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Veröffentlicht am 30.11.2021

In Doris Küche ist immer was los

Dear Doris
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Die Autorin Sophia Lewis ist Modedesignerin beim Hamburger Label Closed. Während des Lockdowns begann ihre Tochter zu backen und Lewis besann sich auf die traditionellen Rezepte ihrer geliebten Großmutter ...

Die Autorin Sophia Lewis ist Modedesignerin beim Hamburger Label Closed. Während des Lockdowns begann ihre Tochter zu backen und Lewis besann sich auf die traditionellen Rezepte ihrer geliebten Großmutter Doris. Dabei hat sie die Zutaten modernisiert und die Zubereitung entsprechend angepasst. Alle Rezepte sind vegan, einige davon sind auch glutenfrei und frei von raffiniertem Zucker. Dabei handelt es sich um innovative Rezeptideen, die man noch nicht x-mal in anderen veganen Backbüchern gesehen hat.

Freude machen nicht nur die Rezepte, sondern auch das großartige Bildmaterial, der hochwertig gestaltete Einband und v.a. die Hintergrundgeschichten zu den jeweiligen Kapiteln über die liebe Doris und die walisische Verwandtschaft.

Ein besonderes schönes Backbuch, das in keinem Backbuchregal fehlen sollte und das man entweder an Weihnachten verschenken oder am besten gleich daraus für das Fest ein Rezept nachbacken kann.

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Veröffentlicht am 25.11.2021

Zuhause ist es am schönsten

Putz dich glücklich
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Das Buch ist in aller Munde und ich stellte mir Mrs. Hinch als eine ältere Dame mit Maggie Thatcher-Frisur und gestelzter Sprache vor, doch alles andere ist der Fall. Mrs. Hinch heißt eigentlich Sophie ...

Das Buch ist in aller Munde und ich stellte mir Mrs. Hinch als eine ältere Dame mit Maggie Thatcher-Frisur und gestelzter Sprache vor, doch alles andere ist der Fall. Mrs. Hinch heißt eigentlich Sophie Hinchliffe und ist 30 Jahre alt, gelernte Friseurin, mittlerweile weltweit bekannte britische Influencerin, die anfangs Haushaltstipps auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte, seit einigen Jahren aber auch Bücher über das Putzen und sich schreibt, die in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten landen. Sie hat ca. 4 Mio. Follower.

Ich habe mich gefragt, warum ihre Videos, Posts und Bücher so einen großen Absatz finden und warum das Thema Putzen so gut ankommt. Es geht sogar soweit, dass sie einen neuen Wortschatz, das Hinchikon erfand: "Bargs" für bargain, Schnäppchen, "Hinch-Hauls", übersetzt Hinch-Funde/Ausbeute. Damit ist die Ausbeute einer Schnäppchenjagd gemeint, die sie wieder in Videos verarbeitet. Die wichtigste Wortschöpfung ist vermutlich "Hinchen", ihre Anhänger bezeichnen sich als "Hincher" und es wird "Hinchmas" gefeiert.

Mrs. Hinch stellt jede Menge Produkte mit Nennung der jeweiligen Marke vor. Dabei werden ökologische Aspekte i.d.R. außer Acht gelassen, Hauptsache es glänzt und riecht gut.

Etwas befremdlich ist auch, dass Mrs. Hinch ihren Putzsachen Namen gibt. Das grüne Fensterputztuch heißt Kermit, die Fusselrolle Lenny, natürlich alle von ganz bestimmten Herstellern. Die Putzsachen werden dann in div. Körben geordnet, je nach Einsatzort. So gibt es beispielsweise einen "Korb für jeden Tag" oder einen "Spülbecken-Korb". Die Idee dahinter finde ich gut, denn man schnappt sich einfach den Korb um zu putzen, ohne zuerst die Utensilien zusammensuchen zu müssen und gleichzeitig ist alles noch ordentlich verstaut. Die Inhalte der Körbe finde ich jedoch äußerst bedenklich. Im "Sprühspaß vor dem Schlafengehen" befindet sich neben dem "Febreze Lufterfrischer Forsted Pine" auch das "Sagrotan All in One Desinfektionsspray". Den Einsatz solcher Putzmittel in dieser Menge ist m.E. nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht ökologisch.

Mrs. Hinch kann sicherlich gute Putztipps geben. Die Beschreibung der einzelnen Putzschritte nach Einsatzort (Badezimmer, Garage usw.) sind sehr nützlich, doch auch hier muss ich immer wieder auf die eingesetzten Putzmittel verweisen, von denen ich die meisten nicht verwenden möchte.

Mrs. Hinch hat mich positiv überrascht, denn die praxisnahen Tipps sind großartig. Punktabzug gibt es ganz klar für die Chemiekeulen, die sie einsetzt, die m.E. problemlos durch ökologischeren Varianten ersetzt werden könnten.

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Close to the frozen borderline

Nico - Die Sängerin der Nacht
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Bei diesem Buch handelt es sich um den 19. Band der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kultur und Liebe" des Aufbau Verlags.

Mari Roth legt den Schwerpunkt auf den Lebensabschnitt, der Nico bekannt machte: ...

Bei diesem Buch handelt es sich um den 19. Band der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kultur und Liebe" des Aufbau Verlags.

