Profilbild von Elchy

Elchy

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Elchy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Elchy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2026

Zwischen Trauer, Verdacht, Zweifeln und offenen Fragen in einer Kleinstadt

Dead Girls Don't Dance
0

Dieses Buch habe ich in der Erwartung eines spannenden Jugendthrillers gelesen. Zuvor habe ich schon mehrere Bücher in diesem Subgenre gelesen oder gehört und so einen gewissen, etwas festgelegten, Anspruch ...

Dieses Buch habe ich in der Erwartung eines spannenden Jugendthrillers gelesen. Zuvor habe ich schon mehrere Bücher in diesem Subgenre gelesen oder gehört und so einen gewissen, etwas festgelegten, Anspruch mitgebracht.
Aber von vorn:
Im Mittelpunkt des Geschehens steht Addie, deren Schwester durch einen Sturz in die Schlucht ums Leben kam. Die Protagonistin ist überzeugt, dass es sich weder um einen Unfall, noch um Selbstmord handelte. Für sie steht fest: es war Mord. Auch den Schuldigen glaubt sie zu kennen: Thatcher Montgomery. Der Freund ihrer Schwester Fiona, mit dem diese zuvor einen heftigen Streit hatte.
Jedoch wird dann, fast genau ein Jahr später, Thatcher auf die gleiche Weise, an derselben Schlucht, getötet. Ein Suizid (z.B. aus Schuldgefühlen) ist so gut wie ausgeschlossen. Was die Fragen aufwirft: war es dieselbe Tatperson? Läuft der Mörder oder die Mörderin noch frei herum und ist sie selbst, Addie, auch in Gefahr? Soll sie die Nächste sein?

Eine zweite zentrale Figur ist Seth, Cousin und bester Freund von Thatcher, zu dem Addie selbst eine sehr ambivalente Beziehung hat, mit dem sie aber zu beiden Tatzeiten zusammen war.
Die Beiden nehmen zusammen eigene Ermittlungen auf.


So viel zur Handlung des Buches.


Die Erzählung beginnt ruhig, was ich grundsätzlich mag. Es werden quasi Land und Leute vorgestellt, die Stimmung aufgebaut. Die Charaktere werden durchaus mit Ecken und Kanten, mit Fehlern und Schwächen dargestellt. Addie selbst ist eine Jugendliche, die an sich selbst hohe Erwartungen hat und sich eigene Fehler schwer bis gar nicht verzeihen kann.
Im weiteren Verlauf werden viele Andeutungen fallen gelassen, alle irgendwie mal mehr, mal weniger verdächtigt, bei keiner Person ist sich Addie völlig sicher, ob sie ihr trauen kann. Dieser Teil der Geschichte hat mir gut gefallen.
Dennoch ist der Funke nicht ganz übergesprungen. Zwar empfinde ich das Buch als durchaus lesenswertes Jugendbuch, aber meine Erwartungen hat es nicht erfüllt. Besonders fehlte mir die Spannung eines Thrillers, vielleicht auch die spürbare Anspannung der Protagonisten. Größtenteils ist das wohl der oben geschilderten Erwartung geschuldet. Ohne den Finger darauf legen zu können, woran es gefehlt hat, blieben mir die Charaktere irgendwie fern. Es ist mir nicht gelungen, sie zu „spüren“.

Mein Fazit: In meinen Augen handelt es sich um ein durchaus lesenswertes Debüt, einen unterhaltsamen Jugendroman, aber nicht um einen Thriller und es blieb hinter meinen Ansprüchen zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.06.2025

Leons Blick auf die Welt – anders, ehrlich, eigen

Leon Hertz und die Sache mit der Traurigkeit
0

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen – vielleicht einfach daran, dass er anders ist als das, was ich sonst lese. Möglicherweise hängt ...

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen – vielleicht einfach daran, dass er anders ist als das, was ich sonst lese. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass die Geschichte aus der Sicht von Leon, einem 13-jährigen Jungen, erzählt wird – und sich das auch sprachlich bemerkbar macht.
Doch schon nach ein paar Seiten war ich ganz drin in der Geschichte – und von da an hat sie mich nicht mehr losgelassen. Ich war mitten im Geschehen.
Leon ist, wie bereits im Klappentext erwähnt, 13¾ Jahre alt und depressiv. Oder, wie er selbst sagt: „depri light“, weil er selbst das mit der Depression angeblich nicht richtig hinbekommt. Er ist kein fröhlicher Typ und hat nur wenige Kontakte.
Im Ethikunterricht behandelt seine Klasse das Thema Tod, und Leons persönliche Auseinandersetzung damit zieht sich auf kluge, manchmal berührende Weise durch das ganze Buch. Trotz dieses ernsten Themas ist die Geschichte überraschend humorvoll – ich musste oft laut lachen.
Gleichzeitig erlebt Leon zum ersten Mal echte Freundschaft, was ihn Stück für Stück über sich hinauswachsen lässt.
Sehr gelungen fand ich auch die kleinen Illustrationen zu Beginn jedes Kapitels, die jeweils zum Inhalt passen und die Stimmung oder ein zentrales Motiv visuell einfangen. Sie fügen sich unaufdringlich, aber wirkungsvoll in das Gesamtbild des Buches ein.
Mit seinen 224 Seiten ist das Buch eher kurz, aber es bleibt lange im Kopf: eine gelungene Mischung aus Witz und Tiefgang.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2025

