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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2025

Gemischte Gefühle

Warum schlafen wir?
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Warum schlafen wir? Vom Träumen, Schlummern und Schlafwandeln ist ein tolles Kinderbuch von Cathy Evans (Autorin) und Polya Plavinskaia (Illustratorin) [Übersetzung von Stefanie Brägelmann], ...

Warum schlafen wir? Vom Träumen, Schlummern und Schlafwandeln ist ein tolles Kinderbuch von Cathy Evans (Autorin) und Polya Plavinskaia (Illustratorin) [Übersetzung von Stefanie Brägelmann], das viele verschiedene Aspekte zum Thema Schlaf in den Fokus nimmt.

Schon das Cover ist so schön gestaltet, mit der silbernen Schrift und den vielen Häusern, in denen es schon einiges zu entdecken gibt.

Die Inhalte sind wirklich vielfältig und reichen von Erklärungen, was beim Schlafen passiert, über Träume, bis hin zu Schlaftypen oder Schlaf bei Tieren. Hier ist wirklich für alle etwas dabei. Die Illustrationen sind schön, wenn mich die Fülle der Motive auf manchen Seiten auch überfordert. Die Farben sind eher dunkel (passend zum Thema) und teilweise ist die Kombination aus Text und Bild dann doch etwas chaotisch. Optisch toll, aber nicht immer so leicht zu lesen.

Etwas, das mir gar nicht gefällt, ist die Schriftart, die für viele der Texte verwendet wurde. Zum einen ist sie gar nicht so einfach zu lesen, zum anderen wird die Groß- und Kleinschreibung teilweise ignoriert. Finde ich bei einem Buch, das viele Kinder sicher auch alleine lesen, nicht sehr gelungen.

Insgesamt ein gemischtes Fazit: die Inhalte sind super, und auch die Illustrationen gefallen mir. Leider ist das Leseerlebnis nicht so angenehm, wie erhofft (aber das kommt sicher auch daher, dass hier alle sehr reizoffen sind, für andere Leser:innen mag das unproblematisch sein).

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Wichtige und aktuelle Geschichte

Heimat
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Heimat von Hannah Lühmann ist ein kurzer Roman, der sich mit Retraditionalisierung und Rechtsruck auseinandersetzt.

Jana zieht mit ihrem Mann und den Kindern aufs Land und knüpft dort Kontakt zu anderen ...

Heimat von Hannah Lühmann ist ein kurzer Roman, der sich mit Retraditionalisierung und Rechtsruck auseinandersetzt.

Jana zieht mit ihrem Mann und den Kindern aufs Land und knüpft dort Kontakt zu anderen Müttern. Schnell wird sie in die Gruppe aufgenommen, um dann festzustellen, dass vor allem die „Anführerin“, Karolin, ihr Leben als Tradwife gekonnt auf den sozialen Medien inszeniert. Diese scheinbar selbstgewählte Rückkehr in traditionelle Rollenmuster wird im perfekt kuratierten Feed geschickt als einzig erfüllendes Familienmodell präsentiert: dreckige, aber glückliche Kinder, die den ganzen Tag im Freien spielen und natürlich nicht fremdbetreut werden; Rezepte, bei denen man neben den Erzeugnissen aus dem eigenen Garten selbstverständlich vor allem die Liebe schmeckt, mit der sie für die Familie zubereitet wurden; Landhausästhetik von den Holzmöbeln bis zu den Outfits der gesamten Familie. Jana merkt, dass sie gleichzeitig fasziniert, abgeschreckt und sogar neidisch ist und wir begleiten sie dabei, wie sie sich mit dem Ganzen auseinandersetzt. Nebenbei finden Themen wie Familiendynamik, rechte Politik, Werte und Mutterschaft mit all ihren Konsequenzen Eingang in die Geschichte.

