Profilbild von Elchy

Elchy

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Elchy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Elchy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2025

Leons Blick auf die Welt – anders, ehrlich, eigen

Leon Hertz und die Sache mit der Traurigkeit
0

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen – vielleicht einfach daran, dass er anders ist als das, was ich sonst lese. Möglicherweise hängt ...

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen – vielleicht einfach daran, dass er anders ist als das, was ich sonst lese. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass die Geschichte aus der Sicht von Leon, einem 13-jährigen Jungen, erzählt wird – und sich das auch sprachlich bemerkbar macht.
Doch schon nach ein paar Seiten war ich ganz drin in der Geschichte – und von da an hat sie mich nicht mehr losgelassen. Ich war mitten im Geschehen.
Leon ist, wie bereits im Klappentext erwähnt, 13¾ Jahre alt und depressiv. Oder, wie er selbst sagt: „depri light“, weil er selbst das mit der Depression angeblich nicht richtig hinbekommt. Er ist kein fröhlicher Typ und hat nur wenige Kontakte.
Im Ethikunterricht behandelt seine Klasse das Thema Tod, und Leons persönliche Auseinandersetzung damit zieht sich auf kluge, manchmal berührende Weise durch das ganze Buch. Trotz dieses ernsten Themas ist die Geschichte überraschend humorvoll – ich musste oft laut lachen.
Gleichzeitig erlebt Leon zum ersten Mal echte Freundschaft, was ihn Stück für Stück über sich hinauswachsen lässt.
Sehr gelungen fand ich auch die kleinen Illustrationen zu Beginn jedes Kapitels, die jeweils zum Inhalt passen und die Stimmung oder ein zentrales Motiv visuell einfangen. Sie fügen sich unaufdringlich, aber wirkungsvoll in das Gesamtbild des Buches ein.
Mit seinen 224 Seiten ist das Buch eher kurz, aber es bleibt lange im Kopf: eine gelungene Mischung aus Witz und Tiefgang.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2025

„Ein Funke, kaum zu seh'n, entfacht doch helle Flammen...“

Lichterloh - Stadt unter Ruß
0

… so lautet eine Zeile im Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (Kurt Frederic Kaiser, übersetzt von Manfred Siebald)
Diese Zeile, finde ich, beschreibt in einem Satz, worum es in diesem Buch geht:
Cleos großer ...

… so lautet eine Zeile im Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ (Kurt Frederic Kaiser, übersetzt von Manfred Siebald)
Diese Zeile, finde ich, beschreibt in einem Satz, worum es in diesem Buch geht:
Cleos großer Traum ist es, Schornsteinfegerin zu werden. Und obwohl dieser unter normalen Umständen nie in Erfüllung hätte gehen können, verhilft ihr doch ihr Eingreifen bei einem Brand zu eben jenem Traum.
Während ihrer Ausbildungszeit blickt sie hinter die Fassaden: Die des Berufes, die der Schorsteinfeger selbst und die der Industriellen. Doch sie lässt sich davon nicht entmutigen und brennt für ihre Sache, für das Wohl der Menschen aus den unteren Vierteln. Um nicht zu viel zu verraten, sage ich nur, dass manchmal ein kleiner Funke genügt, um ein großes Feuer zu entfachen, etwas zu verändern.
Das Buch ist zudem wunderbar lebendig geschrieben. Die Charaktere kommen glaubwürdig rüber, die Stadt kann man sich bildlich vorstellen (nicht zuletzt auch dank des tollen Covers) und die Geschehnisse haben mich in den Bann gezogen.
Auf die Fortsetzungen bin ich ganz gespannt, ich werde sie bestimmt lesen, da ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Sehr fantasievoll, aber zu viel Durcheinander

Die Bibliothek der Wahren Lügen
0

Oskar, ein 14-jähriger Junge, wird von seinen Mitschülern gemobbt und findet weder in der Schule noch zu Hause so richtig Geborgenheit. Er flüchtet sich in Bücher, schreibt eigene Geschichten und erschafft ...

