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Veröffentlicht am 18.02.2025

Tod eines Politikers

Freunderlwirtschaft
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Der Titel verrät, um was es in diesem Krimi aus Österreich geht: Vetternwirtschaft in der Politik. Zunächst beginnt die Geschichte recht spannend mit dem Verschwinden der 17jährigen Maria. Zurück bleibt ...

Der Titel verrät, um was es in diesem Krimi aus Österreich geht: Vetternwirtschaft in der Politik. Zunächst beginnt die Geschichte recht spannend mit dem Verschwinden der 17jährigen Maria. Zurück bleibt ihre jüngere Schwester Alma, die sich Jahre später entscheidet, Polizistin zu werden. Und Alma Oberkofler von der Wiener Mordkommission ist es dann, die den Tod des jungdynamischen Ministers für Landwirtschaft und Tourismus aufklären muss.

In vielen kurzen Kapiteln wird die Geschichte des Ministers Max Langwieser und seiner Verlobten Jessica, der Hauptverdächtigen, erzählt. Wir erfahren in Rückblenden, wie sie es beide aus einem kleinen Dorf nach Wien und die Politik geschafft haben und begleiten Jessica, die sich vor der Polizei versteckt.

Mir fehlte hier vor allem Spannung. Die Handlung plätschert vor sich hin und auch die Figuren fand ich nicht besonders interessant. Vielleicht wirkt das Buch ganz anders, wenn man Parallelen zur wirklich Politiklandschaft in Österreich ziehen kann. Vermisst habe ich die Fortsetzung des Prologs, das war fesselnder als der Politikermord und seine Aufklärung.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Die Rückwärtsgewandte

Maman
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Die Autorin versucht eine Annäherung an ihre Mutter, die ihr oft unzugänglich erschien, die sie aber unbedingt lieben wollte. Die unklare Herkunft der Großmutter belastet die Autorin bis heute, war oft ...

Die Autorin versucht eine Annäherung an ihre Mutter, die ihr oft unzugänglich erschien, die sie aber unbedingt lieben wollte. Die unklare Herkunft der Großmutter belastet die Autorin bis heute, war oft Anlass für bösartige Bemerkungen in der Familie.

Die Großmutter starb 1916 bei der Geburt von Schenks Mutter Renée. Die Waise wird mit sieben Monaten an ein Bauernehepaar vermittelt, das auf das Geld der Fürsorge für die kleine Renée angewiesen ist. Aus wenigen Akteneinträgen muss sich Sylvie Schenk ein Bild über die frühen Jahre ihrer Mutter machen. Das Kind wird lieblos, mehr schlecht als recht erzogen und schließlich von der Fürsorge an eine wohlhabende Adoptivfamilie vermittelt; da ist Renée sechs Jahre alt. Die frühen Jahre haben das Kind geprägt, es hat Schwierigkeiten in der Schule, bleibt eher verschlossen und still. Renée heiratet einen Zahnarzt und wird sechsmal schwanger. Nun kann Sylvie Schenk auf eigene Erinnerungen und die ihrer Geschwister und Verwandten zurückgreifen, aber die Erinnerungen sind nicht bei allen gleich. Die jüngere Schwester beschreibt die Mutter als liebevoll und aufmerksam, sogar fröhlich. Ihr Verhalten hat sich bei den jüngeren Kindern geändert.

Sylvie Schenk sitzt ihr Mutter, Großmutter und anderen Personen im Nacken, schaut über ihre Schultern, überlegt, wie könnte es gewesen sein und versucht sich ein Bild zu machen, schlüpft in die Haut ihrer Mutter. Intensiv setzt sie sich mit den Gefühlen auseinander, versucht nachzuempfinden, Antworten zu finden. Das kann nicht immer gelingen. In vielen kurzen Kapiteln, eher Textabschnitten, begleiten wir diese oft schmerzhafte Suche.

Ich habe das schmale Büchlein (173 Seiten) sehr gerne und voller Anteilnahme gelesen. Es wird deutlich, wie sehr die Autorin von der Herkunft ihrer Mutter umgetrieben wird, die auch ihre eigene Herkunft ist.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Mut zur Hässlichkeit

Spitzweg
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Diese Bemerkungen der Kunstlehrerin zum Selbstporträt ihrer Schülerin Kirsten sorgt dafür, dass das Mädchen aus dem Klassenraum flieht. Es ist der Beginn der Handlung gleichzeitig einer Idee, die der Ich-Erzähler ...

Diese Bemerkungen der Kunstlehrerin zum Selbstporträt ihrer Schülerin Kirsten sorgt dafür, dass das Mädchen aus dem Klassenraum flieht. Es ist der Beginn der Handlung gleichzeitig einer Idee, die der Ich-Erzähler und sein neuer Mitschüler Carl aushecken, um der Lehrerin ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen.

Dieser Roman ist weniger die Geschichte dieser Idee und ihrer Umsetzung, die an sich schon ganz putzig ist, es ist vielmehr ein Gesamtkunstwerk. Vor allem die Sprache hat es mir angetan, sie ist herrlich und man kann sie nicht treffender beschreiben, als der Ich-Erzähler, der uns seinen Namen nie verrät, seinen neuen Freund Carl beschreibt: "Er war wirklich jemand, der im vorteilhaftesten Sinn aus der Zeit gefallen war und sich in fast allem völlig von der unheldenhaften Gegenwart abhob, die er, so war ich mir sicher, genauso verachtet wie ich." (S. 158) Dieser gekonnte Mix aus Archaismen und moderner Sprache, einer gelegentlich für mich etwas märchenhaft anmutenden, jedoch liebevoll - buchstäblich - in die Kunstwelt hineininszenierten Handlung, hat mich total gefangengenommen. Es gibt mehrer Bildbeschreibungen, die Carl höchst kompetent vorträgt und die absolute Lust machen, sich mit Spitzweg eingehender zu beschäftigen. "Denn das konnte Carl wie keiner sonst: diesen Ton treffen, der ein Kunstwerk immer erst einmal gegen seine vermeintlichen Gegner, die Betrachter, zu verteidigen versucht, als stünde es vor Gericht. Aber dann die Bildbeschreibung wie ein Plädoyer verlautbaren, das eine angewidert dreinblickende Bank von Geschmacksgeschworenen von der zweifelsfreien Unschuld des grundlos angeklagten Mandanten zu überzeugen vermag." (S. 244)

Ein Roman, der mir wirklich Spaß gemacht hat und den ich gerne weiterempfehle an alle, die Freude an Sprache haben. Wer sich dann noch für Kunst interessiert, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Geheimnis wird in Teil 2 gelüftet

Sonnenwende
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Nach Kaiserwald ist Sonnenwende der zweite Teil dieser Dilogie und beendet die Geschichte um die verschwundene Mutter von Penelope und den Mord an Alise.

Mich konnte bereits Kaiserwald nicht überzeugen, ...

Nach Kaiserwald ist Sonnenwende der zweite Teil dieser Dilogie und beendet die Geschichte um die verschwundene Mutter von Penelope und den Mord an Alise.

Mich konnte bereits Kaiserwald nicht überzeugen, zu verwirrend mit den diversen Sichtweisen, teilweise sehr vorhersehbar und Spannung kam erst ganz zum Ende auf. Sonnenwende habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen, selbst gekauft hätte ich mir die Fortsetzung nicht. Mir ist auch nur noch wenig vom ersten Band im Gedächtnis geblieben, allerdings sollte man ohne die Kenntnis von Kaiserwald dennoch nicht mit dem zweiten Teil beginnen. Da ist einfach zu viel Vorgeschichte vorhanden, allerdings wird auch einiges kaum mehr aufgegriffen, z.B. das phänomenale Gedächtnis der Protagonistin.

