Profilbild von Dirk74

Dirk74

Lesejury Star
offline

Dirk74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Dirk74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2023

Thriller trifft Liebesroman

Der Bodyguard
0

Maik träumt von einer eigenen Kampfsportschule. Doch um das nötige Startkapital zu verdienen, fängt er als Personenschützer bei dem Industriellen Peter van Holland an. Dort trifft Maik auf Lynn. Lynn ist ...

Maik träumt von einer eigenen Kampfsportschule. Doch um das nötige Startkapital zu verdienen, fängt er als Personenschützer bei dem Industriellen Peter van Holland an. Dort trifft Maik auf Lynn. Lynn ist eine junge Frau, die gerade badet, als Maik auf der Suche nach einer Toilette das Bad betritt. Maik ist die Situation äußerst peinlich, doch Lynn sieht das Ganze locker. Die Beiden kommen ins Gespräch und Maik verliebt sich in Lynn. Er hält sie für eine Escort-Dame, die regelmäßig zu seinem neuen Chef kommt. Als er wenig später den Auftrag bekommt, genau diese junge Frau nach Hause zu begleiten, sieht er, dass sie einen sehr gehobenen Lebensstil hat und sie offenbar ausschließlich für van Holland arbeitet.

Bei einem Treffen mit seinen Freunden in einer Bar beobachtet Maik, wie eine junge Frau von ihrem Begleiter schlecht behandelt wird. Er geht dazwischen und schlägt den Kerl vor dem Lokal zusammen. Als er später Andrea noch nach Hause begleitet, flirtet diese stark mit ihm. Obwohl sie eigentlich genau sein Typ ist, merkt er jedoch, das sein Herz bereits für Lynn schlägt.

So beginnt "Der Bodyguard" von Sonja Rüther. Maik ist in der Zwickmühle. Soll er seinen Gefühlen für Lynn folgen und seinen Job riskieren oder doch lieber den leichteren Weg gehen und sich auf Andrea einlassen? Er entscheidet sich trotz aller Widrigkeiten für Lynn. Gerade als diese beginnt, seine Gefühle zu erwidern, wird Lynn vor Maiks Augen brutal entführt, ohne dass er es verhindern kann.

In der folgenden fesselnden Geschichte lässt die Autorin den Leser mit den beiden Hauptprotagonisten mitfiebern. Das Buch ist eine Mischung aus Liebesroman und Thriller. Die Gefühle spielen hierbei eine große Rolle. Während die Familie van Holland um die Entführte bangt, bleibt lange offen, wer alles zum Kreis der Entführer gehört. Auf Grund der Forderungen der Entführer wird die Zeit für eine Rettung immer knapper. Nach und nach erfährt der Leser die Hintergründe der Entführung, die weit in die Vergangenheit reichen.

Für mich ist es das erste Buch der Autorin. Ihr Schreibstil gefällt mir sehr gut. Das Buch liest sich flüssig. Es ist eine gelungene Mischung aus Spannung und Romantik. Mir hat das Buch einige schöne Lesestunden beschert. Ich vergebe 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.01.2023

Die Geschichte einer schwangeren Hebamme

Fräulein Gold: Die Rote Insel
0

Berlin, 1926: Nach dem Tod ihres Verlobten Johann steht Hulda allein da. Als Schwangere kann sie in der Frauenklinik nicht mehr arbeiten und steht nun auf der Straße. Sie zieht in ein Arbeiterviertel auf ...

Berlin, 1926: Nach dem Tod ihres Verlobten Johann steht Hulda allein da. Als Schwangere kann sie in der Frauenklinik nicht mehr arbeiten und steht nun auf der Straße. Sie zieht in ein Arbeiterviertel auf der Roten Insel. Hier findet sie bei der Ärztin Grete Fischer eine Stelle als Arzthelferin. Dort muss sie das Leid der armen Menschen täglich mit ansehen. Zusammen mit Grete versucht sie auch diesen Menschen zu helfen. Als es im Viertel zu einem Todesfall kommt, sind alle schnell sicher, dass dies ein Anschlag der Rechten war.

Huldas ehemaliger Freund und Privatdetektiv Karl North, der als Waisenkind aufwuchs, hat seinen leiblichen Vater Wolkow gefunden. Er ist der Chef eines Rings von Kriminellen. Hin und wieder hat er auch Aufträge für Karl. So kommt es, dass sich Karl über einen Mann auf der roten Insel informieren soll. Bei dem Mann handelt es sich um den Ermordeten.

Dadurch passiert es, dass sich Hulda und Karl über den Weg laufen. Karl ist überrascht, dass Hulda schwanger ist, denn mit ihm wollte sie kein Kind.

In ihrem neuen Buch lässt uns Anne Stern wieder ganz in das Berliner Leben der 1920er Jahre eintauchen. Dank ihrer bildhaften Sprache hat man das Gefühl mit dabei zu sein. Gelesen wird das Hörbuch, welches ich diesmal in der ungekürzten Fassung genießen durfte, erneut von der großartigen Anna Thalbach, die es hervorragend geschafft hat, mit den unterschiedlichen Stimmfarben die verschiedenen Charaktere zu verkörpern.

