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Veröffentlicht am 24.10.2025

Was macht Familie aus?

Die Kinder von Bilbao
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Maria ist als Kind der spanisch-baskischen Eltern Victoria und Julián in Frankreich aufgewachsen, in prekären sozialen Verhältnissen. Beide Eltern haben als Kinder einige Jahre in Waisenhäusern verbracht ...

Maria ist als Kind der spanisch-baskischen Eltern Victoria und Julián in Frankreich aufgewachsen, in prekären sozialen Verhältnissen. Beide Eltern haben als Kinder einige Jahre in Waisenhäusern verbracht und waren ungewollte Kinder ihre Eltern, die sich dann aber ineinander verliebt haben und sich bemühen, Maria gute Eltern zu sein... im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten und mit den Traumatisierungen der Vergangenheit und daraus resultierenden Sucht- und Gewaltproblemen im Schlepptau.

Schon früh interessiert Maria sich für Geschichten und Perspektiven und schafft es, einen Platz an einer renommierten Filmhochschule zu bekommen und Regie zu studieren. Als sie schon Mitte 20 ist, weist sie eine Kartenlegerin bei einer Tarotsitzung darauf hin, dass mit ihrer Geburtsgeschichte etwas nicht stimme. Daraufhin konfrontiert Maria ihre Mutter Victoria mit diesem Thema und die Mutter gibt sofort zu, dass Victoria adoptiert sei und so gesehen "die Tochter von niemandem". Daraufhin begibt sich Maria auf eine ausführliche Suche nach ihrer biologischen Ursprungsfamilie.

Bevor es dazu kommt, sind wir aber schon in der Mitte des Buches. Erst einmal werden ausführlich die Kindheitsheitsschicksale der Eltern Victoria und Julián erzählt. Es geht also nicht nur um die Adoptionsgeschichte, sondern um die ganze Familienstruktur Marias und ihrer Adoptiveltern und generell die sehr prekäre Situation vieler Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen im baskischen Bilbao der 1970er und 1980er Jahre.

Das Buch basiert auf der persönlichen Lebensgeschichte der Autorin. Es liest sich schnell, leicht und interessant, wobei ich persönlich eine leichte Ungeduld verspürt habe, wann es endlich um die tatsächliche angekündigte Adoptionsgeschichte der Autorin gehen würde und nicht um die Vorgeschichten der Eltern, die durchaus aber auch interessant zu lesen sind. Das ist eben ab etwa der Mitte des Buches der Fall. Insgesamt ein interessant zu lesendes autobiografisch inspiriertes Werk, aber keine besondere Literatur, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Bitterböse und inhaltlich hart an der Grenze des guten Geschmacks

Das Pen!smuseum - Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z. Scharf
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Eine Rezension für dieses Buch zu verfassen fällt mir schwer. Wie habe ich die frühen Werke von Mareike Fallwickl, einer der Herausgeberinnen dieses Buches, doch geliebt! Was für ein seltenes Sprachtalent, ...

Eine Rezension für dieses Buch zu verfassen fällt mir schwer. Wie habe ich die frühen Werke von Mareike Fallwickl, einer der Herausgeberinnen dieses Buches, doch geliebt! Was für ein seltenes Sprachtalent, was für eine Erzählkunst! Das schimmert auch in diesem Werk speziell in ihren Kapiteln durch, doch auch die Kapitel der anderen Autorinnen sind überwiegend sprachlich und handwerklich solide bis herausragend geschrieben und geschickt konstruiert. Allein, was das Sprachliche und Handwerkliche angeht, ist es auf jeden Fall ein gutes Buch. Und es ist originell mit seinem Ansatz, viele der Themen, denen Frauen - oft für viele Männer als Thema unsichtbar - tagtäglich ausgesetzt sind, zu beschreiben, neu zu interpretieren, zu spiegeln. Erzählt werden viele kleine Geschichten, geschrieben von den beiden Herausgeberinnen und einigen weiteren Gastautorinnen, die nach und nach ein großes Ganzes ergeben.

