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Veröffentlicht am 18.05.2021

Remy Eyssen und der siebte Fall für Leon Ritter

Verhängnisvolles Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 7)
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Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der ...

Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der Ermittler. Es ist mittlerweile der siebte Fall bzw. Band mit ihm.

Im unwegsamen Gelände wird nah am Wasser und im Schlamm die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Offensichtlich ist er nordafrikanischer Abstammung. Er war in einem Plastiksack eingeschnürt und trug Mädchenkleidung. Dr. Leon Ritter wurde an den Ort gerufen.

Das zweite Opfer ist ein Apotheker, der beim sportlichen Radfahren eine Felsabhang hinunter stürzt und dann erschlagen wird. Und schließlich gibt es noch den angehenden Bischof, der keine Skrupel hat, seine Kirche zu betrügen und sehr viel Geld zu veruntreuen.

Diese Verbrechen werden schnell kurz aufeinander präsentiert. Als Leser beginnen die Spekulationen in alle Richtung zu laufen, aber keine Sorge, denn für Spannung hat Remy Eyssen gesorgt.

Remy Eyssen sorgt auch an anderer Stelle für ein besonderes Wohlfühlklima, denn die Figuren werden passend beschrieben, die dafür benutzten Bilder und Vergleiche sind einprägsam und bleiben dem Leser im Kopf. Das erweckt beim Leser den Eindruck, als würde er die Figuren alle persönlich kennen und sei mit ihnen auf du und du.

Wie so viele andere deutsche Autorinnen und Autoren hat auch Remy Eyssen seine Handlung in eine französische Region verlegt. Allerdings schafft es kaum einer von ihnen – obwohl ihre Bücher durchaus in den Bestseller-Listen ranken – , eine solch süffisante, angenehm lesbare Athmosphäre zu schaffen, wie dieser Autor. Das lässt seine Bücher herausragen.

Dieser Roman immer eine starke Empfehlung wert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.05.2021

eine Spur von der Vergangenheit in die Gegenwart

Kronsnest
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Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern ...

Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern geht es schlecht, weil die Politik kaum Anstalten machte, ihre Lage zu verbessern. Da agieren unterschiedliche Gruppen, um gegen die praktizierten Regeln vorzugehen. Unter anderem auch die aufkommenden braunen SA-Truppen. Als schützende Hand geben sie vor, sich für die Bauern einzusetzen.

Doch Hannes, der Protagonist in »Kronsnest«, mag in dieser Situation nicht einfach nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden. Er ist der Meinung, dass man sich nicht bedingungslos jeder neuen Strömung anschließen sollte.

»Kronsnest« ist ein Entwicklungsroman, weil wir Hannes dabei zusehen, wie er groß, stark und erwachsen wird. Er braucht viel Kraft, um sich gegen seinen Vater durchzusetzen, der den Freund von Hannes bevorzugt. Die Mutter möchte ihren Sohn zwar unterstützen, jedoch ist sie zu schwach gegenüber ihrem Mann. Der Mann bricht nicht nur dem Hund die Knochen, auch Hannes muss sehr unter ihm leiden .

Florian Knöppler hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur damaligen Zeit zwar düster ist, aber immer wieder helle Momente hat. Und weil zum Erwachsenwerden auch die aufkeimende Liebe zum anderen Geschlecht gehört, gibt es auch einige romantische Szenen in diesem Roman.

Die Dorfgemeinschaft in der Elbmarsch wird mikroskopisch auseinandergenommen. Die Figuren mit ihren Eigenschaften bilden den Mittelpunkt. Dabei bleibt es nicht nur bei Hannes und seiner Familie. Die Leser lernen sehr viele andere Leute kennen. Detailreich werden deren Einstellungen und Handlungsweisen begründet, so dass man die scheußlichsten Handlungen zwar nicht gutheißen, aber doch verstehen kann.

Der empfehlenswerte Roman »Kronsnest« von Florian Knöppler zeigt einen Spiegel der heutigen Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor fast einhundert Jahren spielt. Ein Roman, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.05.2021

Chiara Marchelli auf den Spuren von Pascal Mercier

Die blauen Nächte
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Wenn man feinfühlige Romane mag, kann mit diesem nichts schief gehen. Der Roman der Italienerin spielt in New York und ist eine italienisch-amerikanische Tragödie.