Im Vordergrund dieses Teils steht die Schwangerschaft von Hulda. Auch wenn sie schon zahlreiche Geburten begleitet hat, ist es für Hulda eine ganz neue Erfahrung eine Schwangerschaft und Geburt am eigenen Leibe zu durchleben. Es wird aber auch im Falle des Toten ermittelt und Karl und Hulda geraten zwischen die Fronten der Linken und Rechten.

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.01.2023

Der Podcast des Todes

Das Letzte, was du hörst
0

"Hörgefühlt" ist ein Podcast der tausende, meist weibliche, Hörer begeistert. Mit seiner markanten Stimme zieht Marc Maria Hagen seine Fans in den Bann. Er lässt sie den Alltag und all ihre Sorgen vergessen. ...

"Hörgefühlt" ist ein Podcast der tausende, meist weibliche, Hörer begeistert. Mit seiner markanten Stimme zieht Marc Maria Hagen seine Fans in den Bann. Er lässt sie den Alltag und all ihre Sorgen vergessen. Als zwei der Hörerinnen, die zudem an einem Seminar von Marc Maria Hagen teilnehmen wollten, ums Leben kommen, gerät der Podcaster ins Visier der Ermittlungen.

Zum Zeitpunkt des Todes habe die Opfer jeweils den Podcast gehört. Doch was verbindet sie noch? Das erste Opfer hatte kurz vor dem Tod noch mit einer Journalistin telefoniert. Diese wollte ein Interview mit der Frau veröffentlichen. Als sie gerade mit dem Auto unterwegs war, bekam sie einen Anruf und ahnte schon, dass sich die Frau umbringen will. Doch bevor sie in dem Waldstück ankam, hatte sie selbst einen schweren Autounfall. Interessant ist, dass die Journalistin eine Artikelreihe über Podcaster wie Marc Maria Hagen schreiben wollte und bereits eine Anfrage an dessen Büro gestellt hatte, die jedoch abgelehnt wurde.

Andreas Winkelmann erzählt eine spannende Geschichte. Irgendwie dreht sich alles um den Podcast "Hörgefühlt", doch wer steckt hinter den Morden. Ist es der Podcaster selbst oder jemand der ihn hasst?

Für mich ist "Das Letzte, was du hörst" das erste Buch bzw. Hörbuch von Andreas Winkelmann. Ich bin positiv überrascht. Auch wenn die Story zwischenzeitlich etwas wirr wirkt, passen die Puzzleteile am Ende zusammen. Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Dadurch wird es dem Autor möglich, den Hörer Schritt für Schritt an den Kern der Geschichte heranzuführen. Gelesen wird das Buch von Charles Rettinghaus. Er macht seine Arbeit hervorragend. Es hat mir Spaß gemacht, ihm 10 Stunden lang zu lauschen. Ich vergebe für das Hörbuch 4 Sterne und werde sicher noch weitere Werke des Autors lesen oder hören.

Veröffentlicht am 09.01.2023

Eine Reise durch die nächtliche Tierwelt

Wer schläft, wer wacht in der Nacht?
0

Wie der Titel "Wer schläft, wer wacht in der Nacht?" schon verrät, handelt dieses Kinderbuch vom Schlafen. Am Beispiel von Elefant, Gartenkreuzspinne, Luchs, Wal, Uhu, Flusspferd, Krake, Giraffe, Koboldmaki, ...

Wie der Titel "Wer schläft, wer wacht in der Nacht?" schon verrät, handelt dieses Kinderbuch vom Schlafen. Am Beispiel von Elefant, Gartenkreuzspinne, Luchs, Wal, Uhu, Flusspferd, Krake, Giraffe, Koboldmaki, Tiger, Fregattvogel, Biber und Meeresschildkröte machen wir eine Reise durch die Tierwelt. Dabei gibt es erstaunliche Fakten zu erfahren. Obwohl der Elefant bis zu siebzehn Stunden täglich durch die Savanne zieht, schläft er nur zwei Stunden pro Tag. Wale, die auch im Schlaf Luft atmen müssen, schaffen dies durch einen Halbseitenschlaf. bei dem eine Gehirnhälfte wach bleibt.

Erstaunlich finde ich auch, dass manche Vögel im Fliegen schlafen. Und wie ist das mit dem Träumen? Auch hier haben die Wissenschaftler erstaunliche Dinge herausgefunden. So ändert z.B. die Krake beim Träumen ständig ihre Farbe.

Ich habe das Buch zusammen mit unserer Tochter (10) gelesen und wir haben einige interessante Neuigkeiten gelernt. Beeindruckend sind auch die Ölbilder von Karolina Benz, welche die Tiere bei Nacht zeigen.

Uns gefällt das Buch für Kinder ab 8 Jahren sehr gut und wir vergeben 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 07.01.2023

Ein Aufruf an das russische Volk

ZOV – Der verbotene Bericht
0

Pawel Filatjew war als Zeitsoldat in der russischen Armee. Zusammen mit seinem Regiment ist er am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Auf seinem Handy hält er seine Erlebnisse fest. Der Leser ...