„Ein Funke, kaum zu seh'n, entfacht doch helle Flammen...“

Lichterloh - Stadt unter Ruß
0

… so lautet eine Zeile im Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (Kurt Frederic Kaiser, übersetzt von Manfred Siebald)
Diese Zeile, finde ich, beschreibt in einem Satz, worum es in diesem Buch geht:
Cleos großer ...

… so lautet eine Zeile im Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (Kurt Frederic Kaiser, übersetzt von Manfred Siebald)
Diese Zeile, finde ich, beschreibt in einem Satz, worum es in diesem Buch geht:
Cleos großer Traum ist es, Schornsteinfegerin zu werden. Und obwohl dieser unter normalen Umständen nie in Erfüllung hätte gehen können, verhilft ihr doch ihr Eingreifen bei einem Brand zu eben jenem Traum.
Während ihrer Ausbildungszeit blickt sie hinter die Fassaden: Die des Berufes, die der Schorsteinfeger selbst und die der Industriellen. Doch sie lässt sich davon nicht entmutigen und brennt für ihre Sache, für das Wohl der Menschen aus den unteren Vierteln. Um nicht zu viel zu verraten, sage ich nur, dass manchmal ein kleiner Funke genügt, um ein großes Feuer zu entfachen, etwas zu verändern.
Das Buch ist zudem wunderbar lebendig geschrieben. Die Charaktere kommen glaubwürdig rüber, die Stadt kann man sich bildlich vorstellen (nicht zuletzt auch dank des tollen Covers) und die Geschehnisse haben mich in den Bann gezogen.
Auf die Fortsetzungen bin ich ganz gespannt, ich werde sie bestimmt lesen, da ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Sehr fantasievoll, aber zu viel Durcheinander

Die Bibliothek der Wahren Lügen
0

Oskar, ein 14-jähriger Junge, wird von seinen Mitschülern gemobbt und findet weder in der Schule noch zu Hause so richtig Geborgenheit. Er flüchtet sich in Bücher, schreibt eigene Geschichten und erschafft ...

Oskar, ein 14-jähriger Junge, wird von seinen Mitschülern gemobbt und findet weder in der Schule noch zu Hause so richtig Geborgenheit. Er flüchtet sich in Bücher, schreibt eigene Geschichten und erschafft Fanfiction in der Welt seines Lieblingshelden Ozzy Calavera. Als der Autor dieser Bücher, Simon Bruma, einen Schreibwettbewerb ausruft, gewinnt Oskar und darf an einem Schreiblehrgang in Brumas Haus teilnehmen.
Immer wieder verschwimmen in diesem Buch Realität und Fiktion: Während des Schreibens im Haus von Bruma erleben Oskar und November, die Tochter des Autors, die Welt, die er in seinem Notizbuch erschafft. Dieser fantasievolle Roman besticht durch bildhafte Darstellungen und kreative Ideen, lässt aber einige Handlungsstränge offen, die für Verwirrung sorgen. Neben liebevollen Charakteren und spannenden Wendungen gibt es auch düstere, teils grausame Momente, die ich für ein Kinderbuch ab 11 Jahren eher ungeeignet finde.
Jesús Cañadas greift Elemente großer Fantasyautoren auf, doch anstatt eine harmonische Einheit zu bilden, wirkt das Buch stellenweise überfrachtet. Es bleibt für mich ein Werk mit Höhen und Tiefen – weder wirklich gut noch schlecht. Wer düstere Fantasy mag und sich an gelegentlicher Unübersichtlichkeit nicht stört, wird hier dennoch fesselnde Momente finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein sehr bewegendes Debüt

Sam und Emily
0

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in der Hauptsache um Sam und Emily und wie sich aus dem Hinweis, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ableiten lässt, sind die beiden Teenager. Beide sind ...

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in der Hauptsache um Sam und Emily und wie sich aus dem Hinweis, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ableiten lässt, sind die beiden Teenager. Beide sind so etwa 17 Jahre alt. Wobei sich in Sams Fall niemand wirklich darum schert, wie alt er ist oder wann er Geburtstag hat.



