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Veröffentlicht am 23.03.2026

Erschütterndes Schicksal

Zwei Leben: Das Versprechen
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Juna ist erschöpft nach einem Burn-Out und kann nicht mehr arbeiten. Um in ihrem Leben nicht unterzugehen, engagiert sie sich ehrenamtlich. Sie beginnt als Buddy zu arbeiten und kümmert sich um Vincent ...

Juna ist erschöpft nach einem Burn-Out und kann nicht mehr arbeiten. Um in ihrem Leben nicht unterzugehen, engagiert sie sich ehrenamtlich. Sie beginnt als Buddy zu arbeiten und kümmert sich um Vincent Molen, einen alten, sehr verschlossenen Mann. Sie gehen manchmal spazieren oder trinken einen Tee bei ihm, und ganz langsam findet sie Zugang zu ihm. Mit der Zeit öffnet er sich und offenbart ihr seine Geschichte mit Esther, einer Jüdin, die er 1942 kennengelernt hat und die seine ganz große Liebe wurde. Sie hatten beide in derselben Diamantschleiferei in Antwerpen gearbeitet.
Juna beginnt mit ihm zu den damaligen Schauplätzen zu fahren und ganz langsam blättert sich seine Geschichte auf, wie er Esther vor den Nazis versteckt hatte und der Beginn ihrer Liebe.
Juna spürt dass es da wahrscheinlich noch mehr aufzudecken gibt. Mit der Hilfe von Florent, einem Nachbarn von Vincent, mit dem sie sich etwas angefreundet hat, gelingt es ihr einen Weg hinter den Vorhang zu finden, der die Wahrheit noch verdeckt, und sie stoßen auf die Spuren eines gebrochenen Versprechens.

Astrid Korten hat eine Reihe historischer Romane begonnen, die zum Teil in ihre eigene Familie hineinreichen. Das Buch springt wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her, ein Mittel, das sie in ihren Büchern öfter anwendet und das sie hervorragend beherrscht.
Es spielt im Brügge von 2014, die Gegenwart von Juna, und im Antwerpen von 1942, die Zeit, in der die Geschichte von Vincent und Esther spielt.
Die Autorin beschreibt die Gefahren, in denen sowohl Esther schwebte, als auch die Vincent eingegangen war um Menschen vor den Konzentrationslagern und damit ihrer sicheren Vernichtng zu retten. Die Umstände in den Lagern und wie sich die Frauen dort gefühlt hatten, trifft sie sehr gut und realistisch. Es ist ein unglaublich berührendes Buch und obwohl es ein Roman ist, wieder sehr spannend geschrieben. Wie bei all ihren Büchern fällt es schwer sie aus der Hand zu legen, und das erschütternde Thema bindet einen noch stärker an das Buch.
Astrid Korten hat ein sehr sensibles Händchen für diese Art von Romanen, und ich hoffe, sie findet noch mehr Stoffe für die Reihe.
Schon auf Grund des Themas wünsche ich ihr viele interessierte Leser.
Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Auf Spurensuche in die Vergangenheit

Zwei Leben
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Noras Leben ist gerade starken Veränderungen unterworfen. Erst stirbt ihre Großmutter Xanna, dann zieht plötzlich auch noch ihr Mann aus dem gemeinsamen Haus und sie bleibt mit dem kleinen Sohn allein ...

Noras Leben ist gerade starken Veränderungen unterworfen. Erst stirbt ihre Großmutter Xanna, dann zieht plötzlich auch noch ihr Mann aus dem gemeinsamen Haus und sie bleibt mit dem kleinen Sohn allein zurück.
Als sie mit ihrer Mutter das Haus der Großmutter ausräumt, fällt ihr ein kleines Kästchen in die Hände mit einem Davidstern, einem einfachen Ring und einem russischen Dokument. Keiner kann sich den Inhalt erklären, Xanna wurde in Paris geboren und hatte keine Verbindung zu Russland.
Nora fährt nach Paris, findet dort aber keinen Nachweis von Xannas Geburt.
Durch die Vermittlung ihrer Freundin Ella lernt sie den Journalisten Andreas kennen, den diese Geschichte sehr interessiert, und er findet heraus dass das Dokument eine Geburtsurkunde aus Belarus ist. Eines Morgens steht er mit seinem Wagen vor Noras Haus um sich mit ihr auf eine spannende Spurensuche nach dem ersten Leben ihrer Großmutter zu begeben.

Dieser Roman von Astrid Korten ist sehr berührend, die eigene Familie betreffend, voller Tragik – und die Geschichte geht sehr tief. Es wird das Schicksal von Xanna in Belarus aufgedeckt.
Sicher kein Einzelschicksal, und dadurch umso erschreckender weil sich dieses in den heutigen Kriegen ganz ähnlich ereignen könnte.
Astrid Korten schreibt auch dieses Mal mit einem gewissen Spannungsmoment, welches ihr so liegt. Und es passt sehr gut zu diesem Buch mit allem, was nach und nach entblättert wird, bis das Schicksal von Xanna ganz klar vor uns liegt.
Man ist immer mitten im Geschehen, damals wie heute. Der Stil der Autorin mit Gegenwart und Rückblenden zu arbeiten, ist sehr vertraut und sie beherrscht es meisterhaft. Auch Noras Gefühle und ihre Entwicklungssprünge während der Geschichte beschreibt sie sehr realistisch.
Beim Lesen wird man immer wieder emotional gefordert - man fragt sich oft, was kann ein Mensch eigentlich alles aushalten und wie verkraften.
Es ist ein sehr persönliches Buch, und ich bedanke mich bei der Autorin für den Mut, diese Geschichte zu teilen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich bin sowohl berührt als auch begeistert davon und wünsche dem Roman viel Erfolg – deshalb auch eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Eine große Liebe in umwälzenden Zeiten

Verlorene Träume
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Wenn eine Thrillerspezialistin einen Liebesroman schreibt, ist man erst einmal wachsam ob da nicht vielleicht doch eine Leiche um die Ecke kommt. Doch nein, Astrid Korten ist ein wunderbares Buch gelungen.
Die ...

Wenn eine Thrillerspezialistin einen Liebesroman schreibt, ist man erst einmal wachsam ob da nicht vielleicht doch eine Leiche um die Ecke kommt. Doch nein, Astrid Korten ist ein wunderbares Buch gelungen.
Die Journalistin Lilly Falkenberg, beruflich und privat gefühlt in einer Sackgasse angekommen, besucht in München eine Ausstellung über die Zarenzeit in Russland. Dort verfängt sich ihr Blick in einem wunderschönen Abendkleid, welches Alexandra Oblenskaja bei einem der letzten Bälle 1914 in St. Petersburg trug.
Die Wirkung des Kleides lässt sie nicht mehr los und so versucht sie die Geschichte der Trägerin dieses Kleides zu erforschen, um einen Artikel darüber zu schreiben.
Lillys Mutter hatte nach dem Tod ihres ersten Mannes, als Lilly noch sehr klein war, einen Diplomaten geheiratet, war mit ihm nach St. Petersburg gezogen und hatte jetzt eine neue Familie.
Lilly blieb in München zurück und wuchs bei ihrer geliebten Großmutter auf. Ihre Mutter und sie trennte nicht nur die räumliche Entfernung, auch menschlich waren sie sich nicht mehr sehr nah.
Doch Lilly beschließt nach St. Petersburg zu fahren, sie zu besuchen und Recherche zu betreiben. Mit Hilfe von Christian, einem Freund ihres Stiefvaters, erfährt sie viel über den russischen Adel und die Familie Oblenskaja. Durch andere Spezialisten, die ihr Christian vorstellt, graben sie immer tiefer und stoßen auf die Liebesgeschichte von Alexandra Oblenskaja und Juri Gagarin und deren Verlauf.
Die Recherchen und die Zeit in St. Petersburg geben Lilly und ihrer Mutter die Gelegenheit sich wieder anzunähern und hilft Lilly auch dabei, ihren eigenen Weg zu finden....

Astrid Korten beschreibt in diesem Buch sehr anschaulich den Untergang der Zarenzeit, am Beispiel dieser Familie, und den Aufstieg der Sowjeunion während des ersten Weltkrieges.
Sie springt wieder zwischen zwei Zeiten hin und her - Lilly in der Gegenwart, Alexandra und Juri beginnend 1914. Das macht es klar und übersichtlich und es ist unglaublich interessant, diesen Teil der russischen Geschichte beleuchtet zu bekommen.
Auch in einer Liebesgeschichte baut die Autorin viel Spannung auf, sowohl bei der Schilderung des Schicksals der beiden Liebenden als auch bei den Recherchen von Lilly und Christian. Sie beschreibt St. Petersburg so lebendig, dass ich nach dem Lesen die Stadt und die beschriebenen Sehenswürdigkeiten gegoogelt habe und begeistert von den prachtvollen Gebäuden war. Auch das traumhafte Kleid hatte ich die ganze Zeit beim Lesen bildhaft vor Augen.
Die Geschichte ist sehr berührend, und auch wenn sie fiktiv ist, hätte sie sich so oder auch etwas anders abspielen können in den Wirren dieser umwälzenden Zeiten. Man taucht ein in diesen Roman, bleibt gefangen, liebt und leidet mit den Protagonisten und kann ihn nicht aus der Hand legen bevor man ihn durch hat.
Wer einen Roman mit einer großen Liebe vor historischem Hintergrund und gleichzeitig Spannung sucht, ist bei diesem Buch goldrichtig.
Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Böse geboren?

Kretin
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Im Dachauer Land geschehen entsetzliche Morde an zwei jungen Paaren. Joshua Krabbe und Elva Tillström ermitteln in alle Richtungen und treten doch auf der Stelle, sie finden einfach nichts was ihnen weiterhelfen ...

Im Dachauer Land geschehen entsetzliche Morde an zwei jungen Paaren. Joshua Krabbe und Elva Tillström ermitteln in alle Richtungen und treten doch auf der Stelle, sie finden einfach nichts was ihnen weiterhelfen könnte.
Bis ihnen ein alter Mann sagt:“ Der Kretin ist zurück“. Sie stoßen auf Benno und ähnliche Mordfälle von 1936, die mit ihm in Verbindung gebracht wurden. Benno sei im Krieg geblieben, so heißt es – ist er womöglich ein Wiedergänger?
Der Roman von Astrid Korten spielt in zwei Zeitebenen, beleuchtet einerseits das Leben von Benno, und spielt in der Jetztzeit, in der die neuen Morde geschehen. Das ist sehr geschickt gegeneinander geschnitten, und erhöht damit den Suchtfaktor beim Lesen, denn jetzt gibt es zwei Geschichten, die man gebannt verfolgt. Und höchst spannend ist es wieder, mit zu erleben wie das sympathische Ermittlerduo trotz Drucks von allen Seiten akribisch versucht dem entsetzlichen Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Selbst in die Polizeiroutine, der Suche nach den letzten, wichtigen Puzzleteilen, bringt die Autorin entsprechende Spannung.
Die Lösung ist wie immer lange im Dunkeln, unerreichbar für Leser*innen, weil zuerst nur im Kopf der Autorin – was es allerdings sehr interessant macht.
Ein richtig guter Thriller mit unheimlichen Momenten, gewissenhafter Polizeiarbeit und nicht so ganz beruhigendem Ausgang. Ein Buch das man wieder einmal nicht aus der Hand legen möchte, bevor man damit fertig ist.
Große Leseempfehlung für höchst spannende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Der Schrecken der Vergangenheit

Flora
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Flora, eine anerkannte Kräuterexpertin, wird bei der Eröffnung ihres Ladens plätzlich mit ihrer bis dahin unbekannten Zwillingsschwester Ella konfrontiert.
Mit 14 Jahren wurde Flora in einem einsamen Bauernhaus ...

Flora, eine anerkannte Kräuterexpertin, wird bei der Eröffnung ihres Ladens plätzlich mit ihrer bis dahin unbekannten Zwillingsschwester Ella konfrontiert.
Mit 14 Jahren wurde Flora in einem einsamen Bauernhaus im bayerischen Voralpengebiet entdeckt, neben ihrer ermordeten Mutter. Ihr ganzes bisheriges Leben hatte sie schwer arbeiten müssen, konnte nicht lesen und schreiben und wurde von ihrer Mutter alles andere als liebevoll behandelt. Nach ihrem Auffinden kam sie erst einmal in eine Klinik, bekam dann eine Adoptivmutter, die ihr nicht mehr von der Seite wich und meisterte dann Schule und Studium. Ihre Welt war soweit in Ordnung – bis Ella auftaucht. Die kurz nach ihrer Geburt von liebevollen Eltern adoptiert wurde, und die sich jetzt auf die Suche nach ihren Wurzeln begibt. Flora lässt sich anstecken und versucht in ihrem Umfeld den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie will Ella in Bad Urach besuchen, doch die verschwindet genau an diesem Tag. Flora setzt alles in Bewegung um Ella zu finden und gleichzeitig das Rätsel ihrer Vergangenheit zu lösen – dadurch gerät sie in große Gefahr....

Astrid Korten ist wieder ein Thriller mit starkem psychologischem Hintergrund gelungen. Ein tiefes, erschütterndes Thema führt zu dieser Tragödie, dazu kommen Lügen, verschleppte Ermittlungen, Machtspiele und Heimlichkeiten – das alles blättert sich langsam auf, und das wieder auf sehr spannende Weise. Am Ende wird Flora vom Schicksal ihrer Mutter eingeholt. Beim Lesen nimmt man intensiv Anteil an Floras Vergangenheit und man fragt sich, was ein junger Mensch alles aushalten kann und muss. Man ärgert sich über die begrenzte bürgerliche Gesellschaft, die oft nicht fähig ist, über ihren Tellerrand zu blicken und lieber Menschen opfert als genau hinzuschauen.
Es ist wieder ein sehr spannendes Buch, welches einen fesselt bis zur letzten Seite. Dieser Sog, den die Autorin meisterhaft beherrscht, zieht einen förmlich tief hinein in dieses Buch. Das Schicksal von Flora, das einen nicht loslässt, lässt sogar den eigentlichen Thriller ein wenig zurücktreten und das Hauptthema mehr ins Schlaglicht rücken.
Großen Dank dafür und absolute Leseempfehlung!

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