Pawel Filatjew war als Zeitsoldat in der russischen Armee. Zusammen mit seinem Regiment ist er am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Auf seinem Handy hält er seine Erlebnisse fest. Der Leser begleitet Pawel an den ersten Tagen des Fronteinsatzes. Pawel beschreibt, wie er mit seinen Kameraden in einen Krieg - genauer gesagt eine militärische Spezialoperation, denn das Wort Krieg ist verboten - geschickt wird, ohne zu Wissen was genau los ist. Mit schlechter Ausrüstung geht es über die Grenze.

Das Buch ist einerseits in Form eines Tagebuches geschrieben, diese Abschnitte erkennt man an dem Strich am Buchrand, und andererseits als nachträgliche Gedanken zum Geschehen. Diese beiden Erzählweisen wechseln sich ab. Eine Unterteilung in Kapitel gibt es nicht.

"In diesen Aufzeichnungen habe ich versucht, maximal ehrlich und aufrichtig zu schildern, was ich in der Ukraine erlebt habe. Ich wollte meine Gefühle und Gedanken von damals teilen und beschreiben, was ich gesehen habe. Ich wollte es so erzählen, als lege ich vor mir selbst Beichte ab. Ich habe nichts erfunden, beschönigt oder verheimlicht. Genau so, wie ich es beschrieben habe, hat der Krieg für mich ausgesehen."

Während wir einerseits den Einsatz mitverfolgen können, erfahren wir in den anderen Abschnitten, wie Pawel zum Militär gekommen ist. Als Kind eines Soldaten hat er bereits damals viel von der Armee mitbekommen und sein Ziel war immer, später auch der Armee zu dienen. Nach seiner Armeezeit, wurde Pawel Pferdezüchter, doch aus finanziellen Gründen, meldete er sich erneut zum Dienst. Dabei musste er feststellen, dass die Armee stark heruntergekommen war und nicht mehr mit der Armee vor 20 Jahren zu vergleichen ist. Gerade als er wieder kündigen wollte, ging es in die Ukraine.

Acht Wochen erlebte Pawel das Leben an der Front. Einerseits war er Stolz für sein Land zu kämpfen, doch als er nach und nach merkte, was wirklich passierte, kamen ihm Zweifel und er beschloss sein Volk über die Zustände in der russischen Armee aufzuklären. Als ihm Mitte April bei einem Artilleriebeschuss Erde in die Augen fliegt, bekommen seine durch das lange Tragen der Kontaktlinsen ausgetrockneten Augen eine Hornhautentzündung. Nach fünf qualvollen Tagen wird er evakuiert.

Am 2. August, dem offiziellen Feiertag der russischen Fallschirmjäger veröffentlicht er seinen Bericht auf russisch im Internet. Er tut dies, obwohl ihm damit lebenslange Haft droht. Inzwischen ist Pawel aus Russland geflohen und hat in Frankreich politisches Asyl bekommen. Mittlerweile ist das Buch in vielen Ländern veröffentlicht worden.

"Ich habe in der Ukraine gekämpft. Ich kann unsere Armee nicht nach Hause zurückholen, aber ich kann von meiner Erfahrung erzählen, meine Gedanken über die Teilnahme an diesem Krieg teilen und meine Mitbürger dazu aufrufen, nicht weiter Krieg zu führen und sich um ihr eigenes Land zu kümmern, in dem es genug Probleme gibt."

Das erste was im Krieg stirbt, ist bekanntlich die Wahrheit. Daher fällt es einem schwer zu entscheiden, welche Nachrichten war und welche falsch sind. Mit seinem Buch "ZOV" versucht Pawel Filatjew etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei ist klar, dass es sich hier um seine subjektive Meinung handelt. Beim Lesen des Buches fällt auf, dass er nur Dinge direkt beschreibt, die er auch selbst erlebt hat. Berichte anderer Soldaten werden zwar teilweise erwähnt, aber nur in Kurzform und mit einem entsprechenden Hinweis.

Da ich selbst nie bei der Armee war, kann ich mit einigen der benutzten Begriffe im Buch nicht viel Anfangen, dies trifft vor allem auf Fahrzeugbezeichnungen zu. Dies hat mich beim Lesen aber nicht weiter beeinträchtigt. Als nächstes würde nun eine Aussage dazu kommen, wie mir das Buch gefallen hat. Hier muss ich sagen, dass es sich um ein Buch über einen Krieg handelt und allein aus dieser Tatsache heraus kann es kein gutes Buch sein, da der Krieg an sich schon falsch ist. Das Lesen des Buches war interessant, aber gleichzeitig auch sehr bedrückend. Auch wenn es relativ dünn ist, habe ich es in mehreren Abschnitten gelesen. Beeindruckend fand ich den Abschluss des Buches, in dem Pawel seinen Gedanken freien Lauf lässt und einen Appell an sein Volk richtet.

Ich gebe dem Buch 5 Sterne und hoffe, dass viele Menschen des russischen Volkes das Buch lesen und dafür sorgen, dass der Krieg beendet wird.