Das aus Italien stammende Ehepaar Larissa ...

Wenn man feinfühlige Romane mag, kann mit diesem nichts schief gehen. Der Roman der Italienerin spielt in New York und ist eine italienisch-amerikanische Tragödie.

Das aus Italien stammende Ehepaar Larissa und Michele sind die Hauptfiguren, neben ihrem vor fünf Jahren aus dem Leben geschiedenen Sohn. Vor allem Michele kann sich nach all diesen Jahren nur sehr schwer daran gewöhnen, dass ihr geliebter Sohn nicht mehr lebt. Es treibt ihn immer noch die Frage nach dem Warum. Denn der Sohn ist freiwillig ohne jede Ankündigung selbst aus der Welt gegangen, hat seine Eltern und seine Ehefrau plötzlich und ohne jede Zeichen einer Ankündigung alleine gelassen. Oder nicht? Gab es Anzeichen dafür? Hatte er, Michele, sie übersehen?

Micheles Selbstzweifel werden zudem damit angestachelt, als die verwitwete Schwiegertochter ihm mitgeteilt, dass ihr Sohn ein Kind mit einer anderen Frau hatte. Zum Zeitpunkt seines Selbstmords war das Kind bereits drei Jahre alt.

Chiara Marchelli hat einen hinreißenden, philosophischen Schreibstil, denn der Leser erfährt sehr viel aus den Gedanken der Figuren. Dies erinnert an die großartigen Romane von Pascal Mercier. Meistens ist es Michele, der sich den Kopf zerbricht, dessen Gedanken keine Ruhe finden. Selbst in Gesprächen springen seine Gedanken in einen Tagtraum hinein. Wird ein besonderes Gesprächsthema angesprochen, so gehen Micheles Gedanken sofort in die Vergangenheit und berichten wie es damals war oder was er heute dafür hält. An dieser Stelle wird vom Leser ein schnelles Umschalten verlangt. Chiara Marchelli gestaltet dies sehr komplex und meisterhaft.

Ganz anders als Michele reagiert seine Frau Larissa. Sie geht eher pragmatisch mit der Situation um und kann nicht alle Entscheidung ihres Mannes gutheißen.

Chiara Marchelli versteht es meisterlich, die Spannung aufzubauen und zu halten. Als Leser muss man damit rechnen, dass neue Fakten auf den Tisch kommen und alles bis dahin Geglaubte über den Haufen geworfen werden muss.

Lediglich bei all den Abschweifungen in die Mathematik und Spieletheorie (Michele ist Professor auf diesem Gebiet) hätte sich Chiara Marchelli etwas zurückhalten sollen. Die Vergleiche, die Michele hierraus zum Verhältnis und Leben seines Sohnes zieht, sind zu konfus und für einen Nicht-Mathematiker schwer nachvollziehbar, zu theoretisch.

Alles in allem bleibt »Die blauen Nächte« von Chiara Marchelli ein empfehlenswerter Roman, der sich auf ganz besondere Weise der Trauerbewältigung annimmt, ohne depressiv zu machen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 05.05.2021

immer für eine Überraschung gut

Betty
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Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. ...

Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. Elisabeth hat in eine snobistische Familie eingeheiratet. Damals lebte das Oberhaupt, der General, noch. Wir treffen Elisabeth, die gerne als Betty von sich spricht, in einem kleinen Restaurant. John, der englische Doktor, spricht sie an und lädt sie zu einem Getränk ein. Betty lässt sich verführen. Sie schlägt keinen Drink aus. Im Gegenteil: Sie scheint mehr als der Engländer zu trinken. Sie blamiert sich im Lokal, weil sie sternhagelvoll ist. Eine Frau, ebenfalls Gast hier, nimmt sie mit in ihr Hotel und unter ihre Fittische.

Aus dieser Begegnung entwickelt sich die Geschichte von Betty, die vor zwei Tagen ihre Familie verlassen hat und auf der Suche nach einem eigenen Leben ist.

Der Roman wurde 1960 veröffentlicht. Dennoch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Wenn von Telefon gesprochen wird, kann der Leser blitzartig auch das Bild eines Smartphones vor Augen haben. Es war wohl vielleicht mein Wissen um diesen Roman, wenn mir die Geschichte ein Gefühl der 1950er Jahre verlieh. Wie sollte es anders sein, als würde der Pariser Charme einer Zeit von Simon Signoret oder Serge Gainsbourg aus ihm sprechen.

Auch wenn es kein Kriminalroman mit Maigret ist, sollte sich kein Leser täuschen lassen und am Anfang schon glauben er wisse, worauf das alles hin ausliefe.

Georges Simenon ist immer für eine Überraschung gut. Deswegen und vor allem wegen des ruhigen Stils ist der Roman sehr gut zu empfehlen, nicht nur für Paris-Liebhaber.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 29.04.2021

spannender und großartiger Kriminalroman

Der letzte Grund
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Diese Kriminalroman von Volker Pesch ist ein Roman mit interessanten Schauplätzen, einer spannenden Handlung und einem gut verarbeiteten Thema aus der deutschen Vergangenheit.

Wenige Tage vor dem Beginn ...

Diese Kriminalroman von Volker Pesch ist ein Roman mit interessanten Schauplätzen, einer spannenden Handlung und einem gut verarbeiteten Thema aus der deutschen Vergangenheit.

Wenige Tage vor dem Beginn der Hanse-Sail in Rostock ist der Zweimaster „Sansibar“ im Hafen versunken. Wie sich herausstellt, gibt es eine männliche Leiche an Bord. Doch es sind aufwendige Taucherarbeiten notwendig, um die Leiche und das Schiff zu bergen. Die Kommissarin Doro Weskamp beginnt mit ihrem Team zu ermitteln. Ihre Wege führen sie zu Schiffseignern, Sponsoren aus der Windkraftbranche und zu Flüchtlingen aus dem Dritten Reich. Dabei geht es auch um das Thema der Kriegsenkel.

Da ich selbst viele Jahre in Rostock gelebt habe und noch über einige Kontakte dorthin verfüge, hat mir das Wiedersehen mit der Hafenstadt an der Ostsee mittels dieses Kriminalromans besondere Freude bereitet. Aber es war nicht das Lokalkolorit, das mich gefesselt hatte. Dafür waren eher das Aufdecken dunkler Geheimnisse und das des Themas Kriegsenkel verantwortlich.

Jedem Leser sei angeraten, das erste Kapitel, welches verwirrend ist, zu überstehen. (Nicht zu überlesen, denn es ist wichtig! Aber auf keinen Fall das Buch aus der Hand zu legen.) Ich verspreche, im zweiten Kapitel geht es dann richtig los. Auch wenn Clemens zwar nicht seine Träume los wird, nimmt der Segler aber im dritten Kapitel schließlich seine Fahrt auf.

Volker Pesch schlägt einen weiten Bogen, angefangen von dem Toten auf dem gesunkenen Schiff über die Reichsbürger, einem rechtsradikalen Polizisten bis hin zu Kunstgemälden, die einst den jüdischen Bürgern gestohlen und bei Gurlitt versteckt worden waren.

Die Figuren, allen voran Doro Weskamp und der Polizeiseelsorger Tom Schroeder, sind von Volker Pesch sehr spannend, sympathisch und so vertraulich angelegt, dass man als Leser meint, sie tatsächlich schon immer persönlich zu kennen. Mich umfing bei ihrem ersten Auftreten in der Handlung eine wohlige Wärme.

Diesen Kriminalroman kann ich mir gut als den Auftakt einer neuen Reihe vorstellen. Einen entsprechenden Cliffhanger hat Volker Pesch bereits platziert.

»Der letzte Grund» ist ein spannender und großartiger Kriminalroman, einer mit sehr interessanten Themen und sympathischen Figuren. Den Namen des Autors sollte man sich merken.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021