Oskar, ein 14-jähriger Junge, wird von seinen Mitschülern gemobbt und findet weder in der Schule noch zu Hause so richtig Geborgenheit. Er flüchtet sich in Bücher, schreibt eigene Geschichten und erschafft Fanfiction in der Welt seines Lieblingshelden Ozzy Calavera. Als der Autor dieser Bücher, Simon Bruma, einen Schreibwettbewerb ausruft, gewinnt Oskar und darf an einem Schreiblehrgang in Brumas Haus teilnehmen.
Immer wieder verschwimmen in diesem Buch Realität und Fiktion: Während des Schreibens im Haus von Bruma erleben Oskar und November, die Tochter des Autors, die Welt, die er in seinem Notizbuch erschafft. Dieser fantasievolle Roman besticht durch bildhafte Darstellungen und kreative Ideen, lässt aber einige Handlungsstränge offen, die für Verwirrung sorgen. Neben liebevollen Charakteren und spannenden Wendungen gibt es auch düstere, teils grausame Momente, die ich für ein Kinderbuch ab 11 Jahren eher ungeeignet finde.
Jesús Cañadas greift Elemente großer Fantasyautoren auf, doch anstatt eine harmonische Einheit zu bilden, wirkt das Buch stellenweise überfrachtet. Es bleibt für mich ein Werk mit Höhen und Tiefen – weder wirklich gut noch schlecht. Wer düstere Fantasy mag und sich an gelegentlicher Unübersichtlichkeit nicht stört, wird hier dennoch fesselnde Momente finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein sehr bewegendes Debüt

Sam und Emily
0

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in der Hauptsache um Sam und Emily und wie sich aus dem Hinweis, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ableiten lässt, sind die beiden Teenager. Beide sind ...

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in der Hauptsache um Sam und Emily und wie sich aus dem Hinweis, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ableiten lässt, sind die beiden Teenager. Beide sind so etwa 17 Jahre alt. Wobei sich in Sams Fall niemand wirklich darum schert, wie alt er ist oder wann er Geburtstag hat.



Manch ein Leser hat womöglich schon mal davon geträumt, wie schön es wäre, nicht zur Schule gehen zu müssen und einfach in den Tag hinein leben zu können. Erwachsene Leser kennen solche Träume vielleicht aus ihrer Jugend. Wie es dagegen sein muss, wenn kein Erwachsener regelmäßig Mahlzeiten auf den Tisch bringt oder überhaupt für Essen sorgt, Taschengeld gibt, oder überhaupt erzieherischen Einfluss ausübt, das können sich dagegen wohl viele nicht vorstellen.



So jedoch lebt Sam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Riddle bei seinem Vater und zieht mit ihm von Ort zu Ort. Meist ziehen sie dann weiter, wenn ihrem Vater der Boden zu heiß wird und die Polizei ihm auf den Fersen ist. Denn Clarence Border, bzw. John Smith, wie er sich zur Zeit nennt, hält nichts von ehrlicher Arbeit. Seine Arbeit besteht darin, in Häuser einzubrechen, zu stehlen, was von Wert ist und sich weiterverkaufen lässt, Barschecks aus Briefkästen zu stehlen und ähnlich kriminellen Aktivitäten. Sams und Riddles Mutter hat er schon vor vielen Jahren verlassen, zusammen mit den Söhnen und ihrer Münzsammlung, die er natürlich auch versetzt hat. Alleinerziehender Vater zu sein ist immer mal wieder eine gute Mitleidsstory wert, doch darüber hinaus kümmert er sich nicht um die Jungen, zumal sich Sam weigert, mit ihm auf Beutezug zu gehen und mit Riddle ist seiner Meinung nach nichts anzufangen, der ist ihm sogar unheimlich.



Emily jedoch ist ein zwar ungewöhnliches, auf der anderen Seite aber, was die Lebensumstände angeht, ganz normales Mädchen. Sie geht zur Schule, hat gute Noten, spielt Fußball, hat eine beste Freundin, der sie alles erzählt und lebt mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder in einem ganz normalen Haus. Aufgrund der Leidenschaft ihres Vaters singt sie sogar mit im Kirchenchor, obwohl sie eigentlich nicht richtig singen kann. Das scheint ihr Vater nur nicht so richtig wahrhaben zu wollen.



In der Kirche, während eines Solos von Emily begegnen sich Sam und Emily schließlich. Eigentlich will Emily dieses Solo nicht wirklich singen. Deswegen konzentriert sie sich während ihres Gesangs auf die letzte Reihe, in der Nähe der Tür, wo normalerweise die Leute sitzen, die Emails schreiben oder die Sportergebnisse abrufen, schemenhafte Gestalten eben, die Weghörer. Doch an diesem einen besonderen Tag sitzt nur Sam dort. Und so fokussiert sie ausschließlich ihn.

Aus Sams Sicht singt sie nur für ihn. Sie verspricht ihm, sie würde für ihn da sein – etwas, das er überhaupt nicht kennt. Für ihn ist nie jemand da gewesen. In der kurzen Begegnung im Anschluss wird auch Emily von Sam ergriffen. Das Glück des Zufalls hat die beiden zusammen geführt.



Sam verschwindet nach dieser Begegnung erst einmal spurlos und Emily hat ihre liebe Mühe, herauszufinden, wer er ist und wo sie ihn findet. Schließlich gelingt es aber und die beiden lernen sich kennen.

