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Veröffentlicht am 11.05.2024

Der Angstversteher

Herr G. hat Angst
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„Herr G.“ leidet unter Ängsten und begibt sich auf die Suche nach Lösungen in der Philosophie, der Wissenschaft oder der Spiritualität.
Die Machart erinnert mich an die Hector-Romane von François Lelord, ...

„Herr G.“ leidet unter Ängsten und begibt sich auf die Suche nach Lösungen in der Philosophie, der Wissenschaft oder der Spiritualität.
Die Machart erinnert mich an die Hector-Romane von François Lelord, denn auch hier spricht der Protagonist mit verschiedenen Personen zu einem Thema und zieht daraus Erkenntnisse für sein Leben.
Trotz der romanhaften Erzählweise wird der vorliegende Text vom Verlag als Sachbuch eingestuft, dies wohl begründet mit den zahlreichen Referenzen zu Fachartikeln oder Sachbüchern. Indirekt könnte es dem an sich zweifelnden Leser wohl auch als Ratgeber dienen, sofern er die Informationen selbst anwendet.
„Immer wenn der Ärger sich gelegt hatte, fragte sich Herr G., weshalb er sich das Leben selbst so schwer machte.“ Herr G. ist eine nahbare Figur, können wir doch an seinen Gedanken direkt teilhaben. Mitunter machte er auf mich einen naiven Eindruck, denn die meisten Fakten dürften einem durchschnittlich informierten Menschen nicht neu sein.
Somit ist das Werk dann eben doch nicht als Ratgeber geeignet, da es zwar einen Querschnitt über die verschiedenen Disziplinen abbildet, aber wenig konkret bei der Anwendung wird. Auch wenn die Lektüre mein Wissen nicht grundlegend erweitert hat, empfand ich sie als philosophisch und unterhaltsam.

Veröffentlicht am 03.05.2024

Allein unter Italienern

Die Spaghetti-vongole-Tagebücher
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Stefan Maiwald will es seiner italienischen famiglia beweisen und sie mit lokalen Speisen bekochen. Zur Vorbereitung konsultiert er Experten zwischen Venedig und Triest.
“Die Spaghetti-vongole-Tagebücher” ...

Stefan Maiwald will es seiner italienischen famiglia beweisen und sie mit lokalen Speisen bekochen. Zur Vorbereitung konsultiert er Experten zwischen Venedig und Triest.
“Die Spaghetti-vongole-Tagebücher” sind aufgeteilt in drei Teile: „Die Vorbereitungen“ handeln von der Reise, „Das Fest naht“ von den eigenen Erfahrungen in der Küche, schließlich bildet „Das Fest“ den krönenden Abschluss. In eingeschobenen und farbig hervorgehobenen Kapiteln erfahren wir “Am Wegesrand” Allgemeines zur cucina italiana.
Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam, und für die deutsche Leserschaft wird gut nachvollziehbar, wie sich ein Deutscher in Italien fühlen muss, wenn er sprachlich und beim Kochen mit den Einheimischen mithalten will. Seine Berater, das sind Winzer, Pizzabäcker oder Restaurantbesitzer, scheinen bereits in “Meine Bar in Italien” vorgestellt worden zu sein, das ich jedoch nicht kenne. Somit sind mir womöglich Details in der Vielzahl der Namen untergegangen.
Ich finde es schade, dass der Autor kaum darauf eingeht, wie ihm die Zubereitung der Gerichte gelungen ist, während er zuvor ein aufwändiges Menü in allen Einzelheiten geplant hatte. Die Auseinandersetzung mit der italienischen Kultur ist mitunter etwas speziell, hat mir aber gut gefallen. Die Interaktion mit Freunden und Familie wirkt authentisch und sympathisch. Das Buch scheint mir mit seiner ansprechenden Gestaltung ein passendes Geschenk für alle Liebhaber italienischer Lebensart.

Veröffentlicht am 28.04.2024

Vom Fliehen und Ankommen

Der Wind kennt meinen Namen
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Samuel gelangt mit einem Kindertransport von Wien nach England, damit er vor den Nazis sicher ist. 80 Jahre später wird Anita nach der Einwanderung aus El Salvador in die USA von ihrer Mutter getrennt. ...

