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Veröffentlicht am 18.10.2024

Heldenhafte Frauen in Vietnam

Die Frauen jenseits des Flusses
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Dieser Roman von Kristin Hannah geht emotional sehr tief und berührt unheimlich. An diesem Roman ist nichts schnulzig, obwohl es auch eine Liebesgeschichte gibt, die aber nicht das Thema darstellt, denn ...

Dieser Roman von Kristin Hannah geht emotional sehr tief und berührt unheimlich. An diesem Roman ist nichts schnulzig, obwohl es auch eine Liebesgeschichte gibt, die aber nicht das Thema darstellt, denn das geht viel weitreichender. Die romantische Geschichte dabei unterstützt das Verständnis für das wirkliche Thema in ganz besonderer Weise.

Worum geht es? Soldaten werden 1966 in den Krieg nach Vietnam geschickt. Für die Amerikaner hat dieser Krieg gerade erst begonnen. In der Familie McGrath ist der Vater stolz auf die familiäre Vergangenheit. In seinem Büro gibt es eine Galerie mit Bildern, auf denen die Vorfahren in Uniformen und mit Orden aus den unterschiedlichsten Kriegen abgebildet sind. Es gibt eine Party zur Verabschiedung des Sohns Finley, der sich für einen Einsatz in Vietnam eingeschrieben hatte. Der Vater beglückwünscht ihn für das “große Abenteuer”.

Frances Grace McGrath, genannt Frankie, die kleinere Schwester von Finley, ist ebenfalls stolz auf ihn. Aber sie hatte schon die gesamte Kindheit zu ihrem großen Bruder aufgeschaut. Es dauert nicht lange und die Familie wird darüber informiert, dass Finley McGrath heldenhaft im Krieg gefallen ist. Der Schock und die Trauer gehen sehr tief. Doch zur Beisetzung werden ihnen lediglich ein Paar Feldstiefel übergeben, die angeblich Finley gehört hatten.

Frankie trifft einen weitreichenden Entschluss. Auch sie möchte ihren Vater stolz machen und sucht Möglichkeiten, nach Vietnam zu gehen. Krankenschwester scheint ihr ein machbarer Weg. Doch bei den Marines und der Airforce müsste sie zunächst zwei Jahre in den USA in einem Krankenhaus lernen, bevor sie nach Vietnam geschickt würde. Das dauert ihr zu lange und sie erfährt, dass die Army sie nach einem mehrwöchigen Grundlehrgang gleich in den Krieg ziehen lassen würde. Stolz verkündet sie ihren Eltern, dass sie sich für Vietnam verpflichtet hat. Ihr Vater verlässt ohne ein Wort den Raum.

Was dann die junge Krankenschwesterschülerin Frances McGrath an ihrem ersten Tag in Vietnam erlebt, ist weit entfernt von dem, was sie im Grundlehrgang erfahren hat.

Thema des Romans, von dem ich bereits oben gesprochen habe, ist das Sichtbarmachen der weiblichen Helden während des Vietnam-Krieges in den 1960er Jahren. Viele Amerikaner hatten kein Verständnis dafür, dass Amerika Soldaten nach Vietnam schickte. Es waren aber nicht nur Männer, die dort hingingen. Es waren auch sehr viele Frauen dabei, die meist als Krankenschwestern in den Lazaretten unter Feindbeschuss ihre heldenhafte Arbeit leisteten. Nichtsdestotrotz waren diese Frauen Armeeangehörige und trugen Offiziersränge und Uniformen, die aber in den Dschungellazaretten keine Rolle spielten.

Bei der Rückkehr aus Vietnam wurden die Soldaten oft von den Bürgern beschimpft. Die Soldaten haben viele schlimmen Sachen erlebt und mit ansehen müssen, teils selbst ausführen müssen. Sie waren traumatisiert und es ist bekannt, dass sehr viele Drogen konsumiert wurden. Doch in der Heimat sollten sie keine Hilfe bekommen. Für die weiblichen Soldaten war die Rückkehr noch viel schlimmer: Es hat sie in der Öffentlichkeit gar nicht gegeben. “Frauen waren nicht in Vietnam!”

Dieser Roman hat mich persönlich sehr emotional mitgenommen. Ich habe mich so in die Szenerie hineinversetzen können, als wäre ich live dabei. Mich überzog sehr oft eine Gänsehaut. Und ich muss gestehen, ich musste bei aller Spannung, die die Geschichte bot, zweimal eine Pause von zwei bis drei Tagen machen und einen anderen Roman zwischendurch lesen, weil mich die Geschichte so mitnahm, dass ich nicht darin verharren durfte. Sie hat mich glatt umgehauen.

