Zähe Zuckerbäckerei
Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1)Hingerissen von der Dallmayr-Trilogie hatte ich mir von "Lindt und Sprüngli" nicht gerade wenig erhofft. Zumal ich gar keine Kaffeetrinkerin, sondern glühende Schokoliebhaberin bin. Da war für mich klar, ...
Hingerissen von der Dallmayr-Trilogie hatte ich mir von "Lindt und Sprüngli" nicht gerade wenig erhofft. Zumal ich gar keine Kaffeetrinkerin, sondern glühende Schokoliebhaberin bin. Da war für mich klar, dass die Dallmayr-Bücher von Lisa Grafs neuer "Genusslektüre" sogar noch getoppt werden müssten.
Leider ist es mir damit ganz anders ergangen. Nicht dass es an Grafs Schreibstil läge, an dessen schönem Fluss ich nicht das Geringste auszusetzen habe. Nein, es ist der Plot, die Story selbst, es sind die Figuren, und es ist das Versprechen von großer Schokoladenleidenschaft, das die Covergestaltung samt Klappentexten und Werbung verströmt - und das für mich vom Buch höchstens ansatzweise eingelöst wird.
Dass es dem jungen Rudolf Sprüngli um seine Schokolade geht, scheint zwar immer mal wieder durch im Buch, aber zur Schokoladenmacherei kommt es so richtig erst gegen Ende, nach vielen ausführlichen Beschreibungen des täglichen Lebens, wie es im frühen bis mittleren 19. Jahrhundert in Zürich stattfand. Es ist, als hätte Rudolfs bis zur Trägheit traditionsverhafteter Vater sich geradezu in die Kapillargefäße des Romans hineinverewigt, so zäh geht die Handlung um die Anfänge von Sprüngli und Sohn voran. Detailreich wird aus sich ständig weiter vermehrenden Perspektiven von den kleinen und größeren Sorgen der Haupt- und zunehmend auch der Nebenfiguren berichtet, von ihren Liebesleiden, von nach Jahren endlich stattfindenden Hochzeiten, von kranken Eltern und von Schwangerschaften, von ihrem (weitgehend schokofreien) Alltag eben.
Ja, es wird so einiges erzählt auf diesen rund 470 Seiten, aber die herrliche Schokoladensehnsucht Rudolfs verläuft sich einfach zwischen den mir fern bleibenden Nöten und Freuden von Annarösli, Roli und Vreni - und das finde ich wirklich kontraproduktiv. Kontraproduktiv zumindest zu den hochgepushten Erwartungen in Sachen Schokolade rund um dieses Buch.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Leserinnen, denen es gelingt, vor dieser einem buchstäblich ins Gesicht springenden PR die Augen zu verschließen, den Roman als ruhig erzähltes Zeitgemälde wertzuschätzen. Bei mir war nach der Hälfte leider Schluss. Den Rest musste ich querlesen, mit ungeduldig wippendem Fuß.
Und das tut mir, trotz meines etwas entnervten Tons, ganz ernstlich leid. Zum einen hätte ich nur zu gerne hier das Dallmayr-Vergnügen fortgesetzt, zum anderen der erfahrenen Autorin die nächste Eloge geschrieben. Kann ich nun aber nicht. Sicher werden auch die Schokobücher ihre Leserinnen finden; zu meinem Bedauern bin ich jedoch nicht dabei.