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Veröffentlicht am 06.03.2026

111 bewährte Lifehacks die dein Leben bereichern

111 bewährte Life-Hacks, die dein Leben bereichern
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Die Autorinnen Miriam Seitter und Franziska Prinz veröffentlichen mit „111 bewährte Lifehacks die dein Leben bereichern“ im Oktober letzten Jahres ihr erstes Werk im emons-Verlag. Ein Ratgeber, der in ...

Die Autorinnen Miriam Seitter und Franziska Prinz veröffentlichen mit „111 bewährte Lifehacks die dein Leben bereichern“ im Oktober letzten Jahres ihr erstes Werk im emons-Verlag. Ein Ratgeber, der in herausfordernden Situationen helfen soll, einen kühlen Kopf zu bewahren, und Stress gar nicht erst an sich heranzulassen. Der Guide verspricht schnell umzusetzende Tipps, die dem Alltag mehr Leichtigkeit verleihen und Zuversicht spenden.

Wie der Titel bereits verrät, besteht der Ratgeber aus 111 kurzen Texten, die die Länge einer Seite nicht überschreiten. Zusätzlich finden wir einen Hack Nummer 112 als Bonushack. Jeder Eintrag ist mit einem passenden Bild in hochwertigem, mehrfarbigem Druck versehen. Damit können die Hacks problemlos im schnelllebigen Alltag gelesen werden – ob in der Bahn, an der Bushaltestelle oder beim Warten an der Kasse. Die Tipps sind dennoch thematisch in Kapitel unterteilt, die im Inhaltsverzeichnis aufgeschlüsselt werden. Somit können die Texte auch in individueller Reihenfolge gelesen werden, je nachdem, für welches Thema man sich besonders interessiert, und es kann gezielt nach bestimmten Hacks gesucht werden. Ein gesamtes Kapitel ist den positiven Effekten von Musik auf unsere Stimmung gewidmet, weshalb wir immer wieder QR-Codes auf den Seiten finden, die uns zu verschiedenen Spotify-Playlists führen. Zusätzlich bieten die Autorinnen eine Kurzversion an, welche nur die wichtigsten Tipps enthält. Außerdem wurde eine SOS-Liste mit Tipps zusammengestellt, die in akut stressigen Situationen erste Hilfe leisten.

Miriam Seitter und Franziska Prinz erinnern uns mit ihrem Buch daran, dass das Leben schön ist und es meistens gar keinen Grund für Sorgen und Ärger gibt. Lebensbejahend weisen sie auf die Vorteile hin, die es mit sich bringt, sich nicht vorschnell von negativen Gefühlen mitreißen zu lassen, sondern sich stattdessen auf die positiven Aspekte im Alltag zu konzentrieren. Die Hacks richten den Blick gezielt auf die schönen Dinge des Lebens und laden dazu ein, Zeit für sich selbst und zur Reflexion zu finden.
Da viele Themenbereiche des Buches eng miteinander verbunden sind, doppeln sich allerdings auch einige Aspekte, was beim Lesen aller Hacks in der vorgegebenen Reihenfolge auffällt. Viele Tipps werden meiner Meinung auch nicht konkret genug, um als „Lifehack“ zu gelten. Sicherlich versteht darunter jeder etwas anderes, aber allgegenwärtige Grundeinstellungen und Weisheiten wie „Sei mutig!“, „Vertraue deinem Bauchgefühl!“ oder „Nutze deine Chancen!“ gehören für mich persönlich nicht dazu.
Trotzdem schenkt „111 bewährte Life-Hacks die deinen Leben bereichern“ einige Impulse, die wieder neuen Schwung bringen und sich ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren lassen. So habe ich begonnen, gemäß Hack 5 jeden Morgen 750 Milliliter Wasser zu trinken und, inspiriert durch Hack 35, mich an der Ampel nicht über die verlorene Zeit zu ärgern, sondern aktiv zu entspannen.
Miriam Seitter und Franziska Prinz haben einen Guide geschaffen, der besonders in schwierigen Lebenssituationen helfen kann, wieder auf die Beine zu kommen und Glück zu finden. Wer jedoch einen gezielten Ratgeber mit konkret formulierten Life-Hacks zur Alltagsoptimierung sucht, wird diese nur in Ansätzen finden.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Eramor - Reich der dunklen Fae

Eramor - Reich der dunklen Fae
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„Eramor – Reich der dunklen Fae“ bildet den Auftakt einer neuen Fantasyreihe der selbstveröffentlichenden Autorin Anja Lehmann und entführt uns in ein glänzend schönes Reich hinter dem mysteriösen Eibentor. ...

„Eramor – Reich der dunklen Fae“ bildet den Auftakt einer neuen Fantasyreihe der selbstveröffentlichenden Autorin Anja Lehmann und entführt uns in ein glänzend schönes Reich hinter dem mysteriösen Eibentor. Doch der Schein trügt…
Seren ist ein Mensch in einer Welt, in der die Fae mit eiserner Hand regieren. Unsterbliche Wesen, die die Menschen, die vor so langer Zeit in ihr Reich eingedrungen sind, unterdrücken, sodass sie sogar hungern müssen. Zu ihrer Belustigung veranstalten sie tödliche Spiele mit dem Versprechen, die Familien der Spieler auf alle Zeiten zu verschonen – und der Gewinner hat sogar einen Wunsch frei. Als Serens beste Freundin Ellie im Wald ausgerechnet den jüngsten Fae-Prinzen verletzt, soll sie in das Reich der Fae verschleppt werden, um dort an den Spielen teilzunehmen. Doch Seren, die sich erhofft, etwas über den Verbleib ihres verschwundenen Großvaters zu erfahren, nimmt ihren Platz ein. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Elion, eben Prinz, der verletzt wurde, ihr zur Seite stehen würde?

Das Buch fällt mit seiner aufwändigen und liebevollen Gestaltung gleich ins Auge. Der gesamte Umschlag enthält golden folierte Details und der mehrfarbige Farbschnitt passt perfekt zum düsteren Design des Covers. Im gestalteten Vorsatz finden wir zunächst eine Karte, die uns unter anderem das Fae-Schloss Eramor und Serens Dorf Liverness zeigt. Eine Triggerwarnung dagegen fehlt, was vor allem bei Romantasy-Büchern heute eher ungewöhnlich ist. Mit Themen wie Folter, Body Horror, Gewalt in der Familie und Gehirnwäsche, könnte es jedoch durchaus angebracht sein, Leser vorzuwarnen. Bei der Vielzahl der Nebencharaktere, die gleich zu Beginn eingeführt werden, wäre auch ein Charakterregister zur Orientierung sicherlich von Vorteil gewesen.
Die Geschichte erleben wir durch die Augen der beiden Protagonisten Seren und Elion, dessen POVs auch immer mal wieder innerhalb eines Kapitels wechseln, was aber ausreichend angekündigt wird, sodass man dem Handlungsverlauf gut folgen kann. Hinsichtlich der Sprache werden auch Schimpfworte und vulgäre Ausdrücke wie „Bitch“ verwendet, die teilweise nicht so recht in das mittelalterliche Setting passen wollen.

Die Stärke des Buches liegt definitiv im Worldbuilding. Die Autorin hat hier eindeutig mit vielen, auch innovativen Aspekten gearbeitet, die viel Zündstoff für Folgebände liefern.  Seelenbunde zwischen den Fae bilden ein spannendes, romantisches Element, dass der aufkeimenden Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren etwas Besonderes gibt. Auch werden die Fae als Spezies ausführlich beschrieben. So erfahren wir beispielsweise, dass sie am Abend noch mächtiger sind oder dass sie ihre Gestalt nach Belieben verändern können, um Menschen zu täuschen, dabei allerdings niemals in der Lage sind, zu lügen. Ein weiterer Konflikt zeigt sich im Weltenriss am Dämmerbruch. Schattenwesen drohen, aus diesem hervorzukriechen, und beide Reiche – sowohl das der Fae als auch das der Menschen, zu vernichten.
Wir erfahren in diesem ersten Band vieles über die Geschichte von Eramor und auch über die königliche Familie, die noch so viele Geheimnisse birgt. Dabei bleiben die Figuren selbst leider etwas auf der Strecke. Zwar ist bereits einiges über die Charaktere bekannt, trotzdem gelingt es nicht so recht, sich in diese hineinzuversetzen und Sympathie zu ihnen aufzubauen. Das liegt möglicherweise auch daran, dass Seren auf ihrem Weg stark von der Hilfe anderer abhängig ist und nur wenige Herausforderungen im Alleingang meistert. Zeitweise fühlen sich Szenen außerdem doch sehr gehetzt an, sodass auch die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten eher plötzlich erblüht und damit etwas unglaubwürdig wirkt. Dennoch ist über die gesamte Handlung hinweg spürbar, dass die Welt von Eramor noch einige Überraschungen bereithält, die sicherlich in den Folgebänden Stück für Stück offenbart werden.