Es geht um Themen wie Mental Load, Femizide und überhaupt Gewalt gegen Frauen, sexuelle Belästigung bis zu Vergewaltigung, Unsichtbarkeit und ungerechte Verteilung von Care-Arbeit, den schwierigen Zugang zu Abtreibungen und vieles mehr. All diese Themen werden von selbstermächtigten, "starken" bis oft knallharten Frauen neu interpretiert: da leiht eine Frau polnischen ungewollt Schwangeren ihre Identität und Krankenversicherungskarte, um ihnen in Kooperation mit einer befreundeten Gynäkologin, die medizinische Gründe dafür erfindet, Schwangerschaftsabbrüche auf Kosten der österreichischen Sozialversicherung zu ermöglichen. Die Gynäkologin wiederum, selbst hochschwanger und von ihrem Mann enttäuscht und betrogen, sucht sich auf Dating-Apps einen heißen, deutlich jüngeren Lover, der auf schwangere Frauen steht, und sieht das als selbstermächtigte Sexualität an. Eine der anderen Frauen aus der Runde fotografiert das Geschlechtsteil ihres schlafenden Mannes ohne dessen Wissen viele Male und stellt die Bilder in einem Pen!smuseum aus, zu dem Männer keinen Zutritt haben (hier und in anderen Referenzen geht es auch um eine Umdrehung des Missbrauchs Gisèle Pelicots). Eine Animationstänzerin verletzt einen Mann, der sie aus dieser Lage retten will, obwohl sie nicht gerettet werden will und sich als selbstbestimmte Sexarbeiterin sieht, am Auge, und betont höhnisch, dass er das wohl nicht anzeigen und ihm eh keiner glauben würde. In einem Altenheim wird ein alter Mann, der Krankenpflegerinnen sexuell belästigt hat, von einer Gruppe älterer Frauen dafür ermordet. Eine junge Frau verachtet innerlich Männer, benützt sie für One-Night-Stands und versalzt ihnen heimlich den Kaffee, die Genugtuung genießend, dass sie das meist gar nicht bewusst merken. Und vieles mehr.

Ich verstehe die Idee hinter diesem Buch und dass es aufrütteln soll, indem es die Perspektive einmal umkehrt. Es liest sich auch durchaus leicht und auf eine gewisse Weise humorvoll - wenn man mit dieser Art von sehr schwarzem Humor etwas anfangen kann.

Doch bin ich mir nicht sicher, ob Bücher wie diese wirklich in der Gesellschaft irgendetwas Gutes bewirken oder nur weiter aufhetzen und polarisieren. Ganz ehrlich wünsche ich mir, dass dieses Buch - wie es auch wahrscheinlich sein wird - nicht von vielen Männern gelesen werden wird. Denn ich fürchte, es würde weniger zu Verständnis als zu noch mehr Ablehnung legitimer feministischer Anliegen führen, denn es trieft schon an so einigen Stellen dermaßen unverblümt von Männerhass. Dass man damit Männer wirklich erreicht und zum Nachdenken bringt, bezweifle ich, stattdessen wird es wohl eher ihre Ängste vor der dunklen Seite des Feminismus nähren.

Das Buch wirkt auf mich so, als hätte man die allerdunkelsten Seiten der, durchaus in der Gesellschaft vorhandenen und verbreiteten Misogynie, genommen und umgedreht. Doch bringt uns das als Gesellschaft wirklich weiter? Öffnet es wirklich den Blick für die Themen der Frauen oder führt es, dermaßen auf die Spitze getrieben, nicht eher zu noch mehr Ablehnung? Selbst ich als Frau sehe dieses Buch sehr bedenklich, wie muss es erst Männern damit gehen?

Leseempfehlung nur unter Vorbehalt. Es ist jedenfalls eine anregende und diskussionswürdige Lektüre, aber sehr dunkel und hart an der Grenze des guten Geschmacks.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Rauhnächte psychologisch betrachtet

Rauhnächte – 12 Tage nur für dich
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Bücher und Materialien zu den Rauhnächten gibt es mittlerweile unzählige, das Thema scheint in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden zu sein. Deshalb fokussiere ich mich bei dieser Rezension ...

Bücher und Materialien zu den Rauhnächten gibt es mittlerweile unzählige, das Thema scheint in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden zu sein. Deshalb fokussiere ich mich bei dieser Rezension speziell darauf, was dieses Buch von anderen zum gleichen Thema unterscheidet, denn da gibt es hier tatsächlich einiges:

Die Rauhnächte sind die Zeit "zwischen den Jahren", zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Es gibt viele uralte spirituelle Traditionen, die damit verbunden sind, und auch die moderne Esoterik beschäftigt sich schon lange damit. Das ist für Menschen interessant, die zu diesen Themen eine Verbindung führen, kann aber für andere, die eher eine bodenständig-wissenschaftlich-rationale Weltsicht haben, abschreckend sein.

Deshalb sei schon an dieser Stelle gesagt: auch diejenigen, die von Esoterik absolut nichts halten und an nichts Übersinnliches glauben, können mit diesem Buch einen wertvollen psychologischen Begleiter zur Reflexion des eigenen Lebens finden und sind hier in bester Gesellschaft: die Autorin ist Psychologin, ebenfalls skeptisch gegenüber dem Esoterikbereich und hat damit auch ein psychologisches Rauhnächtebuch verfasst. Hier muss man an nichts glauben, man muss nichts als Orakel oder Wahrsagemethode sehen - es geht einfach um eine Gelegenheit zur tiefgehenden Reflexion des eigenen Lebens: einmal im Jahr zu den Rauhnächten tiefgehender und einmal im Monat überblicksmäßig.

Das wunderschön und einladend gestaltende Buch geht zuerst kurz auf die historischen Hintergründe und Traditionen der Rauhnächte ein, um dann Reflexionsfragen und Rituale für jede Rauhnacht und den damit verbundenen Monat vorzustellen. Jeder Tag/Monat ist dabei einem psychologischen Thema gewidmet, zu dem es inspirierende Texte und Fragen gibt, beispielsweise geht es am 25.12., der für den Januar steht, um Klarheit, am 1. Januar um Entscheidungen oder am 4. Januar um Wandlung.

Hier ein Buchzitat aus dem Kapitel Wandlung: "Die Energie der elften Rauhnacht ist dem November zugeordnet. Wie kein anderer Monat steht er für das Abschiednehmen. Wobei in jedem Abschied auch immer ein Neubeginn steckt. So weit denken wir aber leider nicht. Das Bewusstwerden der Vergänglichkeit gibt uns die Möglichkeit, uns eine wesentliche Frage zu stellen: Was ist es, was mein Leben ausmacht und sinnstiftend ist?" (S. 111)

Passende Handlungsideen dazu sind dann etwa eine Dankbarkeitsliste oder auch eine Laudatio über das eigene Leben und die eigenen Fähigkeiten und ein Rückblick vor dem Hintergrund der Frage "Wozu war etwas gut", um darauffolgend loslassen und in eine gute Zukunft gehen zu können. Auch systemische Themen werden mit einbezogen, z.B. mit folgender Reflexionsfrage: "Welche Eigenschaften deiner Familie und früherer Generationen helfen dir, dich auf dich selbst zu besinnen und deinen ganz persönlichen Lebensweg zu gehen?" (S. 113)

Besonders wertvoll finde ich auch, dass es im letzten Teil des Buches - anschließend an die Übungen für die Rauhnächte selbst - für jeden tatsächlichen Monat im neuen Jahr eine Rückschauanleitung gibt, mittels der man sich nochmal an die während den Rauhnächten behandelten Themen erinnern kann, die eigenen Notizen dazu durchschauen kann und überprüfen kann, wie sehr man noch dem Weg, den man für sich für dieses Jahr gewünscht hat, folgt, und wo man Anpassungen vornehmen möchte.

Insgesamt ist es ein wertvolles Buch zu den Rauhnächten, dass eine erfrischende neue, humorvolle und persönliche Perspektive einer Psychologin auf das Thema bietet, und, wie erwähnt, auch für Menschen abseits der traditionellen Zielgruppe spiritueller Bücher wertvolle Inspirationen bieten kann.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Dieses Buch spricht mir aus der Seele

UNIversal gescheitert?
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Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner ...

Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Laufe der Jahre als Studierende und Mitarbeitende auf unterschiedlichen Universitäten erlebt haben, offen ausspricht. Wie die Autorin das am Anfang ihres Buches anspricht, gibt es in den Köpfen vieler Menschen immer noch ein überhöhtes, idealistisches Bild von Universitäten und Wissenschaft, als ob das ein heiliger Raum wäre, in dem keine Missstände herrschen würden.

Wer aber näher mit diesem System in Berührung kommt, ob als Studierende oder später vielleicht als hoffnungsvolle Doktorandin oder wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, wird oft bitter desillusioniert von all den Missständen, die es da gibt und gegen die man sich oft so machtlos fühlt. Denn kaum jemand unterhalb der ordentlichen Professuren - die nur von ganz wenigen privilegierten Menschen und wenn überhaupt, meist erst frühestens im mittleren Erwachsenenalter erreicht werden - hat kaum jemand eine gut abgesicherte Position auf einer Universität, die es erlaubt, offen Kritik zu üben, ohne die eigene Vertragsverlängerung zu gefährden.

Ich schätze die Ehrlichkeit der Autorin, mit der sie zugibt, selbst eine der wenigen zu sein, die im akademischen Mittelbau einen unbefristeten Vertrag erhalten haben, und wie das ihr dabei hilft, sich zu trauen, so ein mutiges Buch zu schreiben, das viele Widerstände so deutlich offen legt.

Um welche Missstände geht es in dem Buch? Um stark unterfinanzierte Universitäten, marode Gebäude, überfüllte Studiengänge. Um ein extrem hierarchisches System, in dem, wie oben beschrieben, alle unterhalb der allerhöchsten Positionen auch bei exzellenten Leistungen und noch so viel Fleiß und Anstrengung ständig um ihre Stelle zittern müssen, und das strukturell zu Machtmissbrauch regelrecht einlädt.

Denn es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein System, das Ausbeutung und Missbrauch nicht nur verleugnet, sondern teilweise regelrecht fördert: denn Karriere macht etwa, wer die meisten Publikationen aufweisen kann. Und wer dafür abhängige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnützt, ihnen viele unbezahlte Überstunden aufbrummt, sie fast die ganze Arbeit alleine machen lässt und dann aber ausschließlich den eigenen Namen auf die Publikationen schreibt, der hat auf dem Papier eine längere und eindrucksvollere Publikationsliste vorzuweisen. Ehrlichkeit, Redlichkeit und insbesondere die Qualität der eigenen Lehre oder gar besonderes Engagement für Studierende zählen hingegen kaum etwas für das Vorankommen im akademischen Bereich, können sogar hinderlich sein.

Der Autorin gelingt es, überzeugend und anhand von vielen Beispielen und einer fundierten Analyse des Aufbaus des wissenschaftlichen Systems, zu zeigen, dass die vielen Missstände in diesem Bereich eben keine Ausnahmefälle sind, sondern mit der Struktur dieses Systems zusammenhängen, welche zum Teil aktiv und bewusst aufgebaut wurde und geschützt wird, um die Interessen der Mächtigen zu vertreten. Da ist es auch kein Wunder, dass mit jeder Hierarchieebene auf den Universitäten mehr weiße heterosexuelle Männer aus sozioökonomisch privilegierten Milieus vertreten sind und alle, die in einer oder mehreren Kategorien davon abweichen, weil sie etwa Frauen, queer, migrantisch, mit Betreuungspflichten oder aus Arbeiterfamilien sind, sich schwer tun, hier ihren Platz zu finden und ihn zu behalten. Denn Menschen fördern meist die, die ihnen ähnlich sind, und auch Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Ausbeutung und sexualisierte Gewalt sind nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern auch auf Universitäten weit verbreitet, wie die Autorin eindrucksvoll anhand von aktuellen Zahlen und Beispielen belegt.

Sprachlich ist das Buch sehr zugänglich und gut verständlich geschrieben und die Autorin hat sich große Mühe gegeben, sich nicht hinter akademischer Sprache zu verschanzen, sondern das Buch für eine breite Menge an Interessierten lesbar zu machen und alle nicht allgemein bekannten Konzepte zu erklären.

Ich wünsche diesem Buch von Herzen, dass es viele Leserinnen und Leser findet, in der allgemeinen Bevölkerung, aber auch unter jenen in Machtpositionen, bei denen es vielleicht ein Umdenken bewegen möge, um eine wissenschaftliche Landschaft zu gestalten, die gerade die engagiertesten und klügsten Köpfe aus der gesamten Bevölkerung nicht frustriert und vertreibt, sondern wertschätzt und ihnen einen Raum gibt, sich einigermaßen abgesichert zu entfalten und damit zum Wohle aller zur Vielfalt der Perspektiven im wissenschaftlichen Bereich beizutragen. Das würde den aktuellen und zukünftigen Studierenden, der Forschung und der Gesamtgesellschaft sehr zugute kommen. Danke für dieses mutige Buch!

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Therapeutische Reflexionen über einen erstrebenswerten Zustand

Erwachsen
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Erwachsen sein - was bedeutet das? Dazu gibt es kulturell unterschiedliche Definitionen, in welchem Alter Menschen als erwachsen angesehen werden oder welche Meilensteine (Auszug von Zuhause, Heirat, eigene ...

Erwachsen sein - was bedeutet das? Dazu gibt es kulturell unterschiedliche Definitionen, in welchem Alter Menschen als erwachsen angesehen werden oder welche Meilensteine (Auszug von Zuhause, Heirat, eigene Kinder, Beruf, finanzielle Unabhängigkeit,...) dafür erreicht sein sollten.

Dieses Buch befasst sich mit dem inneren Erwachsen-Sein: damit, eine emotionale Reife zu erlangen, die der eines gut entwickelten erwachsenen Menschen entspricht, also bewusste Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu übernehmen, die eigenen Bedürfnisse und Werte zu kennen und dafür einzutreten, Emotionen regulieren zu können, einen für sich guten Umgang mit Nähe und Distanz gefunden zu haben und insgesamt eine reife Persönlichkeit zu sein, die ein reflektiertes Leben führt, das ihr entspricht.

An diesen hohen Maßstäben des Erwachsen-Seins kann man sich durchaus das ganze Leben abarbeiten, oder, positiver ausgedrückt, einen Maßstab haben, an dem man sich messen und entwickeln kann.

Der Autor gibt zuerst eine Einführung in Definitionen des Erwachsen-Seins und in die Rolle der Psychotherapie dabei, Menschen auf dem Weg zu einer entwickelten Persönlichkeit zu unterstützen. Dann geht es darum, was uns in unserer Kindheit geprägt hat, zum Beispiel ein bestimmter Erziehungs- und Bindungsstil oder das Rollenvorbild der Eltern, aber auch eigene oder transgenerational weitergegebene Traumata.

Dann wendet sich das Buch stärker dem Hier und Jetzt zu und es geht zum Beispiel um unseren Umgang mit unseren Emotionen und darum, wie wir die dahinter liegenden Bedürfnisse wahrnehmen und, wenn möglich, für sie einstehen können, um unsere Werte und darum, wie wir dysfunktionale Muster erkennen können. Insgesamt findet sich in dem Buch sehr viel an psychologischen Theorien auf einem mittleren bis höheren Niveau. Gelegentlich sind Fallbeispiele aus der Praxis des Autors, der als Psychotherapeut arbeitet, eingebaut - für meinen Geschmack hätte es noch deutlich mehr davon geben können, um das Buch etwas aufzulockern.

Es ist insgesamt ein interessantes, lebendig und gut lesbares Buch, das zum Nachdenken anregt und aus dem man viel über Psychologie lernen kann. Gestaltet ist es sehr textlastig, mit dicht voll geschriebenen Seiten und relativ wenig gestalterischen Elementen wie Infokästen oder Zwischenüberschriften. Damit ist es insbesondere für jene Menschen geeignet, die viel und gerne lesen und damit kein Problem haben.

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