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Veröffentlicht am 20.12.2018

Was in der Werkstatt Stradivaris im Jahre 1716 beginnt

Tödliche Sonate
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Die Autorin ist Violinsolistin und reist für Konzerte um den gesamten Globus, aber immer wieder auch nach Rom. Der vorliegende Roman ist ihr Debütroman. Wen wundert es, dass das Thema dieses Kriminalromans ...

Die Autorin ist Violinsolistin und reist für Konzerte um den gesamten Globus, aber immer wieder auch nach Rom. Der vorliegende Roman ist ihr Debütroman. Wen wundert es, dass das Thema dieses Kriminalromans die klassische Musik, Stradivaris Violinen und das Business drumherum sind?

Die hochangesehene Inhaberin einer Künstleragentur wird ermordet aufgefunden. Doch wer auf der prominenten Leiter steht, wird auch angefeindet. Sowohl von abgewiesenen Künstlern, von Wettbewerbern, Mitarbeitern und nicht zuletzt von Familienangehörigen. Der Commissario Di Bernardo hat es nicht leicht, zusammen mit seinen Kollegen den Dschungel an Lügen, Intrigen, Wahrheiten und Halbwahrheiten zu lichten.

Was kann der Leser erwarten? Zunächst einen durchaus spannenden Krimi mit interessanten Verwicklungen. Dann einen faszinierenden Regionalbezug zum Schauplatz Rom. Als Kontrast zu den Romanen von Donna Leon eine angenehme Alternative. Die umfangreichen Beschreibungen lassen den Leser durch die Stadt reisen. Als drittes erfährt der Leser sehr viel über das Konzertgeschäft rund um die klassische Musik im Allgemeinen und die Geschichte der Geigenherstellung im Besonderen. Sehr gut gefallen haben mir die historischen Kapitel, die in der Werkstatt Stradivaris im Jahre 1716 beginnen. Sie begleiten die Ermittlungen den gesamten Roman hindurch. Doch der Leser sollte dabei nicht vergessen, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt. Auch wenn große Teile der Historie entnommen sind, stimmt deswegen nicht alles, was geschrieben steht. Korsakova stellt dies im Nachwort auch eindeutig klar, weshalb ich unbedingt empfehle, das Nachwort tatsächlich erst nach dem Ende des Romans zu lesen. Mit dem Wissen des Nachworts ist der Krimi vielleicht nicht ganz so spannend, aber nur vielleicht.

Ein Manko allerdings sind die unendlich vielen italienischen Namen. Jede Nebenfigur, und wenn es nur der Briefträger auf der Straße ist, hat einen vollständigen Namen bekommen. Das ist verwirrend und zu viel des Guten.

Trotz allem bietet der Roman spannende und interessante Unterhaltung.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 09.12.2018

Helfersyndrom mit tödlichen Folgen

Die Samariterin
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Am Rande der Eifel pflegt die Krankenschwester Susanne in einer abgelegenen Forstvilla ihre kranke Mutter. Hingebungsvoll verzichtet sie auf ein eigenes Leben, obwohl ihre Mutter wie ein Drachen nie ein ...

Am Rande der Eifel pflegt die Krankenschwester Susanne in einer abgelegenen Forstvilla ihre kranke Mutter. Hingebungsvoll verzichtet sie auf ein eigenes Leben, obwohl ihre Mutter wie ein Drachen nie ein gutes Wort an sie richtet. Die Mutter setzt alles daran, dass Susanne nicht an ein Leben außerhalb der Villa denkt.

Doch dann tritt eine alte Schulfreundin Susannes auf den Plan. Die ist Psychologin in der JVA Diez und betreut Strafgefangene. Sie versucht Susanne zu animieren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zaghaft nimmt Susanne einen Briefwechsel mit einem Strafgefangenen auf. Doch aus den Briefen wird mehr und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Ulrike Bliefert hat einen Thriller geschrieben, der fast ohne Ermittlungen auskommt. Nur scheinbar am Rande denkt ein Ex-Kriminalbeamter über das Verschwinden eines Mädchens nach, welches vor Jahren stattfand. Dieser Fall konnte nie geklärt werden und schlummert noch heute als Cold Case vor sich hin. Die Autorin hat diesen alten Fall in Form von Polizeiprotokollen zwischen die Kapitel der aktuellen Handlung geschoben, was die Spannung sowohl beim aktuellen Geschehen um Susanne als auch beim alten Fall erhöht. Denn als Leser spürt man, dass der alte Fall noch irgendetwas mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben wir.

Obwohl Ulrike Bliefert (Autorin und Schauspielerin) viel lokales Eifel-Kolorit eingebunden hat, ist es mitnichten ein Regiokrimi. Irgendwo muss ein Thriller spielen. Hier ist es die Eifel.

Besonders gut gelungen ist die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und Gedanken der Figuren. Besonders Susannes Psyche wird immer glaubwürdiger mit dem Fortschreiten des Romans. Obwohl die kenntlich gemachten Gedanken in durchaus weniger hätten sein können, denn der Charakter Susannes wird auch ohne dem verständlich. Auch wenn man sich anfangs das Helfersyndrom schwer vorstellen kann, wird es immer plausibler und die Frage, ob sie dieses ablegen kann, rückt immer mehr in den Fokus. Eine besonders positive Figur ist Susannes junge Kollegin Nadja, die sich bemüht, Susanne das Leben zu erklären.

