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Veröffentlicht am 05.02.2020

Ein richtiges Wohlfühlbuch

Monsieur Mounk und die kleinen Wunder des roten Hauses
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Die letzte Seite ist umgeblättert und ich sitze hier mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. Was für eine schöne und warmherzige Geschichte – ein richtiges Wohlfühlbuch.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl ...

Die letzte Seite ist umgeblättert und ich sitze hier mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. Was für eine schöne und warmherzige Geschichte – ein richtiges Wohlfühlbuch.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl unter einem Apfelbaum in Monsieur Mounks Garten zu sitzen und ein Erzähler berichtete mir von den Ereignissen im damaligen Sommer, als Yvette, die Tochter der Tänzerin Lucille, noch ein kleines Mädchen war. Die Atmosphäre des Dorfes erinnerte mich stark an die Don-Camillo-Filme und genau diese Erzählerstimme hatte ich im Ohr.

Die Dorfbewohner sind Leute wie du und ich, manche liebenswert, andere etwas schrulliger. Auch Monsieur Mounk hatte seinen Ruf weg und alle kannten ihn nur als Eigenbrötler. Yvette erkannte aber sehr schnell, dass er das Herz am richtigen Fleck hatte und freundete sich mit ihm an. Das war wohl einer der Hauptgründe, warum er dann die Tanztruppe von Madame Odette bei sich aufnahm, als die „leichten Mädchen“ auf der Strasse standen weil ihr Etablissement, das Rote Haus, geschlossen wurde. Aber sein Herz schlug für noch jemanden schneller und mit all dem Chaos, dass Madame Odette und Co. mitbrachten, zog auch die Hoffnung auf Liebe in Monsieur Mounks beschauliches Heim.

Es ist eine leichte und zugleich leise Geschichte, die auf sehr einfühlsame Weise erzählt wird. Der gefühlvolle Schreibstil hat mich richtiggehend gefangen genommen. Es gibt so viele kleine Details, Beschreibungen und Vergleiche, die alles noch lebendiger haben erscheinen lassen. Ich mochte mehrere Figuren sehr – allen voran Monsieur Mounk. Die Autorin hat wohl bewusst seinen Vornamen nie verraten, was ihn manchmal etwas unnahbar aber nicht weniger liebenswert machte. Das hätte womöglich das Geheimnisvolle, das ihn umgab, zerstört und ich möchte ihn mir gar nicht anders vorstellen. Ich finde, jedes Dorf sollte einen solchen Monsieur Mounk haben.

Für mich ist die Autorin Sophia Verena eine wirkliche Entdeckung und ich hoffe auf weitere Bücher von ihr.

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Veröffentlicht am 05.02.2020

Cym schwimmt sich frei

Freischwimmen
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Cymbeline ist eigentlich ein ganz normaler Junge, nur mit einem außergewöhnlichen Namen, der in der Schule auch schon Mal gehänselt wird. Er wird am liebsten Cym genannt und lebt alleine mit seiner Mutter, ...

Cymbeline ist eigentlich ein ganz normaler Junge, nur mit einem außergewöhnlichen Namen, der in der Schule auch schon Mal gehänselt wird. Er wird am liebsten Cym genannt und lebt alleine mit seiner Mutter, da sein Vater verstorben ist, als er noch ein Baby war. Wie der Vater gestorben ist, konnte er noch nicht in Erfahrung bringen, da alle, die er fragte, ihm nur ausweichende Antworten gaben. Sein Verhältnis zu seiner Mutter ist zwar herzlich, er versteht aber nicht, warum sie um das Thema „Schwimmen“ immer so einen großen Bogen macht und immer Ausreden findet, um nicht mit schwimmen zu gehen. So kommt es, dass Cym mit 9 Jahren noch nicht schwimmen kann. Als die Lehrerin für die darauffolgende Woche einen Schwimmunterricht ankündigt, hat er Angst vor neuen Hänseleien und tut so, als ob er diese Sportart schon längst gelernt hätte. Er rückt nicht mal mit der Wahrheit heraus, als sein Rivale Billy ihn zu einem Wettkampf herausfordert. Cym ahnt nicht, was er mit dieser Flunkerei alles auslöst und was für ein Einfluss das auf sein Leben haben wird.

Es hat nicht lange gedauert und Cym hatte sich schon nach ein paar Zeilen in mein Herz geschlichen. Und das liegt nicht nur daran, dass wir auch Seelenverwandte sind. Auch ich habe sehr spät schwimmen gelernt und konnte mich so sehr gut in den Jungen hineinversetzen. Ausserdem hat es mir Adam Baron wirklich leicht gemacht, Cym zu mögen. Er ist ein typischer Junge für sein Alter und hat das Herz am rechten Fleck. Er erzählt die Geschichte aus seiner Sicht in Ich-Form. Dieses Stilmittel behagt mir nicht in jedem Buch. Hier ist es dem Autor meiner Meinung nach wirklich gut gelungen, dem Protagonisten eine lebendige und altersgerechte Stimme zu geben. Cym spricht den Leser auch hin und wieder direkt an, was das angenehme Gefühl, dass Cym es mir als Leser seine Geschichte ganz persönlich erzählt, noch verstärkt. Der leise Humor, der einem zwischen den Zeilen zuzwinkert, hat die lockere und flüssige Erzählweise zusätzlich untermalt.

Auch die Geschichte selber hat mich überzeugt und ging mit der Zeit in eine für mich unerwartete Richtung. Vor allem in der zweiten Hälfte wird es richtig spannend, ohne jemals überzogen oder unrealistisch zu wirken. Die Figuren sind lebendig und lebensnah dargestellt und es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.

Aron Baron ist es mit seinem Kinderbuchdebüt gelungen, eine warmherzige, lebendige und emotionale (ich konnte lachen und musste auch die eine und andere Träne verdrücken) Geschichte mit Themen, die Kinder heutzutage beschäftigen, zu erzählen. Bei weiteren Kinderbüchern dieses Autors würde ich sofort ohne zu zögern zugreifen.

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Veröffentlicht am 31.01.2020

Ein neues ponytastisches Abenteuer

Ponyschule Trippelwick – Ein Einhorn spricht nicht mit jedem
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Achtung: Hier sind Spoiler zum 1. Band (Hörst du die Ponys flüstern?) enthalten.

Zum Inhalt
Annelie ist überglücklich, dass Henry, ihr Lieblingspony, sie als seine Gefährtin ausgesucht hat und genießt ...

Achtung: Hier sind Spoiler zum 1. Band (Hörst du die Ponys flüstern?) enthalten.

Zum Inhalt


Annelie ist überglücklich, dass Henry, ihr Lieblingspony, sie als seine Gefährtin ausgesucht hat und genießt mir ihren neuen Freundinnen jeden Tag in der Ponyschule Trippelwick. Nur Tille schwebt immer wieder Mal mit den Gedanken in den Wolken und ihr Gefährtenpony Fliederfloh scheint das zu belasten und futtert seinen Kummer mit Zauberzucker in sich hinein. Als im Haferladen der Zauberzucker gestohlen wird, fällt der Verdacht sofort auf das verfressene Shetlandpony. Doch Annelie und ihre Freundinnen wollen Fliederflohs Unschuld beweisen. Auf der Suche nach der Wahrheit machen sie eine unglaubliche Entdeckung.

Meine Gedanken zum Buch


Zugegeben, vom Alter her passe ich nicht wirklich nach Trippelwick. Aber mit meinen 1,48 würde ich da (fast) nicht auffallen, oder? Im Ernst: Ich habe mich so gefreut, dass ich mit diesem 2. Band nach Trippelwick zurückkehren konnte, so dass das Buch nicht mal auf meinem „Stapel ungelesener Bücher“ gelandet ist, sondern sofort gelesen wurde.
Es ist wieder ein ponytastisches Abenteuer, dass Ellie Mattes untermalt mit den Illustrationen von Larisa Lauber hier erzählt. Stellenweise fand ich es sogar noch spannender als der erste Band. Die Figuren sind wieder mit Herz und Verstand gestaltet und es war wie ein Wiedersehen mit liebgewonnen Freunden. In diesem zweiten Teil geht es erneut um Freundschaft und Respekt vor den Tieren. Auch die Magie bekommt wieder ihren Platz – ja, Trippelwick ist wahrlich ein zauberhafter Ort.
Der Erzählstil ist durchweg altersgerecht und die originellen Wort- und Namenskreationen bereiten ganz bestimmt Groß und Klein viel Spaß. Diese Trippelwick-Reihe eignet sich meiner Meinung nach zum selber lesen, zum vor- oder auch miteinander lesen.
Dieser Band enthält zwar eine abgeschlossene Geschichte. Ich denke jedoch, dass einiges besser zu verstehen ist, wenn man den ersten Teil ebenfalls kennt. Außerdem ist es schön zu sehen, wie die Figuren sich verändern und entwickeln.
Ich habe jedenfalls dieses neue Pony-Abenteuer sehr gerne gelesen und bin auch diesmal ungern aus Trippelwick wieder abgereist. Ein baldiges Wiederlesen fände ich sehr schön.

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Veröffentlicht am 24.01.2020

Nicht Strobels bestes Buch

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Es ist keine neue Idee, die Protagonisten irgendwo abgeschieden und unerreichbar in große Gefahr zu bringen. Durch das moderne Setting und den Gedanken des Digital Detox‘ war ich trotzdem neugierig, wie ...

Es ist keine neue Idee, die Protagonisten irgendwo abgeschieden und unerreichbar in große Gefahr zu bringen. Durch das moderne Setting und den Gedanken des Digital Detox‘ war ich trotzdem neugierig, wie Arno Strobel diese Thematik umgesetzt hatte. Und der Epilog war schon mal sehr vielversprechend. Ich muss dazu sagen, dass ich das Buch an einem späteren Abend als ich alleine Daheim war, begonnen habe. Da hatten die ersten Seiten sofort ihre Wirkung getan und mir lief es kalt den Rücken runter – also angenehmes Gruseln, ganz wie gewünscht.

Leider hielt diese schaurige Stimmung nicht über die gesamte Geschichte hinweg an. Obwohl der Spannungsbogen, als die Reiseteilnehmer im Hotel ankamen, recht schnell angezogen wurde, flachte die Atmosphäre überraschend ab. Durch den flüssigen Schreibstil und die kurzen Kapitel kam ich mit der Geschichte schnell voran und die passend platzierten Cliffhanger animierten zum immer weiterlesen. Trotzdem fehlte mir die gewisse Bedrohlichkeit, die auch ein Leser zu spüren vermag, und ich empfand die Atmosphäre für einen Thriller zu nüchtern. Das konnten meiner Meinung nach auch die grausamen Details über die Misshandlungen nicht wettmachen. Das Ganze wirkt ein bisschen so, als ob der Autor mit dem Manuskript rasch fertig werden wollte.

Die Auflösung war für mich zwar überraschend und in sich schlüssig, dennoch kommt sie sehr konstruiert rüber. Es wurden leider auch nicht alle offenen Fragen beantwortet, was mich als Leser doch etwas unzufrieden zurücklässt.

Trotz der paar spannenden und unterhaltsamen Momente, die mir „Offline“ bereitet hat, wird sich dieses Buch nicht so tief in mein Gedächtnis graben, wie es ausgefeilte Psychothriller in der Regel tun.

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Veröffentlicht am 23.01.2020

Melancholisch, leise und intensiv

Die Hüterin der verlorenen Dinge
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Nicole C. Vosseler gehört zu meinen Lieblingsautorinnen und ich genieße es immer sehr, in ihren farbenprächtigen Romanen mit den blumigen Beschreibungen zu versinken und alles um mich herum zu vergessen. ...

Nicole C. Vosseler gehört zu meinen Lieblingsautorinnen und ich genieße es immer sehr, in ihren farbenprächtigen Romanen mit den blumigen Beschreibungen zu versinken und alles um mich herum zu vergessen. Doch mit diesem Buch zeigt sie uns eine ganz andere Facette von ihrem Erzähltalent. Yvis Geschichte ist so ganz anders erzählt: leise und zurückhaltend. Die Stimmung ist sehr melancholisch, was meiner Meinung nach gut zur Situation, sprich zur Protagonistin passt. Yvi ist eine in sich gekehrte junge Frau, die – als ihre Mutter ohne Vorwarnung verschwand – ihren Halt und damit sich selbst verloren hatte. Ich kann es mir kaum vorstellen, wie es ist, als Kind plötzlich ohne Mutter da zu sein. Vor allem die Ungewissheit macht dem Mädchen sehr zu schaffen und lässt sie in ihre eigene kleine Welt der verlorenen Dinge flüchten. Das Buch ist eine Reise, Yvis Reise auf der Suche nach der Mutter – auf der Suche nach Halt – auf der Suche nach sich selbst. Es war für mich ein schwieriges Buch zu lesen, denn die bedrückende Stimmung hat mir als Leser auch einiges abverlangt. Und dennoch schwang so viel Poesie zwischen den Zeilen, dass ich immer unbedingt weiterlesen musste.

Es ist ein Buch mit leisen und dennoch sehr intensiven Tönen, die auch nach dem Umblättern der letzten Seite noch lange nachhallen. Und auch wenn es für mich kein typischer „Vosseler“ ist, hat die Autorin mich erreicht und ich freue mich schon auf ihr nächstes Buch.

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