Penelope aka Mathilda sucht immer noch ihre vor 25 Jahren verschwundene Mutter und hat sich dazu nicht nur in die von ihr verdächtigte Familie von Prokhoff eingeschlichen, sondern gleich den Sohn geheiratet. Die Nachforschungen gehen weiter und führen sie schließlich zurück nach Riga, wo ihre Familie einst lebte und Penelopes Mutter möglicherweise ein Verhältnis mit Herrn von Prokhoff hatte. Dieser steht ganz oben auf ihrer Verdächtigenliste. Derweil stolpert Penelopes Mann, Falk von Prokhoff, über Ungereimtheiten in den Firmenfinanzen und beginnt an der "Echtheit" seiner Ehefrau zu zweifeln.

Leider konnte mich auch der zweite Teil nicht packen. Er verliert sich ebenso in Nebensächlichkeiten und zieht die Handlung unnötig in die Länge, Spannung habe ich über weite Teile vermisst und die Auflösung ... naja. So manches fand ich im Fortgang des Geschehens nicht einleuchtend. In jedem Fall lässt sich die Geschichte dank des Schreibstils schnell und locker lesen.

Gerne hätte ich mehr über die "Ökodörfer" erfahren, die aber leider nur recht knapp abgehandelt wurden. Da wäre ein intensiveres Eintauchen in die Mechanismen sicherlich interessant und möglich gewesen, zumal die Autorin sich umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wie das Nachwort und das Quellenverzeichnis deutlich machen.

Wem der erste Teil gefallen hat, der wird auch die Fortsetzung gut finden und den Fall Rebecca Maywald befriedigt abschließen können.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Geschichte im Mikrokosmos

Dunkelblum
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Dunkelblum ist eine österreichische Kleinstadt an der Grenze zu Ungarn. Idyllisch gelegen, mit einem Schlossturm und einer entzückenden, verwinkelten Altstadt. Aber dieses kleine Städtchen hat eine Vergangenheit, ...

Dunkelblum ist eine österreichische Kleinstadt an der Grenze zu Ungarn. Idyllisch gelegen, mit einem Schlossturm und einer entzückenden, verwinkelten Altstadt. Aber dieses kleine Städtchen hat eine Vergangenheit, die kollektiv unter den Teppich gekehrt wurde und dort seit Jahrzehnten plattgetreten wird. Das Jahr 1989 allerdings beginnt an diesem Teppich zu ziehen. Es wird unruhig im beschaulichen Dunkelblum, als ein Fremder kommt und Fragen stellt, die keiner hören und schon gar nicht beantworten will.

Dieser Mikrokosmos in Dunkelblum hat mich total für sich eingenommen und ich habe die Geschichte wahnsinnig gern gelesen bzw. gehört. Die Autorin entwirft eine interessante und kurzweilige Handlung, die von den Verstrickungen in der NS-Zeit bis in das Wendejahr 1989 reicht. Die zahlreichen, unglaublich lebendigen Charaktere zeigen eine Gemeinschaft, deren Mitglieder leiden, profitieren, terrorisieren, Schuld auf sich laden und vergessen. Freundschaften, Abhängigkeiten und Gewalt setzen Dynamiken in Gang, die einen ganzen Ort erfassen.

Eva Menasse hat hat einen Roman gegen das Vergessen und für das Erinnern geschrieben; Dunkelblum dient dabei als Stellvertreter. Ich finde dies ist großartig gelungen. Der Schrecken und das Grauen, die in den Zeilen stecken, werden durch den Dialekt einerseits entschärft, andererseits erscheinen sie dadurch noch ungeheuerlicher. Ich habe einen sehr großen Teil als Hörbuch gehört, von der Autorin selbst gelesen. Dies tut sie auf eine sehr ruhige, extrem angenehme Weise und vermittelt durch den Dialekt eine starke Atmosphäre.

Ich kann den Roman sehr empfehlen. Ein Ortsplan, ein umfangreiches Glossar mit Austriazismen und ein Figurenverzeichnis bereichern das Buch sehr.

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