Manch ein Leser hat womöglich schon mal davon geträumt, wie schön es wäre, nicht zur Schule gehen zu müssen und einfach in den Tag hinein leben zu können. Erwachsene Leser kennen solche Träume vielleicht aus ihrer Jugend. Wie es dagegen sein muss, wenn kein Erwachsener regelmäßig Mahlzeiten auf den Tisch bringt oder überhaupt für Essen sorgt, Taschengeld gibt, oder überhaupt erzieherischen Einfluss ausübt, das können sich dagegen wohl viele nicht vorstellen.



So jedoch lebt Sam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Riddle bei seinem Vater und zieht mit ihm von Ort zu Ort. Meist ziehen sie dann weiter, wenn ihrem Vater der Boden zu heiß wird und die Polizei ihm auf den Fersen ist. Denn Clarence Border, bzw. John Smith, wie er sich zur Zeit nennt, hält nichts von ehrlicher Arbeit. Seine Arbeit besteht darin, in Häuser einzubrechen, zu stehlen, was von Wert ist und sich weiterverkaufen lässt, Barschecks aus Briefkästen zu stehlen und ähnlich kriminellen Aktivitäten. Sams und Riddles Mutter hat er schon vor vielen Jahren verlassen, zusammen mit den Söhnen und ihrer Münzsammlung, die er natürlich auch versetzt hat. Alleinerziehender Vater zu sein ist immer mal wieder eine gute Mitleidsstory wert, doch darüber hinaus kümmert er sich nicht um die Jungen, zumal sich Sam weigert, mit ihm auf Beutezug zu gehen und mit Riddle ist seiner Meinung nach nichts anzufangen, der ist ihm sogar unheimlich.



Emily jedoch ist ein zwar ungewöhnliches, auf der anderen Seite aber, was die Lebensumstände angeht, ganz normales Mädchen. Sie geht zur Schule, hat gute Noten, spielt Fußball, hat eine beste Freundin, der sie alles erzählt und lebt mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder in einem ganz normalen Haus. Aufgrund der Leidenschaft ihres Vaters singt sie sogar mit im Kirchenchor, obwohl sie eigentlich nicht richtig singen kann. Das scheint ihr Vater nur nicht so richtig wahrhaben zu wollen.



In der Kirche, während eines Solos von Emily begegnen sich Sam und Emily schließlich. Eigentlich will Emily dieses Solo nicht wirklich singen. Deswegen konzentriert sie sich während ihres Gesangs auf die letzte Reihe, in der Nähe der Tür, wo normalerweise die Leute sitzen, die Emails schreiben oder die Sportergebnisse abrufen, schemenhafte Gestalten eben, die Weghörer. Doch an diesem einen besonderen Tag sitzt nur Sam dort. Und so fokussiert sie ausschließlich ihn.

Aus Sams Sicht singt sie nur für ihn. Sie verspricht ihm, sie würde für ihn da sein – etwas, das er überhaupt nicht kennt. Für ihn ist nie jemand da gewesen. In der kurzen Begegnung im Anschluss wird auch Emily von Sam ergriffen. Das Glück des Zufalls hat die beiden zusammen geführt.



Sam verschwindet nach dieser Begegnung erst einmal spurlos und Emily hat ihre liebe Mühe, herauszufinden, wer er ist und wo sie ihn findet. Schließlich gelingt es aber und die beiden lernen sich kennen.

Es ist sehr berührend, wie Sam und Emily zueinander finden, wie sie auf den/die jeweils Andere(n) reagieren und wie sich das Leben der Beiden dadurch verändert.



Damit ist allerdings noch längst nicht Schluss und alles perfekt, sondern die Geschichte entwickelt sich noch sehr dramatisch. Sie verlieren sich wieder und glauben, einander niemals wiederzusehen. Sam muss sogar um sein nacktes Überleben kämpfen. Und Emily verliert ohne Sam ihr Leben – nicht in dem Sinne, dass sie stirbt, doch ist nichts mehr wie früher und es scheint nur noch ein Existieren zu geben.



Doch wie traurig wäre das ohne ein Happy End. Das gibt es in diesem Buch – und nicht zu knapp. Es ist ziemlich rührselig und vielleicht sogar ein wenig kitschig – aber soooo schön .



Ich hatte vor Rührung Tränen in den Augen, als ich die letzten Seiten gelesen habe. Trotzdem finde ich es nicht zu weit hergeholt, sondern schon noch glaubhaft.

Dieses Buch wird, wie so viele andere, aber längst nicht alle meine gelesenen Bücher nicht nur einen festen Platz in meinem überfüllten Bücherregal, sondern auch in meinem Herzen finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere