Profilbild von ErleseneSeiten

ErleseneSeiten

Lesejury Star
offline

ErleseneSeiten ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit ErleseneSeiten über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2025

Ein Fuchs sucht Begleitung

Der Fuchs geht auf die Reise
0

Der kleine Fuchs hat ein Ziel, das gar nicht so ungewöhnlich ist: Er sucht jemanden, damit er nicht mehr allein ist. Dass er dafür einmal quer durch die Welt marschiert, wirkt herrlich übertrieben, und ...

Der kleine Fuchs hat ein Ziel, das gar nicht so ungewöhnlich ist: Er sucht jemanden, damit er nicht mehr allein ist. Dass er dafür einmal quer durch die Welt marschiert, wirkt herrlich übertrieben, und genau deshalb macht es Spaß, ihm zu folgen. Ob im Dschungel, auf schneebedeckten Bergen oder unter Wasser, er stolpert von einer Szene in die nächste und sammelt eine bunte Schar Reisegefährten ein.

Die Reime begleiten ihn dabei wie eine schwungvolle Erzählerstimme. Sie lassen sich flüssig lesen und haben Witz, manchmal auch eine kleine Überraschung im Versmaß, die mich beim Vorlesen grinsen ließ.

Besonders schön ist, wie sich der Fuchs unterwegs Gesellschaft zusammensammelt. Da entsteht fast eine kleine Karawane aus Tieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ich fand das sehr charmant, weil es zeigt, dass Begegnungen oft wichtiger sind als das eigentliche Ziel. Kinder merken schnell: Gemeinsam reist es sich besser.

Die Illustrationen sind kräftig und voller Details. Ich habe oft länger auf den Seiten verweilt, um Kleinigkeiten zu entdecken. Gerade im Dschungelbild gibt es so viel zu sehen, dass man beinahe vergisst, den Text weiterzulesen. Die Schreibschrift als Schriftart fand ich interessant – sie passt optisch sehr gut, allerdings könnte sie für jüngere Kinder, die schon selbst lesen möchten, eine kleine Hürde sein. Das ist für mich der einzige Punkt, den ich ein wenig unpraktisch fand.

Das Ende ist fast schon ein kleiner Witz: Die gesuchte Füchsin lebt die ganze Zeit nebenan. Erwachsene schmunzeln, Kinder sind erst erstaunt, dann zufrieden. Die Botschaft liegt auf der Hand, ohne dass sie mit erhobenem Zeigefinger serviert wird: Manchmal liegt das Gute direkt vor der Tür, aber ohne Umwege und Abenteuer wüsste man es vielleicht gar nicht zu schätzen.

Insgesamt ist „Der Fuchs geht auf die Reise“ ein Bilderbuch, das Lust auf Unterwegssein macht, gleichzeitig aber deutlich zeigt, wie wertvoll Freundschaften sind. Mir hat die Mischung aus humorvollen Reimen, abenteuerlichen Stationen und der leisen Weisheit am Schluss gut gefallen. Ein Buch, das man gern mehrmals anschaut, weil jede Reiseetappe etwas Neues bereithält.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2025

Ein Baum für alle

Wir alle geMEINSam!
0

Herr Rot ist ein kleines Eichhörnchen mit großen Ansprüchen. Der Baum, den er entdeckt hat, soll bitte nur ihm gehören – Stamm, Äste, Blätter, alles seins. Dass andere Tiere den selben Baum besetzen, passt ...

Herr Rot ist ein kleines Eichhörnchen mit großen Ansprüchen. Der Baum, den er entdeckt hat, soll bitte nur ihm gehören – Stamm, Äste, Blätter, alles seins. Dass andere Tiere den selben Baum besetzen, passt ihm überhaupt nicht. Erst schimpft er, dann schmollt er und schließlich zieht er los, um einen anderen, besseren Baum ganz für sich allein zu finden. Doch ausgerechnet die Begegnung mit Frau Leopard bringt ihn ins Grübeln und ziemlich in Not. Plötzlich merkt Herr Rot, dass es sich doch viel angenehmer und sicherer lebt, wenn man nicht allein ist, sondern Teil einer Gemeinschaft, die im entscheidenden Moment an seiner Seite steht.

Die Geschichte erzählt eine klassische Lektion über Teilen und Zusammenhalt, allerdings so charmant, dass sie nicht belehrend wirkt. Herr Rot ist eigensinnig, trotzig und dadurch nah an der kindlichen Lebenswelt. Viele Kinder kennen das Alles-meine-Gefühl nur zu gut. Genau deshalb ist die Erzählung ein guter Gesprächsanlass: Warum teilen? Warum Rücksicht nehmen? Und wie fühlt es sich an, wenn man merkt, dass man alleine nicht weiterkommt?

Der Text ist gradlinig erzählt, ohne Schnörkel, dafür mit feinem Humor. Man spürt die leise Ironie, wenn Herr Rot immer finsterer dreinschaut, während sich immer mehr Tiere auf seinem Baum niederlassen. Schön ist auch die Figur des alten Baums, der mit ruhiger Stimme daran erinnert, dass in seinen Ästen Platz für viele ist. Das bringt eine wohltuende Gelassenheit in die Geschichte.

Die Illustrationen sind der große Schatz dieses Buches. Jessica Meserve arbeitet mit weichen, aquarellartigen Farben, die Wärme und Leichtigkeit ausstrahlen. Die Mimik von Herr Rot ist köstlich, von beleidigt bis erleichtert ist alles dabei, und Kinder erkennen sofort, in welcher Stimmung er steckt. Auch die Details rund um die anderen Tiere laden zum längeren Betrachten ein. Die Bilder erzählen fast noch mehr als der Text und verleihen dem Buch eine stimmungsvolle Tiefe.

Obwohl die Botschaft recht deutlich ist, bleibt die Erzählung verspielt und leicht. Das ist wichtig, denn so liest sich das Thema Teilen nicht als Moralpredigt, sondern als positives Erlebnis. Dass die Erkenntnis ausgerechnet in einer brenzligen Situation kommt, macht die Wendung glaubwürdig und bringt Spannung hinein.

Wir alle geMEINSam! zeigt, wie schön es ist, Dinge miteinander zu teilen und füreinander da zu sein. Die Geschichte macht deutlich, dass man mit anderen zusammen nicht nur stärker ist, sondern auch viel mehr Freude erlebt.

Ein liebes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2025

Ein tierisch gutes Bilderbuchabenteuer

Der OktoBus auf großer Fahrt
0

Der OktoBus von Otto wirkt schon auf den ersten Seiten wie ein Gefährt, das man sofort in sein Bücherregal aufnehmen möchte. Mit acht Armen am Steuer, die gleichzeitig Tickets knipsen, winken und den Rückspiegel ...

Der OktoBus von Otto wirkt schon auf den ersten Seiten wie ein Gefährt, das man sofort in sein Bücherregal aufnehmen möchte. Mit acht Armen am Steuer, die gleichzeitig Tickets knipsen, winken und den Rückspiegel zurechtrücken, ist Otto der wohl entspannteste Busfahrer der Tierwelt. Auf seiner Tour zum geheimnisvollen Großen Etwas sammelt er eine bunt gemischte Reisegesellschaft ein. Giraffe Gerlinde hat Mühe mit der Deckenhöhe, Flamingo Ingo nutzt als Zugvogel meist natürlich die Bahn, aber die ist zu unzuverlässig, und Fanni Faultier lässt sich super viel Zeit. Zusammen sind sie eine herrlich lustige Gruppe.

Die Geschichte entfaltet ihren Reiz nicht durch spektakuläre Wendungen, sondern durch die Freude am Unterwegssein. Der Text ist in Reimen geschrieben, was hier erstaunlich gut funktioniert. Die Verse haben einen leichten Rhythmus, der das Vorlesen angenehm macht und Kinder sofort mitnimmt. Sie klingen weder erzwungen noch überladen, sondern fließen locker dahin wie die Fahrt selbst.

Besonders stark sind die Illustrationen von Nina Dulleck. Ihre Bilder sind farbenfroh und detailreich, ohne jemals überladen zu wirken. Jede Figur ist mit einem Augenzwinkern gezeichnet und beim wiederholten Anschauen entdeckt man immer neue kleine Szenen. Das sorgt dafür, dass das Buch nicht nach einmaligem Lesen zur Seite gelegt wird, sondern immer wieder auf den Schoß wandert.

Das Ende mit dem Großen Etwas ist ein kluger Gedanke, für Erwachsene sofort nachvollziehbar, für Kinder allerdings etwas abstrakt. Die Botschaft, dass das gemeinsame Erleben wichtiger ist als das Ziel, kommt dennoch an, auch wenn die kleinen Leser:innen eher an der fröhlichen Party hängen bleiben als an der philosophischen Ebene.

Alles zusammen ergibt ein Bilderbuch, das Humor, Wärme und ein Stück Lebensweisheit miteinander verbindet. Es erzählt von Freundschaft, vom Spaß am Miteinander und davon, dass der Weg selbst oft das schönste Abenteuer ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2025

Lesen auf eigene Gefahr – hier spukt’s zwischen den Seiten!

Das kleine Böse Buch 8: Interaktiver Lesespaß ab 8 Jahren vom Spiegel-Bestseller-Autor (Das kleine Böse Buch, Bd. 8)
0

Dieses Buch will nicht einfach gelesen werden – es will dich mit Haut und Haaren in seine Geschichte ziehen. In Spoooky! bekommt das kleine Böse Buch Post von Edgar, einem Jungen, der ein mysteriöses „Buch ...

Dieses Buch will nicht einfach gelesen werden – es will dich mit Haut und Haaren in seine Geschichte ziehen. In Spoooky! bekommt das kleine Böse Buch Post von Edgar, einem Jungen, der ein mysteriöses „Buch der Geister“ gefunden hat. Darin steht, wie man eine Geisterfalle baut. Allein schafft er das nicht, also lädt unser charmant-fieser Erzähler ihn kurzerhand zwischen seine eigenen Seiten ein.

Von hier an springen die Leser:innen mit den beiden kreuz und quer durchs Buch, lassen sich von optischen Täuschungen nicht beirren, entdecken versteckte Hinweise und knobeln sich durch Rätsel, die mal wie ein netter Zeitvertreib wirken und mal so knifflig sind, dass man schon ein bisschen länger grübeln muss. Besonders schön finde ich, dass man die Geschichte auch super als nächtliches Highlight zum Kindergeburtstag verwenden oder zur Lesenacht in die Schule mitbringen kann.

Magnus Myst trifft wieder genau die Mischung, die diese Reihe so besonders macht: mit Spannung, einer (großen) Prise Grusel, jeder Menge Mitmach-Elementen und Humor, der herrlich fies und ironisch ist. Kinder ab acht Jahren finden hier genug Nervenkitzel, um gefesselt zu bleiben, ohne dass es zu unheimlich wird. Und wer clever um die Ecke denken kann, wird an den Rätseln doppelt Spaß haben.

Die Illustrationen von Thomas Hussung setzen dem Ganzen die Krone auf. Sie sind detailverliebt, stimmungsvoll und immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Manchmal verrät ein Bild mehr als der Text, sofern man genau hinsieht.

Ein kleiner Hinweis für eingefleischte Fans: Die Grundstruktur bleibt der Reihe treu, man erkennt also gewisse Mechanismen wieder. Für Neulinge der Reihe bedeutet das frischen Nervenkitzel, für Stammleser ein wohliges „Ach, da bist du ja wieder!“.

Dieses Buch würde ich jetzt aber nicht als entspannende Lektüre kurz vor dem Einschlafen nutzen. Es fordert dich heraus, veräppelt dich und macht dabei jede Menge Spaß. Wer sich darauf einlässt, wird am Ende nicht mehr so genau wissen, ob er das Buch gelesen hat – oder das Buch ihn. Einfach zu spannend, um es aus der Hand zu legen.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und den Ueberreuter Verlag für das spoooky Rezensionsexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein Bilderbuch, das Streit in der Kita klug anpackt

Ruppi Rüpelfisch
0

Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift ...

Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift und pikst und irgendwann reicht es den anderen Meereskindern. Sie zeigen ihm die kalte Flosse. Pädagogisch gesehen ist das ein wertvoller Ansatz, weil er ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und Kindern ermöglicht, die Folgen eines solchen Verhaltens nachzuvollziehen.

Besonders spannend finde ich, dass der Autor nicht die übliche „Jetzt bist du selbst das Opfer und lernst daraus“-Schiene fährt. Stattdessen bringt eine bedrohliche Situation – in diesem Fall ein hungriger Hai – Ruppi dazu, über sich hinauszuwachsen. Er handelt mutig, hilft anderen und merkt: Freundlich sein fühlt sich besser an als provozieren. Diese Wendung macht die Geschichte lebendig und vermeidet Klischees.

Für die Arbeit in der Kita ist das Buch gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen ist der Text durchgängig gereimt und hat einen flüssigen Rhythmus. Das macht das Vorlesen angenehm und die Kinder merken sich den Inhalt leichter. Sprachförderung gibt’s da gleich mit dazu. Zum anderen ist die Unterwasserwelt farbenfroh und detailreich gestaltet. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Gesprächsanlass. Kinder entdecken ständig Neues, was sich wunderbar für Bildgespräche eignet. Über einen QR-Code bekommt man acht Lieder zum Mitsingen. Das ist als Einstieg in den Morgenkreis, als Bewegungslied oder einfach, um eine kleine Streitgeschichte musikalisch aufzulockern super.

Wer erwartet, dass das Buch komplexe Streitlösungsstrategien vermittelt, wird merken, dass es auf einer einfachen Ebene bleibt. Aber für Kinder ab etwa vier Jahren ist das genau richtig. Die Geschichte zeigt Gefühle, Konsequenzen und die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu ändern, ohne sie mit zu viel Theorie zu überfrachten.

Der Autor arbeitet selbst im Kindergarten und ist Rockmusiker. Diese Mischung merkt man. Die Texte sind kindgerecht und die Musik ist kein beiläufiges Extra, sondern durchdacht ins Konzept eingebunden.

Insgesamt ist Ruppi ein Bilderbuch, das nicht nur erzählt, dass Freundlichkeit wichtig ist, sondern es durch Rhythmus, Bilder und Musik erlebbar macht. In der Kita kann es helfen, über Streit zu sprechen, ohne die Kinder moralisch zu ermüden. Und zu Hause funktioniert es genauso.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere