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Veröffentlicht am 10.07.2025

Der Feuerwehrmann

Fahrenheit 451
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Auf der Basis seiner Novelle "The Fire Man" entstand dieser Klassiker der dystopischen Literatur. Guy Montag ist Feuerwehrmann, der mit seiner Einheit keine Feuer bekämpft, sondern Feuer legt. Alles Unliebsame ...

Auf der Basis seiner Novelle "The Fire Man" entstand dieser Klassiker der dystopischen Literatur. Guy Montag ist Feuerwehrmann, der mit seiner Einheit keine Feuer bekämpft, sondern Feuer legt. Alles Unliebsame wird verbrannt, vor allem Bücher. Bei einer Temperatur von 451 Fahrenheit fängt Bücherpapier Feuer und verbrennt. Bücher sind schon lange verboten - und viele andere Dinge auch. "... diese Art von Geselligkeit missfiel ihnen. Die Leute redeten zu viel, und sie hatten Zeit zum Nachdenken. So wurde die Veranda abgeschafft. Die Gärten übrigens auch. Es gibt nicht mehr viele Gärten, in denen man herumsitzen kann. Und dann die Möbel! Schaukelstühle gibt es nicht mehr. Die waren zu bequem." (S. 76)

Die Begegnung mit Clarisse und ihre Gedanken bringen Guy aus dem Tritt. Plötzlich beginn er seinen Job zu hinterfragen und noch vieles mehr. Bei einer Hausverbrennung schafft er ein Buch zur Seite, aber der Staat hat seine Augen überall.

In diesem Roman von 1953 nimmt Bradbury vieles vorweg, zum Beispiel die komplexe Berieselung und komplette Abhängigkeit durch das Fernsehen. Die Fernsehprogramme werden individuell auf den Zuschauer zugeschnitten, sprechen ihn mit Namen an und werden zur Ersatzfamilie. Auf nicht einmal 200 Seiten wird eine Zukunft aufgezeigt, die heute in Teilen Gegenwart ist. Bradbury zeigt aber auch, wie sich Risse in dieser Gesellschaft auftun, die durch Medienkonsum vom Denken abgehalten wird. Bücher sind die Staatsfeinde Nummer 1. Allerdings kommt die Betäubung der Massen von Innen; die Mediensucht, die Verdrängung alles Kritischen ist selbst gewählt.

Ein wirklich spannender und faszinierender Roman und eine bereichernde Lektüre.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Ein Geschichtenteppich

Fischers Frau
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Mia Sund ist Faserarchäologin an der Greifswalder Universität und hat sich in ihrem Job gut eingerichtet. "Generalberuhigung" (S. 29) war ihr erklärtes Ziel nach einem flotten Leben: In einem geschützten ...

Mia Sund ist Faserarchäologin an der Greifswalder Universität und hat sich in ihrem Job gut eingerichtet. "Generalberuhigung" (S. 29) war ihr erklärtes Ziel nach einem flotten Leben: In einem geschützten Raum unerreichbar und unauffindbar vor sich hin forschen und untersuchen. Jetzt gerät dieser gemäßigte Zustand ins Wanken, denn ein Kollege knallt ihr einen Fischerteppich auf den Schreibtisch mit der Bemerkung, ob es nicht vielleicht eine Fälschung sei. Dieses Stichwort katapultiert Mia in ihre aufwühlende Vergangenheit. Aber auch der ungewöhnliche Fischerteppich läßt ihr keine Ruhe. Eine Dienstreise führt sie quer durch Europa und die Suche nach der Herkunft des "pommerschen" Teppichs ist für Mia auch eine Suche nach sich selbst, nach der eigenen Identität.

Ach, eine schöne Geschichte. Wie immer haben die Romane von Kalisa etwas Märchenhaftes an sich. Hier ist sogar der Titel von einem Märchen inspiriert und unterstreicht diesen Charakterzug des Romans, denn auch Mia wird irgendwann zur Geschichtenschreiberin. Es wird viel mit dem Vokabular des Webens und Knüpfens als Metapher gearbeitet und das passt immer wirklich wunderbar. Die Tradition - und vor allem der Anlass für den Ursprung Ende der 1920er Jahre - der pommerschen Fischerteppichknüpferei war mir völlig unbekannt. Einen ganz spannenden und außergewöhnlichen Sachverhalt hat die Autorin hier zum Zentrum gemacht. Eine Karte auf dem Vorsatzpapier hält alle Orte bereit, die mit der Geschichte der Teppichherstellung in diesem Buch verbunden sind.

Sympathische Charaktere, eine märchenhafte Geschichte auf Basis von Fakten und eine Sprache, die Leichtigkeit und Tiefe verbindet. Die verschachtelte Handlung, die immer wieder in die Vergangenheit abtaucht, hat es mir am Anfang etwas schwer gemacht und es gab für mich auch ein paar eher langatmige Stellen, dennoch ist es ein wunderbares Leseerlebnis.

Am Ende gibt es ein kleines Glossar mit Fachbegriffen und ein Literaturverzeichnis für alle, die sich weiter informieren möchten.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Der Wilde Mann

Susanna
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Mit fünf Jahren sticht Susanna dem Wilden Mann mit ihrem Finger ein Auge aus. Von der ersten Seite dieses Romans an wird deutlich, dass wir es mit einer ausgewöhnlichen Protagonistin zu tun haben. Capus ...