Samuel gelangt mit einem Kindertransport von Wien nach England, damit er vor den Nazis sicher ist. 80 Jahre später wird Anita nach der Einwanderung aus El Salvador in die USA von ihrer Mutter getrennt. Beides Geschichten einer Flucht aus der Hoffnung heraus zu überleben.
„Der Wind kennt meinen Namen“ erzählt von den Entbehrungen, der Furcht und dem Neubeginn. Das Buch gibt schonungslose Einblicke in die Gräueltaten der Täter und beleuchtet den unermüdlichen Einsatz der Helfer, die sich mit den Zuständen nicht abfinden wollen. Die kindlichen Protagonisten stehen für die vielen Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil sie dort keine sichere Zukunft haben.
Die Struktur des Romans habe ich als ungewöhnlich empfunden, da er lange Zeit erst einem, dann einem anderen Handlungsstrang folgt, ohne dass mir klar wurde, was beide miteinander zu tun haben könnten. Natürlich findet Isabel Allende einen Weg, sie zu verbinden und zu einem beeindruckenden Ende zu führen.
Auf dem Weg dorthin entwickelt sich ein Sog durch die klare Sprache, in der immer auch ein Funken Magie mitschwingt. „Wir sind nicht verloren. Der Wind kennt meinen Namen und deinen auch. Alle wissen, wo wir sind. Ich bin hier mit dir, ich weiß, wo du bist, und du weißt, wo ich bin.“ Ich bin jedenfalls unter den Allende-Fans zu finden und habe auch diesmal wieder einen ergreifenden Roman von der Autorin zu lesen bekommen.

Veröffentlicht am 21.04.2024

Interessant und inspirierend

Literatour
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Hermann Schmidt, seines Zeichens Vielleser, nimmt uns mit auf eine Litera-tour, eine Reise durch das Leben und die Werke von Autoren, die der Welt, noch lebend oder bereits tot, etwas Bleibendes hinterlassen ...

Hermann Schmidt, seines Zeichens Vielleser, nimmt uns mit auf eine Litera-tour, eine Reise durch das Leben und die Werke von Autoren, die der Welt, noch lebend oder bereits tot, etwas Bleibendes hinterlassen haben.
„Ob Lehrer wirklich wissen, wie viel Einfluss sie auf die Interessen und das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler nehmen können?“ Die persönliche Note zeigt sich bereits in der Einteilung der Kapitel in Leseverführer, Meistererzähler, Zauberer der Poesie, Dichter für eine bessere Welt, Klassiker der Moderne, neue deutsche Klassiker, meine Lieblingserzähler der Gegenwart und literarische Genies, denen ganz subjektiv Autoren von „Wilhelm Busch, der ewige Junggeselle“ bis „Franz Kafka, der Größte“ zugeordnet werden.
Der Verlauf der Tour folgt einem bestimmten Muster: Die Persönlichkeit wird anhand einer kurzen Biografie vorgestellt, Schmidts Lieblingswerke werden in eine Reihenfolge gebracht und sein Favorit mit Textauszügen präsentiert, während weiterführende Texte und besuchenswerte Orte den Abschluss bilden.
Man mag dem Kanon eine gewisse Einseitigkeit vorwerfen (Nur sieben der fünfundfünfzig vorgestellten Schriftsteller sind Frauen, mehr als die Hälfte kommt aus dem deutschsprachigen Raum.), aber es handelt sich eben um den persönlichen Erfahrungsschatz und nicht um eine vorgebende Leseliste. Interessant und inspirierend sind die Porträts allemal. Das Buch ließ mich mehrfach aufhorchen und Werke vormerken, zu denen ich gerne einmal greifen würde.

Veröffentlicht am 20.04.2024

Stochern im Nebel

Der falsche Vogel
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Der Antiquitätenhändler Arthur hinterlässt nach seinem Tod seiner ehemaligen Schülerin und seiner Freundin einen rätselhaften Brief mit Hinweisen, denen sie folgen sollen, um diverse Geheimnisse aufzuklären. ...

Der Antiquitätenhändler Arthur hinterlässt nach seinem Tod seiner ehemaligen Schülerin und seiner Freundin einen rätselhaften Brief mit Hinweisen, denen sie folgen sollen, um diverse Geheimnisse aufzuklären. Gemeinsam begeben sich die beiden, das sind Freya und ihre Tante Carole, auf ein Anwesen, dessen antike Gegenstände begutachtet werden sollen, und damit in Gefahr, weil sie einer Verschwörung auf der Spur sind.
„As someone told me yesterday, we‘ve lost not only a dear friend but our very own Indiana Jones, with his antiques and antiquities from all over the world . . .“ Mit Anspielungen auf Miss Marple oder Indiana Jones werden wir gelockt, „The Antique Hunter‘s Guide to Murder“ zu lesen. Doch wird das Buch solchen bekannten Vorbildern tatsächlich gerecht?
In meinen Augen wurden da zu hohe Erwartungen geschürt. Wir erhalten zwar ein „Cosy Crime“, bei dem zwei unbedarfte Protagonistinnen im englischen Nebel stochern, aber das „Mystery“ wirkt doch sehr konstruiert. Von detektivischen Fähigkeiten oder Spannung war für mich wenig zu spüren; stattdessen ließen mich unglaubwürdige Details häufig die Stirn runzeln.
Auch wenn mir die Hauptfiguren nicht unsympathisch waren, habe ich geringes Interesse daran, die Fortsetzung zu lesen. Während die Lektüre eine leichte und schnelle war, wurde meine Hoffnung, durch eine atmosphärische Stimmung in den Fall hineingezogen zu werden, leider enttäuscht.