute noch ständig in den Ohren, endlich den nächsten Roman zu schreiben. Doch Markus weiß nicht so recht, wie er starten soll.

Ein Polizist, den Markus aus den Ermittlungen von 2008 kennt, ruft ihn an und bittet ihn um Hilfe, einen elf Jahre alten Fall zu lösen. Irgendetwas stimmt damit nicht, obwohl ein Täter hinter Gittern sitzt. Marcus wäre eine Hilfe, die alten Akten mit neuen Augen zu sichten. Markus lässt sich darauf ein. Im Jahre 2010, der Gegenwart im Roman, ermittelt er in einem Fall von 1999 zusammen mit einem Cop von damals. Sein damaliger Freund Harry Quebert bleibt verschwunden. Bis Markus eigenartige Botschaften von dem erhält.

Aus der Handlung möchte ich nicht mehr erzählen, da jeder weitere Satz zum Spoilern führen kann. Das liegt an der Komplexität der Verwicklungen. Wer wie und wann mit wem verbunden ist, erschließt sich nämlich erst ganz am Ende.

»Die Affäre Alaska Sanders« ist ein Roman über menschliche Beziehungen. Er ist ein Kriminalroman, indem klassisch ermittelt wird. Die Ermittler sind ein Schriftsteller, ein erfahrener Polizist und eine noch relativ junge Polizistin. Aber dieser Krimi ist trotz aller Rätsel und Spekulationsmöglichkeit wahrlich kein Cosy Crime.

Ich würde diesen Roman auch nicht als Thriller bezeichnen, denn als Leser erlebt man nicht die Taten des Täters mit. Sie werden einem nur aus der Sicht anderer Leute, vorrangig dem Schriftsteller Marcus Goldmann, erzählt.

Damit sind wir beim Stil des Romans. Marcus Goldman erzählt uns seine Erlebnisse im Jahr 2010 wie in einem Tagebuch. Die Ermittlungen und die Handlung in 2010 stellen die aktuellen Gegenwart dar und verlaufen in chronologischer Reihenfolge.

Das heißt aber nicht, dass Joël Dicker mit all seinen Rückblenden bis nach 1998 zurück kein Chaos und keine Verwirrung schafft. Aus der Erzählung des Protagonisten als Erzähler wird immer wieder in die Vergangenheit gesprungen, um das vergangene Geschehen unabhängig darzustellen. Dafür benutzt Dicker meist den auktorialen Erzähler. Eine solche Rückblende dauert manchmal nur wenige Absätze und kehrt urplötzlich wieder in die Gegenwart 2010 zurück.

Dieses Spiel mit den Rückblenden ist schon deshalb verwirrend, weil es sehr verschiedene Zeiten sind, die sich aber datumsmäßig durchaus überschneiden können, wie zum Beispiel der 30. August 1998 und der 30. August 2010. Zusätzlich versucht Dicker die Leser, die »Harry Quebert« nicht kennen, mit dem Fall aus 2008 bekannt zu machen, damit sie den reibungslosen Anschluss als Folgeroman schaffen können. Als Leser muss man schon viele Seiten hinter sich lassen, um sich in ruhigere Fahrwasser des Romans begeben zu können. Irgendwann hat man sich auch an die Zeitsprünge gewöhnt und weiß, was zu welcher Handlung gehört.

Dass man den Faden nicht verliert, ist auch wieder einem Stilelement des Autors. Es gibt immer wieder Zusammenfassungen zum Stand der Ermittlungen. Das, was man als Leser schon für sich zusammengefasst hat, wird somit nochmals bestätigt. Man erfährt, dass man mit seinen Gedanken und Spekulationen auf der richtigen Spur liegt. Man folgt den Ermittlungen, es ist alles plausibel. Bis irgendwann alles neu gedacht werden muss?

Einerseits hielt ich so manche Zusammenfassung für überflüssig, sie mögen redundant erscheinen. Andererseits kann ich verstehen, dass sie auch so manchem Leser helfen, aus dem stets anders interpretierten Fakten, Indizien und Beweisen den richtigen Weg zu finden.

»Die Affäre Alaska Sanders« ist ein unheimlich spannender Roman, der den Leser einfängt, ihn bis zum Ende zu lesen. Wer den Vorgänger kennt, kann sich auf ebenso verwickelte Geschichte und das Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Das Lesen des Vorgängers ist aber für das Verständnis dieses Romans nicht zwingend notwendig.

»Die Affäre Alaska Sanders« ist wieder ein Roman, der die Geschichte erzählt, wie er selbst entsteht. Damit suggeriert er eine wahre Geschichte und macht diese Geschichte zu einem erfolgreichen Roman. Einfach nur klasse!!!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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