Alles in allem bildet „Eramor – Reich der dunklen Fae“ einen etwas überladenen Einstieg in eine neue Fantasysaga, der im Hinblick auf die Vielschichtigkeit der Figuren und der atmosphärischen Beschreibung der Geschehnisse leider noch zu wünschen übriglässt. Dabei zeigt das Buch dennoch deutlich die reichhaltige Fantasie der Autorin auf, die sicherlich noch mehr als genügend Stoff für mehrere Folgebände liefern wird. Ein zweiter Teil ist bereits in Arbeit und soll voraussichtlich noch im Sommer dieses Jahres erscheinen.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Dance or Die

DANCE OR DIE
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Der Tatsachenroman „Dance or Die“ von Jessika Westen, erschienen im Juni 2020 im emons-Verlag, zeichnet knapp 10 Jahre nach dem Event die Ereignisse der Loveparade-Katastrophe nach, die sich im Juli 2010 ...

Der Tatsachenroman „Dance or Die“ von Jessika Westen, erschienen im Juni 2020 im emons-Verlag, zeichnet knapp 10 Jahre nach dem Event die Ereignisse der Loveparade-Katastrophe nach, die sich im Juli 2010 in Duisburg zugetragen hatte. Die Autorin erlebte die Geschehnisse als Live-Reporterin hautnah mit und interviewte Betroffene, Angehörige von Opfern, Augenzeugen sowie Ersthelfer, um den Verlauf der Tragödie in ihrem Buch wahrheitsgemäß abbilden zu können. Schonungslos legt sie die Entwicklung der Massenpanik dar, die den Tod von 22 Menschen zur Folge hatte und Hunderte Verletzte zählte.

Dazu nimmt die Autorin einerseits die Perspektive eines Sanitäters ein, der am Veranstaltungstag im Einsatz war, andererseits verfolgen wir auch Katty und ihre Clique, die sich am folgenreichen Morgen auf den Weg zum Event macht. Die Reporterin Emma komplettiert die Gruppe der drei Protagonisten und steuert aufschlussreiche Einblicke in die Berichterstattung am Einsatzort bei. Im Laufe der Geschichte verflechten sich die Erlebnisse der Hauptfiguren und machen so deutlich, wie schnell aus einer großen Party voller Spaß und Vorfreude eine ausweglose Situation entstehen kann, die schließlich zur Tragödie führte. Dabei besteht die Geschichte weitgehend aus Fakten – konkret wird allerdings nicht genannt, welche Aspekte aus dramaturgischen Gründen oder zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte abgeändert beziehungsweise hinzugefügt wurden. So beginnt ein jedes Kapitel mit einem Ausschnitt eines realistischen Gespräches über Funk, es bleibt jedoch offen, ob diese Unterhaltungen eigens für das Buch entwickelt wurden oder in ähnlicher Form tatsächlich stattgefunden haben.

Im Nachgang einer so unvorhergesehenen Katastrophe stellt sich meist zunächst die Frage nach dem Warum. Die Suche nach Gründen und möglichen Auslösern beschäftigt sowohl Betroffene als auch Außenstehende, die lediglich von den Geschehnissen gehört haben. Diese Frage beantwortet Jessika Westen in ihrem Buch ausführlich. Durch das Zusammenspiel der drei unterschiedlichen Perspektiven analysiert sie, welche technischen Umstände und Entscheidungen sowohl seitens der Organisatoren als auch der Raver letztendlich dazu führten, dass Menschen durch die panische Menge erdrückt und totgetrampelt wurden.  
Darüber hinaus bietet das Buch interessante Einblicke in die Arbeit von Ersthelfern und Fernsehreportern. Dennoch ist ein Vorwissen beispielsweise im Bereich Medizin oder Fernsehtechnik zum Verständnis nicht nötig. Im Vorsatz finden wir eine Karte des Veranstaltungsgeländes, auf der auch eine Schlüsselpunkte eingezeichnet sind, die die Visualisierung der Ereignisse vereinfachen und so sicherstellen, dass technische Details keine Verwirrung beim Leser auslösen.

„Dance or Die“ ist keineswegs leichte Kost für zwischendurch, aber gerade aus diesem Grund eine fesselnde Geschichte, die im Gedenken an die Opfer eindrücklich schildert, wie essenziell es ist, stets die eigene Umgebung zu beobachten um, gerade im Rahmen von Großevents, im Zweifelsfall umzukehren, bevor es zu spät ist und es keinen Ausweg mehr gibt. Die Eskalation der Situation wird durch die detailgetreue Beschreibung der Geschehnisse spür- und nachvollziehbar. Eine Geschichte, die für einige vielleicht „zu krass“ sein könnte, aber definitiv niemanden kaltlässt und nach dem Lesen noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Dire Bound

Dire Bound
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Mit “Dire Bound” von Sable Sorensen, erscheint am 25. Februar diesen Jahres im Goldmann-Verlag ein neues Romantasy-Highlight mit Dystopie-Aspekten, das alle Fans von Hunger Games, Fourth Wing und Divergent ...

Mit “Dire Bound” von Sable Sorensen, erscheint am 25. Februar diesen Jahres im Goldmann-Verlag ein neues Romantasy-Highlight mit Dystopie-Aspekten, das alle Fans von Hunger Games, Fourth Wing und Divergent begeistern wird. Wer von immersiven Welten einfach nicht genug bekommen kann, sollte sich “Dire Bound” und “Fury Bound” (erscheint im Juli) keinesfalls entgehen lassen.
Unsere starke Protagonistin Meryn macht sich auf den Weg, ihre Schwester zu retten, nachdem diese aus ihrem Zimmer entführt wurde. Sie ist bereit, alles aufzugeben, um Saela wieder nach Hause zu bringen – selbst, wenn sie dafür an der Front kämpfen muss. Nicht ganz freiwillig wird sie so zu einer Wildgebundenen: eine Kriegerin, die eine Verbindung mit einem Schattenwolf eingegangen ist und nun ihre Ausbildung beginnt. Schnell wird ihr klar, dass sie keine andere Wahl hat, als sich auf die Wölfin Anassa einzulassen und sich ihr zu öffnen. Denn andernfalls kann keiner der beiden die brutalen Bindungsprüfungen überleben. Doch in den Schatten des Schlosses lauern auch Geheimnisse, die gelüftet werden wollen, wenn Meryn nicht demselben Wahnsinn verfallen will, wie schon ihre Mutter…

“Dire Bound” entführt uns ins Königreich Nocturna, dessen Karte wir im Vor- und Nachsatz des Buches finden. So kann man die Reise unserer Heldin beim Lesen nachverfolgen. Hinten im Buch wurde außerdem, wie gewöhnlich, eine Triggerwarnung zugefügt, auf welche zu Beginn der Geschichte hingewiesen wird. Außerdem ist das Buch unter anderem mit einem Glossar und Charakterverzeichnis ausgestattet. Trotz der großen Menge an Figuren habe ich dieses allerdings nur selten verwendet – die meisten Charaktere sind so präsent, dass man sie nicht so schnell vergisst, was wiederum für ihre Tiefe und die Qualität der Geschichte spricht.
Die Geschichte richtet sich mit ihren düsteren Themen definitiv an ein erwachsenes Publikum, was auch durch Schimpfworte im Ausdruck der Figuren und einige explizite Sexszenen auffällt. Der Spice-Level fällt insgesamt eher hoch aus, spielt aber keine zentrale Rolle: Ich würde ihn mit einer 3,5 – 4 von 5 einschätzen. Mir persönlich stellenweise etwas zu viel, aber es lenkt keineswegs von der Haupthandlung ab. Minderheiten werden ebenfalls repräsentiert. So nutzt Venna aufgrund von Schwerhörigkeit gelegentlich Gebärdensprache und Nevah datet im Laufe der Geschichte sowohl einen Mann, als auch eine Frau, was die LGBTQ+IA-Community einschließt.

“Dire Bound” handelt von Verrat und menschlichen Abgründen, von Ungerechtigkeit und was sie auslösen kann, aber auch von Freundschaften, die sich über alle Vorurteile hinweg entwickeln. Nocturna ist ein gespaltenes Königreich, das unter dem andauernden Krieg mit Astreona leidet, während der Adel im Luxus lebt und sich von den blutigen Bindungsprüfungen der Wildgebundenen unterhalten lässt. Starke Plottwists verleihen der Handlung den nötigen Zug, sodass man die 800 Seiten einfach so wegliest, auch, wenn man normalerweise Schwierigkeiten mit längeren Büchern hat. Das Buch zieht sich kein bisschen, denn das Königreich Nocturna selbst hat eine Geschichte mit jahrhundertealten Traditionen, die erzählt werden will. Es handelt sich um ein immersives Abenteuer, das begeistert und Lust macht, noch tiefer in die mysteriöse Fantasy-Welt einzutauchen.
Mit Meryn haben sich die Autorinnen für eine starke, weibliche Protagonistin, die keineswegs perfekt, aber entschlossen ist, bis aufs Blut zu kämpfen, um ihre Schwester zu beschützen. Als eine von nur zwei bürgerlichen Wildgebundenen zeigt sie deutlich auf, dass Privilegiertheit in der Ausbildung zwar einen Vorteil darstellt, aber definitiv nicht nötig ist, um seine Ziele zu erreichen.
Das Ende der Geschichte baut eine solide Basis für den Folgeband auf – viele Fragen werden zwar beantwortet, dennoch bleiben Konflikte offen, die im bereits angekündigten Teil “Fury Bound” aufgelöst werden könnten. Den 15. Juli habe ich mir im Kalender bereits rot angestrichen, um so schnell wie möglich weiterlesen zu können, denn mich hat “Dire Bound” überzeugt, wie es schon lange keine Romantasy mehr getan hat. Für mich das Lesehighlight des Jahres bisher.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Im Bann der Freibeuter

Im Bann der Freibeuter
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“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, ...

“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, angelehnt an reale Ereignisse, handelt von Träumen, dem Leben und was beide aus uns machen.
Unser Protagonist, Richard Kreutzner wächst in Freiberg als Sohn eines tyrannischen Vaters auf, der eine Silbermine besitzt, dessen Leitung er gerne an die nächste Generation weitergeben würde. Leider interessiert sich Richard überhaupt nicht für den Bergbau – er beschäftigt sich lieber mit Büchern. Diese sind es auch, die ihn eines Tages dazu bewegen, fortzulaufen, um Bibliothekar werden. Doch so weit wird es nie kommen, wie wir bereits zum Anfang der Geschichte erfahren, denn die Erzählung beginnt mit der kurz bevorstehenden Hinrichtung unserer Hauptfigur. Ein Dichter, Daniel Defoe, macht es sich zur Aufgabe, Teile seiner Lebensgeschichte niederzuschreiben. Dieser Name dürfte den meisten Lesern etwas sagen. Der Autor bedient sich hier einer wahren Persönlichkeit: Defoe veröffentlichte im 18. Jahrhundert sein berühmtestes Werk “Robinson Crusoe”.
Wir begleiten Richard auf seinen haarsträubenden Abenteuern und beobachten, wie er sich immer und immer weiter von seinem eigentlichen Ziel entfernt. Scheint London anfangs nur eine kurze Schiffsfahrt entfernt, soll er letztendlich wirklich dort ankommen – jedoch unter gänzlich anderen Umständen als ursprünglich geplant. Zuvor wird er jedoch viele verschiedene Orte bereisen und unterschiedliche Kulturen kennenlernen, die ihm nicht immer wohl gesonnen sind. Die meiste Zeit segelt er dabei unter dem Kommando des berüchtigten Freibeuters William Kidd und sieht sich auf diese Weise mit den rauen Umgangsformen der Mannschaft und ihrem Aberglauben konfrontiert. Auch Richard selbst bleibt nicht ganz unschuldig, selbst wenn er andere Pläne für seine Zukunft hatte. Anfangs noch entschlossen, eine Anstellung durch die Royal Society zu erhalten, begeht er Gotteslästerung, Mord und Folter schließlich ganz ohne Skrupel. Lotter gelingt es, diese Entwicklung des Protagonisten deutlich spürbar zu machen, ohne, dass diese dabei unrealistisch wirkt, und führt uns so vor Augen, wie aus einem ehrbaren Mann ein waschechter Halunke werden kann.


Die Handlung ist dicht und sehr atmosphärisch geschrieben, wirkt aber dennoch nicht wie eine bloße Aneinanderreihung von Szenen, sondern bildet eine spektakuläre Lebensgeschichte ab, die man gerne gespannt beobachtet. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass der Autor vor der typischen, rauen Ausdrucksweise der Seemänner nicht zurückschreckt und auch Begriffe verwendet, die heute bereits aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Vorgänge an Bord werden detailliert beschrieben, setzen jedoch etwas Vorwissen oder Recherche voraus, denn viele nautische Fachbegriffe werden nicht erklärt. Doch selbst wenn man nicht jedes unbekannte Wort nachschlägt, kann man der Geschichte trotzdem sehr gut folgen. Lediglich die Vielzahl der Charaktere, welche Richard in den meisten Fällen nur eine Zeit lang begleiten, birgt eine Schwierigkeit. Hier wäre ein Register durchaus hilfreich gewesen, um die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren im Zweifelsfall noch einmal nachlesen zu können.

Alles in allem kann ich “Im Bann der Freibeuter” jedem empfehlen, der sich für Piraten interessiert und etwas tiefer in die Materie eintauchen will. Die Handlung überzeugt mit einigen bekannten historischen Persönlichkeiten, aber auch durch den Rhythmus, in dem der Autor Richards Geschichte schildert, sodass kein Abschnitt seines Lebens zu langwierig wird. Trotzdem gelingt es, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie er sich menschlich so stark verändern konnte. Ein Beweis, dass doch niemand vorhersehen kann, wohin uns das Leben führt.


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