Zwischen Wellen und Wahrheit
Born of Salt and StormBorn of Salt and Storm entführt in eine faszinierende Welt zwischen Wasser und Erde. Im Zentrum steht die Sperrfischerin Tavi, die durch den Fund eines seltenen Artefakts untrennbar mit Eero, einem Wellengeborenen, ...
Born of Salt and Storm entführt in eine faszinierende Welt zwischen Wasser und Erde. Im Zentrum steht die Sperrfischerin Tavi, die durch den Fund eines seltenen Artefakts untrennbar mit Eero, einem Wellengeborenen, verbunden wird. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Bedeutung dieses Objekts und stoßen dabei nicht nur auf Geheimnisse rund um das Artefakt, sondern auch auf verborgene Wahrheiten über ihre eigenen Völker.
Die Grundidee der Geschichte hat mir wirklich gut gefallen. Die Verbindung zweier so unterschiedlicher Welten birgt enormes Potenzial und schafft eine spannende Grundlage. Allerdings hatte ich über weite Teile des Buches das Gefühl, dass sich die Handlung sehr in die Länge zieht. Der Spannungsbogen bleibt lange relativ konstant, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Es fehlen markante Wendepunkte oder Momente, die einen wirklich fesseln oder überraschen. Erst in den letzten etwa 100 Seiten gewinnt die Geschichte deutlich an Tempo und Intensität hier konnte mich das Buch dann endlich richtig packen.
Optisch ist das Buch hingegen ein echtes Highlight. Das Cover überzeugt mit wunderschönen Blau- und Grüntönen, die ineinander verlaufen und sich zu einem stimmigen Türkis verbinden. Es spiegelt die Unterwasserwelt perfekt wider und wird durch den passenden Farbschnitt zusätzlich aufgewertet. Insgesamt wirkt das Buch sehr hochwertig und ansprechend.
Der Schreibstil ist grundsätzlich angenehm und leicht verständlich. Dennoch wird der Lesefluss immer wieder durch die Vielzahl an neuen Begriffen, Namen und Wesen unterbrochen. Besonders auffällig ist, dass sehr viel Wert auf das Worldbuilding gelegt wird. Die Welt ist detailliert und liebevoll ausgearbeitet, was einerseits beeindruckend ist, andererseits aber auch dazu führt, dass die eigentliche Handlung zeitweise in den Hintergrund rückt. Manche Passagen wirken dadurch etwas ausgeschmückt und bremsen das Tempo der Geschichte.
Tavi ist eine interessante und vielschichtige Protagonistin. Sie ist stark, zielstrebig und glaubt fest an das, was sie erreichen möchte. Gleichzeitig zeigt sie auch Schwächen: Sie handelt oft impulsiv, denkt nicht immer an die Konsequenzen für andere und wirkt stellenweise naiv. Diese Eigenschaften machen sie jedoch menschlich und nachvollziehbar.
Eero hingegen bleibt lange schwer greifbar. Zu Beginn konnte ich ihn nur schwer einschätzen, was es mir nicht leicht gemacht hat, eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Im Verlauf der Geschichte wird er jedoch offener und verständnisvoller, wodurch sich auch seine Beziehung zu Tavi verändert. Dennoch bleibt er bis zum Schluss in gewisser Weise geheimnisvoll vor allem, weil wir ihn nur durch Tavis Perspektive erleben.
Auch die Nebencharaktere sowie die verschiedenen Machtstrukturen innerhalb der Welt sind spannend gestaltet. Besonders interessant ist, dass es keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse gibt. Sowohl die Anführer der Menschen als auch die der Wellengeborenen handeln teilweise egoistisch, impulsiv und risikoreich. Diese moralische Grauzone verleiht der Geschichte mehr Tiefe.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Entwicklung der Beziehungen und Dynamiken im Verlauf der Handlung. Besonders die Beziehung zwischen Tavi und Eero ist von Höhen und Tiefen geprägt. Mal sind sie sich sehr nah, dann wieder distanziert dieses Wechselspiel sorgt für Spannung und lässt viel Raum für eigene Interpretationen.
Das Ende des Buches konnte mich schließlich überzeugen. Es beantwortet viele offene Fragen, bringt gleichzeitig aber auch neue auf. Beziehungen verschieben sich, Rollen verändern sich und man bleibt mit einer gewissen Unsicherheit zurück, wie es weitergehen wird.
Fazit:
Ein atmosphärisch dichtes Fantasy-Buch mit einer starken Grundidee, interessanten Charakteren und beeindruckendem Worldbuilding das jedoch durch Längen und einen lange gleichbleibenden Spannungsbogen etwas an Dynamik verliert.