Dieser historische Roman zeigt auch sehr eindringlich, wie sich in “Notgemeinschaften” schnell Freundschaften bilden. Es waren Freundschaften, die sich so schnell gebildet haben und doch so tief gehen, dass es schmerzt, wenn sie auseinandergehen. Und in einem Krieg gehen Freundschaften auseinander, weil Menschen getötet werden, weil sie verletzt werden, oder auch weil Menschen in die Heimat zurückkehren. Kristin Hannah schafft die Illusion, dass man sich als Leser diesen Freundschaften zugehörig fühlt.

Mir standen manchmal die Tränen in den Augen, weil das Unheil des Krieges so bildhaft beschrieben wurden, dass einem dieses Grauen sehr nahe geht. In diesem Roman liegen Trauer und Freude oft ganz nah beieinander.

»Die Frauen jenseits des Flusses« ist ein fesselndes Buch, das den Leser sofort ins Geschehen hineinzieht. Die bildhafte Beschreibung macht es fast so, als wäre man selbst Teil der Geschichte. Es beleuchtet eine oft ignorierte Perspektive des Vietnam-Kriegs und bietet spannende Einblicke in die Hintergründe von PTBS. Besonders beeindruckend ist, dass es zeigt, wie auch Frauen Helden sein können. Die Figuren sind liebenswert, haben aber viel Leid erfahren, was das Buch emotional greifbar macht.

Natürlich wird das Leid des Krieges nicht ausgespart, was manchmal ganz schön heftig sein kann. Auch die Darstellung mancher Greueltaten ist nicht ohne, aber für das Gesamtbild unabdingbar. Insgesamt ein großartiges Werk, das zum Nachdenken anregt und das man nicht so schnell vergisst. Absolut empfehlenswert für jeden, der tiefere Einblicke in historische Themen sucht!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

spannende Agentengeschichte

Pflicht und Ehre
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Dies ist der mittlerweile 19. Thriller mit der Hauptfigur Jack Ryan. Nachdem ich die Kinofilme und die Fernsehserien gesehen hatte, war es endlich mal an der Zeit, einen Roman zu lesen. Tom Clancy, der ...

Dies ist der mittlerweile 19. Thriller mit der Hauptfigur Jack Ryan. Nachdem ich die Kinofilme und die Fernsehserien gesehen hatte, war es endlich mal an der Zeit, einen Roman zu lesen. Tom Clancy, der auf jeden Fall mit “Jagd auf Roter Oktober” berühmt wurde, hat den vorliegenden Roman allerdings nicht selbst geschrieben, denn er verstarb bereits 2013. Aber für den Autor Grant Blackwood war es nicht der erste Roman aus dieser Reihe, den er im Namen des großen Autors verfasste.

Jack Ryan junior, der Sohn des Präsidenten, hat gerade eine Auszeit von seinem Job beim geheimen Nachrichtendienst Campus genommen. Er wurde beurlaubt. Doch plötzlich wird er Ziel von Anschlägen. Der erste Überfall erfolgte vor einem Supermarkt und überraschte ihn komplett. Obwohl er weiß, dass er den Vorfall eigentlich seinen Kollegen oder den Secret Service melden sollte, bleibt er sich als Hitzkopf treu und versucht alleine herauszubekommen, wer und warum man es auf ihn abgesehen hat. Er hat einen Verdacht, dass diese Angriffe mit seiner Beziehung zu einer iranischen Geheimdienstagentin zusammenhängen könnten. Aber bei seinen Ermittlungen stößt er auf etwas völlig Unerwartetes. Eine blutige Spur führt ihn zur Rostock Security Group.

Das private Sicherheitsunternehmen hat sich zu einem Riesen in der Branche entwickelt. Bei Jack Ryan kommt der Verdacht auf, dass diese deutsche Firma möglicherweise Terroranschläge vortäuscht, um ihre eigene Bedeutung zu untermauern. Immerhin geht es in der Sicherheitsbranche um eine Menge Geld, eine ganze Menge Geld. Alleinstehend tritt Jack Ryan dem Kampf gegen die illegale Miliz entgegen. Ihr nächstes Ziel ist ein Staudamm. Falls dieser zerstört wird, schweben Tausende Menschen in Lebensgefahr.

„Pflicht und Ehre“ ist ein spannender Thriller, der mit actionreichen Verfolgungsjagden und einem fesselnden Geheimdienstplot aufwartet. Die kurzen Kapitel machen das Lesen im Handumdrehen möglich und die bekannten Figuren, wie Jack Ryan, sorgen für zusätzliche Spannung. Die europäischen Schauplätze verleihen der Handlung einen besonderen Flair.

Allerdings gibt es auch einige Schwächen. Die weitschweifigen Wegbeschreibungen und die übertrieben detaillierten Straßenverläufe lassen den Thriller manchmal aufgebläht wirken. Man hat das Gefühl, der Autor hat sich eher auf Google Maps verlassen als auf eigene Erlebnisse.

Insgesamt ein unterhaltsames Buch, wenn man sich für spannende Agentengeschichten interessiert, aber man sollte sich auf etwas langatmige Passagen einstellen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

Veröffentlicht am 08.10.2024

Literatur auf Korn genommen

Lies mir das Buch vom Tod
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Dies ist ein solider Kriminalroman von Christoph Güsken, der in Münster beheimatet ist. Es ist der achte Roman um den ehemaligen Hauptkommissar Niklas de Jong, der nicht müde wird, immer wieder darauf ...

Dies ist ein solider Kriminalroman von Christoph Güsken, der in Münster beheimatet ist. Es ist der achte Roman um den ehemaligen Hauptkommissar Niklas de Jong, der nicht müde wird, immer wieder darauf hinzuweisen, dass er Exkommissar und nicht Kommissar ist.

Münster strebt wie viele andere Städte danach, ein Zuhause für Bücher zu werden. Während der Veranstaltung Münster liest soll die Stadt eine ganze Woche lang wie ein aufgeschlagenes Buch für Einwohner und Besucher sein. Allerdings wird die ungetrübte Freude am Lesen abrupt unterbrochen, als im neuen Landesmuseum eine Leiche mit gebrochenem Genick in einer Ausstellung für Kriminalromane entdeckt wird.

Normalerweise meidet Exhauptkommissar de Jong Mordfälle, aber in diesem Fall handelt es sich um eine persönliche Angelegenheit, da der Tote sein Freund Ollie Frings war. Es gibt bestimmte Fragen, die er unbedingt beantworten möchte. Beispielsweise, ob es möglicherweise einen Zusammenhang mit der beliebten Büchertalkshow Menetekel gibt, die Ollie kurz vor seinem Tod moderiert hat. Zusätzlich wird de Jong gebeten, einige undurchsichtige Aspekte aufzuklären.

Es dauert nicht lange, bis sich im literarischen Umfeld bald ein weiterer Mord ereignet. Während die Kripo hektisch ermittelt, um weitere Opfer zu verhindern und den Ruf der Stadt zu schützen, führt de Jong’s Spur zurück in die frühen Neunzigerjahre, zu seinem ersten Kriminalfall als junger Polizist in Münster. Damals wurde ein Doppelmord am Berg Fidel begangen, der von den Medien als der schrecklichste Verbrechen der Stadtgeschichte, bekannt als der Mundharmonika-Mord, bezeichnet wurde. Dieser Fall wurde nie aufgeklärt. Bis heute …

Christoph Güsken hat mit der Rückblende auf den ersten Fall des jungen Polizisten sozusagen eine zweite Geschichte in einem separaten Handlungsstrang konstruiert. Dieser weitere Handlungsstrang sorgt für zusätzliche Spannung.

Das Polizeiteam hat Schwierigkeiten aufgrund der großen Anzahl von Verdächtigen. Besonders der Leiter der Kripo möchte die Fälle so schnell wie möglich abschließen, um den Druck von der Presse und seinem eigenen Ruf zu nehmen. Allerdings stehen sie vor einer Vielzahl von Lügen, Betrug und Geheimnissen, die der ehemalige Kommissar erkennen kann, aber nicht das Kripoteam. Zusätzlich hat der Hauptkommissar mit einem persönlichen Problem zu kämpfen. Und auch ich selbst hätte nie den Täter erkannt, der mir auf dem Literaturfestival immer wieder begegnet.

Die Figuren, denen ich hier begegne, erscheinen alle vielschichtig und sorgfältig gezeichnet. Es scheint, als würde jeder diese Menschen kennen. Der Autor integriert sie geschickt in eine teils arrogante und elitäre Literaturszene und gibt uns einen kleinen Einblick in die Realität dieser Szene.

Trotz einiger weit hergeholterf Szenen fügen sich diese dank des subtilen Sarkasmus und des humorvollen Schlagabtauschs in der wörtlichen Rede zu einem unterhaltsamen Bestandteil des Kriminalfalls zusammen.

Christoph Güsken hat mit seinem Buch »Lies mir das Buch vom Tod« eine spannende, interessante und unterhaltsame Geschichte geschaffen, die mir dank des humorvollen Tons und der literarischen Festivalatmosphäre in Münster viel Freude bereitet hat.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Mit Herz und Humor erzählt

Gallwitz
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Vera F. Schreibers Debütroman ist ein zeitgenössischer Roman mit historischem Hintergrund, der die Selbstradikalisierung eines Mannes, das Scheitern einer Ehe und den Wunsch nach Glück thematisiert.

Jana ...

Vera F. Schreibers Debütroman ist ein zeitgenössischer Roman mit historischem Hintergrund, der die Selbstradikalisierung eines Mannes, das Scheitern einer Ehe und den Wunsch nach Glück thematisiert.

Jana Gallwitz freut sich darauf, sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben. Nachdem sie einen gut bezahlten Job im Ausland hatte, plant sie Reisen und gemeinsame Aktivitäten mit ihrem Ehemann Hartmut. Allerdings hat Hartmut offensichtlich andere Pläne. Er ist heimlich einer rechtsextremen Partei beigetreten und nimmt nun ein politisches Mandat wahr. Sein Alltag ist von Verschwörungstheorien, Hass und Hetze geprägt, was Jana machtlos und immer verbitterter werden lässt. Dadurch zerbricht nicht nur ihre gemeinsame Lebensplanung, sondern sie wird immer häufiger auch sozial geächtet. Einer der Höhepunkte dabei ist eine Silvesterparty.

Karl Niemetz, der Lehrer von Jana in der Vergangenheit, zeigt mithilfe seiner eigenen Lebensgeschichte, dass Väter ohne Empathie nicht als Ausrede für alles, was ihre Söhne tun, herhalten müssen. Obwohl seine Kindheit ähnlich verlief wie die von Hartmut Gallwitz, ist er das komplette Gegenteil. Jana ist selbstbewusst genug, um mutige Entscheidungen zu treffen, die ihr Leben komplett verändern.

Vera F. Schreiber, eine Autorin, die zuvor im Technologiebereich tätig war, widmet sich in der heutigen Zeit einer herausfordernden Problematik: der gesellschaftlichen Spaltung in intolerante Lager.

Trotz der vorweggenommenen Ankündigung des Happy Ends im Prolog, ist es gerade diese positive Entwicklung, die die Leser dazu motiviert, den Roman fortzusetzen und herauszufinden, wie es zu diesem für Jana glücklichen Ausgang gekommen ist und was sie daraus macht.

Die Autorin untersucht die Ursachen für die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, indem sie nicht nur in der Gegenwart bleibt, sondern auch Rückblenden in die Vergangenheit der Figuren einbindet. Diese Herangehensweise ist äußerst gelungen, da sie auch mich an Ereignisse aus meiner Kindheit erinnert hat, die damals als normal galten, heutzutage jedoch von jüngeren Generationen vergessen und abgelehnt werden. So manches Mal hielt ich beim Lesen inne und dachte: Ja, so war das damals.

Obwohl die Protagonistin im ersten Teil des Romans in einer ausweglosen Situation zu sein scheint, werden die Leser im zweiten Teil einen Hoffnungsschimmer spüren, der die Protagonistin in die Zukunft zieht. Eine neue Beziehung entwickelt sich und man ist gespannt, wie es darin weitergeht.

Trotz der ernsthaften Thematik, die von Vera F. Schreiber behandelt wird, zeigt sie dennoch Bereitschaft zu humorvollen Abweichungen. Die Hauptfigur hat einen schelmischen Zug an sich, wenn sie dem neuen Menschen in ihrem Leben vorerst verschweigt, dass sie sich bereits kennen. Eine ähnliche Situation entsteht dann beim Arztbesuch. Ein Schmunzeln kann beim Leser nicht verhindert werden.

Alles in allem fand ich die Herleitung des Verhaltens zweier Männer durch ähnliche Erziehung sehr interessant. Auch sind die humorvollen Szenen, die die menschliche Interaktion auflockern, amüsant zu lesen. Die klare Strukturierung in zwei Teile, die spannend zusammengeführt werden, gestattet ein einfaches Sich-Einlassen auf die Lebenswege der beiden Männer im Leben der Protagonistin. Die tiefgehende Argumentation zu Selbstradikalisierung und Verteidigung rechten Gedankenguts klingt plausibel und ist aus meiner Sicht gut nachvollziehbar. Dabei regt die positive Einstellung der Autorin zu ihrem Thema zum Nachdenken an. Das besondere Cover des Buches mit Lesebändchen ist visuell ansprechend und unterstreicht das Thema.

»Gallwitz« hat mir sehr gut gefallen und ich kann es jedem Leser ans Herz legen, der sich Gedanken über die heutige Gesellschaft in Deutschland macht.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 17.09.2024

Krimi mit Pariser Flair

Die Schatten von Paris
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Dies ist der siebte Roman aus der Reihe um den Pariser Richter Jacques Ricou, den der Autor Ulrich Wickert vor vielen Jahren ersonnen hat.

Fast wie eine Hinrichtung wirkt es, als ein Mann nahe des Genfer ...

Dies ist der siebte Roman aus der Reihe um den Pariser Richter Jacques Ricou, den der Autor Ulrich Wickert vor vielen Jahren ersonnen hat.

Fast wie eine Hinrichtung wirkt es, als ein Mann nahe des Genfer Sees mit fünf präzisen Schüssen ermordet wird. Das Besondere daran: Er war Teil einer Eliteeinheit des französischen Geheimdienstes! Unbeabsichtigt wird der Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou in den Fall hineingezogen und gerät in die Intrigen einflussreicher Politiker. Es wird ein Fall für Jacques Ricou!

Es ist, als ob ein Schachspiel plötzlich in einem Blutbad endet: Mit fünf präzisen Zügen wird ein wichtiger Spieler aus dem Spiel genommen. Das Erschreckende: Er war Teil der geheimen Strategie des Königs! Unabsichtlich wird der Schiedsrichter in die Intrigen der mächtigen Figuren verwickelt.

Gemeinsam mit der Journalistin Margaux – nebenbei auch Ricous Partnerin – und Kommissar Jean Mahon lässt sich Jaques Ricou von keinen Hindernissen und Einschüchterungsversuchen entmutigen. Sie verfolgen vielversprechende Spuren in der französischen Hauptstadt. Was Ricou nicht erahnt, ist, dass zwei Spezialagenten beauftragt wurden, einen unliebsamen Untersuchungsrichter auszuschalten – und sie sind ihrem Ziel schon sehr nahe … In Kürze werden fünf gezielte Schüsse fallen.

»Die Schatten von Paris« von Ulrich Wickert ist ein Kriminalroman, der gekonnt politische Recherche mit dem Flair des französischen Lebens verbindet. Die lebendige Darstellung von Paris und seinen Bistros zieht den Leser sofort in ihren Bann. Es gibt viele kleine Details und Informationen über Straßen, Stadtteile, Plätze, Gebäude oder andere besondere Orte, die auch gut in einen Reiseführer passen würden. Wickert gelingt es, die komplexen Verflechtungen zwischen Geheimdiensten und der französischen Regierung spannend darzustellen, und das Spiel zwischen Richter, Polizei und Medien sorgt für zusätzliche Dynamik.

Die Verbindungen nach Mali und die Beziehungen in Marokko bringen eine interessante internationale Dimension in die Geschichte. Allerdings werden die Politiker in diesem Roman nicht so tiefgehend zur Verantwortung gezogen, wie es Wickert in früheren Werken gelungen ist. Zudem hätte die Spannung etwas intensiver sein können. Dennoch bleibt der Roman insgesamt angenehm und unterhaltsam zu lesen. Definitiv empfehlenswert für Fans von Krimis und zeitgenössischen politischen Themen!

Abschließend lässt sich sagen, dass lesenswerte Kriminalromane im heutigen Paris nicht nur durch ihre fesselnde Handlung bestechen, sondern auch das einzigartige Lebensgefühl der Stadt einfangen. Die Mischung aus geheimnisvollen Verwicklungen und der pulsierenden Atmosphäre der Metropole macht jeden Roman zu einem Erlebnis, das zum Mitfühlen und Nachdenken anregt. Egal, ob Sie ein eingefleischter Krimiliebhaber sind oder einfach nur neugierig auf das Pariser Flair, diese Geschichten laden dazu ein, in eine Welt voller Rätsel und Emotionen einzutauchen. Tauchen Sie ein, und lassen Sie sich von der Magie Paris’ und seinen faszinierenden Kriminalfällen verzaubern.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024