Profilbild von Estrelas

Estrelas

Lesejury Star
offline

Estrelas ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Estrelas über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2020

DDR, 2020

Die Republik
0

Die Republik - das ist die DDR auf dem gesamten Gebiet Deutschlands, wie wir es heute kennen. Ganz Deutschland? Nein, West-Berlin ist autonom. So jedenfalls in der vorliegenden Dystopie, in der Geheimdienstler ...

Die Republik - das ist die DDR auf dem gesamten Gebiet Deutschlands, wie wir es heute kennen. Ganz Deutschland? Nein, West-Berlin ist autonom. So jedenfalls in der vorliegenden Dystopie, in der Geheimdienstler verschiedener Nationen und Privatpersonen versuchen, eine Verschwörung gegen die DDR aufzuklären.
Es ist amüsant zu lesen, wie sich die DDR bis in die heutige Zeit weiterentwickelt haben könnte, während ihre Grundprinzipien erhalten bleiben. “Sprachgesteuerte Assistenzsysteme wie Siri, Alexa und dergleichen gab es ebenso ‘Made in GDR’ für die sozialistischen eigenen vier Wände. Und natürlich nahmen sie ebenso auf, um der Stasi Material zu liefern.”
Trotz ausführlicher Recherche, die sich zum Beispiel in Originalzitaten zwischen den Kapiteln widerspiegelt, offenbart der unter Pseudonym schreibende Autor jedoch, dass er nicht selbst in der DDR gelebt hat, indem er insbesondere Parolen falsch wiedergibt. Zudem wirkt die Handlung oft überfrachtet mit Personen, mit Action, wodurch das erwartete DDR-Szenario vielmehr zu einem Agententhriller wird.
Diese beiden Punkte bremsten meine Begeisterung für den Roman, der mich aufgrund des originellen Gedankenspiels gereizt hatte.

Veröffentlicht am 08.11.2020

Drogenbande

Schnee vom Gardasee
0

„Schnee vom Gardasee“ ist die vierte Kooperation der Kommissare Fontanaro aus Verona und Breitwieser aus Traunstein. „Wie schaffen Sie es nur immer wieder, Fälle an Land zu ziehen, die einen italienisch-bayrischen ...

„Schnee vom Gardasee“ ist die vierte Kooperation der Kommissare Fontanaro aus Verona und Breitwieser aus Traunstein. „Wie schaffen Sie es nur immer wieder, Fälle an Land zu ziehen, die einen italienisch-bayrischen Austausch nötig machen?“, wundert sich darüber selbst der Staatsanwalt, der mit zum festen Ensemble der Reihe gehört.
Nachdem auf beiden Seiten der Grenze Tote auftauchen, steht diesmal eine Familie, die im Drogengeschäft agiert, im Zentrum der Ermittlungen. Düstere Atmosphäre kommt durch das Eintauchen in dieses Milieu jedoch nicht auf; vielmehr wird immer wieder verharmlosend von „Schnee“ statt „Kokain“ gesprochen.
Auch wenn der Fall schlüssig gelöst wird, konnte mich dieser Teil nicht vollends begeistern. Ich hätte erwartet, dass die Ermittler mehr zusammenarbeiten („Sie hatten seit Stunden nicht mehr miteinander gesprochen, ermittelten parallel an einem Fall, ohne sich auszutauschen. Das war nicht gut.“) und sich auch persönlich weiterentwickeln.

Veröffentlicht am 01.11.2020

Trauer und Hoffnung

Sterben im Sommer
0

In “Sterben im Sommer” erzählt Zsuzsa Bánk von der Krankheit, dem Sterben und dem Totsein des Vaters.
Es ist eine ungarisch-deutsche Familiengeschichte, die von den Besonderheiten des Lebens in verschiedenen ...

In “Sterben im Sommer” erzählt Zsuzsa Bánk von der Krankheit, dem Sterben und dem Totsein des Vaters.
Es ist eine ungarisch-deutsche Familiengeschichte, die von den Besonderheiten des Lebens in verschiedenen Ländern und des Wechsels der Sprache geprägt ist, und ein sehr persönliches Buch, denn es spiegelt die Gefühle und Erlebnisse der gesamten Familie Bánk wider.
Die Autorin schafft es mit einer eindringlichen Sprache in den Bann zu ziehen und die Facetten von Verlust und Trauer bildhaft zu vermitteln. Die Sprecherin hat sowohl die besondere Stimmung als auch die ungarischen Zitate authentisch eingefangen. Ein solch intensives Hörbuch habe ich bisher selten erlebt, und es hinterlässt einen tiefen und bewegenden Eindruck.

Veröffentlicht am 29.10.2020

Adas Suche

Ada
0

„Ada“ ist die in Romanform verfasste Fortsetzung der in „Der Apfelbaum“ begonnenen Familiengeschichte des Autors Christian Berkel. Er erzählt aus Sicht der weiblichen Hauptfigur Ada authentisch vom Ankommen ...

„Ada“ ist die in Romanform verfasste Fortsetzung der in „Der Apfelbaum“ begonnenen Familiengeschichte des Autors Christian Berkel. Er erzählt aus Sicht der weiblichen Hauptfigur Ada authentisch vom Ankommen im Nachkriegsdeutschland (nach der Flucht ins Ausland), der Jugend in den 60er Jahren bis zur Feier nach dem Mauerfall.
Wie ein roter Faden zieht sich dabei Adas Suche nach Identität durch das Buch, ihre Fragen nach der Herkunft, das Verstehen der Geschehnisse während des Krieges, das die Schicksale ihrer Eltern prägte. Vergleichsweise, trotz einiger aufregender Situationen, ist Adas Leben leicht, denn es gibt keine Bomben, keine Lager, keine Verfolgung. Dadurch wirkt der zweite Teil vielleicht etwas weniger intensiv als der erste, und dennoch verzaubert er mit einer wunderbaren Sprache und den Ecken und Kanten seiner Figuren. Ich empfehle, die Bücher nacheinander zu lesen, um ihre Entwicklung mitzuerleben, und sie zu lesen empfehle ich sowieso.

Veröffentlicht am 25.10.2020

Alles, was dran ist

Das Alles-verwenden-Kochbuch
0

„Das Alles-Verwenden-Kochbuch“ verspricht „pflanzenbasierte Zero-Waste-Küche“ und macht bei den Rezepten tatsächlich überraschende Vorschläge, welche Pflanzenteile doch noch verwendbar wären (ich sage ...

„Das Alles-Verwenden-Kochbuch“ verspricht „pflanzenbasierte Zero-Waste-Küche“ und macht bei den Rezepten tatsächlich überraschende Vorschläge, welche Pflanzenteile doch noch verwendbar wären (ich sage nur: Bananenschale).
Nach jedem der 18 Pflanzenporträts - von Aubergine bis Süßkartoffel - (ein wirklich lehrreicher Bestandteil dieses Kochbuchs) folgen gut bebilderte und teilweise mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen versehene Rezepte. Ergänzt werden diese um Grundrezepte, wie Gemüsebrühe, und einen mit kleinen Zeichnungen ansehnlich gestalteten Saisonkalender.
Bedauerlicherweise habe ich kaum Rezepte gefunden, die mich ansprachen, was auch daran lag, dass meist ungewöhnliche Zutaten, wie Galgant, Hafermilch oder Flohsamenschalen, verwendet werden sollten. Das Konzept und die Umsetzung des Buchs gefallen mir gut, aber ein Veganer wird damit womöglich glücklicher als ich.