Mit fünf Jahren sticht Susanna dem Wilden Mann mit ihrem Finger ein Auge aus. Von der ersten Seite dieses Romans an wird deutlich, dass wir es mit einer ausgewöhnlichen Protagonistin zu tun haben. Capus erzählt die Lebensgeschichte von Susanna Faesch, die in (Klein-)Basel in der Schweiz ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Für die Beschreibung dieser sehr sittenstrengen, monotonen und geradezu sterbenslangweiligen Gemeinschaft läßt sich Capus recht viel Zeit; hier lernen wir auch Maria, Susannas Mutter genau kennen, die schließlich ihre Koffer packt und mit der einzigen Tochter nach New York auswandert. Hier wird aus Susanna sehr früh eine beliebte Porträtmalerin, die sich besonders auch für Native Americans interessiert. Schließlich reist sie mit Mitte Vierzig nach Dakota, lernte Sitting Bull kennen und fertigt mehrere Porträts von ihm an. Soweit das historische Grippe, aus dem Capus einen Roman mit sehr vielen interessanten Details gemacht hat.

Er stellt die "alte" und die "neue" Welt gegenüber, flicht verschiedene Konflikte innerhalb Europas ein, beschreibt den Einzug der Moderne durch die Eisenbahn, die Glühbirne, die Elektrifizierung, die Einwandererareale in Brooklyn, die Geistertänze und schließlich die Kämpfe mit und die Massaker an den Native Americans.

Capus wählt einen distanzierten Ton für seinen Roman, der sich dadurch verstärkt, dass der Erzähler häufig aus der Geschichte hervortritt und kommentiert. Es steck unheimlich viel drin in diesem Text. Wie bei einem Kaleidoskop, das bei jeder kleinen Drehung ein neues Muster zeigt, finden wir ständig neue, interessante Elemente, die man weiterverfolgen möchte, doch schon kommt das nächste Muster.

Gewünscht hätte ich mir, dass die Begegnung mit Sitting Bull etwas mehr Raum bekommen hätte, schließlich wirbt der Klappentext genau damit. Als Susanna sich auf den Weg nach Dakota macht, hat das Buch aber plötzlich nur noch 50 Seiten, da war ich etwas enttäuscht. Am Ende, wenn man die Geschichte nochmal rekapituliert, passt es aber doch, denn Susanna steht im Mittelpunkt dieser Entwicklungsgeschichte. Sehr gut gefallen hat mir, wie sich der Kreis am Ende schließt und Bezug auf den Beginn des Romans nimmt, mit einem "Wilden Mann" und mit einem Tanz. Einem, der nur "wild" ist innerhalb der erlaubten, strengen Tradition und einem anderen Tanz, der einer Befreiung gleichkommt und zu einer Tragödie führt.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Schnitzeljagd

Todesmal
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Der exzentrische BKA-Profiler Maarten S. Sneijder in seinem fünften Fall, den er zunächst gar nicht übernehmen will. Die ältere Nonne, die mehrere Morde ankündigt, will nur mit ihm sprechen. Gibt es da ...

Der exzentrische BKA-Profiler Maarten S. Sneijder in seinem fünften Fall, den er zunächst gar nicht übernehmen will. Die ältere Nonne, die mehrere Morde ankündigt, will nur mit ihm sprechen. Gibt es da eine Verbindung? Die Neugier siegt und so ermitteln Sneijder und sein Team gegen die Zeit, denn jeden Tag soll es ein weiteres Opfer geben. Und die Mordserie beginnt extrem grausam.

Wie gewohnt gibt es einen kniffeligen Fall, der voller Rätsel und Geheimnisse steckt und der bei den Todesarten nicht mit fiesen Details spart. Kurze Kapitel, Zeit- und Ortswechsel sorgen für Dynamik. Insgesamt wirkt der Fall aber recht konstruiert und dieser Band ist für mich einer der schwächeren der Reihe. Die Figuren des Misanthropen Sneijder und seiner "Normalo"-Kolleg*innen, allen voran Sabine Nemez, sind aber dennoch eine Bereicherung des Thriller-Regals. Ich mag der Serie wirklich gerne und nachdem ich meine Lücke mit diesem Band füllen konnte, stehen jetzt schon die nächsten beiden Teile der Reihe im Regal.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Die Suche

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Im Vordergrund scheint die Suche nach einem Bild zu stehen, von dem Senta einst nur notierte: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid. Was es mit diesem Bild auf sich hat, das erfährt ...

Im Vordergrund scheint die Suche nach einem Bild zu stehen, von dem Senta einst nur notierte: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid. Was es mit diesem Bild auf sich hat, das erfährt man im Laufe der Geschichte, wenn wir der jungen Berlinerin Hannah über die Schulter schauen. Auch Hannah sucht etwas und das ist nicht in erster Linie das Bild, sondern etwas, von dem sie gar nicht weiß, was es ist. Da ist eine Leere, eine Unruhe und gleichzeitig ein Auf-der-Stelle-treten in ihr. Hannahs hochbetagte Großmutter Evelyn lebt in einer Seniorenresidenz und ihre Enkelin besucht sie eher widerwillig. Das Verhältnis zu einander ist nicht besonders herzlich. Als Evelyn den Brief einer israelischen Anwaltskanzlei erhält, in dem sie als Alleinerbin eines verschollenen jüdischen Kunstvermögens bezeichnet wird, fällt Hannah aus allen Wolken.

Gemeinsam mit Hannah, die mental durch die Affäre mit ihrem verheirateten Doktorvater gebeutelt ist, und einem Historiker begeben wir uns nun auf die Reise in die Vergangenheit, zunächst in das Berlin der 1920er Jahre und zu Senta.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Er liest sich ganz wunderbar, hat gut erdachte, lebendige Charaktere und ist auch noch spannend. Natürlich wird hier das Rad nicht neu erfunden und ein paar Klischees gibt es auch, aber die Geschichte vermag wirklich zu fesseln. Die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart führen die losen Enden immer weiter zusammen und geben der Handlung gleichzeitig Tempo. Das Ende hätte ich mir gerne anders gewünscht, aber so ist das Leben.

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