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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2022

Frauenpower

Neun seltsame Frauen
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“Neun seltsame Frauen” sind die Protagonistinnen dieser neun Erzählungen, in Anlehnung an die neun Musen in der griechischen Mythologie. Dabei gibt es scheinbar keinen roten Faden; jede hat ihre eigenen ...

“Neun seltsame Frauen” sind die Protagonistinnen dieser neun Erzählungen, in Anlehnung an die neun Musen in der griechischen Mythologie. Dabei gibt es scheinbar keinen roten Faden; jede hat ihre eigenen zwischenmenschlichen Herausforderungen zu überwinden.
Auch ohne mich mit den mythologischen Vorbildern auszukennen, reizte mich dieses 2021 für den Österreichischen Buchpreis nominierte Werk, und diese Unkenntnis hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.
Die Geschichten sind allesamt ungewöhnlich, ein Verlauf lässt sich nicht vorhersehen, ab und zu wird eine Prise magischer Realismus beigemischt. Jede der Frauen erhält eine authentische Stimme: „Das Warten auf Bahnsteigen fand ich unerträglich, egal in welcher Gesellschaft. Es fühlte sich an wie eine Mauer, gegen die man stieß: Man wollte sich bewegen, aufbrechen, reisen und kam einfach nicht weiter, weil man warten musste.“ Mir haben an diesem Erzählband sowohl die Sprache als auch das Ausgefallene der Handlungen außerordentlich gut gefallen.

Veröffentlicht am 02.04.2022

Schöne Künste

Gesammelte Werke
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„Gesammelte Werke“ handelt vom Verleger Martin und dem Künstler Gustav nebst den Personen in ihrem Dunstkreis. Die wichtigste Frage dabei ist: Wie sind sie zu den Menschen geworden, die sie jetzt sind?
Die ...

„Gesammelte Werke“ handelt vom Verleger Martin und dem Künstler Gustav nebst den Personen in ihrem Dunstkreis. Die wichtigste Frage dabei ist: Wie sind sie zu den Menschen geworden, die sie jetzt sind?
Die Autorin nimmt sich viel Zeit (in der Druckversion über 900 Seiten), um die Geschichte der Freunde zu erzählen. Einen großen Teil der Handlung macht ihre Studienzeit mit Auslandsaufenthalt in Paris aus. Ist das noch nicht reizvoll genug, tauchen wir außerdem in die Welt der Bücher und des Verlagslebens ein. Der Kreis schließt sich mit Martins Kindern und der Auflösung, was es mit dem mysteriösen Verschwinden ihrer Mutter auf sich hat.
Es hat mir große Freude bereitet, in diese künstlerische und kreative Atmosphäre einzutauchen. Sprachlich ansprechende Anspielungen auf Bücher taten ihr Übriges, um mich von diesem Roman zu begeistern. “Und wenn sie nicht beide so mittelklassig verklemmt wären, dann wären sie sich wohl auf einem Bärenfell in die Arme gesunken, vor einem Bücherregal, versteht sich, vor seinem oder ihrem, das spielte keine Rolle, denn Foucaults gesammelte Werke hatten sie beide.“

Veröffentlicht am 25.03.2022

Lebenslesetagebuch

Hier geht’s lang!
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Elke Heidenreich stellt in diesem Buch die Bücher vor, die sie im Verlauf ihres Lebens begleitet haben. Zwar setzt sie einen Schwerpunkt auf Bücher von Frauen, bleibt diesem Konzept jedoch nicht konsequent ...

Elke Heidenreich stellt in diesem Buch die Bücher vor, die sie im Verlauf ihres Lebens begleitet haben. Zwar setzt sie einen Schwerpunkt auf Bücher von Frauen, bleibt diesem Konzept jedoch nicht konsequent treu.
Die Autorin teilt Einblicke in ihr Privatleben, in dem immer das Lesen eine große Rolle spielte, Fotos von sich und ihren Büchern. Dabei spiegelt sich natürlich wider, was in den Lebensphasen einer 1943 geborenen Deutschen gerade angesagt war. „Ich bin das kleine Mädchen, das Nesthäkchen und Trotzkopf las und ein Frauenbild vermittelt bekam, das mit der Wirklichkeit so gar nicht übereinstimmte.“
“Hier geht’s lang!” wirkt wie das nach Jahren veröffentlichte Lesetagebuch, das mit der Reife verfasst wurde, die es braucht, um das Kleinod vom Banalen zu unterscheiden. Größtenteils war diese persönliche Literaturanalyse für mich ganz unterhaltsam.

Veröffentlicht am 20.03.2022

Selbstversorgung vom Balkon

Mein Permakultur-Balkon
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Die französische Autorin Valéry Tsimba teilt in „Mein Permakulturbalkon“ ihre persönlichen Erfahrungen des Eigenanbaus auf einem kleinen Pariser Balkon - von der Planung über die Aussaat bis zur Ernte. ...

Die französische Autorin Valéry Tsimba teilt in „Mein Permakulturbalkon“ ihre persönlichen Erfahrungen des Eigenanbaus auf einem kleinen Pariser Balkon - von der Planung über die Aussaat bis zur Ernte. Dabei motivieren besonders die Fotos ihrer Pflanzen und Ernteerträge.
„Saatgut ist meine große Leidenschaft und ich genieße es, wenn ich säe und die Gemüsepflanzen heranwachsen sehe.“ Den Schwerpunkt des Säens merkt man auch den Pflanzenporträts an, denen jedoch für einen Balkongärtner wertvolle Hinweise zu Nutzen, Standort oder guten Nachbarn im Topf gänzlich fehlen.
Des Weiteren hatte ich den Eindruck, dass Informationen bei der Übersetzung auf der Strecke blieben. Was habe ich beispielsweise davon, französische Sortennamen präsentiert zu bekommen, wenn ich selbst auf der Suche nach neuen Pflanzen bin? Aus diesen Gründen halte ich das Buch zwar für eine gute Inspirationsquelle, aber nicht ausreichend für die Anlage eines „Permakulturbalkons“.

Veröffentlicht am 18.03.2022

Von Uruguay in die Türkei

Die Diplomatin
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Friederike, genannt Fred, organisiert als deutsche Botschafterin den Empfang zur Deutschen Einheit, sucht nach einer verlorengegangen Touristin oder setzt sich für die Freiheit von Inhaftierten ein. In ...

Friederike, genannt Fred, organisiert als deutsche Botschafterin den Empfang zur Deutschen Einheit, sucht nach einer verlorengegangen Touristin oder setzt sich für die Freiheit von Inhaftierten ein. In jedem Fall steckt in ihrer Repräsentationsrolle mehr Brisantes, als es den Anschein macht.
“Ich hatte mich für diesen Beruf entschieden, weil ich etwas bewirken wollte. Und jetzt hatte ich eine geschlagene Stunde über Grillfleisch und Bratwürstchen diskutiert.” Die Protagonistin wird nahbar in ihrem Alltag dargestellt, einerseits als ganz normale Frau, die auch mal Aufgaben doof findet oder entgleist, andererseits als Kämpferin gegen Ungerechtigkeiten. Ihre Einsatzorte Uruguay und Türkei bieten dafür reichlich Gelegenheit.
Die starke Hauptfigur und die pointierte Sprache machten “Die Diplomatin” für mich zu einem großartigen Roman, der mir zudem erlaubte, durch seine ungewöhnliche Geschichte in Themen und Länder einzutauchen, mit denen ich mich bisher wenig auseinandergesetzt habe.