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Veröffentlicht am 06.04.2020

ruhig und unaufgeregt, faszinierend

Die Frau im grünen Regenmantel
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Der Roman »Die Frau im grünen Regenmantel« von Laura Lippman würde von mir spontan die Attribute amerikanisch gemütlich, spannend und unterhaltsam erhalten. Es ist ein Kriminalroman um die Privatdetektivin ...

Der Roman »Die Frau im grünen Regenmantel« von Laura Lippman würde von mir spontan die Attribute amerikanisch gemütlich, spannend und unterhaltsam erhalten. Es ist ein Kriminalroman um die Privatdetektivin Tess Monaghan. Es ist nicht der erste Krimi mit ihr. Es gibt noch weitere aus der Feder von Laura Lippman. Ich würde ihn in erster Linie nicht in das Kriminalgenre einordnen. Nicht zuallererst. Denn die kriminellen Elemente schleichen sich ganz bedächtig in die Szenerie ein. In erster Linie ist es ein Gegenwartsroman aus dem amerikanischen Alltag. So, als würde man Truman Capote lesen und plötzlich taucht eine Leiche auf.

Tess ist schwanger. Das bereitet ihr Probleme. Sie fängt an, an ihrer Liebe zu Crow zu zweifeln. Oder an seinem Willen, sie zu heiraten. Ein Nebenstrang, der unterhaltsam im Hintergrund des gesamten Romans abläuft. Dann taucht Dempsey auf. Ein scheinbar herrenloser Hund. Tess begibt sich auf die Suche nach dem Herrchen oder Frauchen. Dabei trifft sie auf Don Epstein, dessen Frau Carole der Hund gehört. Carole wurde oft im Park mit Dempsey gesehen. Beide in Partnerlook bestens aufeinander abgestimmt, im grünen Regenmantel. Doch plötzlich war Dempsey allein und Carole verschwunden.

Bei der Suche nach Carole stellt Tess fest, dass alle Ehefrauen und eine Freundin des wohlhabenden und charmanten Don Epstein ums Leben gekommen waren. Alles unglückliche Un- oder Zufälle. Und nun ist die nächste Ehefrau von ihm spurlos verschwunden.

Ganz besonders hat mir der Stil dieses Romans gefallen. Ruhig und unaufgeregt wird man in das Umfeld von Tess eingeführt, lernt ihre Freunde, ihre Sorgen und Nöte kennen. Es wird nicht auf Biegen und Brechen ermittelt. Es laufen keine schwerbewaffneten Cops durch das Gelände. Dafür lässt sich in manchen Szenen ein Schmunzeln nicht unterdrücken, wenn z. B. nach einem actionreichen Showdown Dempsey froh darüber ist, dass es jemanden gibt, der noch kleiner als er ist.

Diesen wundervollen Roman kann ich einfach nur empfehlen. Leser können mit einem Kauf dieses Buches nichts falsch machen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

Veröffentlicht am 03.04.2020

Skandinavischer Psychothrill aus deutscher Feder

Schwarzer Fjord
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»Schwarzer Fjord« ist skandinavischer Psychothrill aus deutschen Landen von Sven Koch. Dabei geht es um Liv, die in einem Bett in einer Klinik erwacht und sich nicht wirklich an etwas erinnern kann. Sie ...

»Schwarzer Fjord« ist skandinavischer Psychothrill aus deutschen Landen von Sven Koch. Dabei geht es um Liv, die in einem Bett in einer Klinik erwacht und sich nicht wirklich an etwas erinnern kann. Sie weiß nicht, was passiert war, wie sie hierhergekommen war. Sie weiß nur, dass sie einen Anruf von Magnus, dem Ehemann ihrer besten Freundin Vigga seit Kindestagen erhalten hatte. Er hatte sie informiert, dass Vigga verschwunden sein und bat sie, ihm bei der Suche nach seiner Frau und ihrer Freundin zu unterstützen. Liv machte sich auf den Weg.

Noch im Krankenhaus wird Liv von den Polizisten Tine und Knud über das Geschehen befragt. Es ist ein Schock, als Liv erfährt, dass Magnus in Blut getränkt tot neben ihr aufgefunden worden war. Sie gilt als Tatverdächtige. Der Kampf um die Wahrheit nimmt seine Fahrt auf. Somit die Spannung und der Thrill im Roman.

Zwar ist der Grundplot nicht neu, aber die Geschichte drumherum schon. Sie liest sich sehr schnell dank der kurzen Kapitel und der rasanten Szenenwechsel. Sie ist spannend und unterhaltsam. Als Leser muss man allen Nebensträngen folgen, da man keine Ahnung hat, hinter welchem Strang sich die Auflösung des Dilemmas verbirgt. Alle Figuren haben irgendein Geheimnis, verbergen etwas. Und jedes dieser Geheimnisse kann ein Motiv dafür sein, dass Menschen verschwundet sind oder getötet wurden.

In wohltuenden Ortsbeschreibungen erfährt der Leser von der skandinavischen Weite und kann von der spannenden Handlung einen Moment innehalten. Außerdem machen diese Abschnitte Lust auf Urlaub, trotz der Verbrechen. Sven Koch scheint diese Landstriche zu lieben. Zusätzlich unterfüttert er die Handlungen mit ausreichend Stoff über Ermittlungswissen.

Die Geschichte wird in erster und dritter Person erzählt. Die Gedankengänge der Protagonistin Liv, ihre Vermutungen zum Hergang des Vorgefallenen nehmen zwangsläufig einen großen Raum ein und sind in erster Person erzählt. Leider klingen diese Passagen nicht so authentisch, wie sie sollten. Das Wort „ich“ wird zu viel bemüht. Sowas liest sich in Romanen anderer Autoren eleganter.

Alles in allem tut dieser Stil, der mir persönlich nicht gefällt, der Spannung keinen Abbruch. Er macht den Thriller nicht weniger empfehlenswert. Also Daumen hoch!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Vincent Ché Veih mit einer neuen Partnerin

Im Namen der Lüge
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Während sich der Schriftsteller Horst Eckert mit seinem neuesten Roman weiterentwickelt hat, werde ich meine vorangegangenen Rezensionen zu seinen Büchern kaum noch steigern können. Mir bleibt einfach ...

Während sich der Schriftsteller Horst Eckert mit seinem neuesten Roman weiterentwickelt hat, werde ich meine vorangegangenen Rezensionen zu seinen Büchern kaum noch steigern können. Mir bleibt einfach nur noch, jedem diesen Thriller zu empfehlen, der Spannung, Action und Aktualität in Romanen mag.

Bei „Im Namen der Lüge“ begegnet dem Leser ein alter Bekannter: Vincent Ché Veih, Kommissar in Düsseldorf und Sohn einer RAF-Terroristin, die zwanzig Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Von Vincent hat es bereits drei Romane gegeben.

Doch er ist nicht der alleinige Protagonist in diesem Thriller. Er hat eine Protagonisten an die Seite bekommen: Melia Khalid mit Decknamen. Sie ist Leiterin der Abteilung Linksextremismus im Verfassungsschutz. Melia ist dunkelhäutig, aber in Deutschland geboren und Deutsche. Ihr Vater ist ein hohes Tier in der Bundesregierung, dem sie verboten hat, ihren Karriereweg zu ebnen.

Eckert hat mit diesem Roman einen Pageturner geschaffen, der ein großes Tempo vorlegt. Das wird nicht zuletzt durch sie sehr kurzen Kapiteln hervorgerufen, die einen ständigen Szenenwechsel mit sich bringen und anhand derer der Leser mehrere Handlungen fast gleichzeitig beobachtet.

Der Einstieg erfolgt mit rasanten Szenen, wie in der ersten, in welcher drei Personen ein Einkaufszentrum überfallen, um Geld zu erbeuten. Die Security-Mitarbeiter im Geldtransporter werden mit einer Panzerfaust bedroht. Oder nahe eines Kleingartenvereins auf einem Gelände von Reichsbürgern gelangen die Streifenpolizisten sehr schnell und unverhofft in eine gefährliche Situation. Zu zuter Letzt wird darauf die AFD.Zentrale in NRW in die Luft gejagt. Ein Attentat!

Mit diesen Aktionen werden beide Protagonisten auf den Plan gerufen. Sowohl Polizei als auch Verfassungsschutz müssen tätig werden. Doch so schnell kreuzen sich die Wege der beiden nicht. Auch das ist ein probates Mittel, um Spannung zu erzeigen, zumindest, wenn man die anderen Vincent-Ché-Veih-Romane kennt.

