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Veröffentlicht am 25.03.2020

Nichts für schwache Nerven

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
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Inhalt:

Aus Anlass des 16. Geburtstags ihrer Freundin Dor beschließen Alice und ihre Freundin gemeinsam in der Alten Stadt zu feiern. Dort prägen Arbeitslosigkeit, städtische Verwahrlosung und Gewalt ...


Inhalt:

Aus Anlass des 16. Geburtstags ihrer Freundin Dor beschließen Alice und ihre Freundin gemeinsam in der Alten Stadt zu feiern. Dort prägen Arbeitslosigkeit, städtische Verwahrlosung und Gewalt den Alltag. Urbane Ausschreitungen sind an der Tagesordnung.

An diesem Tag geschah etwas Schreckliches, soviel ist Alice klar, als sie zwar ohne Erinnerungen, dafür aber mit einem Schnitt quer über ihrem Gesicht, in einem Kleid, das nicht das ihre ist, blutüberströmt zu sich kommt. Dor scheint die Alte Stadt im Gegensatz zu Alice nie verlassen zu haben.

Ein einziger Gedankenfetzen ist Alice geblieben. Nämlich der, einem Mann mit langen Ohren begegnet zu sein. Alice kann nicht anders, als immer wieder die Worte, „das Kaninchen, das Kaninchen“, zu wiederholen. Es dauert nicht lange, bis sie sich in der Alten Stadt wiederfindet. Grund hierfür ist ihre unfreiwillige Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung.

Zehn Jahre vergehen, die Alice dort verbringt. Solange dauert es, bis ihr endlich die Flucht gelingt. Hilfe bekommt sie von ihrem Zellennachbarn, dem Axtmörder Hatcher. Gemeinsam wollen sie das Kaninchen ausfindig machen.



Meinung:

Christina Henry steigt düster und brutal in ihre Märchenadaption ein. Alice, die sich an den schrecklichsten Tag ihres Lebens nicht mehr erinnern kann, fristet seit zehn Jahren ihr Dasein in einem Irrenhaus in der Alten Stadt. Die Pfleger gehen hier nicht zimperlich mit den Insassen um. Alice, die mehr und mehr verroht, lebt nunmehr in einer Welt, in der Gewalt zu einem probaten Mittel wird.

Nicht einmal ein Fenster befindet sich in der kahlen Zelle. Als das Mädchen eines Tages eine Stimme hört, fragt sie sich, ob sie endgültig dem Irrsinn verfallen ist. Doch bald stellt sich heraus, dass der Zellennachbar durch ein Mauseloch in der Wand Kontakt sucht.

Nach und nach entwächst aus diesen ersten Gesprächen eine fragile Freundschaft. Alice ist es egal, dass ihr Nachbar ein gefürchteter Axtmörder ist. Sie weiß, dass Hatcher ab und an durchdreht. Auch kennt sie seine Ängste vor dem Jabberwock, der ihm, so berichtet er, des öfteren auflauert.

Als eines Abends ein Feuer ausbricht, gelingt Alice und Hatcher die Flucht. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Kaninchen. Dicht gefolgt vom Jabberwock.

Während des Lesens habe ich mich viele Seiten lang gefragt, wer denn diese Verkörperungen des Bösen wie das Kaninchen, der Jabberwock, das Walross oder der Zimmermann überhaupt sind.
Viele kleine erzählerische Mosaiksteine ergeben hier langsam ein Bild. Dabei scheut sich Christina Henry nicht, Abgründe auszuleuchten. Der Leser begegnet Ungeheuer, die in einem Pfefferminzstangenhäuschen leben oder Rosenhecken, deren Ranken in die Körperöffnungen eines Menschen hineinwachsen und ihn von innen zu ersticken und zu zerreißen drohen.

