Bachelorette Party
Bachelorette PartyVor Kurzem erschien im dtv-Verlag ein neuer Thriller mit farbenfrohem Cover, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Camilla Sten, Tochter der schwedischen Bestseller-Autorin Viveca Sten überzeugt ...
Vor Kurzem erschien im dtv-Verlag ein neuer Thriller mit farbenfrohem Cover, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Camilla Sten, Tochter der schwedischen Bestseller-Autorin Viveca Sten überzeugt erneut mit ihrem neuen Buch “Bachelorette Party”.
Es sollte ein lustiges Wochenende unter Mädels werden, um Annelieses Junggesellinnenabschied ausgiebig zu feiern. Nur sie und ihre 5 besten Freundinnen in einem Luxusresort, das offiziell noch gar nicht eröffnet ist. Exklusiv ermöglicht Irene, Besitzerin des Baltic Vinayasa, der Mädelstruppe 4 Tage voller Alkohol, Spaß und Yogastunden auf der malerischen Schäreninsel. Tessa sieht dem Ausflug mit gemischten Gefühlen entgegen, würde sich die Chance aber niemals entgehen lassen. Denn obwohl sie nicht wirklich in der Stimmung für eine ausgelassene Feier ist, hat sie eine furchtbare Vermutung, die sie einfach nicht loslässt…
Das Buch erscheint als aufwendige Klappenbroschur mit gestaltetem Vor- und Nachsatz, jedoch ohne die heutzutage so beliebte Triggerwarnung. Ob eine solche im Genre Thriller notwendig ist, muss jeder für sich entscheiden, allerdings sei angemerkt, dass Beschreibungen von Wunden, Leichen und Traumata für einige Leser durchaus aufwühlend sein könnten.
Die Geschichte teilt sich in zeitlich in zwei Phasen mit unterschiedlichen Figuren. Zunächst kam im Jahr 2012 die Gruppe bestehend aus Matilda, Linnea, Evelina und Anna auf die Insel “Isle Blind”, bevor alle vier Frauen plötzlich spurlos verschwanden. Der Fall der “Verschwundenen von Nacka” fasziniert die Protagonistin Tessa derart, dass sie nicht zögert, als ihre alte Freundin Anneliese sie 10 Jahre später einlädt, gemeinsam mit Lena, Caroline und Mikaela am selben Ort zu feiern. Doch auch zwischen den beiden Gruppen bestehen einige Verbindungen, die hier noch nicht vorweggenommen werden sollen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Tessa und Matilda sowie später ihrem Mann, Carl. Dabei wechselt die Autorin zwischen den beiden Handlungssträngen und füttert uns immer mal wieder mit einem Zeitungsartikel, einem Telefonprotokoll, einem Blogeintrag oder Polizeibericht, sodass langsam aber sicher ein Bild der Nacht entsteht, in der die jungen Frauen damals verschwanden.
Fans des Genre True Crime werden sich über zahlreiche Anekdoten freuen, die gleichzeitig aber auch die Frage nach der ethischen Verantwortbarkeit solcher Inhalte stellen. Thematisch befasst sich das Buch außerdem mit Schuld- und Traumabewältigung, Alkoholkonsum und -problemen, weshalb die Geschichte eher für ein erwachsenes Publikum geeignet ist. Darüber hinaus wird die LGBTQIA+-Community in die Handlung einbezogen, denn die Protagonistin identifiziert sich als bisexuell, was am Tisch zeitweise zu unangenehmen, aber durchaus realistischen Gesprächen führt.
Camilla Sten versteht es, beinahe jedes der kurzen Kapitel in einem Cliffhanger enden zu lassen, sodass eine gewisse Spannung bereits kurz nach Beginn der Geschichte entsteht. Das bedrückende, raue Setting der schwedischen Schäreninseln verstärkt diesen Eindruck sogar noch und sorgt dafür, dass die Bedrohung erst greifbar und glaubwürdig wird. Ganz im Sinne des Genres laufen die Fäden zum Ende hin präzise zusammen, sodass schlussendlich keine Fragen offenbleiben. Der berühmt berüchtigte Plottwist lässt zwar etwas auf sich warten, schlägt dann aber mit voller Wucht ein – hier kann man keineswegs von einem vorhersehbaren Finale sprechen.
Die Hauptfiguren wirken authentisch und einzigartig, sodass man vor allem Tessa ihre Emotionen schnell abnimmt. Da einige Nebencharaktere allerdings nur wenig Wortbeiträge haben, fällt es ab und an vielleicht ein wenig schwer, sich zu erinnern, wer genau wer war. Dies tut dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch, da der Fokus ohnehin auf dem Plot liegt. Die Autorin setzt zudem auf einen Gegenspieler, dessen Motivation teilweise nachvollziehbar ist, was der Eskalation eine bittersüße Note verleiht.
Alles in allem konnte “Bachelorette Party” mich in vollem Maße begeistern. Ich greife selten zu Thrillern, da diese doch meist dazu neigen, vorgefertigten Mustern zu folgen und gemäß eines bestimmten Schemas abzulaufen, was mich persönlich eher langweilt. Camilla Sten hat es allerdings geschafft, mich zu überraschen, indem sie Wendungen versteckte, wo keine zu sein schienen und diese vermuten ließ, wo schließlich gar keine waren. Eine kurzweilige, atmosphärische ansprechende Geschichte, die im Vergleich zu ähnlichen Werken bereits sehr früh spannend wird und den Leser von Beginn an zu fesseln weiß.