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Veröffentlicht am 07.12.2019

Durch und durch französisch - herrlich!

Unter den hundertjährigen Linden
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Ein französischer Roman durch und durch. Perrin schafft es, mit ihren Worten ein Gefühl der Ruhe und Besinnlichkeit beim Lesen hervorzurufen. Sie hat einen Roman der tausend Geschichten kreiert, Geschichten, ...

Ein französischer Roman durch und durch. Perrin schafft es, mit ihren Worten ein Gefühl der Ruhe und Besinnlichkeit beim Lesen hervorzurufen. Sie hat einen Roman der tausend Geschichten kreiert, Geschichten, die das Leben so spielt.

Violett ist seit sehr vielen Jahren Friedhofswärterin, nachdem sie zuvor viele Jahre Schrankenwärterin war. Plötzlich taucht ein Besucher namens Julien, seines Zeichens Kommissar, auf und fragt dem Grab von Gabriel Prudent. Er sagt, das seine Mutter darauf bestand, auf dem Grab dieses Mannes beigesetzt zu werden. Julien ist es unverständlich. Er ist beinahe verwirrt. Denn er kennt den Mann nicht. Warum will seine Mutter bei ihm beigesetzt werden? Entfernt von ihrer Heimat? Es kommt ihm alles sehr eigenartig vor. Welch ein Wunsch, den seine Mutter je geäußert hat. Deshalb ist Julien Seul in diesen kleinen Ort gekommen, in welchem Violett lebt und arbeitet. In ihr findet er einen verständnisvollen Menschen, der ihn beim Wunschverstehen unterstützt.

Hinreißend und bezaubernd werden all die kleinen und großen Geschichten in einer ruhigen Atmosphäre erzählt. Doch warum spreche ich von so vielen Geschichten? Jedes Grab auf dem Friedhof von Violett erzählt eine eigene Geschichte. Perrin macht daraus eine wohlklingende Melodie. Wie erfahren die Geschichte von dem kleinen Mädchen, dass sich in ihren Französischlehrer verliebt hat. Wir erfahren von der Dame, die Violett jedes Jahr eine Puppe schenkt. Violett hat sie alle auf einem Schrein aufgestellt, würde sie am liebsten aber wegwerfen. Wenn die Dame doch nächstes Jahr nicht weitermachen würde. Wir erfahren natürlich aus dem Leben Violets, von ihrer Ehe, ihrer Tochter. Wir erfahren die Geschichte von Juliens Mutter und warum sie bei Gabriel Prudent beigesetzt werden möchte. Wir erfahren aus dem Leben des Kommissars.

Geschichten über Geschichten, behutsam eingepackt in magische Worte, von denen man sich einfach verzaubern lassen muss. Seit vielen Jahren lese ich französische Romane unter anderem von Grégoire Delacourt, Julia Stagg, aber auch Nina George. Die zähle ich einfach dazu. Sie erzeugen ein besonderes Flair und lassen sich nicht mit deutschen Romanen vergleichen. Sie sind anders. Sie sind Balsam für die Seele.

Herzlichen Dank, dass ich die Gelegenheit bekam, diese einfühlsame Autorin kennenzulernen. Dieser Roman von Trauer und Hoffnung; von Verlust und Liebe bekommt meine höchste Empfehlung.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

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Veröffentlicht am 05.12.2019

Was ist da bloß los in Wayward Pines?

Psychose
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Ich habe mich gefreut, diesen besonderen Roman in den Händen halten zu können. Es handelt sich um einen Mystery-Thriller. Horror wäre die falsche Beschreibung dafür, aber dennoch hat dieser Roman etwas ...

Ich habe mich gefreut, diesen besonderen Roman in den Händen halten zu können. Es handelt sich um einen Mystery-Thriller. Horror wäre die falsche Beschreibung dafür, aber dennoch hat dieser Roman etwas von denen eines Stephen King. Und natürlich gibt es Beispiele aus dem TV. Vielleicht kennt noch jemand die TV-Serie „Twin Peaks"? Ich selbst hatte mein erstes Zusammentreffen mit dem kleinen Örtchen Wayward Pines über die gleichnamige Fernsehserie, in der Ethan Hawke die Hauptrolle spielte.

Das Geschehen in Wayward Pines ist extrem mysteriös. Das sieht folgendermaßen aus: Ethan Burke, seines Zeichens Spezialagent des Secret Service, wacht aus dem Koma in einem Krankenhaus auf. Er denkt, sich selbst entlassen zu können, stellt aber fest, dass er eigentlich gar nicht weiß, was geschehen war und warum er im Krankenhaus liegt. Der Ort, durch den er spaziert, ist eine ruhige Kleinstadtidylle und könnte das Paradies auf Erden sein. Doch so langsam kehrt die Erinnerung zurück. Er war mit seinem Kollegen im Dienst-PKW unterwegs, , um zwei Vermisste Kollegen zu suchen. Doch sie hatten einen Verkehrsunfall. Sie wurden von einem riesigen MACK-Truck überrollt. Aus Gesprächen erfährt Ethan, dass sein Partner den Unfall nicht überlebt hat und der Fahrer des Trucks Fahrerflucht begangen hat. Außerdem sind sein Handy und seine Brieftasche verschwunden. Für die erste Nacht außerhalb des Krankenhauses muss er im örtlichen Hotel um eine Übernachtung betteln. Seine Frau und seinen Chef kann er zudem nicht erreichen. Und dann muss er feststellen, dass …

In einem extrem ruhigen Stil wird über das Geschehen berichtet. Selbst dem Leser erschließt sich die ganze Dimension dieses Ortes und der Mysteriosität erst nach und nach. Aber es wird nicht nur über das Geschehen in Wayward Pines erzählt. In Zwischenkapiteln erfährt man auch das, was Ethans Frau und seinem Chef geschieht. Für den Leser eine weitere Dimension.

„Psychose" ist der erste Band der Trilogie, von der jeden Monat (Oktober, November, Dezember) ein Band in den Handel kommt. Natürlich passieren hier Verbrechen, aber es ist kein klassischer Thriller mit Ermittlern und Ermittlungen. Wer ist liebt, den Faden eines Wollkneuls von diesem abzuwickeln und mit jeder Seite tiefer in den Sumpf hineingezogen zu werden, ist mit der Wayward-Pines-Trilogie und dem ersten Band bestens versorgt.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2019

Allein schon wegen der Spannung lässt er sich schnell lesen.

Sandgrab
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Typisch skandinavisch, typisch düster.

Kurz vor Weihnachten verschwindet ein neunjähriges Mädchen auf dem Weg von der Schule nach Hause in einem kleinen Städtchen Südschwedens. Als ein weiteres Kind verschwindet, ...

Typisch skandinavisch, typisch düster.

Kurz vor Weihnachten verschwindet ein neunjähriges Mädchen auf dem Weg von der Schule nach Hause in einem kleinen Städtchen Südschwedens. Als ein weiteres Kind verschwindet, gerät ein schweigsamer und introvertierter Teenager mit autistischen Zügen bei der Bevölkerung in Verdacht.

Das Besondere an skandinavischen Krimis sind die abgeschiedenen Gehöfte, die weiten Entfernungen und die unendlichen Wälder. Hier fühlt man sich auch an "Dunkelsommer" von Stina Jackson erinnert. Dies wird von der Autorin, die für ihre Figur der Irene Huss von der Kripo Göteborg bekannt ist, bestens in Szene gesetzt. Doch auch bei ihrer zweiten Ermittlerin Embla Nyström, die im vorliegenden Roman zum zweiten Mal ermittelt, setzt sie auf ihre konsequente Entwicklung von Spannung. In einem routinierten Erzählstil führt sie die Leserinnen und Leser in eine Geschichte, und somit in ein Geschehen, aus dem diese nicht wieder herauskommen. Mit der Ermittlerin verfolgt man die Spuren und ist bei jeder Wendung erneut überrascht über den Verlauf, den die Geschichte nimmt.

Die Figuren sind skandinavisch spröde, doch sie wirken authentisch. Die Ablehnung der lokalen Polizei gegenüber den übergeordneten Behörden sorgt für zusätzlichen Zoff im Figurenensemble.

Hinzugelernt habe ich nebenbei, was ein A-Traktor ist. Den Begriff kannte ich bislang nicht. Doch Google half mir dann. Ist schon interessant.

Der Roman ist gut gegliedert in Teile und Kapitel. Allein schon wegen der Spannung lässt er sich schnell lesen. Für alle, die gerne skandinavische Krimis mit viel Spannung lesen bestens zu empfehlen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 28.11.2019

Ein Thriller ohne Thrill

Blood Orange - Was sie nicht wissen
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Doch worum geht es? Seit vielen Jahren ist Alison Anwältin und hat stetig darauf hingearbeitet, mit Mordprozessen in die Riege der Staranwältinnen aufzusteigen. Nun ist es endlich soweit, sie bekommt einen ...

Doch worum geht es? Seit vielen Jahren ist Alison Anwältin und hat stetig darauf hingearbeitet, mit Mordprozessen in die Riege der Staranwältinnen aufzusteigen. Nun ist es endlich soweit, sie bekommt einen Fall, in welchem sie eine Ehefrau verteidigen soll, die offensichtlich ihren Mann getötet hat. Zumindest gibt die Beschuldigte es selbst zu und möchte dafür verurteilt werden.

Leider wurde dieser Prozess im Roman zum Nebenstrang. Im Vordergrund stand die Figur der Anwältin mit ihren Problemen. Sie ist eine Alkoholikerin und betrügt ihren Mann mit einem Kollegen. Das mag höchst widersprüchlich klingen, allerdings hatte sich für mich aber nie ein Widerspruch gezeigt. Ihr Verhalten ist so widerwärtig, dass sie kaum Fans gewinnen wird. Ihre Versuche - sind es wirklich welche? - aus der Abhängigkeit ihres Liebhabers und des Alkohols auszubrechen, sind halbherzig. Ihre tausenden Entschuldigungen gegenüber ihrem Mann und ihrer Tochter sind so abgedroschen, dass man als Leser nicht mehr daran glauben mag, dass sie sich ändert. Gerade hat sie ihrer Tochter zur Wiedergutmachung ein gemeinsames Pizzaessen versprochen, da geht sie noch in eine Bar nur "ein Glas" und simst ihrem Lover, um um einen Quickie zu betteln. Schließlich liegt sie am nächsten Morgen betrunken im Büro. Alison ist einfach nur verabscheuungswürdig mit solch einer Vehemenz, dass sie in mir keinen Fan gefunden hat. Natürlich war ich neugierig, was aus ihr im Verlauf der Handlung werden würde. Zwar konnte es mich nicht befriedigen, aber insofern kann man dem Roman nicht zuschreiben, dass es ihm an Spannung fehlt. Doch die Begeisterung für diese Protagonisten blieb auf der Strecke.

Im Gegensatz zur Figur der Protagonistin ist der Erzählstil vollkommen richtig gewählt. Der Roman wird ersten Person im Präsens erzählt. Damit ist der Leser ganz nah an den Ereignissen und im Kopf von Alison. Doch leider sind die Entscheidungen von ihr trotzdem nicht nachvollziehbar.

"Blood Orange" ist der Debütroman der schottischen Autorin, die vielleict allzusehr aus ihrem eigenen Alltagsgeschehen als Prozessanwältin in London berichtet. Man kann ihn zwar gut lesen, muss aber nicht Fan der Hauptfigur werden.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 22.11.2019

Im Haus des Bürgermeisters ...

Blind Sight
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Einen psychologischen Thriller und Polizeiroman zugleich können die Leser erwarten. New York ist der Schauplatz, in welchem Kathy Mallory zusammen mit ihrem Partner Riker ermittelt.

Im Haus des Bürgermeisters ...

Einen psychologischen Thriller und Polizeiroman zugleich können die Leser erwarten. New York ist der Schauplatz, in welchem Kathy Mallory zusammen mit ihrem Partner Riker ermittelt.

