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Veröffentlicht am 21.10.2025

Zucker, Zauber, Alltagsnöte

Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin!
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In diesem Kinderbuch beginnt eine Freundschaft mit einem Diebstahl. Aber nicht etwa Gold oder Juwelen, sondern etwas, das für viele bestimmt mindestens ebenso wertvoll ist: Schokolade! Und zwar ausgerechnet ...

In diesem Kinderbuch beginnt eine Freundschaft mit einem Diebstahl. Aber nicht etwa Gold oder Juwelen, sondern etwas, das für viele bestimmt mindestens ebenso wertvoll ist: Schokolade! Und zwar ausgerechnet Elfies Schokolade, auf die sie lange gespart hat. Als sie eines Nachts das Rascheln in der Kommode hört und der Übeltäter sich als winzige Naschhexe mit einem Namen entpuppt, der fast ein Zungenbrecher ist – Bella Karamella Limonella Krokantia von Nasch – nimmt das Chaos seinen Lauf.

Was Gundi Herget hier gelingt, ist ein Balanceakt zwischen frechem Witz, zauberhaftem Unsinn und erstaunlich viel Bodenhaftung. Die Geschichte liest sich leichtfüßig, aber nie belanglos. Zwischen Zuckerwatte und Zauberei steckt eine ordentliche Portion Alltag und Realität: eine alleinerziehende Mutter, knappes Einkommen, Schulstress, Freundschaften, die bröckeln und wachsen dürfen. Das alles wird ohne Pathos erzählt, aber mit warmem Humor und einer klugen Beobachtungsgabe, die man in Kinderbüchern dieser Altersklasse nicht immer findet.

Elfie ist kein typisches Kinderbuchmädchen, das alles sofort richtig macht. Sie ist wütend, eifersüchtig, manchmal trotzig und dabei herrlich echt. Und Bella Karamella ist keine glatte Märchenhexe, sondern eher wie eine überzuckerte WG-Mitbewohnerin. Sie redet zu viel, futtert alles auf, was süß ist. Mit ihrer unkontrollierten Magie sorgt sie regelmäßig für kleine Katastrophen, sehr zum Leidwesen von Elfie. Dass die beiden sich trotzdem zusammentun, macht ihre Freundschaft umso schöner.

Ganz großartig ist, dass die Autorin auf Kitsch verzichtet. Die Magie entsteht nicht durch übertriebene Feenwelten oder glitzernde Portale, sondern im Alltäglichen. Gerade das macht die Geschichte so sympathisch.

Die Dialoge sind spritzig, modern und pointiert. Es gibt keine holprigen Belehrungen, sondern klug dosierte Momente, in denen man schmunzeln und kurz nicken möchte.

Ein großes Kompliment verdient Barbara Korthues, deren Illustrationen der Geschichte den letzten Schliff geben. Sie fängt Bellas Energie und Elfies Zweifel in kleinen, liebevollen Details ein. Ihre Bilder sind pastellig-bunt, aber nicht überladen oder zu abstrakt. Sie erzählen mit, statt nur zu schmücken, und man kann den Zuckerduft förmlich riechen.

Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin! ist eine zuckersüße Geschichte über Freundschaft, Mut und kleine Alltagswunder. Es zeigt, dass auch in dem kleinsten Kinderzimmer Platz für große Gefühle ist – und dass eine ordentliche Portion Humor manchmal das Beste ist, was man zaubern kann.

Kurzum ein Kinderroman, der wie seine Protagonistin ist – süß und frech, aber ganz sicher zum Verlieben.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Der Weihnachtskauz
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Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch ...

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein Weihnachtsabenteuer voller Glitzer und Chaos

Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln - Ein Abenteuer mit 24 Kapiteln
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Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln ist so ein Buch, das man aufschlägt und sofort ist da dieses Gefühl von Advent. Überall schimmert es, alles leuchtet und man spürt: Hier wird’s gemütlich.

Jeden ...

Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln ist so ein Buch, das man aufschlägt und sofort ist da dieses Gefühl von Advent. Überall schimmert es, alles leuchtet und man spürt: Hier wird’s gemütlich.

Jeden Winter dürfen Emil und Lio eine neue Kugel für den Baum aussuchen. Doch dieses Jahr läuft alles ein bisschen anders. In Emils Kugel steckt nämlich ein echter Weihnachtskobold – Herr Weibold – und der braucht dringend Hilfe. Der fiese Standbesitzer Herr Mufflig hat ihn gefangen genommen und wenn niemand eingreift, ist Weihnachten in Gefahr. Also stürzen sich Emil, Lio und ihr neuer Freund in ein turbulentes Abenteuer voller Zauberkugeln, Chaos und einer guten Portion Weihnachtsmagie.

Was das Buch sofort besonders macht, ist seine Stimmung. Schon das Cover ist ein kleiner Blickfang und im Inneren funkeln die Illustrationen von Elena Cavion. Sie fangen den Lichterglanz, die Schneeflocken und den warmen Kerzenschein so schön ein, dass man sich fast selbst im Weihnachtsmarktgetümmel wähnt.

Die Geschichte ist in 24 Kapitel unterteilt. Also perfekt, um sie in der Adventszeit Stück für Stück zu lesen, aber ohne dass man Seiten auftrennen müsste. Es ist kein Adventskalenderbuch im klassischen Sinn, sondern einfach eine fortlaufende Geschichte, die sich wunderbar zum Vorlesen oder Selberlesen eignet.

Barbara Rose schreibt leicht, warmherzig und mit Humor. Emil und Lio streiten, staunen und retten Weihnachten und man merkt, dass hier der Spaß im Vordergrund steht. Dabei hat die Geschichte trotzdem eine kleine Botschaft: Dass Weihnachten vor allem dann funktioniert, wenn man zusammenhält.

