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Veröffentlicht am 17.09.2025

Unterdrückung der Frauen im Iran

Badjens. Roman
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Das kurze Büchlein "Badjens" von Delphine Minoui ist schnell gelesen, doch wirkt mit seiner Wucht tief nach. Die Autorin hat selbst eine französische Mutter und einen iranischen Vater. Dieser Roman ist ...

Das kurze Büchlein "Badjens" von Delphine Minoui ist schnell gelesen, doch wirkt mit seiner Wucht tief nach. Die Autorin hat selbst eine französische Mutter und einen iranischen Vater. Dieser Roman ist den Heldinnen der "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung gewidmet, die nach dem gewaltsamen Tod von Mahsa Amini im Iran für mehr Freiheit und Frauenrechte demonstrierten.

Das Buch beginnt mit einer Szene, in der Zahra, von ihrer Mutter "Badjens" genannt (das steht dafür, aufmüpfig und frech zu sein) in der Öffentlichkeit auf eine Mülltonne klettert, sich das Kopftuch herunterreißt und dieses mit einem Feuerzeug anzündet. Wir sind mitten in den Protesten nach der Ermordung Mahsa Aminis. Danach erzählt Zahra in der Ich-Perspektive aus ihrem Leben. Hineingeboren wird sie in eine Familie, die väterlicherseits streng konformistisch und erzkonservativ ist.

Der Großvater väterlicherseits möchte am liebsten, dass das Kind abgetrieben wird, sobald der Ultraschall zeigt, dass es ein Mädchen ist. Es wird nur davon abgesehen, weil das der Familie doch zu teuer ist, doch das Mädchen wächst als "Fehler" auf, wird vom Vater ignoriert und kritisiert, bekommt von ihm niemals irgendein Zeichen liebevoller Zuwendung, während der drei Jahre jüngere Brüder aufs Äußerste verwöhnt wird, nur weil er der ersehnte Junge ist.

Die Mutter liebt ihre Tochter zwar, ist aber selbst sehr unterdrückt und spricht nur, wenn der Vater nicht anwesend ist. So wächst Zahra in einem Land auf, in dem Frauen nicht sehr geschätzt werden und "nicht einmal die Hälfte zählen", muss als älteres Mädchen dann ebenfalls ihre Körperformen verbergen und ein Kopftuch tragen, wird von der Sittenpolizei gemaßregelt und von ihrem Cousin sexuell missbraucht. Viele trostlose Szenen sind es, die sich da zeigen, und doch wächst Zahra zu einer unerschrockenen Widerstandskämpferin heran, die selbst an einen Gott, der Frauen unterdrückt, nicht glauben kann und will und sich zunehmend mehr gegen das Regime auflehnt.

Der Roman ist also ein eindrückliches Portrait einer tapferen jungen Frau. Er liest sich leicht und schnell, ist in einer poetischen Sprache geschrieben und ist in seiner Botschaft sehr berührend. Ich habe mich beim Lesen sehr verbunden mit Zahra gefühlt und mit ihr und ihren Mitkämpferinnen gehofft, dass es bald zu einem Regimewechsel im Iran und zu mehr Freiheit für die jungen Menschen dort kommen würde.

Insgesamt bin ich mir aber trotzdem nicht sicher, wie authentisch die geschilderte Familie und Frauenfigur ist. In so gut wie allen auf echten Tatsachen beruhenden Memoirs und Sachbüchern aus dem Iran wurden die vorkommenden Familien wesentlich differenzierter geschildert als in diesem Buch: zwar gibt es dort sicherlich viel an Unterdrückung und Frauenverachtung, aber dass mit dem ignoranten Vater, dem verwöhnten Bruder, dem die Abtreibung fordernden Großvater und dem missbrauchenden Cousin sämtliche männlichen Familienmitglieder ausschließlich bösartig sind, kommt mir in Summe doch etwas undifferenziert und unwahrscheinlich vor. Hier hätte ich mir insbesondere in einem fiktiven Roman wie diesem eine etwas differenziertere Betrachtungsweise und Charakterentwicklung gewünscht.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Über die Wirkung patriarchaler Machtstrukturen

Weibliche Macht neu denken
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Die Journalistin, Redakteurin und Leiterin des Kulturresorts des "Spiegel", Eva Thöne, hat ein Buch mit dem Titel "Weibliche Macht neu denken" veröffentlicht. Eine Frau, die fast gleich alt ist wie ich, ...

Die Journalistin, Redakteurin und Leiterin des Kulturresorts des "Spiegel", Eva Thöne, hat ein Buch mit dem Titel "Weibliche Macht neu denken" veröffentlicht. Eine Frau, die fast gleich alt ist wie ich, und selbst in einer Führungsposition, das macht mich neugierig auf das Buch.

Als eine, die sich schon sehr viel mit diesem Thema beschäftigt hat, ist vieles, was im Buch dargestellt wird, erst einmal eine Wiederholung für mich: es geht um die uralten patriarchalen Machtstrukturen, die Frauen aus dem öffentlichen Bereich fernhalten wollen und bis heute nachwirken. Das schildert die Autorin eindrucksvoll anhand eines aktuellen Beispiels: auch heute melden sich im beruflichen Bereich in Diskussionen Frauen viel weniger zu Wort, und wenn sie das tun, werden sie damit weniger gehört, es wird auf ihre Beiträge weniger eingegangen und sie werden öfter übergangen oder abgewertet.

Dazu gibt es viele bekannte Studien und Beispiele. Es geht um den schmalen Grat, auf dem Frauen in der Öffentlichkeit sich bewegen, zwischen als zu schrill, zu laut, zu fordernd oder gar "hysterisch" abgewertet zu werden oder unsichtbar und machtlos zu bleiben. Um die einzig wirklich akzeptierte machtvolle traditionelle Frauenrolle: die der Mutter, die aber ihre eigenen Nachteile mit sich bringt, Frauen auch beruflich in ein enges Korsett zwingt, das oft ihrer Persönlichkeit gar nicht entspricht (man denke an die kinderlose und gar nicht sehr mütterliche Angela Merkel, der doch schnell der Spitzname "Mutti" samt passenden Zuschreibungen verpasst wurde) und um die Omnipräsenz männlicher Rollenbilder, Mythen und Narrative, wie sich auch etwa an dem allseits so verbreiteten Schema der "Heldenreise" zeigt.

Es geht um Frauen, denen von Haus aus nur dann Machtpositionen zugestanden werden, wenn die Erfolgschancen schon gering sind: das wird bei der Analyse von Kandidatinnen in Wahlkreisen genauso sichtbar wie bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl, bei der der greise Joe Biden erst spät Platz für seine Nachfolgekandidatin Kamala Harris machte, die dann bekanntlich auch gegenüber Donald Trump unterlag.

Was mir persönlich in diesem Buch ein bisschen zu kurz gekommen ist, ist tatsächlich das "neu denken" aus dem Titel. Von einem Buch mit diesem Titel hätte ich mir etwas anderes erwartet, als ich bekommen habe: nämlich nicht zu mindestens 3/4 eine Aufarbeitung von dem, was bisher war und schief läuft, sondern viel mehr neue und bisher unbekannte Ansätze für weibliche Macht. Ich hätte gern mehr darüber gelernt, wie weibliche Macht ganz anders aussehen kann als männliche, und Rollenvorbilder dafür kennen gelernt: dieses Thema kommt nach meinem Empfinden im Buch aber nur am Rande vor, als kleine eingestreute Tipps nebenbei, beispielsweise wenn es um die Archetypen der "großen Schwester" oder der "weisen Frau" in Ergänzung zur "Mutter" geht. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Sehr interessant wurde es für mich im Buch auch immer dann, wenn über eine allgemeine Analyse hinaus die Autorin als Mensch für mich spürbar wurde, also wenn sie gelegentlich Geschichten und Erfahrungen aus ihrem Leben geteilt und mit dem Thema des Buches verbunden hat, auch davon hätte ich gerne mehr gelesen und das würde ich mir für zukünftige Bücher von ihr wünschen, sofern sie bereit ist, das von sich zu teilen (natürlich exponiert man sich damit auch mehr, mit allen damit verbundenen Risiken, das ist mir bewusst).

Insgesamt finden sich im Buch also viele nachdenklich machende Beispiele für die Benachteiligung von Frauen, die bis heute nachwirkt. Das macht auch den größten Teil des Buches aus. Allen, die sich mit diesem Thema bisher erst wenig beschäftigt haben, kann ich das Buch sehr empfehlen, weil es fundiert aufzeigt, wie tief das Patriarchat und dessen Denkweisen nach wie vor in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Wer und was definiert, wer man ist?

Buch der Gesichter
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Der serbisch-österreichische Autor Marko Dinic ist mit "Buch der Gesichter" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gelandet. Das macht neugierig auf dieses Buch. Ich lese es mit dem Hintergrund eines ...

Der serbisch-österreichische Autor Marko Dinic ist mit "Buch der Gesichter" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gelandet. Das macht neugierig auf dieses Buch. Ich lese es mit dem Hintergrund eines großen Interesses an Serbien, einem Land, das ich schon oft bereist habe und die Sprache dessen Bewohnerinnen und Bewohner ich gelernt habe.

Hier handelt es sich um ein sehr hartes Buch. Es werden ärgste Kriegsgräuel und Verbrechen an Menschen und Tieren zu verschiedenen Zeiten, ganz besonders in den beiden Weltkriegen, ausführlich geschildert. Die Schrecken der Kriege werden eindrücklich spürbar.

Ich verzichte hier auf das Zitieren einer der zahlreichen Stellen des Quälens oder Tötens von Menschen oder Tieren, aber zitiere eine andere Stelle zu diesem Thema, die mich berührt hat: "Jegliche Zukunft, ob als Wunsch geäußert oder als Schicksal hingenommen, versank im Schlamm dieser auf Tod und Stumpfsinn gebauten Gegenwart. Was anderes war der Krieg als ein Karren im Dreck, fragte sich Olga, während es einerlei geworden war, ob Herbst, Winter oder ein Jahr verstrichen. Denn 1917 zählte niemand die Toten mehr; im Osten, hieß es, bereiteten die Russen die Revolution vor." (S. 19)

Die Thematik der Grausamkeiten, die Menschen verüben können, macht es zu einem Buch, das man aushalten können muss und für das es die passende psychische Stabilität und Resilienz braucht. Kann man sich darauf einlassen, dann ist es ein tiefgründiges Buch, in dem man viel über die Geschichte Serbiens und die Auslöschung der Jüdinnen und Juden und ihrer Kultur auch dort erfährt. Das Buch lebt von verschiedenen Charakteren und Erzählperspektiven, im Zentrum steht aber Isak, ein Jude, der später als Ivan unter Verleugnung seiner jüdischen Identität und unter härtesten Bedingungen auch die NS-Zeit überlebt: "Dass die Deutschen ihn nicht erwischt hatten, war dem Zufall seines neuen, serbischeren Namens geschuldet, der seit vielen Jahren Ivan lautete. Oder aber das Leben besaß die Angewohnheit, ohne ihn stattzufinden. Das wiederum konnte nur bedeuten, dass er kein Jude war. Wäre er nämlich Jude, hieße er Isak, und hieße er Isak, säße er im Laderaum eines Lastwagens." (S. 84)

Das Buch ist in einzelne Episoden eingeteilt, die nicht unbedingt linear und chronologisch erzählt werden, das wird gleich am Anfang vorgestellt und begründet, und hat für mich den Lesefluss nicht gestört. In vielen kleinen Szenen erfährt man viel über das, was das Leben der Menschen in dieser Region ausmachte und zum Teil bis heute prägt, da geht es um Kollaboration genauso wie um Widerstand und immer wieder stark um das Kämpfen um die eigene Identität, die hebräische Sprache, die Liebe zu Büchern in einer Kultur, in der so einige das als unmännlich und unserbisch ansehen. Darum, wer wir sind, wie wir uns selbst definieren oder von anderen definiert werden und ob und wie es möglich ist, trotz aller Gefahren und trotz der Notwendigkeit des Sich-Versteckens an der eigenen Identität und den eigenen Wurzeln festzuhalten. Um jene, die den Mut haben, sich dem Widerstand gegen unterdrückerische Regime anzuschließen und jene, die an das Ideal einer neuen, kommunistischen Gesellschaft glaubten, mit der damals viele Hoffnungen und Träume verbunden waren. Aber auch um die kulturelle und religiöse Vielfalt am Balkan und alles, was damit zusammenhängt. Und um noch vieles mehr.

Wer sich auf dieses lange und tiefgründige Buch einlassen kann und will, die geschilderten Grausamkeiten aushalten kann und sich für die serbische Geschichte des letzten Jahrhunderts interessiert, kann in diesem Buch explizit und implizit sehr viel lernen. Sowohl in dem, was erzählt wird, als auch in der Art und Weise, wie es geschildert und sprachlich formuliert wird, kommt für mich sehr viel der Kultur und Geschichte dieser Region durch. Es ist kein sehr angenehmes oder Freude machendes Buch, auch keines, das sich schnell und leicht liest, aber doch eines, das tief nachhallen kann, das bildet und auf vielen Ebenen zum Nachdenken anregt. Empfehlung für jene, die dafür offen sind und sich die Zeit dafür nehmen können und wollen.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Großartiges Nature Writing

Kurilensee
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Kurilensee von Sophia Klink ist ein Buch, wie ich es auf diese Weise noch nie gelesen habe - und das im allerbesten Sinne. Die Autorin nimmt mich durch die Augen ihrer Protagonistin Anna mit auf eine naturwissenschaftliche ...

Kurilensee von Sophia Klink ist ein Buch, wie ich es auf diese Weise noch nie gelesen habe - und das im allerbesten Sinne. Die Autorin nimmt mich durch die Augen ihrer Protagonistin Anna mit auf eine naturwissenschaftliche Forschungsstation am Kurilensee im fernen Kamtschatka, im Nordosten des riesigen Russlands, fernab der Zivilisation.

Hier verbringen Anna und ihr Partner Vova sowie ihre wissenschaftlichen Kollegen und Kolleginnen den Sommer, beobachten die Natur, entnehmen Proben aus Wasser, Algen und Lachsen, werten diese aus, schreiben wissenschaftliche Artikel und Forschungsberichte und geben Empfehlungen ab.

Ein Thema, das weit weg meines eigenen Alltags ist - und doch gelingt es Sophia Klink durch bildreiches und atmosphärisches Nature Writing, mich für diesen besonderen Ort und die Anliegen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu begeistern. Lachse auf ihrem mühsamen Weg flussaufwärts, vom entfernten Meer bis zum Kurilensee, wo sie bei Erfolg ablaichen, sterben und damit den See düngen, werden vor meinem inneren Auge lebendig, genauso wie Bären, die ihre Jungen großziehen, spielen, Lachse fangen und sich genügend Wintervorräte anfressen müssen, um zu überleben.

Der Roman weckt in mir die Liebe zur Natur und die Hoffnung, dass die Menschheit sie möglichst gut bewahren möge, während ich gleichzeitig mit Anna und ihren naturliebenden Forscherkolleginnen und -kollegen die exzessive Fischerei bedaure (nur eine Million Lachse darf ihr Ziel im Kurilensee erreichen, während viel mehr Millionen auf dem Weg dorthin abgefischt werden) und ihre Ambivalenz in Bezug auf eine mögliche künstliche Düngung des Sees teile. Dazu muss das Forscherteam nämlich eine Stellungnahme abgeben, und wie so oft in der Wissenschaft gibt es kein eindeutiges Für und Wider, und mögliche Konsequenzen dieses Eingriffs - der nur nötig ist, weil aufgrund der exzessiven Abfischung nicht genug Lachse übrig bleiben, um diesen auf natürliche Art zu düngen - sind unklar und können gefährlich für das Ökosystem sein... ein Nichthandeln aber ebenfalls. Und überhaupt sind die Forschenden nur beratendes Organ, während die endgültige Entscheidung an anderer Stelle getroffen wird. Mit dieser Machtlosigkeit müssen sie auch erst umgehen lernen.

Sophia Klink ist mit diesem Roman ein ganz ausgezeichnetes Debüt gelungen, das spannend geschrieben ist, die Lesenden an einen entlegenen Ort mitten in der abgelegenen Natur versetzt, sie die Stimmung dort miterleben lässt und gleichzeitig einiges an an interessantem und für mich neuem Wissen über naturwissenschaftliche Zusammenhänge vermittelt, wie z.B. auf S. 40 von 136 meines E-Books: "Werfe nie einen gestressten Fisch zurück in den Fluss, hat Vova gesagt. Alle anderen Fische könnten sterben vor Schreck. Sie spüren die Angst der anderen, ihr Adrenalin und Cortisol löst sich im Wasser. Sie nehmen es über die Haut in ihr eigenes Blut auf. Der Stress verändert sie physiologisch. Wir beeinflussen nur unnötig, wie gut sie laichen, verfälschen langfristig unsere eigenen Daten."

Ich kann dieses Buch allen, die ein Herz für die Natur haben und sich für aktuelle Themen dieser Zeit wie Naturwissenschaft im Spannungsfeld zwischen Ethik sowie wirtschaftlichen und staatlichen Interessen, Klimawandel und seine Auswirkungen interessieren, nur wärmstens ans Herz liegen. Tolles Nature Writing vom Feinsten, in Kombination mit Aufweckeffekt für ein Herzensanliegen!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Von dem steinigen Weg zum Wunschkind

Das Leben ist kein Kinderwunschkonzert
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Marie von den Benken weiß schon früh, dass sie unbedingt eigene Kinder haben will. Sie findet außerdem schon jung den Partner, mit dem sie sich Kinder vorstellen kann. Und so beginnen Marie und Alex schon ...

Marie von den Benken weiß schon früh, dass sie unbedingt eigene Kinder haben will. Sie findet außerdem schon jung den Partner, mit dem sie sich Kinder vorstellen kann. Und so beginnen Marie und Alex schon mit Mitte 20, in der eigentlich noch besten Zeit statistisch höchster Fruchtbarkeit, damit, zu versuchen, ein Baby zu bekommen. Doch nichts passiert, jahrelang, sodass sie schließlich die Unterstützung der Kinderwunschklinik in Anspruch nehmen, erst mit Inseminationen, dann mit IVFs. Nach einem langen, harten und steinigen Weg kommen die beiden schließlich mit dieser Unterstützung acht Jahre später zu ihrem Wunschkind (was für ein Durchhaltevermögen, wow!).

Diesen Weg beschreibt die Influencerin und Autorin Marie in diesem Buch. Nahbar und persönlich legt sie ausgewählte Tagebucheinträge aus dieser schwierigen Zeit offen und erzählt von ihrem Leben, ihrer Beziehung, den Hoffnungen und Träumen, den Auf und Abs, der gewaltigen Belastung, die diese Herausforderung für eine Beziehung herausstellt und von ihrer großen Freude, als sie dann doch noch Eltern werden.

Jedes der Kapitel beginnt mit ihrer persönlichen Geschichte und wird dann durch wissenschaftliche Fakten, statistische Daten und Interviews mit anderen Betroffenen oder mit Kinderwunschexperten ergänzt. So ist das Buch weit mehr als Maries und Alex' persönliche Kinderwunschgeschichte, sondern auch eine Schatzkiste an Informationen für andere Paare, die mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Abgerundet wird das Buch mit weiteren Kapiteln zu Spezialthemen wie Endometriose, Egg Freezing und späte Mutterschaft, mit denen die Autorin persönlich keine Erfahrung hatte, aber die für andere Kinderwunschbetroffene relevant sein könnten. Auch hierzu finden sich wertvolle Informationen in dem Buch.

Insgesamt ist es ein nahbar und persönlich geschriebenes Werk, das Betroffenen helfen kann, sich verstanden zu fühlen und ihnen gleichzeitig wie nebenbei eine Menge wertvolles Wissen zum Thema Kinderwunsch und Kinderwunschbehandlung an die Hand gibt. Leseempfehlung für alle Betroffenen und alle, die Betroffene kennen oder sich sonst für dieses Thema interessieren!

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