Es ist sehr berührend, wie Sam und Emily zueinander finden, wie sie auf den/die jeweils Andere(n) reagieren und wie sich das Leben der Beiden dadurch verändert.



Damit ist allerdings noch längst nicht Schluss und alles perfekt, sondern die Geschichte entwickelt sich noch sehr dramatisch. Sie verlieren sich wieder und glauben, einander niemals wiederzusehen. Sam muss sogar um sein nacktes Überleben kämpfen. Und Emily verliert ohne Sam ihr Leben – nicht in dem Sinne, dass sie stirbt, doch ist nichts mehr wie früher und es scheint nur noch ein Existieren zu geben.



Doch wie traurig wäre das ohne ein Happy End. Das gibt es in diesem Buch – und nicht zu knapp. Es ist ziemlich rührselig und vielleicht sogar ein wenig kitschig – aber soooo schön .



Ich hatte vor Rührung Tränen in den Augen, als ich die letzten Seiten gelesen habe. Trotzdem finde ich es nicht zu weit hergeholt, sondern schon noch glaubhaft.

Dieses Buch wird, wie so viele andere, aber längst nicht alle meine gelesenen Bücher nicht nur einen festen Platz in meinem überfüllten Bücherregal, sondern auch in meinem Herzen finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2024

Konnte mich nicht erreichen

Durchs Feuer
0

Die Protagonistin, Iris, hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist nur an Geld und Markenklamotten interessiert. Wer jemand ist, bemerkt die Frau gar nicht, denn für sie zählt ausschließlich das Äußere. Der ...

Die Protagonistin, Iris, hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist nur an Geld und Markenklamotten interessiert. Wer jemand ist, bemerkt die Frau gar nicht, denn für sie zählt ausschließlich das Äußere. Der Stiefvater - wenn man ihn denn so nennen will, denn weder ist er für Iris eine Vaterfigur, noch ist er mit ihrer Mutter verheiratet - sonnt sich nur im eigenen Glanz und überschätzt sich selbst dabei maßlos. Die beiden Figuren werden flach und oberflächlich dargestellt.
Iris hält das alles nicht aus, sie erwartet mehr vom Leben und hat nur einen einzigen Freund, der sie akzeptiert. Das Feuer ist ihr Ventil, wenn sie sich Luft machen muss oder ihr alles mal wieder über die Hutschnur geht.
So jedenfalls habe ich es wahrgenommen. Der für mich einzige wirklich interessante Charakter ist Thurston, Iris' Freund. Aber insgesamt bleiben die Charaktere für mich leblos.
Man muss der Autorin zugute halten, dass sie einen ganz eigenen Schreibstil hat. Das bewundere ich, doch leider hat mich ihr Stil nicht so richtig überzeugt. Normalerweise mag ich Metaphern und die kamen hier häufiger vor, doch habe ich sie entweder nicht verstanden oder sie haben mich einfach nicht erreicht.
Zudem geht mir diese Verharmlosung des Zündelns gegen den Strich. Anfangs heißt es in einem Gespräch zwischen Iris und Thurston, dass sie keine Wohhäuser in Brand steckt, zumindest keine bewohnten...
Na ja, so kann man es auch sehen, aber ihre Feuer richten schon ganz schönen Schaden an und an einer Stelle ist es durchaus nicht selbstverständlich, dass es keinen Personenschaden gibt. Wenn ich auch verstehen kann, dass Iris ein Ventil braucht, um sich irgendwie Luft zu verschaffen, kann ich das doch nicht so einfach hinnehmen. Meine Moralvorstellungen sind da etwas höher gesteckt und ich kann mich nicht genug in Iris einfühlen, um zu ihr zu werden und meine eigenen Vorstellungen zu vergessen.

Das zentrale Thema des Buches soll eigentlich das Kennenlernen zwischen Iris und ihrem leiblichen Vater sein. Doch auch da stieß ich wieder an meine Grenzen. Die beiden haben sich viel über Kunst unterhalten, wovon ich, zugegeben, überhaupt nichts verstehe. Leider konnte es mich da aber auch nicht packen und mein Interesse wecken.

Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass manche Leser von diesem Buch total begeistert sein können, die den Schreibstil mögen, die Metaphern und die Dialoge über Kunst. Und ich bedaure, dass ich nicht zu diesen Lesern gehöre. Für mich ist es ein Buch, das Potenzial hat, denn thematisch finde ich es wirklich interessant, aber es nicht ausschöpft. Als ich dieses Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, hoffte ich in jedem Abschnitt, dass es mich noch packen würde, doch leider ist das nicht eingetreten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere