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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.08.2021

Unwiederbringlichkeit

Niemehrzeit
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Christian Dittloff erzählt von dem Jahr, in dem in kurzer Folge sein Vater und seine Mutter starben.
Dies tut er nicht nur mit großer Offenheit und ohne Scham, seine Tränen und seinen Schmerz zu zeigen. ...

Christian Dittloff erzählt von dem Jahr, in dem in kurzer Folge sein Vater und seine Mutter starben.
Dies tut er nicht nur mit großer Offenheit und ohne Scham, seine Tränen und seinen Schmerz zu zeigen. Auch stilistisch ist das abwechslungsreich mit Notizen, Listen oder Wortspielereien gespickt. Er schreibt virtuos und mit feinfühliger Beobachtungsgabe, hat die Leben seiner Eltern recherchiert und noch einmal abgelaufen, um sie in diesem Buch festzuhalten, reflektiert seine eigenen Reaktionen und Worte.
“Niemehrzeit” hat mich beeindruckt und berührt; und trotz des bedrückenden Themas enthält es Leichtigkeit und Lichtblicke auf das Überwinden der Trauer. “Wenn die Schwere kurz verschwindet, sind wir unendlich leicht und fliegen zusammen hoch, wie von einem Trampolin in die Luft geschleudert, und dann können wir über die Mauern blicken, die uns sonst umgeben.”

Veröffentlicht am 01.08.2021

Trügerische Idylle

In diesen Sommern
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In kleinen Episoden erzählt die Protagonistin Teresa von ihrer Kindheit und Jugend. Das ist mal Mutter-Vater-Kinder-Idylle, mal Schwere durch den Umgang mit dem Vater.
Sein durch den Alkoholeinfluss verstärkter ...

In kleinen Episoden erzählt die Protagonistin Teresa von ihrer Kindheit und Jugend. Das ist mal Mutter-Vater-Kinder-Idylle, mal Schwere durch den Umgang mit dem Vater.
Sein durch den Alkoholeinfluss verstärkter Jähzorn bringt alle Familienmitglieder in eine Hab-Acht-Stellung. „Er nickt mich nur an, hallo Teresa, sagt er, sein Atem schwer. Ich weiß sofort, es wird kein guter Abend.“ Und so erwartet man als Leser schon, dass ein stiller Moment, wie die Surfschule während des Urlaubs, trügerisch sein könnte und bald der nächste Ausbruch folgt.
„In diesen Sommern“ wird als Roman geführt, hat aber trotz einer gewissen Chronologie in Bezug auf das Alter der Kinder keine zusammenhängende Handlung. Durch die Ich-Erzählerin wirkt es eher, als habe man ein Tagebuch vor sich, wo ein Eintrag mitunter nur eine halbe Seite lang ist. Dieser Eindruck wird durch die einfache Sprache noch verstärkt.
Auch wenn sie in dieser Hinsicht noch etwas mehr hätte herausholen können, ist der Autorin ein stimmiges Werk gelungen, das den Blick auf die Details lenkt, und das hat mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 24.07.2021

Pascal und Picasso

Fälschung à la Provence
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In “Fälschung à la Provence”, seinem dritten Fall, beschäftigt sich Pascal Chevrier mit Morden in der Kunstszene. Die Spur führt von der Picasso-Ausstellung über die Galeristen der Gegend.
Das Schöne an ...

In “Fälschung à la Provence”, seinem dritten Fall, beschäftigt sich Pascal Chevrier mit Morden in der Kunstszene. Die Spur führt von der Picasso-Ausstellung über die Galeristen der Gegend.
Das Schöne an dieser Reihe ist, dass sich auch das Umfeld des Polizisten weiterentwickelt und wir alte Bekannte, wie den grummeligen Bürgermeister, die charmante Polizistin und die Tochter wiedertreffen. Man könnte dieses Mal fast behaupten, dass das Drumherum mehr Raum einnimmt als der eigentliche Fall, so viele Restaurantbesuche wie hier erwähnt werden. “Pascal freute sich auf eine Stunde, in der es nicht mehr um grausame Mordwaffen ging, sondern um Trüffel und um das gute Leben in der Provence.”
Mir gefallen der Schreibstil und atmosphärische Vermittlung der südfranzösischen Lebensart. Allerdings lässt dieser Teil etwas von der Originalität seiner Vorgänger missen und konnte mich mit der Auflösung nicht vollends überzeugen. Ich hoffe, die Fortsetzung renkt mein kleines Störgefühl wieder ein.

Veröffentlicht am 11.07.2021

Das Vermächtnis

Das Erbe der Vogelmenschen
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Die 20-jährige Leo erfährt von ihrer Großmutter von einem Familiengeheimnis, das sie schon bald am eigenen Leib erleben wird. Denn sie gehört zu den Vogelmenschen. „Katja sprach von einem Vermächtnis aus ...

Die 20-jährige Leo erfährt von ihrer Großmutter von einem Familiengeheimnis, das sie schon bald am eigenen Leib erleben wird. Denn sie gehört zu den Vogelmenschen. „Katja sprach von einem Vermächtnis aus der Jungsteinzeit, das in unserer Familie durch die Blutsbande von einer Generation auf die nächste übergehen sollte.“
Die Themen Archäologie und Mythologie hatten mich an diesem Roman gereizt, doch ich wurde herbe enttäuscht. Einerseits überfrachtet mit Themen - von Kriegen über Liebe bis hin zu Kunst - andererseits so schnell erzählt, dass sich kein Aspekt nachvollziehbar entfalten kann, ist es schwer, sich von diesen Buch in den Bann ziehen zu lassen. Die abschließende Botschaft, Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen und „blutüberströmte, zerfetzte Leichen“ zu hinterlassen, gibt dem Ganzen den Rest. Für mich war darin keinerlei Magie zu finden.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Fünf Freundinnen

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Vier (von ursprünglich fünf) Freundinnen erinnern sich an ihre gemeinsame Jugend Anfang der 80er Jahre, während sie mit dem Tod eines Freundes und ihren alltäglichen Problemen beschäftigt sind.
Der Buchanfang ...

Vier (von ursprünglich fünf) Freundinnen erinnern sich an ihre gemeinsame Jugend Anfang der 80er Jahre, während sie mit dem Tod eines Freundes und ihren alltäglichen Problemen beschäftigt sind.
Der Buchanfang mit der Einführung so vieler Figuren samt ihrer Familien ist etwas überwältigend. Hilfreich sind dabei die verschiedenen Blickwinkel pro Kapitel. So unterschiedlich die Frauen auch sind, sie haben die typischen Sorgen der heutigen Gesellschaft, wie Ehescheidung, Figurverlieren nach dem Kinderkriegen, Existenzängste. Ihre Erinnerungen bilden den Gegenpol mit jugendlichem Leichtsinn, Liebeleien und den Ansichten der damaligen Zeit, z.B. gegenüber Homosexuellen.
Die Beschreibungen der Frauen und der Gegend am Niederrhein sind gut getroffen, die verarbeiteten Themen relevant. Für mein Empfinden waren manche Dialoge zu unrealistisch und die im ganzen Roman angestrebte Erklärung für die Gründe eines Selbstmords nicht ausreichend nachvollziehbar. Vermutlich hätte es dem Buch gutgetan, wenn weniger Themen, diese aber ausführlicher behandelt worden wären.