Die unheimliche Stärke dieses Buches liegt darin, dass man sich beim Lesen selbst immer wieder dabei ertappt, Karolin nicht wirklich widersprechen zu können. Es ist total gruselig, weil es aufzeigt, wie subtil die Neue Rechte agiert. Wie gut sie die Schwachpunkte bestimmter Gruppen (hier: junge Mütter) ausfindig machen und dann genau dort ansetzen. Und zwar nicht durch laute Parolen oder angriffslustige Argumente, sondern durch ganz gezielt gesetzte, scheinbar beifällige Bemerkungen. Und die treffen genau dort, wo das Selbstbewusstsein vielleicht eh schon leicht angekratzt ist. Und dann beginnen die Zweifel. Und das reicht.

Dieses Buch macht Angst, weil es sich hier keinesfalls um eine Dystopie handelt, sondern sich die Geschichte so oder so ähnlich in vielen ländlichen Regionen abspielen könnte und es vermutlich auch tut. Beim Lesen musste ich neben Margaret Attwood’s Handmaid’s Tale auch an die Metapher mit dem Frosch im Wasserglas denken: Aus einem Glas mit heißem Wasser würde er sofort wieder raushüpfen, aber wenn man ihn in kaltes Wasser setzt und die Temperatur ganz langsam erhöht, merkt er die Hitze erst, wenn es schon zu spät ist.

Das Einzige, das ich mir noch gewünscht hätte, wären etwas mehr Infos an bestimmten Stellen: Wie genau ist die Dynamik zwischen Karolin und Clemens? Über Jonas hätte ich auch so gerne mehr erfahren – vielleicht hätte man den kalifornischen Liebhaber für ein paar mehr Informationen opfern können?

Insgesamt hat mich das Buch aber überzeugen können, und von mir gibt’s definitiv eine Empfehlung. Eignet sich ganz sicher auch gut als Buchclub-Buch oder Oberstufenlektüre! Und als Geschenk für all jene, die vielleicht anfällig für die vermeintliche Idylle der Tradwife-Bewegung sind.

4,5/5

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Super Wimmelbuch

183 Pinguine. Das große Tier-Such-Buch
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183 Pinguine von Stéphane Frattini und Édouard Manceau ist kein gewöhnliches Wimmelbuch. Auf jeder Seite sind 1 Tonne Tiere abgebildet (vermutlich ungefähr, so genau habe ich das jetzt nicht ...

183 Pinguine von Stéphane Frattini und Édouard Manceau ist kein gewöhnliches Wimmelbuch. Auf jeder Seite sind 1 Tonne Tiere abgebildet (vermutlich ungefähr, so genau habe ich das jetzt nicht recherchiert…). So kann man das Größenverhältnis zwischen den verschiedenen Tierarten gut einschätzen, denn natürlich sind es viel weniger Wale als Krokodile oder Pinguine. Und auf jeder Seite gibt es dann einen kurzen Text und ein paar Suchaufgaben (die zum Glück recht anspruchsvoll sind, sodass wir mit dem Buch länger unseren Spaß haben können).
Das Buch ist ein ganz wunderbares Wimmelbuch für ältere Kinder. Neben kniffligen Suchaufgaben sind hier auch einige interessante Informationen enthalten, sodass ganz nebenbei auch noch etwas gelernt werden kann. Super Kombination. Für Fans von Walter und Pierre aber auch für alle anderen Hobby-Sucher😊.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Fachwissen für Kinder

Kosmos SchlauFUX Roboter und KI
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Das KOSMOS Kinderbuch Roboter und KI von Beate Jost und Thorsten Leimbach überzeugt durch eine Fülle von Fakten und abwechslungsreiche Themen.

Roboter und KI sind aus unserem Leben heute nicht ...

Das KOSMOS Kinderbuch Roboter und KI von Beate Jost und Thorsten Leimbach überzeugt durch eine Fülle von Fakten und abwechslungsreiche Themen.

Roboter und KI sind aus unserem Leben heute nicht mehr wegzudenken, aber die meisten von uns kennen sich mit den Details der Technologien vermutlich nicht so gut aus. Umso besser, wenn es gute Kinderbücher gibt, die das Ganze kindgerecht aufbereitet erklären können – so lernen auch wir Erwachsenen noch etwas dabei. Egal, ob Nanotechnologie, Sprachroboter oder Prothesen, hier werden wirklich unheimlich viele Themen abgedeckt. Und da diese oft recht eng miteinander verknüpft sind, gibt es auf jeder Seite Hinweise, welchen Beitrag man als nächstes lesen könnte – je nachdem, welcher Aspekt des aktuellen Themas am meisten interessiert hat. Das kennt man aus Abenteuergeschichten aus der Kindheit und auch wenn es hier meiner Meinung nicht nötig wäre, bietet es doch ein Gefühl der Autonomie und Selbstbestimmung, was für Kinder ja nie verkehrt ist.

Gut gefallen hat mir die Auswahl der Themen und die Aufarbeitung der Informationen. Einen Stern Abzug gibt es allerdings für die doch sehr beladenen Seiten. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll und die Fülle der Informationen wirkt zunächst etwas erschlagend.

Abgesehen davon ein gelungenes Buch mit viel Fachwissen für kluge Köpfe.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Humorvolle und kluge Satire

Das Geschenk
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Das Geschenk ist der zweite Roman, den ich von Gaea Schoeters gelesen habe (in der wunderbaren Übersetzung von Lisa Mensing), und auch wenn er für mich nicht ganz an den grandiosen Debütroman ...

Das Geschenk ist der zweite Roman, den ich von Gaea Schoeters gelesen habe (in der wunderbaren Übersetzung von Lisa Mensing), und auch wenn er für mich nicht ganz an den grandiosen Debütroman Trophäe herankommt, ist es doch ein sehr gelungenes Buch.

Eines Tages stehen plötzlich Elefanten mitten in Berlin. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung stellt sich heraus, dass die Regierung von Botswana 20.000 Tiere nach Deutschland geschickt hat. Und zwar als Reaktion auf die Einmischung des Bundeskanzlers in die dortige Politik: eine Änderung des deutschen Elfenbeineinfuhrgesetzes sorgt in dem afrikanischen Land nämlich für eine erhebliche Elefantenüberpopulation. Und nun muss Deutschland selbst sehen, wie man damit fertig wird, wenn Unmengen an Elefanten durchs Land streifen, und das Ausland bevormundend verbietet, korrigierend einzugreifen.

Es geht in diesem kurzen Roman um Überheblichkeit und Doppelmoral, um das gönnerhafte Auftreten westlicher Regierungen gegenüber ehemaligen Kolonien, deren scheinbare Zugeständnisse selten ohne erhobenen Zeigefinger auskommen.

Der Roman trifft – neben der Kritik an der Außenpolitik – auch voll ins Zentrum aktueller politischer Vorgänge. Ein konservativer Kanzler, eine rechte Partei als zweitstärkste Kraft, eine Ministerin, die wissentlich als Bauernopfer instrumentalisiert wird, und das, obwohl sie sich als äußerst kompetent herausstellt. Und inmitten der persönlichen Befindlichkeiten die Frage: wollen Politiker:innen „das Richtige tun oder an der Macht bleiben“?

Auf teils groteske, absurde Weise findet Schoeters wunde Punkte und drückt mal kurz drauf. Nicht zu sehr, doch schon so, dass man es spüren kann. Dadurch ist der Roman zwar kritisch, aber nicht dogmatisch oder belehrend, sondern ein Impuls zur Reflektion.

Diese Leichtigkeit erreicht die Autorin auch durch die präzise sprachliche Gestaltung. Die Geschichte liest sich unheimlich flüssig, hat aber dennoch einen gewissen Wortwitz, der auch dank der tollen Übersetzung erhalten bleibt. Daneben ist die Zeichnung der Personen und auch die Beschreibung der Elefanten äußerst gelungen.

Kleiner Wehrmutstropfen: Das Cover des Buches wurde mit KI erstellt. Das finde ich nicht gut, denn gerade in der Welt der Kunstschaffenden würde ich mir hier mehr Bewusstsein wünschen. Ich bin mir sicher, es gibt wunderbare Künstler:innen, die dem Buch ein würdiges Cover beschert hätten.
Abgesehen davon: Lest das Buch! Es ist kurz und knapp, und dabei wunderbar kluge und humorvolle Unterhaltung.

4,5/5

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