Im Haus des Bürgermeisters werden mehrere Leichen gefunden. Dies soll jedoch vertuscht werden. Die Polizei und die CSU brkommt keinen Zugriff für Ermittlungen. Parallel dazu erfährt der Leser die Sichtweise eines kleinen, blinden Jungen, der gefangen gehalten wird. Er ist entführt worden und beginnt gerade ein Verhältnis zu seinem Bewacher aufzubauen. Der Leser erfährt nicht, ob der Bewacher auch der Entführer ist. Aber Mallory erfährt von dem Verschwinden einer Nonne und ihres kleinen Neffen. Da sich die Vermisstenabteilung offenbar nicht der Sache annimmt, wird sie gebeten, die beiden zu suchen. Doch die Nonne findet sie schnell bei den Leichen, ebenfalls tot. Diese Tote passt aber nicht in das Schema der anderen Toten. Mallory hat einen handfesten Zusammenhang bei der Fälle.

Der Schreibstil der Autorin ist eine Besonderheit in diesem Genre. Die Geschichte wird meistens als Erzählung dargeboten, denn in Dialogen präsentiert. Selbst innerhalb von wörtlicher Rede werden Rückblenden und Szenen wieder als Erzählung dargestellt. Ein Wortgefecht mit spritzigen oder gar humorigen Dialogen wird der Leser nicht erwarten können .

Das liegt aber auch – und damit komme ich zum zweiten großen Pluspunkt – an der Figur der Protagonistin Mallory. Sie ist eine ganz besondere Figur und Ermittlerin. Sie ist introvertiert, rechthaberisch und kaum steuerbar von ihren Vorgesetzten. Lediglich Riker hat sich mit ihr arrangiert. Er ist derjenige im Roman, durch den wir Mallory kennenlernen. Seine Gedanken und sein Verhalten gegenüber seiner Partnerin lassen den Leser erkennen, was Mallory für ein Mensch ist. Das zeigt sich in Sätzen wie: „Er sagte nichts. Er war daran gewöhnt, dass seine Partnerin Puzzlestücke manchmal gewaltsam einfügte, weil ihr das Bild, das dabei herauskam, in den Kram passte.“ Weil er Mallory den Dienstwagen fahren lässt, für die die Straße nur eine Rennstrecke ist und er sich grundsätzlich am Amaturenbrett abstützen muss, wird er von den Kollegen gefragt, warum er in ihrem Selbstmord-Dienstwagen-Kommando nicht das Lenkrad in die Hand nimmt. Er antwortet lediglich mit einem Schulterzucken. Mallory hat eine besondere Gabe, Wahrheit und Lüge bei ihren Gesprächspartnern zu unterscheiden. Sie selbst sieht sich als die beste Lügnerin und setzt diese Methode ganz bewusst ein, um Ihre Gesprächspartner in eine Falle zu locken. Sie wird nie akzeptieren, dass ein verdächtiger Gesprächspartner besser lügt als sie. Sie ist davon überzeugt, dass das unmöglich ist. Und Mallory ist paranoid. Natürlich spielt ihre Herkunft eine besondere Rolle dabei. Als sie sich den Rat eines psychologischen Beraters holt, um ihren Verdächtigen analysieren zu lassen, kommt sie zu dem Schluss, dass sich ihr Berater mit dem Verdächtigen gemeinsam gegen sie verschworen hat. Dabei wollte der Berater ihr nur klarmachen, wie der Verdächtige tickt.

Die in New York lebende Autorin hat mit Kathy Mallory eine der originellsten Ermittlerfiguren geschaffen, die das Genre bieten kann. Bereits 1995 hat sie sich mit ihrem Debütroman zum Sterben in die Bestsellerautorenriege hinein katapultiert.

Ein Kritikpunkt habe ich allerdings bezüglich der Übersetzung. Gendersprache hin oder her, aber das Vermengen weiblicher Pronomen mit englischen Begriffen ist ein Unding. Warum wird statt „die Detective“ nicht „die Ermittlerin“ gesagt?


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019