Dass es sich bei "Die Chroniken von Alice" um eine Märchenadaption handelt, verrät nicht nur der Titel. Auch bei Figuren wie Grinser oder Raupe stellten sich unmittelbar Assoziationen ein.
Jedoch sollte man auch hier gewarnt sein. In der Geschichte von Christina Henry ist wirklich nichts lieb und nett. Alles ist finster, bitterböse und grausam. So betreibt Raupe zum Beispiel ein Bordell, in dem seine Mädchen sich so ziemlich alles von den Freiern gefallen lassen müssen. Einem seiner Lieblingsobjekte wurde, alleine zum reinen Vergnügen des Freiers, mehrfach die Beine gebrochen und Flügel am Rücken angenäht.
Neben den Figuren gibt es aber auch andere Elemente, die an das bekannte Märchen erinnern. So gibt es beispielsweise Fläschchen mit einer Flüssigkeit, die einen wachsen lässt. Kuchen, von dem man nur einen Bissen nehmen muss, damit der eigene Körper von einer Sekunde auf die andere schrumpft.

Sehr gefallen hat mir, neben den vielen fantastischen Elementen, dem düsteren und gruseligem Setting und den interessanten Figuren aber auch die Beziehung der beiden Protagonisten.
Alice und Hatcher sind ein Paar, wie man es wohl selten trifft. Von ihrer Art her sind sie unterschiedlich und dennoch ergänzen sie sich perfekt. Hatcher ist bereit alles zu geben, um Alice Schutz zu geben. Und Alice würde alles tun, um Hatcher zu helfen, wenn er mal wieder in seine düstere innere Welt abtaucht.



Fazit:

"Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland" ist ein Buch, das nichts für schwache Nerven ist, das von Spannung, Nervenkitzel und Abgründen geprägt ist. Präzise zeichnet Christina Henry die „Alte Stadt“ als eine Hölle auf Erden: Ein urbaner Mix aus Verbrechern und Verrückten.

Bis zum finalen „Showdown“ ist es letztlich unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen oder nicht auf dessen Ende zu schielen. Starke Nerven sind vonnöten für das Durchstehen der Seiten und Kapitel. Aber: Es lohnt sich.



Buchzitate:

„Ich hatte nie die Chance zu werden, wer ich wirklich bin. Ich hab mich schon vorher verlaufen.“
(Alice zu Hatcher)

„Die meisten Männer geben ihrem Mädchen einen Ring, weißt du, statt ihr damit zu drohen, sie zu töten.“ Hatcher legte seine Hände um ihr Gesicht, sodass er ihr in die Augen sehen konnte. „Ein Ring würde dich nicht vor den Männern retten, die dich benutzen und zerstören wollen ...“

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Veröffentlicht am 19.03.2020

Eine etwas andere Dystopie

Vront - Was ist die Wahrheit?
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Inhalt:

Stan wächst wohlbehütet auf. Seit etwa zwanzig Jahren trägt er, wie alle anderen in seiner Umgebung, einen Chip der Firma LongLife, der seine Körperfunktionen überwacht. Der Mikroprozessor analysiert ...

Inhalt:

Stan wächst wohlbehütet auf. Seit etwa zwanzig Jahren trägt er, wie alle anderen in seiner Umgebung, einen Chip der Firma LongLife, der seine Körperfunktionen überwacht. Der Mikroprozessor analysiert laufend die Blutströme, reguliert den Herzschlag, und ist in der Lage die geringsten Anzeichen für eine Infektion zu erkennen. Ja, der Chip kann sogar anhand einer Hormonanalyse erkennen, wenn ein Träger gewalttätig wird oder ob ihm gerade Gewalt angetan wird.

All diese Funktionen schätzt Stan. Er ist nicht unglücklich. Er ist aber auch nicht besonders glücklich. Dann kommt der Tag, an dem sein Bruder inhaftiert wird. Scott wird vorgeworfen die Systeme von LongLife angegriffen zu haben. Es kommt heraus, dass Stans Bruder der Anführer einer subversiv agierenden Organisation namens Vront ist, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Systemfrage zu stellen.

Für Stan bricht eine Welt zusammen. Zugleich ist seine Neugierde geweckt. Was hat es mit Vront auf sich?

Während Stan sich auf eine gefährliche Mission begibt, hat Scott im Gefängnis ganz andere Probleme. Sechs Monate lang muss er sich mit den schlimmsten Verbrechern arrangieren. Jeder weitere Tag in Haft wird zu einem Spießrutenlauf. Denn sein Ruf als Hacker, dem es gelungen ist, die Systeme von LongLife auszutricksen, ist ihm längst vorausgeeilt. Wenn er nicht kooperiert, dann drohen ihm Schläge oder Schlimmeres. Und bald schon ist nicht mehr nur sein eigenes Leben in Gefahr, sondern auch das seiner Familie.



Meinung:

Yves Grevet entwirft in seinem Roman „Vront – Was ist die Wahrheit?“ eine Horrorvision orwellscher Qualität und mixt dieses mit Thriller- und Krimielementen.

Ein Chip der Firma LongLife hilft dabei das Leben eines jeden Menschen zu verbessern. So verspricht es zumindest die Werbung, die immer wieder in Medien eingespielt wird.
Nach einem Scan erhält jeder Träger eines Chips, schon am Morgen eine Auswertung auf einem passenden Gerät, welche Medikamente er präventiv gegen festgestellte Krankheitssymptome einnehmen kann. Verbrechen wird durch das System frühzeitig vorgebeugt. Die Lebenserwartung eines Menschen kann drastisch erhöht werden.

Der Preis des Fortschritts ist hoch: Jeder Chipträger wird rund um die Uhr überwacht. Regelverstöße können schnell unterbunden werden. Kinder lernen früh, dass das Rennen auf dem Gehweg nicht erwünscht ist, indem sie einen kleinen Stromstoß erhalten. Eltern können festlegen, wie weit sich ihr Kind vom Haus entfernen darf. Überschreitet der Chipträger die festgesetzte Grenze, wird er von Übelkeit und einem erhöhten Herzschlag heimgesucht.

Yves Grevet gliedert seinen Roman in drei Abschnitte auf. Der Leser bekommt somit die Geschichte einmal aus der Sicht von Stan erzählt, einem Jungen, der in dem System aufgewachsen ist und es niemals hinterfragt hat. Die Spannung wird in diesem Abschnitt aufgebaut, als Stan erfährt, dass sein Bruder Scott sich über längere Zeit hinweg heimlich einer rebellischen Organisation namens Vront angeschlossen hat. Stan beginnt zu ermitteln und das System zu hinterfragen. Er möchte wissen, was sein Bruder über die Jahre getrieben hat und warum er sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis so distanziert und merkwürdig verhält.

Der nächste Abschnitt widmet sich Scott. Hier erfährt der Leser mehr über Vront und Scotts Zeit in Gefangenschaft. Scott gerät immer weiter auf die schiefe Bahn. Seine Situation spitzt sich immer mehr zu. Auf diesen Seiten des Buches wird die Spannung weiter vorangetrieben. Die Geschehnisse in seinem Leben lassen die Situation nahezu ausweglos erscheinen. Nicht selten hatte ich Mitleid mit Scott. Er ist eher Opfer der Umstände denn williger Teilnehmer.

Der dritte Abschnitt ist mit der Überschrift „Vront“ versehen. Aus Sicht einzelner Mitglieder der Rebellengruppe wird die Geschichte schlüssig zu einem Ende gebracht.



Fazit:

„Vront – Was ist die Wahrheit?“ ist meiner Meinung nach keine klassische dystopische Geschichte.
In vielen Dystopien ist die Technik das Mittel aus dem die fiktionalen Gesellschaften zu dystopischen werden. Das ist gar nicht selbstverständlich, schließlich begleitet Technik den Menschen seit seinen Anfängen. In Vront ist nun der Mensch die Sollbruchstelle, die eine ursprüngliche Technik-Utopie kippen lässt.

Yves Grevet lädt hier zu einer Reise in menschliche Abgründe ein.

Empfehlen kann ich dieses Buch daher an Leser/innen, die eine dystopische Geschichte suchen, die ihren Fokus auf die Vermessung menschlicher Innenwelten legt.

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Veröffentlicht am 17.03.2020

Extem spannend

In the Company of Killers - Buch 1
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Inhalt:

Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr befindet sich Sarai in den Händen des Drogenbarons Javier. Sie wird Zeugin eines Aktes von Sadismus und Gewalt. Vergewaltigungen, Misshandlungen und Mord sind ...


Inhalt:

Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr befindet sich Sarai in den Händen des Drogenbarons Javier. Sie wird Zeugin eines Aktes von Sadismus und Gewalt. Vergewaltigungen, Misshandlungen und Mord sind an der Tagesordnung. Als Javiers Auserwählte ist Sarai jedoch nur passive Zuhörerin und Beobachterin. Sie ist diejenige, die ihn auf Partys begleiten darf und diejenige, die er sich des öfteren zu sich ins Bett holt. Ihr ist bewusst, dass sie Privilegien am Hofe des Drogenkönigs genießen darf.

Dennoch ist Sarais größter Wunsch aus dem goldenen Käfig zu fliehen. Sie möchte die täglichen Ängste hinter sich lassen, sie möchte frei sein.

Als eines Tages ein Amerikaner auftaucht, wittert Sarai ihre Chance. Sie schleicht sich in das Auto des Mannes, der sich selbst Victor nennt, und hofft, dass dieser ihr Ticket in die Freiheit sein wird.

Weil aber bekanntlich selbst der beste Plan den ersten Feindkontakt nicht unbeschadet überlebt, läuft nichts so wie geplant. Und natürlich wird Javier alles tun, um „sein Mädchen“ zurückzubekommen. Als Javier auch noch seine nihilistische, bisweilen psychopathische Schwester schickt, nimmt die Situation schnell bedrohliche Ausmaße an.



Meinung:

Mittlerweile habe ich einige Bücher aus der Festa Dark-Romance-Sparte gelesen. Das vorliegende bietet zwar auch ein paar erotische Highlights, enthält aber vor allem Thriller- und Spannungselemente. Etwas hat dieses Buch allerdings mit anderen Festabüchern gemein. Die Dramaturgie erinnert von der ersten Seite an an einen Kinofilm. Fingernägelkauen inbegriffen!

Schon auf den ersten Seiten des Buches wird klar, dass sich die Protagonistin Sarai in einer ausweglosen Lage befindet. Ihr „Besitzer“ Javier ist ein Monster. Er ist der Sonnenkönig seines Universums. Mithilfe seiner brutalen Schwester, die jede Gelegenheit nutzt, um männliche Gäste in ihr Bett zu bekommen, gelingt es ihm, seine Untergebenen unter Kontrolle zu halten. Im Gegensatz zu seinem neuestem Gast, dem Auftragsmörder Victor, kann Javier aber durchaus auch emotional sein. Victor hingegen scheint emotionslos, ja eiskalt. Er zögert nicht eine Sekunde Menschenleben bereitwillig zu opfern, um seine Ziele zu erreichen.

Sarai sucht sich für ihre Flucht ausgerechnet diesen Victor aus. Der eventuelle Retter ist zugleich der Antiheld, der noch viel gefährlicher sein könnte als Javier und seine verrückte Schwester.
Leser/innen, die also einen fiesen Bad Boy in einer Geschichte suchen, werden mit Victor nicht nur fündig, sie finden in ihm einen Maßstab.

Victor wirkt über die Seiten hinweg nicht nur für Sarai, sondern auch für den Leser unnahbar. Hier behilft sich die Autorin damit, dass sie Passagen der Geschichte aus dem Gesichtskreis Victors erzählt und so ein Schlaglicht auf sein Innenleben wirft.



Fazit:

Der Auftakt von „The Company of Killers“ ist die von Festa gewohnte gelungene Mischung aus Wahnsinn, Spannung und Erotik die uns Leser stets so fesselt, dass man die Bücher nicht aus der Hand legt. Jede Figur wird bis in die Tiefe ausgeleuchtet. Treibender Faktoren der Handlung sind psychopathische Figuren, die man nicht im wahren Leben, sehr wohl aber in einem guten Buch näher kennenlernen möchte.
Die Geschichte endet, und das ist schon der einzige Kritikpunkt, mit einem kinoreifen Cliffhanger.

Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.03.2020

Reichsbürger

Sein Reich
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Inhalt:

Bei einem Schulprojekt sollen Juri und seine Klassenkameraden auf einer Landkarte mit Klebezetteln markieren, welche Länder sie in ihrem nächsten Urlaub bereisen werden. Nach und nach füllt sich ...

Inhalt:

Bei einem Schulprojekt sollen Juri und seine Klassenkameraden auf einer Landkarte mit Klebezetteln markieren, welche Länder sie in ihrem nächsten Urlaub bereisen werden. Nach und nach füllt sich das Board an der Wand mit allerhand gelben Zettelchen. Als Juri an der Reihe ist, ist seine Laune nicht mehr die beste. Er scheint als einziger wieder einmal die Sommerferien zu Hause bei seiner Mutter und ihrem neuen Freund Hauke verbringen zu müssen. Auch der Trost des Lehrers, Juri sei damit der Schüler mit dem niedrigsten CO²-Fußabdruck, kann nicht recht verfangen. Auf dem Heimweg fasst Juri daher einen Entschluss: Zu Hause verkündet er seiner Mutter, dass er die Sommerferien bei seinem leiblichen Vater im Schwarzwald verbringen wird.

Gesagt getan. Das Zugticket ist schnell gebucht. Juri erreicht die ländliche Gegend, in der sein Vater wohnt, mit gemischten Gefühlen. Bei seinem letzten Besuch stand er vor verschlossener Tür. Dieses Mal gelingt es ihm aber seinen Vater zu überraschen. Zwar spricht dieser nicht wirklich viel, aber er weist ihm zumindest einen Platz zum Schlafen zu.

Anschluss findet Juri auch ziemlich schnell. Schon kurz nach der Ankunft lernt er Jessy kennen, die, schließlich ist das Dorf klein, Juri gleich zu einem gemeinsamen Treffen mit ihren Freunden einlädt. Auch Achim, ein Freund von Juris Vater, hat Kinder, mit denen Juri Zeit verbringen kann.

Der Urlaub scheint gar nicht so schlecht zu werden. Juris wortkarger Vater bindet den Sohn in sein Leben ein. Er zeigt ihm sein geheimes Projekt im Wald. Juri darf Achim und ihm bei Arbeiten helfen. Zu sehr schmerzt die vakante Vaterrolle, als dass Juri die freundliche Indoktrination sofort bemerken würde. Kann der trotz der politisch-ideologischen Vereinnahmung für sich einen freien Handlungsspielraum beanspruchten?



Meinung:

Schon auf den ersten Seiten des Buches wird deutlich, dass es Juri in seinem Leben nicht immer einfach hat. Die Mutter sucht sich immer wieder schwierige neue Partner, mit denen der Sohn klarkommen muss.
Eine Familiengeschichte, die geprägt ist von Gewalt, Alkohol, Resignation und ein klein bisschen Liebe. Dass die Mutter zu allem Überfluss auch noch ständig an Juri herumnörgelt, macht die Entscheidung, dem Vater in den Sommerferien einen Besuch abzustatten, einfach.

Doch auch Juris leiblicher Vater ist ziemlich seltsam. Er gibt sich konspirativ und linkisch,
arbeitet an einem Geheimprojekt. Auch versucht er seinen Nachwuchs für seine Sache zu vereinnahmen. Der Vater ist Reichsbürger und schwer interessiert an all den politischen Abgründen unserer Welt. Juri schlittert langsam in die trübe Szene von Preppern, Reichs- und Wutbürgern, abgestoßen und fasziniert zugleich.

Genauso wie seine Freunde glaubt Juris Vater nicht an die Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Die sei eine Firma, deren Bürger das Personal. Deswegen hieße der Ausweis, den jeder mit sich herumträgt schließlich auch Personalausweis. Hier in der Provinz glaubt man an die Geheimhaltung außerirdischen Lebens und die Existenz der ominösen „Chemtrails“. Diese Theorie handelt davon, dass die Kondensstreifen der Flugzeuge in Wahrheit Chemiewolken sind, mit denen eine Handvoll Auserwählte um die Weltherrschaft kämpfen. Auch der Glaube an die Mutter aller Verschwörungstheorien, an eine inszenierte Mondlandung, wird von Juris Vater gepflegt. Solche und andere Verschwörungstheorien schießen ins Kraut, Misstrauen herrscht allerorten, Lüge und Wirklichkeit scheinen ununterscheidbar.



Fazit:

Marin Schäuble zeigt in seinem Buch, „Sein Reich“, wie aus einer radikalen Haltung eine „fanatische“ wird.

Schäubles Buch hat Mehrwert – weil es zeigt, warum manche Menschen mit erlebter Unsicherheit besser zurechtkommen als andere. Es zeigt am Beispiel seiner Protagonisten, welche Ressourcen vor Radikalisierung schützen – den Einzelnen, aber auch die Zivilgesellschaft selbst. Wichtig in einer Gesellschaft, die Gefahr läuft, immer weiter in radikale Sub-Milieus zu zersplittern.



Buchzitate:

„Keine Behörde kann uns etwas vorschreiben, die haben alle keine Berechtigung. Die BRD ist eine Firma. Mehr nicht.“

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Veröffentlicht am 06.03.2020

Eine atemberaubend fantastische Welt

Anouks Spiel
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Inhalt:

Voller Vorfreude genießt Anouk den Geruch der Zimtschnecken, der durch das Haus zieht. Der Vater hatte ihr ein Tablett mit einem Schokoladenkuchen, auf dem dreizehn Kerzen brannten, und einem ...

Inhalt:

Voller Vorfreude genießt Anouk den Geruch der Zimtschnecken, der durch das Haus zieht. Der Vater hatte ihr ein Tablett mit einem Schokoladenkuchen, auf dem dreizehn Kerzen brannten, und einem Geschenk vor die Tür gestellt. Die restlichen Geschenke würde es nach dem Aufstehen geben. Genauso wie die Zimtschnecken.

In dem Päckchen befindet sich ein wunderschönes Notizbuch. Anouk denkt daran, dass sich seit der Geburt ihrer Schwester einiges geändert hat. Die Eltern haben nicht mehr so viel Zeit für sie. Und auch das Interesse der Verwandtschaft fokussiert auf das Neugeborene.

Einerseits mag Anouk ihre kleine Schwester. Doch andererseits wünscht sie sich ihre Eltern wieder für sich alleine. Anouk fasst einen Entschluss. Sie nimmt sich einen Stift und schreibt ihren Wunsch auf eine leere Seite in ihrem neuen Buch. Es handelt sich um einen Herzenswunsch. Und Herzenswünsche werden manchmal wahr ...

Als Anouk ihren Herzenswunsch ausspricht, weiß sie noch nicht um die dramatischen und ganz realen Konsequenzen. Plötzlich fehlt das Schreien ihrer Schwester, dass sonst stets die Aufmerksamkeit der Erwachsenen absorbiert.

Es dauert einen Moment, bis Anouk begreift, was geschehen ist. Doch auch, als sie versucht ihre Worte aus dem Buch zu radieren, passiert nichts. Sie bereut zutiefst, was sie getan hat.
Es gibt eine Lösung, diesen Wunsch rückgängig zu machen, erfährt Anouk kurze Zeit später. Ein weiteres Geschenk ist bei ihr per Post eingetroffen. Mit dem Auspacken des Papieres zeigt sich ein Spielekarton mit der Aufschrift „Anouks Spiel“ und ein Affe taucht wie aus dem Nichts in ihrem Zimmer auf.

Pan, der präzise darauf achtet nicht als Affe, sondern als Schimpanse bezeichnet zu werden, verrät, dass Anouk dieses Spiel spielen und gewinnen muss. Erst dann hat sie die Möglichkeit ihre Schwester zurückzubekommen.



Meinung:

Anouks Spiel ist das erste Buch von Akram El-Bahay, das ich gelesen habe. Ich wusste bereits, dass die Geschichten des Autors sehr fantasiereich sind. Dennoch war ich überrascht, mit was für einem Feuerwerk an fantastischen Ideen ich hier konfrontiert wurde.

Zum Geburtstag erhält Anouk ein besonderes Geschenk. Es handelt sich um ein Spiel, dessen kartonierte Verpackung ihren Namen trägt. Dieses Geschenk soll helfen ihren kurz zuvor ausgesprochenen Herzenswunsch rückgängig zu machen. Bereits als ein Schimpanse im Zimmer auftaucht, ahnt man als Leser, dass das Spiel etwas Magisches an sich hat.
Anouk sieht sich einem Spielfeld gegenüber, auf dem verschiedene Ebenen eingezeichnet sind. In der Mitte befindet sich die Arena, das Finale. Nachdem sie sich also durch den Wald, durch die Berge und einige andere Szenarien gekämpft hat, bei denen es darum geht, Gegenstände zu gewinnen, wird sie sich dem dunklen Prinzen stellen müssen. Erst nachdem sie den Prinzen in einem Kampf geschlagen hat, wird sie die Möglichkeit haben, ihre Schwester zurückzubekommen.

Es beginnt eine spannende Reise, die Anouk nicht alleine bewältigen muss. An ihrer Seite steht ihr Gehilfe, der Schimpanse Pal. Auch wenn mir Pal oft ein wenig auf die Nerven ging, so entlockte er mir auch den ein oder anderen Schmunzler. Pal ist liebenswürdig, ein bisschen naiv und irgendwie doch lebensklug.

Die Protagonistin Anouk hat, auch wenn sie einen verhängnisvollen Wunsch geäußert hat, ein gutes Herz. Schnell findet Anouk in der kunterbunten Welt aus sprechenden Pflanzen, Dschinns, Eichhörnchen, die man als Reittiere nutzen kann, angsteinflößenden Eulen und mutigen Piraten, neue Freunde, die bereit sind, ihr zur Seite zu stehen. Immer wieder gelangt das Mädchen in die Situation eine Entscheidung treffen zu müssen

Der dunkle Prinz, Anouks Antagonist, macht es Pal und ihr nicht einfach. Er fühlt sich nicht an Regeln gebunden. Immer Schurke, manchmal Ungeheuer.

Doch ganz so vorhersehbar, wie diese Zusammenfassung klingt, ist die Geschichte nicht. Akram El-Bahay arbeitet in das konventionelle Muster immer wieder originelle Wendungen ein, die das Buch wirklich lesenswert machen.



Fazit:

Akram El-Bahay schreibt mit „Anouks Spiel“ eine Geschichte für Leser/innen ab 11 Jahren.
Die Seiten kommen so phantasievoll und lustig, mit so viel Liebe und Comedy daher, dass man Anouks Odyssee nicht aus der Hand legen will.

Das Werk erstickt auch nicht in einer moralisierend-lehrmeisterlichen Fingerzeig-Pädagogik für Kinder, sondern plädiert dafür, dass es möglich ist, Moral rational zu begründen.

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