Mari Roth legt den Schwerpunkt auf den Lebensabschnitt, der Nico bekannt machte: die Zeit in Warhols Factory in New York als Frontfrau der Velvet Underground. Ihre kühle Schönheit brachte sie zur Band, weniger ihre Gesangskunst und Musikalität. Nico verabscheute es jedoch, Star und schön zu sein, auf Äußerlichkeiten abgestempelt zu werden und wollte auch in Interviews nicht mehr darauf angesprochen werden. Sie wurde zum Antistar, drogenabhängig und todessehnsüchtig. Dabei schrieb sie als Solokünstlerin großartige, düstere Musik. The Marble Index beispielsweise war für viele Musiker wegweisend. Davon er fährt die Leserin / der Leser allerdings nichts. Nico ist auch in diesem Buch ein IT-Girl, das wilde Nächte durchfeiert, jede Menge Männer verführt, meistens natürlich Prominente ihrer Zeit, wie Dylan, Morrison, Jones und Reed, und zu alldem ist sie noch eine äußerst schlechte Mutter.

Es ist sicherlich nicht einfach, über Nico zu schreiben, da auch ihre Biografie geheimnisvoll ist, oft widersprüchlich und sie nicht viel von sich preis gab. Leider gibt "Nico - Die Sängerin der Nacht" nur einen oberflächlichen und einseitigen Blick auf eine außergewöhnliche Frau und Künstlerin.

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Veröffentlicht am 28.10.2021

Fjodr Dostojewski und Omas Katze

Rotkäppchen raucht auf dem Balkon
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Wahrscheinlich mag man Wladimir Kaminer oder man mag ihn eben nicht. Ich mag ihn und finde es großartig, dass er seine Hörbücher selbst liest. Ich höre ihn übgrigens ausschließlich.

Die Protagonisten ...

Wahrscheinlich mag man Wladimir Kaminer oder man mag ihn eben nicht. Ich mag ihn und finde es großartig, dass er seine Hörbücher selbst liest. Ich höre ihn übgrigens ausschließlich.

Die Protagonisten bleiben in seinen Büchern immer gleich: Wladimir Kaminer mit Frau Olga, seine Mutter, Tochter Nicole und Sohn Sebastian. In diesem Buch gibt es zudem noch Kater Fjodr Dostojewski und Omas Katze. Die Haustiere ändern sich natürich immer wieder mit den Jahren aufgrund natürlicher Auslese und die Handlung und Anektoden passen sich ebenfalls den jeweiligen Lebenslagen an. So verhindert Oma Kaminer in "Rotkäppchen raucht auf dem Balkon" erfolgreich die Bewilligung ihrer Pflegestufe. Sebastian ist etwas ziellos nach dem Abitur und Tochter Nicole betreibt ethnologische Studien für die Universität im nächtlichen Berlin. Nur Frau Olga kommt etwas zu kurz.

Gerne höre ich noch mehr über Familie Kaminer und freue mich schon auf das nächste Hörbuch.

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Veröffentlicht am 18.10.2021

Geliebte Rose

Madame Exupéry und die Sterne des Himmels
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Sophie Villards erstes Buch "Peggy Guggenheim und ihr Traum vom Glück" steht noch auf meinem Wunschzettel, denn ich lese sehr gerne autobiografische Romane über außergewöhnliche Frauen, v.a. wenn sie gut ...

Sophie Villards erstes Buch "Peggy Guggenheim und ihr Traum vom Glück" steht noch auf meinem Wunschzettel, denn ich lese sehr gerne autobiografische Romane über außergewöhnliche Frauen, v.a. wenn sie gut recherchiert sind, und das ist Sophie Villard bei ihrem neuesten Roman über Consuelo Suncín Sandoval "Madame Exupéry und die Sterne des Himmels" gelungen. Durch das geschickte Verweben von Fiktion und Fakten erfahre ich so über eine Frau, die neben dem weltbekannten Antoine de Saint-Exupéry völlig verblasst. Ich beginne selbst Fakten zu recherchieren und bin fasziniert, welche tragende Rolle die Protagonistin Consuelo im Leben des Saint-Exupéry spielte, welchen großen Einfluss ihr beim Schreiben des kleinen Prinzen zukam und welches andere Bild des heldenhaften Fliegers und Autors sich durch sein Verhalten ihr gegenüber zeichnet.

Zu den Fakten: Consuelo Suncín Sandoval wurde 1901 in El Salvador geboren (gestorben 1979 in Frankreich). Sie und Antoine heirateten 1931 in Südfrankreich. Als Malerin und Bildhauerin machte sich die verwitwete und finanziell unabhängige Consuelo bereits in den 20er Jahren in der Künstlerszene am Montparnasse einen Namen. Die Ehe verlief durch Saint-Exupérys häufige Abwesenheit und zahlreichen Seitensprünge sehr turbulent. Consuelo ging während des Zweiten Weltkrieges nach New York ins Exil, wo auch 1943 "Der kleine Prinz" entstand, in dem sie als Rose, aber auch als Fuchs u.a. erscheint. Sie schreibt nach Saint Exupérys Tod (1944) "Die Rose des kleinen Prinzen - Erinnerung an eine unsterbliche Liebe", das allerdings erst im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Saint-Exupéry hinterließ übrigens kein Testament und so ging sein Erbe an seine Mutter und Schwestern. Consuelo ging leer aus.

Diese autobiografischen Eckdaten greift Villard in ihrem Roman, der zwischen 1930 und 1944 spielt, sehr authentisch auf, indem sie Antoines Image ins Wanken, ja vielleicht zum Einstürzen bringt. Ich habe mit Consuelo gelitten und mich über ihre Emazipation sehr gefreut.

Das Buch liest sich leicht durch alle 480 Seiten, lässt einen anhand der dichten Beschreibungen mit der Protagonistin nach Buenos Aires, Casablanca und Paris reisen. Er ist emotional, ohne gefühlsduselig zu sein und durch die historischen Details besonders interessant.

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