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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2020

Geduldsprobe

Der Lavendel-Coup
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Molly Preston ermittelt verdeckt in einem Fall von Wirtschaftskriminalität in einem kleinen Ort in der Provence. Sie findet dabei Spuren auf einen Schatz aus vergangenen Zeiten.
„Ihre Herkunft und ihre ...

Molly Preston ermittelt verdeckt in einem Fall von Wirtschaftskriminalität in einem kleinen Ort in der Provence. Sie findet dabei Spuren auf einen Schatz aus vergangenen Zeiten.
„Ihre Herkunft und ihre vielfältigen Fähigkeiten, zusammen mit ihrem Aussehen und ihrer Intelligenz, ermöglichten es ihr, fast jede Stelle in einem Unternehmen zu besetzen und sich schnell genug hochzuarbeiten, um an Insider-Informationen heranzukommen.“ Die in jeder Hinsicht perfekte Protagonistin wird für die Restaurierung einer kleinen Kapelle eingesetzt, hat somit nicht mal die theoretische Chance auf Erledigung ihres Auftrags und lässt sich dann auch noch durch eine Schatzsuche ablenken. Lokalkolorit wird mit fehlerhaftem Französisch vorgetäuscht; vom Lavendel im Titel fehlt jegliche Spur. Und spätestens, als Molly zum zweiten Mal auf einer Seite duschen muss, verlässt mich die Geduld mit diesem dürftigen Werk.

Veröffentlicht am 28.06.2020

Die Hundefänger

Power
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Das Mädchen Kerze macht sich auf die Suche nach Power, dem Hund der Nachbarin, und schart nach und nach alle Kinder des Orts um sich, um sich hundegleich im Wald ihrem Ziel zu nähern.
„Power“ stellt die ...

Das Mädchen Kerze macht sich auf die Suche nach Power, dem Hund der Nachbarin, und schart nach und nach alle Kinder des Orts um sich, um sich hundegleich im Wald ihrem Ziel zu nähern.
„Power“ stellt die Verhältnisse in einem ostdeutschen Dorf aus Kindersicht dar und verpackt in Aussagen wie „Am Anfang ist er rumgegangen und hat alle möglichen Leute gefragt, ob sie auch Nazis werden wollen. Sogar die Ausländer und die ganz kleinen Kinder hat er gefragt.“ leise Gesellschaftskritik. Die Vernachlässigung der kindlichen Bedürfnisse führt schließlich dazu, dass die Kinder eine Art Parallelgesellschaft gründen.
Der Roman verursacht bei mir einen zwiegespaltenen Eindruck. Während die Handlung einen irritierenden Verlauf nimmt, habe ich doch an einigen Stellen bemerkenswerte Sprache und Dialoge markiert. Ein Experiment für Schriftsteller und Leser, so mutet er an.

Veröffentlicht am 27.06.2020

Denk an dich

100 Tage voller Ausgeglichenheit
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„100 Tage voller Ausgeglichenheit“ bietet mit Fragen zur Selbstreflexion und Vorschlägen zu Aktivitäten inspirierende Ideen dafür, gut zu sich selbst zu sein.
Das Buch ist in 100 kleine Abschnitte eingeteilt ...

„100 Tage voller Ausgeglichenheit“ bietet mit Fragen zur Selbstreflexion und Vorschlägen zu Aktivitäten inspirierende Ideen dafür, gut zu sich selbst zu sein.
Das Buch ist in 100 kleine Abschnitte eingeteilt und als Programm über 100 Tage angedacht. Alternativ wäre es in weniger als einer halben Stunde gelesen. Aber schöner ist es doch, tatsächlich seine Gedanken an den vorgesehenen Stellen einzutragen (wie Pläne schmieden oder gute Dinge resümieren), tatsächlich etwas zu machen (vom Ausmisten über Nichtstun bis Tanzen) und sich so dem eigenen Wohlbefinden zu widmen.
Das nett gestaltete Büchlein erfindet das Rad vielleicht nicht neu, doch ein kleiner Anstoß zur Achtsamkeit kann ja nicht schaden.

Veröffentlicht am 07.06.2020

Vogelvergleiche

Das Schöne, Schäbige, Schwankende
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Eine Autorin zieht sich zum Schreiben in das Haus eines Ornithologen zurück, um Porträts der Kategorien „Das Schöne, das Schäbige, das Schwankende“ zu verfassen. Diese „Romangeschichten“, der hauptsächliche ...

Eine Autorin zieht sich zum Schreiben in das Haus eines Ornithologen zurück, um Porträts der Kategorien „Das Schöne, das Schäbige, das Schwankende“ zu verfassen. Diese „Romangeschichten“, der hauptsächliche Bestandteil des vorliegenden Werks, haben die Vergleiche der Figuren zu Vögeln gemein.
Ich begeistere mich durchaus für anspruchsvolle Lektüre und konnte nach monatelangem Durchkämpfen bis zum Schluss in diesem Fall doch nur feststellen, dass diese nicht viel für mich bereithielt. Der Text mäandert, die Vogelvergleiche wirken weit hergeholt („Ich wunderte mich über mich selbst. Je mehr die einfältige Gelbstirnamazone verblich, desto heftiger redete ich mich in Zorn.“), und im letzten Teil geht es nicht mal mehr darum, sondern ohne erkennbaren Zusammenhang um ganz andere Themen. Einige Ideen und sprachliche Bilder gefielen mir, aber dieses dicke Buch hätte ich mir besser gespart.

Veröffentlicht am 30.05.2020

Die Erforschung Indiens

Das Museum der Welt
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Der etwa 12-jährige indische Waisenjunge Bartholomäus wird von den Brüdern Schlagintweit auf deren Forschungsexpedition durch Indien als Übersetzer mitgenommen. Die Begegnung mit den Deutschen und die ...

Der etwa 12-jährige indische Waisenjunge Bartholomäus wird von den Brüdern Schlagintweit auf deren Forschungsexpedition durch Indien als Übersetzer mitgenommen. Die Begegnung mit den Deutschen und die Reise durch das eigene Land bringen viele Entdeckungen für den Jungen mit sich, die er in seinem „Museum der Welt“ schriftlich festhält.
Während die Forscher im Dunstkreis Alexander von Humboldts Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich Asien bereisten, bereichert der Roman mit der kindlichen Hauptfigur die historischen Ereignisse um das gewisse Etwas. Obwohl Bart seine Unerfahrenheit anzumerken ist und europäische Gepflogenheiten neu für ihn sind (“Wir tranken zusammen den angeblich vortrefflichen Tee Assams“ ... „Solch fauliges Wasser, in dem alte, trockene Blätter gekocht wurden, kann nur einem Firengi munden.”), schafft er es, als Vermittler zwischen den Kulturen zu agieren.
Der Blickwinkel des Inders bedeutet auch, dass ihm geläufiges oder erfundenes Vokabular „seinen“ Text prägt und vom deutschsprachigen Leser erst einmal hingenommen werden muss. Lässt man sich darauf ein, denn ein Übersetzen ist nicht unbedingt erforderlich, ist es genau das, was das Lesen zu einem Abenteuer macht und uns in die Geschichte und Gedankenwelt eintauchen lässt.