Die gestalteten Dialoge sind eine Klasse für sich. Bliefert versteht es, für jede Figur einen ganz eigenen Sprachstil zu finden und diesen konsequent durchzuhalten. Es macht Spaß, die Worte der einzelnen Leute im inneren Ohr klingen zu lassen.

Kribbelnde und knisternde Spannung für alle, die den Thrill mögen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 01.12.2018

Einfach gefangen auf Gut Greifenau!

Gut Greifenau - Abendglanz
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"Abendglanz" ist der erste Band der brandneuen Familiensaga von Hanna Caspian, die als "Gut Greifenau"-Trilogie im Handel verfügbar ist. Alle drei Bände werden bis März 2019 erscheinen.

Es ist Mai 1913. ...

"Abendglanz" ist der erste Band der brandneuen Familiensaga von Hanna Caspian, die als "Gut Greifenau"-Trilogie im Handel verfügbar ist. Alle drei Bände werden bis März 2019 erscheinen.

Es ist Mai 1913. Die Zeiten sind im Umbruch. Die Grafenfamilie von Grafenau hält traditionell an eingefahrenen Wegen und Ritualen fest. Doch den Kindern wird das Korsett der adligen Etikette zu eng. Der alte Patriarch verstirbt bald, sein Sohn hat bisher nur gelernt, Lebemann zu sein. Doch er ist der Erbe des Gutes und regiert fortan als neuer Patriarch. Aber sein Sohn Konstantin hat Landwirtschaft studiert und brennt darauf, seine Ideen dem Vater vorzustellen und das Gut für die Zukunft fit zu machen. Sein Großvater hatte ihn mit "dem neuen Zeug' ins Leere laufen lassen. Obwohl sein Vater nicht viel von Landwirtschaft versteht, will der die Zügel aber nicht aus der Hand geben. Konstantins Schwester Katharina verliebt sich in einen etwa gleichaltrigen Industriellenjungen. Obwohl dessen Eltern, somit auch er, steinreich sind, kommt für die Gräfin eine Verbindung von Katka mit Julius nicht infrage. Die Hauptberufung der Gräfin besteht darin, ihre Tochter so teuer wie möglich zu verheiraten. Da kommt ihr ein Neffe des Kaisers gerade recht. Doch Katharina wehrt sich.

Hanna Caspian hat ein allumfassendes Universum rund um Gut Greifenau (fiktiv!) geschaffen. Vorbild mag die britische TV-Serie "Downton Abbey" gewesen sein. Denn genau wie dort gibt es zahlreiche Handlungsstränge in allen Schichten der Menschen, die in diesem Roman eine Rolle spielen. Sowohl bei den Bediensteten als auch bei der Adelsfamilie, bei den Pächtern, den Dorfangestellten und den Bekannten gibt es Geheimnisse und Verwicklungen. Es müssen zahlreiche Probleme gelöst werden. Der Autorin ist es fantastisch gelungen, den Weg zum Ziel zu machen. Soll heißen, dass zunächst nicht auf eine Lösung am Ende des Romans/ der Trilogie hingearbeitet wird. Der Leser verfängt sich dermaßen in den Verwicklungen der einzelnen Figuren, leidet mit ihnen, freut sich mit ihnen, wünscht Ihnen die Pest an den Hals. Am Ende möchte man nur noch wissen, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht. Für mich persönlich gilt: Gefangen auf Gut Greifenau! Ich wünsche es ebenso jedem neuen Leser, jeder neuen Leserin.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 19.11.2018

Ein fesselnder Roman, knallhart und rücksichtslos.

Flucht nach Mexiko
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Dave Robicheaux, Protagonist dieser Krimi Reihe von James Lee Burke, wird in diesem Roman an alte Vorgänge in seinem Leben erinnert. Obwohl er seine Erinnerungen lieber verdrängen würde, zwingt ihn das ...

Dave Robicheaux, Protagonist dieser Krimi Reihe von James Lee Burke, wird in diesem Roman an alte Vorgänge in seinem Leben erinnert. Obwohl er seine Erinnerungen lieber verdrängen würde, zwingt ihn das Geständnis eines alten Mannes zum Gegenteil. Die Ereignisse um das Verschwinden von Ida Durban treten in den unmittelbaren Vordergrund. Sein Halbbruder Jimmy war damals so verknallt in Ida, dass der so viele Jahre kaum an ein anderes Mädchen gedacht hatte. Jimmy und Ida wollten damals nach Mexiko abhauen und ein neues Leben beginnen. Doch Jimmy wartete an dem ausgemachten Termin umsonst, Ida kam nie. Von dem Tag an blieb sie verschwunden. Und je mehr Zeit verging, umso mehr glaubte Jimmy, dass sie tot war.

Der Fall von der Vermissten Ida ist aber nicht der einzige Fall, mit dem sich Dave befasst. Seine Freundin, Kollegin und Chefin Helen bei der Polizei holt ihn wegen seiner außerordentlich guten Ermittlungsleistungen in den Dienst zurück. Schließlich ist gerade ein Serienmörder unterwegs, der junge Frauen entführt und brutal ermordet. Dave ist gut und sie braucht jeden Mann, da kann sie auf die Gründe seiner Entlassung keine Rücksicht nehmen.

James Lee Burke ist für seine schonungslose Beschreibung des Amerikas von heute bekannt. Es ist das Amerika abseits der riesengroßen Megacitys, ein Amerika in den Tiefen des Landes, ein Amerika, wo US-Präsident Trump seine Freude hat, Wähler zu gewinnen. Doch der Autor protokolliert in seinen Fiktionen sehr authentisch und detailreich die Vorgänge in der amerikanischen Seele. Neben den actionreichen Szenen holt Burke immer wieder Luft und lässt die Gedanken der Leser baumeln, wenn er durch den Kopf und die Erinnerungen des Protagonisten dessen Leben und Gefühlswelt schildert. Man kommt so nah an Dave Robicheaux heran, dass man meint, mit ihm in einer Kneipe zu sitzen und ein Bier zu trinken. Dabei trinkt der gar kein Bier. In anderen Momenten fasziniert Burke mit einer Landschaftsbeschreibung, wenn das Auto über die Straßen rollt oder geangelt wird. Und besonders beruhigend ist es, wenn sich der Protagonist an solche schönen Bilder erfreut. Jegliche Brutalität und Gewalt, zu der Robicheaux immer wieder gezwungen wird, ist dann verschwunden. Man spürt den Drang genau wie Dave, allen Schmutz und Dreck hinter sich zu lassen. Die Mischung aus besinnlichen und actionreichen Szenen ist dem Schriftsteller extrem passend gelungen.

Ein fesselnder Roman, der seinen Autor von der besten Seite zeigt.

Unbedingt zu lesen!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 11.11.2018

Krimi mit einem besonderen Pariser Lokalkolorit

Madame Bertin steht früh auf
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Ab nach Paris, dachte ich mir und griff bei diesem Buchtitel und seinem Klappentext zu. Für Kriminalromane im „Miss Marple"-Stil gibt es ja schon eine ganze Reihe von Autorinnen und Autoren, z. B. ermittelt ...

Ab nach Paris, dachte ich mir und griff bei diesem Buchtitel und seinem Klappentext zu. Für Kriminalromane im „Miss Marple"-Stil gibt es ja schon eine ganze Reihe von Autorinnen und Autoren, z. B. ermittelt in Cornwall „Miss Mabel" (Rebecca Michéle) oder am Niederrhein „Kati Küppers" (Barbara Steuten). Wenn der Verlag also einen Krimi als die „Miss Marple von Paris" ankündigt, dann wird er gewisse Erwartungen bei den Lesern wecken. Und diese werden im vorliegenden Roman erfüllt.

Madame Bertin ist Inhaberin einer Bäckereikette in Paris. Sie hat als Bäckermeisterin höchste Ehren erlangt und darf deshalb den französischen Präsidenten im Elysée-Palast beliefern. Doch nun möchte sie sich zur Ruhe setzen und hat die Geschäftsführung an ihren Neffen abgegeben. Plötzlich sieht sie im Haus gegenüber hinter einer Fensterscheibe eine blutige Hand hinabgleiten. Aufgeregt begibt sie sich dorthin, weil sie einen Unfall vermutet. Doch da ist im Hausflur und an dem Fenster nichts zu entdecken. Ihr Anruf bei der Polizei lässt sie jetzt dumm dastehen. Doch nicht mit Madame Berti!. Sie ist fest davon überzeugt, dass in diesem Haus ein Verbrechen geschehen ist. Schließlich weiß sie doch, was sie gesehen hat. Ihr Counterpart von der Polizei ist da ganz anderer Meinung. Die Verwicklungen machen den Roman immer spannender. Dadurch, dass das Setting schon durch den Lieferantenstatus an die Regierungskreise heranreicht, zeigen die verschiedensten Spuren wunderbar auch in diese Richtung. Zudem gibt es ein zwielichtiges Restaurant, in welchem gepokert wird. Die Pokerrunden sind ebenfalls mit hochrangigen Geschäftsleuten und Politikern besetzt.

Das Pariser Lokalkolorit kommt hervorragend zum Vorschein. Man sieht die Wasserpfützen auf den Gehsteigen, man riecht den warmen Gestank der Metro. Paris-Liebhaber werden einen großen Wiedererkennungswert haben, sehr bildreich wird diese Metropole in die Handlung eingebunden. Ebenso bildreich, aber für mich wesentlich zu detailreich und langatmig, sind die Beschreibungen von Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs, z. B. der Inhalt eines Kühlschrankes über mehrere Seiten hätte gerne gekürzt werden können, ohne dass der Handlung des Romans damit Schaden zugefügt worden wäre.

Ein gemütlicher und humorvoller Krimi mit einem besonderen Lokalkolorit, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018