Die Handlungen dieses Romans wirken aufgrund ihrer Aktualität beinah wie eine Dokumentation, als würde man die Nachrichten im Fernsehen verfolgen. RAF, NSU, Verfassungsschutz, BKA – dazwischen Polizisten, die mit der rechten Szene kuscheln. Die bis heute bekannten Fakten in der Realität lassen ruhigen Gewissens den Gedanken zu, dass alles so gewesen sein könnte wie Horst Eckert es in diesem Thriller beschrieben hat. Es ist beängstigend!

Eine große Portion Spannung stammt auf den zwischenmenschlichen Beziehungen der agierenden Figuren und deren Ziele. Auch die Beziehung von Vincent und seiner Mutter wird einer erneuten Prüfung unterzogen. Eckerts Lösung ist sympathisch.

Dieses Spannungsgeflecht aus den Figuren heraus erinnert mich an die Fernsehserie „Homeland„. Neben der konkreten Abwehr einer Bedrohung verfolgt jede Figur ihre eigenen Ziele. Sie gibt diese aber nie vollständig preis. Schon gar nicht allen anderen Figuren gegenüber. Es wird immer etwas zurückgehalten. Nicht gegenüber den Lesern oder den Zuschauern, diese fühlen sich dann immer ein bisschen schlauer als die handelnden Figuren. Dafür werden sie dann aber stets davon überrascht, wie diese Figuren handeln.

Was soll ich abschließend sagen? Ein atemberaubender Thriller, den es zu lesen lohnt und der das Zusammenspiel von Politikern, rechter Szene und autonomen Linken in einem anderen Licht erscheinen lässt. Jede Menge Fiktion mit einem Touch Dokumentation und Breaking News.
Klasse!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2020

Mischung aus Arthur C. Doyle und Donna Leon

Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers
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Liebhaber des Detektivromans kommen mit der Reinkarnation einer aus Literatur und Film bestens bekannten Romanfigur in den spannenden Genuss, die Welt um sich herum zu vergessen und in das mediterrane ...

Liebhaber des Detektivromans kommen mit der Reinkarnation einer aus Literatur und Film bestens bekannten Romanfigur in den spannenden Genuss, die Welt um sich herum zu vergessen und in das mediterrane Flair von Florenz einzutauchen. Franziska Franke hat sich der lange totgeglaubten Romanfigur des britischen Meisterdetektivs Sherlock Holmes angenommen. Nach ihrem Debütroman „Sherlock Holmes und die Büste der Primavera“ handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um den zweiten Krimi dieses Stils, eines Stils, der dem des Altmeisters Arthur Conan Doyles nicht unähnlich ist. In nüchterner, berichtender Weise beschreibt Mister Tristram, der enge Vertraute des großen Detektivs in der englischen Gemeinde von Florenz, Holmes Vorgehensweise bei den Ermittlungen. Während Holmes in England kaum auf seinen Dr. Watson verzichtete, weil der ihm unendlich viele Chancen bot, mit seinem Spürsinn zu glänzen, so verhält sich Mr. Tristram kaum anders. Bemüht, den Freund Holmes bei den Ermittlungen zu unterstützen, hat dieser nichts anderes zu tun, ihn bloßzustellen und mit seinem eigenen Wissen zu glänzen und zu belehren. Aus seiner Verblüffung über so manchen verwinkelten Gedankengang seines Freundes, der inkognito ermittelt, macht Tristram kein Geheimnis.
Die Ermittlungen drehen sich zunächst um das Auffinden eines Gemäldes, welches bei einem Mitglied des Höllenfeuer-Clubs, einem elitären Kreis der englischen Gemeinde, verschwunden ist. Sherlock Holmes wird beauftragt, das Gemälde zu finden. Erstaunlicherweise hat der Täter nicht die überaus wertvollen Gemälde aus der Renaissancezeit entwendet, sondern eines, auf welchem die fünf Mitglieder dieses esoterischen Clubs von einem Restaurator der Stadt porträtiert worden waren. Der Routinefall wandelt sich schnell zu etwas Ungewöhnlichem, als der Florentiner Maler und Restaurator tödlich verunglückt. Ein Umstand, den Sherlock Holmes stark bezweifelt. Nicht nur Holmes sondern auch sein Gehilfe Tristram geht von Mord aus und kommt so manchem Geheimnis der fünf Porträtierten auf die Spur.
Mit faszinierender Detailtreue beschreibt die Autorin die akribische Ermittlungsarbeit. Da der Eindruck eines nüchternen Berichts erweckt werden soll, dessen Manuskript auf dem Dachboden eines Buchhändlers gefunden wurde, bedient sich die Autorin auch gerne Fußnoten, die das eine oder andere Detail näher erläutern. Eine Methode, die dem Roman Authentizität verleiht.
Mit Humor beseelt werden immer wieder die zwar für Tristram und den Leser überraschenden Wendungen, die für den Meister jedoch offenbar immer wieder vorhersehbar waren. Als Leser kann man sich das etwas langsamer funktionierende Gehirn Mr. Tristrams allerdings gut nachvollziehen, sieht man sich doch selbst oft genug von Holmes an der Nase herumgeführt.
Für Leser, die Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Miss Marple lieben, ist dieses Buch ein unabdingbares Muss. Er wird verzaubert mit einer spannenden Mischung aus Arthur C. Doyle und Donna Leon.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2011

Veröffentlicht am 20.03.2020

ein Krimi, der zum Nachdenken anregt

Der Mann, der niemals töten wollte
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Ein sechsjähriges Kind wird vermisst gemeldet. Doch dies ist zunächst kein Fall für die Polizei. Der Entführer ist ein Bosnier, der sich von dem kleinen Mädchen mit „Vater“ anreden lässt.
An dieser Stelle ...

Ein sechsjähriges Kind wird vermisst gemeldet. Doch dies ist zunächst kein Fall für die Polizei. Der Entführer ist ein Bosnier, der sich von dem kleinen Mädchen mit „Vater“ anreden lässt.
An dieser Stelle kommt ein gesellschaftliches Thema ins Spiel, welches von der Autorin geschickt in eine spannende Handlung gekleidet wird. Krieg und Flucht aus Ex-Jugoslawien, Aufnahme in unserer westlichen Gesellschaft, Umgang mit ausländischen Mitbürgern. Haarklein werden die Verhältnisse eine Flüchtlingsfamilie in der deutsch-schweizer Gegend um Konstanz und den Bodensee herum geschildert.
Dass sich die Konstanter Kripo nicht um den Entführungsfall kümmert, hat seinen Grund: Sie hat wegen eines Toten, der erstochen in einer Badewanne gefunden wurde, genug zu tun. Das ohnehin schon große Team wird immer wieder durch weitere Experten vergrößert. Noch während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, gibt es einen zweiten Toten, der Ähnlichkeiten zu dem Tötungsdelikt des ersten Toten aufweist. Dieses Mal wurde der Leiter des Jugendamtes bestialisch erstochen und in einem Park abgelegt.
Geschickt sind die Ermittlungen um die Ermordeten mit der Entführung des Mädchens in einer parallelen Handlung verflochten. Die bluttriefenden Details bei der Leichenschau hätten auch ohne diese Konkretheit ihre Wirkung gezeigt, wie auch viele weitere kriminaltechnische Details passend in den Text eingeflossen sind und den Eindruck von Expertenwissen erwecken.
Als angenehm habe ich das Sprechen der handelnden Figuren empfunden, die teilweise im Dialekt oder mit osteuropäischem Akzent ihre Sätze hervorbrachten. Schade, dass dieser Stil nicht konsequent an jeder Stelle umgesetzt wurde.
Während die Ermittlungen der Kripo durchweg interessant und spannend sind, ist die Handlung um die Entführung ein wenig zähfließend. Es steht zwar immer die Frage nach dem „Warum“ im Raum, aber leider ändert sich dies über alle betroffenen Kapitel nicht. Im Ablauf der Entführung gibt es kaum eine überraschende Wendung, kein kleinerer Spannungsbogen, der den Leser bis zum nächsten (Entführungs-) Kapitel gefangen hält. Außerdem wirkt die Sichtweise des Kindes konstruiert, aus dessen Perspektive die Entführung geschildert wird. Es ist offensichtlich die eines Erwachsenen, der glaubt, dass ein Kind so denkt. Das hat nichts mit der realen Denkweise eines Kindes zu tun.
Auf das Thema des Buches ist bereits hingewiesen worden, aber die besondere Herangehensweise an die Problematik des Balkankrieges, an die Schicksale der Flüchtlinge, an die Schilderung der Kriegsleiden bosnischer Soldaten ist ein ausdrückliches Lob wert. Dadurch wird der Krimi einer, der auch zum Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2011