Am Ende bleibt einfach dieses typische Gefühl, das gute Weihnachtsbücher hinterlassen: Man klappt das Buch zu, sieht den Baum an und hat wieder ein bisschen mehr Lust auf Kerzenschein und Zimtduft.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Wenn drei kleine Schneemänner Weihnachten retten

Morgen kommt der Weihnachts-Schneemann
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Der Weihnachtsmann ist krank und trotzdem versucht er, sich zunächst noch mit dem Schlitten auf den Weg zu machen. Kein Wunder, dass er unterwegs einschläft und kurzerhand die drei kleinen Schneemänner ...

Der Weihnachtsmann ist krank und trotzdem versucht er, sich zunächst noch mit dem Schlitten auf den Weg zu machen. Kein Wunder, dass er unterwegs einschläft und kurzerhand die drei kleinen Schneemänner einspringen müssen. Diese übernehmen das Verteilen der Geschenke und sorgen dafür, dass das Fest nicht ins Wasser fällt. Am Ende ist der Weihnachtsmann aber wieder munter und feiert mit. (Eine Wendung, die Kinder zum Schmunzeln bringt und Erwachsenen gleichzeitig zeigt, wie wichtig Pausen sind.)

Der Text ist in Reimen verfasst, die das Vorlesen flüssig und eingängig machen. Illustratorin Anastasia Zababashkina setzt die Handlung in leuchtenden Winterbildern um. Der Kontrast aus kühlen Blautönen und warmen Rot- und Orangetönen macht die Seiten lebendig. Die Schneemänner wirken fröhlich, quirlig und ein bisschen tollpatschig.

Besonders beliebt sind die Klappen, die kleine Überraschungen bereithalten. Hinter ihnen verbergen sich Geschenke, Tiere oder witzige Szenen. Allerdings sind einige Klappen sehr klein oder so angebracht, dass Kinderhände sie nur schwer erwischen können. Da ist ein bisschen Unterstützung durch einen Erwachsenen gefragt. Die Seiten bestehen aus mattem, leicht angerautem Papier. Das fühlt sich wertig an, zeigt aber schnell Knicke, wenn kleine Hände allzu eifrig an den Klappen werkeln.

Die Handlung selbst ist leicht verständlich und in wenigen Minuten vorgelesen. Kinder ab zwei Jahren können der Geschichte gut folgen. Nebenbei vermittelt die Geschichte spielerisch, dass man nicht alles allein schaffen muss und manchmal Hilfe von anderen braucht.

Insgesamt ein fröhliches, charmant illustriertes Buch mit Reimen und Klappen, das für Vorlesespaß in der Adventszeit sorgt.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Eine Liebesgeschichte, die zu schwerfällig ist

Das Geheimnis von Liebe und Magie
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Das Geheimnis von Liebe und Magie hat mich auf den ersten Blick sofort gehabt: dieses herbstliche, cozy Cover, der gemütliche Kleinstadt-Vibe, ein Familienfluch und dazu der Vergleich mit „Gilmore Girls“. ...

Das Geheimnis von Liebe und Magie hat mich auf den ersten Blick sofort gehabt: dieses herbstliche, cozy Cover, der gemütliche Kleinstadt-Vibe, ein Familienfluch und dazu der Vergleich mit „Gilmore Girls“. Alles Zutaten, die genau mein Ding sind. Entsprechend hoch war meine Erwartung. Leider hat die Geschichte sie für mich nicht erfüllt.

Die Idee ist eigentlich wunderbar: In Sadies Familie steckt Magie. Ihre Kuchen heilen gebrochene Herzen, spenden Mut oder Trost. Doch über Sadie liegt ein Fluch. Wenn ihr Herz ein viertes Mal bricht, verliert sie ihre Gabe. Drei Brüche hat sie schon hinter sich und als ihre Jugendliebe Jake zurückkehrt, wird klar, dass es dieses Mal um alles geht.

Das klingt nach Romantik und Zauber, hat sich beim Lesen aber erstaunlich schwer getan. Die Geschichte ist dicht, stellenweise sprunghaft, und so beladen mit Verlust, Krankheit und alten Wunden, dass die Magie kaum Raum zum Atmen bekommt.

Poppy Meadows als Schauplatz hat mir dagegen gefallen. Dieses herbstliche Kleinstadtflair mit Cafés, Backduft und vertrauten Gesichtern ist gelungen eingefangen. Auch Sadies Großmutter Gigi bringt Witz und Herzenswärme, die der Geschichte guttun. Ohne sie wäre das Buch noch um einiges düsterer.

Mit Sadie selbst bin ich allerdings nicht warm geworden. Sie bleibt distanziert, zögerlich und manchmal so in sich verstrickt, dass ihre Entwicklung kaum spürbar wird. Die Liebesgeschichte zwischen Jake und ihr hat mich nicht sonderlich abgeholt.

Trotzdem hat das Buch Momente, die hängen bleiben – etwa, wenn sich Magie, Erinnerungen und der Duft frisch gebackener Cupcakes miteinander verweben. In diesen Augenblicken blitzt auf, wie feinfühlig Breanne Randall eigentlich schreibt. Leider gehen sie zu oft im Durcheinander aus Dramatik und Melancholie unter.

Insgesamt ist es kein schlechtes Buch, eben nur eines, das für mich die Balance verloren hat. Es wollte Magie und Romantik, aber auch eine gewisse Melodramatik zugleich und hat dabei von seiner Leichtigkeit eingebüßt. Vielleicht trifft es Leser:innen, die genau diese Mischung suchen. Mich hat es eher nicht überzeugen können.

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