Platzhalter für Profilbild

Evlupps

Lesejury Profi
offline

Evlupps ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Evlupps über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2025

Für mich nicht immer logisch

Der Schlaf der Anderen
0

Der Schlaf der anderen von Tamar Noort dreht sich um zwei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nachts wach sind: Sina kann einfach nicht mehr (ein)schlafen und Janis schiebt Nachtdienste ...

Der Schlaf der anderen von Tamar Noort dreht sich um zwei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nachts wach sind: Sina kann einfach nicht mehr (ein)schlafen und Janis schiebt Nachtdienste im Schlaflabor. Als Sina eine Schlafanalyse machen lässt, lernen die beiden sich kennen und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die jedoch durch eine Grenzüberschreitung noch vor dem Ende der Nacht bedroht wird.

Im Folgenden lernen wir die beiden Frauen, ihre Sehnsüchte, Probleme, Beziehungen, etc. kennen. Dabei erfahren wir über die Lehrerin Sina meines Erachtens wesentlich mehr als über die ehemalige Pflegerin Janis, was ich als etwas unausgeglichen empfunden habe. Es werden viele Aspekte angesprochen, die im Leben der beiden (stellvertretend für viele Frauen) Stressfaktoren darstellen und zu psychischer Belastung führen. Grundsätzlich finde ich es richtig, wichtig und gut, wenn darüber gesprochen und geschrieben wird, aber hier konnte es mich nicht überzeugen.

Dabei finde ich noch nicht einmal die Kennenlerngeschichte unglaubwürdig – ich kann nachvollziehen, dass es Menschen gibt, mit denen es einfach passt und zu denen man gleich eine tiefe Verbindung spürt. Aber die Handlungen danach sind für mich oft nicht schlüssig und es gibt weitere Grenzüberschreitungen, die nicht kommentiert werden. Ein bisschen ging es für mich in Richtung Bingobuch, bei dem wichtige Elemente nicht erfolgreich verknüpft oder zu Ende gedacht wurden.

Ich habe das Buch anfangs ganz gerne gelesen, aber so richtig hat es mich eben nicht fesseln können und am Ende habe ich es nur weitergehört in der Hoffnung, dass noch irgendwas Spannendes passiert (tat es nicht…). Ich habe mich vor allem die ganze Zeit gefragt, warum Sina sich nicht krankschreiben lässt, wenn die Schlafprobleme doch so massiv Einfluss auf ihren Alltag haben. Dadurch hatte ich das Gefühl, das Problem wird künstlich am Leben erhalten, nur für den Plot, wenn es doch eine logische Handlungsalternative gäbe (natürlich ist das nicht die Lösung aller Probleme, aber es wäre ein notwendiger erster Schritt gewesen). Insgesamt also eher keine Empfehlung von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Sehr lustig, auch für Erwachsene gut vorzulesen

Waschbär Willi Wunderquatsch - Die Erfindung der Trompetenwurst und weitere verrückte Abenteuer
0

Waschbär Willi Wunderquatsch von Markus Hennig, illustriert von SaBine Büchner, ist ein lustiges Kinderbuch mit sieben witzigen Geschichten und ein paar Zwischenkapiteln mit Hintergrundinfos ...

Waschbär Willi Wunderquatsch von Markus Hennig, illustriert von SaBine Büchner, ist ein lustiges Kinderbuch mit sieben witzigen Geschichten und ein paar Zwischenkapiteln mit Hintergrundinfos zu den Charakteren.

Schon das Cover hat meinen Sohn zum Lachen gebracht und dann ging es gleich weiter. Die Geschichten sind lustig, grenzen an albern, aber sind noch auf der guten Seite angesiedelt, sodass es auch für Erwachsene Spaß macht, sie vorzulesen. Besonders das Waschbär-Frosch-Wörterbuch hat hier für kugelige Lachanfälle gesorgt, die selbst nach der Lektüre immer wieder aufflammen. Was will man mehr?

Die Zeichnungen sind toll und helfen dabei, das Interesse der Kids noch zu steigern, da dort schöne Details zu finden sind.

Der pädagogische Gehalt ist bei diesem Buch jetzt nicht so im Vordergrund, aber das macht meiner Meinung nach gar nichts - es darf auch einfach mal komisch sein und die Lust am Lesen und an der Sprache fördern.

Alles in allem ein wunderbar gelungenes Buch, das wir sicher mehrmals lesen werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Ein Buch, das nicht so genau weiß, was es sein möchte

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
0

Anna oder: Was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter. ist ein Buch von Henning Sußebach, in dem er versucht, das Leben seiner Vorfahrin anhand einiger weniger Anhaltspunkte ...

Anna oder: Was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter. ist ein Buch von Henning Sußebach, in dem er versucht, das Leben seiner Vorfahrin anhand einiger weniger Anhaltspunkte aufzudecken.

Was mir gut gefallen hat, war, dass das Buch viele Einblicke in die damalige Zeit gibt, in die geschichtlichen und sozialen Hintergründe. Hier hat der Autor meiner Meinung nach eine gute Auswahl getroffen.

Leider konnte mich das Buch ansonsten eher wenig überzeugen. Der Autor schreibt hier „die Geschichte [s]einer Urgroßmutter“ und dafür ist es mir ehrlich gesagt viel zu distanziert. Ich wusste nie genau, was dieses Buch eigentlich sein will, ein Roman, eine Hommage, eine Biographie, ein geschichtliches Werk? Dazu kommt die Fiktionalisierung, die mich an einigen Stellen irritiert hat. Durch Formulierungen wie „ich lasse…“ zeigt der Autor hier deutlich seine Einmischung in die Story (was grundsätzlich ok ist, hier aber weiter Verwirrung schafft). Teils wird hier ein Leben romantisiert (z.B. wenn es um die Geburt geht), wobei ich mich schon frage, wie gut der Autor sich in die damalige Zeit und die Situation der Frauen versetzen kann.

Es gibt immer wieder Einmischungen im Sinne einer Leserleitung („man muss das natürlich einordnen“, „aus heutiger Perspektive“, …), aber an den wichtigen Stellen fehlt genau das: es werden Passagen aus Schulbüchern von früher zitiert, in denen es um Rassenlehre geht, und das wird an dieser Stelle nicht einmal kommentiert. In meinen Augen ist das sehr problematisch (vor allem, wenn man bedenkt, wie oft der Autor sich sonst einmischt).

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und obwohl ich die Sprecherin sehr mochte, war es doch irritierend, ein Buch, das offensichtlich von einem Mann erzählt wird, von einer Frau vorgelesen zu bekommen. Das war vielleicht ein weiterer Grund, warum ich mit dem Ganzen nicht so wirklich warm geworden bin.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2025

Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt

Unbeugsam wie die See
0

Unbeugsam wie die See von Emilia Hart (Original: The Sirens, Ü: Julia Walther) hat mich als erstes aufgrund des schönen Covers angesprochen. Dann habe ich den Klappentext gelesen und auch das klang vielversprechend, ...

Unbeugsam wie die See von Emilia Hart (Original: The Sirens, Ü: Julia Walther) hat mich als erstes aufgrund des schönen Covers angesprochen. Dann habe ich den Klappentext gelesen und auch das klang vielversprechend, also hab ich mich in die Lektüre gestürzt.

Die Handlung findet auf drei Zeitebenen statt: 1801 überqueren die Zwillinge Mary und Eliza als Gefangene das Meer von Irland nach Australien. 1999 navigiert Jess die Untiefen des Teenagerdaseins, was jedoch durch eine ominöse Wasserallergie verkompliziert wird. Und zwanzig Jahre später, 2019, flieht deren Schwester Lucy zu ihr, nachdem sie beim Schlafwandeln ihren Freund gewürgt hat.

Klingt abenteuerlich? Nunja, so richtig viel Abenteuer und Spannung war für mich leider nicht dabei und einige Passagen – vor allem in der ersten Hälfte des Buches – haben sich sehr gezogen. Die beiden großen Enthüllungen habe ich leider schon relativ früh vorhergesehen, sodass irgendwann wirklich die Luft raus war. Die Verbindung der verschiedenen Ebenen und einige Plotelemente finde ich sehr konstruiert und nicht immer glaubwürdig.

Darüber hinaus hat mich die Sprache davon abgehalten, tiefer in den Roman einzutauchen. Ob es die Übersetzung ist, oder der Text auch im Original teils unrund klingt, vermag ich nicht zu sagen. Insgesamt sind mir durchaus einige Stellen aufgefallen, an denen zumindest nicht idiomatisch übersetzt wurde. Das hat mich dann immer wieder aus der Lektüre gerissen und der Lesefluss war weg.

Die Idee des Romans gefällt mir nach wie vor gut, aber sie wurde für mich nicht überzeugend umgesetzt. Vielleicht habe ich auch einfach etwas anderes erwartet (mehr Fantasy, weniger Drama). Ich kann mir vorstellen, dass es durchaus Lesende gibt, die das Buch zu schätzen wissen, und auch, dass man es sehr gut als Hörbuch hören kann.

2,5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2025

Spannend und toll konstruiert

Lázár
0

Lázár von Nelio Biedermann, das auf den ersten Blick wie eine Familiensaga daherkommt, ist so unheimlich vielschichtig, dass ich nach der Lektüre lange gebraucht habe, um meine Gedanken zu sortieren (und ...

Lázár von Nelio Biedermann, das auf den ersten Blick wie eine Familiensaga daherkommt, ist so unheimlich vielschichtig, dass ich nach der Lektüre lange gebraucht habe, um meine Gedanken zu sortieren (und vielleicht auch immer noch dabei bin).
Zum einen geht es natürlich schon um die Geschichte der Familie Lázár, um die Einzelschicksale, um die Bedeutung von Familie, um die Unterschiede zwischen den Generationen und gleichzeitig die Bewahrung von Tradition. Besonders die Männerfiguren sind dabei sehr tragisch angelegt und müssen sich der Frage nach Schuld und Verantwortung stellen.
Eine zweite Ebene ist die historische Entwicklung der KuK-Monarchie und der Geschehnisse rund um die beiden Weltkriege. Die Auswirkungen werden hauptsächlich am Beispiel der Baronenfamilie gezeigt, was ich sehr gelungen finde, da es für mich die Problematik der Verhältnismäßigkeit oder Vergleichbarkeit von Leid aufzeigt. Immer wieder habe ich großes Mitleid mit der Familie empfunden, obwohl mir gleichzeitig deren Privilegien und Fehlverhalten durchaus bewusst waren. Spannend!
Und dann gibt es noch eine symbolische Ebene, die sich vor allem aus religiösen und teils auch literarischen Referenzen speist. Ich bin mir sicher, dass ich hier nicht alle Verweise bemerkt bzw. verstanden habe, aber ein paar, wie zum Beispiel das Gleichnis von Lazarus oder die Anspielung auf Prousts Suche nach der verlorenen Zeit, sind dann doch offensichtlich genug.
Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, ist die Sprache, mit der Nelio Biedermann vielleicht sogar noch eine vierte Ebene schafft. Sie ist bildgewaltig, ohne dabei so lyrisch zu sein, dass sie gekünstelt oder kitschig wirkt. Sie ist aber stellenweise auch kompliziert, nutzt Schachtelsätze und komplexe Konstruktionen, und durchbricht damit auch immer wieder die Illusion der Nostalgie.
Insgesamt ist es ein Buch, das mich in seinen Bann gezogen hat und auch nach der Lektüre noch stark nachwirkt. So viele Themen werden hier gekonnt miteinander verbunden und ich hätte gerne mehr geschrieben, zu den Schicksalen der jüdischen Bevölkerung, der Frauen, der Intellektuellen, oder auch einfach zu den einzelnen Figuren.
Am Ende bleiben leider ein paar Fragen offen, auf deren Auflösung ich hingefiebert habe und dann etwas enttäuscht war, als ich keine Antworten bekam. Selbst nach diversen Recherchen und viel Nachdenken bleibt es mir ein Rätsel, was in der Ruine passiert ist. Auch zu Imre oder den Schatten hätte ich mir mehr gewünscht. Dennoch ein starkes Buch, das ich absolut empfehle!
4,5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere