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Veröffentlicht am 11.05.2026

Bachelorette Party

Bachelorette Party
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Vor Kurzem erschien im dtv-Verlag ein neuer Thriller mit farbenfrohem Cover, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Camilla Sten, Tochter der schwedischen Bestseller-Autorin Viveca Sten überzeugt ...

Vor Kurzem erschien im dtv-Verlag ein neuer Thriller mit farbenfrohem Cover, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Camilla Sten, Tochter der schwedischen Bestseller-Autorin Viveca Sten überzeugt erneut mit ihrem neuen Buch “Bachelorette Party”.
Es sollte ein lustiges Wochenende unter Mädels werden, um Annelieses Junggesellinnenabschied ausgiebig zu feiern. Nur sie und ihre 5 besten Freundinnen in einem Luxusresort, das offiziell noch gar nicht eröffnet ist. Exklusiv ermöglicht Irene, Besitzerin des Baltic Vinayasa, der Mädelstruppe 4 Tage voller Alkohol, Spaß und Yogastunden auf der malerischen Schäreninsel. Tessa sieht dem Ausflug mit gemischten Gefühlen entgegen, würde sich die Chance aber niemals entgehen lassen. Denn obwohl sie nicht wirklich in der Stimmung für eine ausgelassene Feier ist, hat sie eine furchtbare Vermutung, die sie einfach nicht loslässt…

Das Buch erscheint als aufwendige Klappenbroschur mit gestaltetem Vor- und Nachsatz, jedoch ohne die heutzutage so beliebte Triggerwarnung. Ob eine solche im Genre Thriller notwendig ist, muss jeder für sich entscheiden, allerdings sei angemerkt, dass Beschreibungen von Wunden, Leichen und Traumata für einige Leser durchaus aufwühlend sein könnten.
Die Geschichte teilt sich in zeitlich in zwei Phasen mit unterschiedlichen Figuren. Zunächst kam im Jahr 2012 die Gruppe bestehend aus Matilda, Linnea, Evelina und Anna auf die Insel “Isle Blind”, bevor alle vier Frauen plötzlich spurlos verschwanden. Der Fall der “Verschwundenen von Nacka” fasziniert die Protagonistin Tessa derart, dass sie nicht zögert, als ihre alte Freundin Anneliese sie 10 Jahre später einlädt, gemeinsam mit Lena, Caroline und Mikaela am selben Ort zu feiern. Doch auch zwischen den beiden Gruppen bestehen einige Verbindungen, die hier noch nicht vorweggenommen werden sollen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Tessa und Matilda sowie später ihrem Mann, Carl. Dabei wechselt die Autorin zwischen den beiden Handlungssträngen und füttert uns immer mal wieder mit einem Zeitungsartikel, einem Telefonprotokoll, einem Blogeintrag oder Polizeibericht, sodass langsam aber sicher ein Bild der Nacht entsteht, in der die jungen Frauen damals verschwanden.
Fans des Genre True Crime werden sich über zahlreiche Anekdoten freuen, die gleichzeitig aber auch die Frage nach der ethischen Verantwortbarkeit solcher Inhalte stellen. Thematisch befasst sich das Buch außerdem mit Schuld- und Traumabewältigung, Alkoholkonsum und -problemen, weshalb die Geschichte eher für ein erwachsenes Publikum geeignet ist. Darüber hinaus wird die LGBTQIA+-Community in die Handlung einbezogen, denn die Protagonistin identifiziert sich als bisexuell, was am Tisch zeitweise zu unangenehmen, aber durchaus realistischen Gesprächen führt.
Camilla Sten versteht es, beinahe jedes der kurzen Kapitel in einem Cliffhanger enden zu lassen, sodass eine gewisse Spannung bereits kurz nach Beginn der Geschichte entsteht. Das bedrückende, raue Setting der schwedischen Schäreninseln verstärkt diesen Eindruck sogar noch und sorgt dafür, dass die Bedrohung erst greifbar und glaubwürdig wird. Ganz im Sinne des Genres laufen die Fäden zum Ende hin präzise zusammen, sodass schlussendlich keine Fragen offenbleiben. Der berühmt berüchtigte Plottwist lässt zwar etwas auf sich warten, schlägt dann aber mit voller Wucht ein – hier kann man keineswegs von einem vorhersehbaren Finale sprechen.
Die Hauptfiguren wirken authentisch und einzigartig, sodass man vor allem Tessa ihre Emotionen schnell abnimmt. Da einige Nebencharaktere allerdings nur wenig Wortbeiträge haben, fällt es ab und an vielleicht ein wenig schwer, sich zu erinnern, wer genau wer war. Dies tut dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch, da der Fokus ohnehin auf dem Plot liegt. Die Autorin setzt zudem auf einen Gegenspieler, dessen Motivation teilweise nachvollziehbar ist, was der Eskalation eine bittersüße Note verleiht.

Alles in allem konnte “Bachelorette Party” mich in vollem Maße begeistern. Ich greife selten zu Thrillern, da diese doch meist dazu neigen, vorgefertigten Mustern zu folgen und gemäß eines bestimmten Schemas abzulaufen, was mich persönlich eher langweilt. Camilla Sten hat es allerdings geschafft, mich zu überraschen, indem sie Wendungen versteckte, wo keine zu sein schienen und diese vermuten ließ, wo schließlich gar keine waren. Eine kurzweilige, atmosphärische ansprechende Geschichte, die im Vergleich zu ähnlichen Werken bereits sehr früh spannend wird und den Leser von Beginn an zu fesseln weiß.


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Veröffentlicht am 09.05.2026

Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen Köln

Köln. Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen
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Claudia Welkisch erweitert die beliebte Reiseführer-Reihe des Emons-Verlages “Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen” mit ihrem Buch um einen weiteren Teil, der  uns dieses Mal dazu einlädt, die Stadt ...

Claudia Welkisch erweitert die beliebte Reiseführer-Reihe des Emons-Verlages “Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen” mit ihrem Buch um einen weiteren Teil, der  uns dieses Mal dazu einlädt, die Stadt Köln ganz neu kennenzulernen.

Liebevoll gestaltet kommt bereits im Vorwort die Liebe der Autorin zur Stadt durch. Der Reiseführer wurde für alle entwickelt, die sich eher abseits der typischen Touristen-Hotspots aufhalten wollen und dabei jede Menge Spaß mit der Familie, dem Partner und oder Freunden haben wollen. Damit die Lieblingsmenschen auch standesgemäß zur geplanten Tour eingeladen werden können, befindet sich vorne im Buch ein Vordruck, der entweder kopiert und ausgefüllt werden kann oder, falls das Buch als Geschenk gedacht ist, gleich klarstellt, dass auch gemeinsame Zeit geplant ist. Darüber hinaus bietet “Unterwegs mit deinen Lieblingsmeschen – Köln” Platz für Notizen und eigene Fotos.
Das Inhaltsverzeichnis teilt sich in sechs verschiedene Kategorien: aktiv sein, die Stadt erkunden, entspannen, kreativ werden, Köstlichkeiten teilen und Kultur erleben. Jede Aktivität trägt einen Titel, sodass man sich schnell einen Überblick verschaffen kann. Zusätzlich findet man auch interessante Tipps zu den geplanten Ausflügen, wie beispielsweise eine Packliste für den Zeltplatz oder Hinweise zur Haltbarkeit von Schnittblumen. Jede der sechs Kategorien enthält etwa 20 Einträge.

Die Aktivitäten selbst präsentieren sich sehr ansprechend auf einer bis zwei Seiten mit hochauflösenden Farbfotos, Adresse und Webseite sowie Informationen zur ÖPNV-Anbindung. Hinweise zu besonderen Terminen finden sich oberhalb der Beschreibung, sodass die wichtigsten Fakten gleich einsehbar sind. Einbezogen werden nicht nur Aktivitäten in Köln selbst, sondern auch im direkten Umland. Die Vorschläge eignen sich für Familien, Paare aber auch Singles, die mit Freunden Zeit verbringen oder die Stadt auf eigene Faust erkunden möchten. Dank der vielfältigen Kategorien ist wirklich für jeden etwas dabei. Ich persönlich habe etwa 15 Tipps in meine Bucket List aufgenommen .
Im Vergleich zur bekannten Reihe des Emons-Verlages “111 Orte, die man gesehen haben muss” liegt der Fokus hier eher auf Angeboten, die erlauben, selbst aktiv zu werden und die Stadt zu genießen statt über Kunst und Geschichte zu informieren. Einen anschaulichen Stadtplan, in den die vorgeschlagenen Aktivitäten eingezeichnet sind, sucht man hier jedoch vergeblich. Sicherlich nutzen im heutigen Zeitalter allerdings die allermeisten Leser ohnehin lieber mobile Dienste wie Google Maps.

Alles in allem bietet “Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen - Köln” eine Vielzahl spaßiger Aktivitäten in und um Köln, die auch nach dem Feierabend noch gemeinsame Zeit mit den Liebsten versprechen. Besonders Kölner und diejenigen, die in der direkten Umgebung leben, finden hier ein wahres Feuerwerk an Ideen, wenn es mal etwas anderes als der typische 08/15-Café-Besuch mit der besten Freundin sein soll. Dabei nennt Claudia Welkisch überwiegend Workshops, Restaurants und Events, die nicht unbedingt auf jeder Sightseeing-Webseite auftauchen, aber unbedingt einen Blick wert sind. Wer allerdings als Tourist in die Stadt kommt und sich mit der kölschen Geschichte und den größten Sehenswürdigkeiten vertraut machen möchte, sollte eher zu einem konventionelleren Reiseführer greifen.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

111 Orte in Düsseldorf, die man gesehen haben muss

111 Orte in Düsseldorf, die man gesehen haben muss
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Peter Eickhoff fügt mit seinem Buch der beliebten Reihe des Emons-Verlages “111 Orte, die man gesehen haben muss” einen Reiseführer für die Stadt Düsseldorf hinzu.

Sehenswürdigkeiten verschiedener Art ...

Peter Eickhoff fügt mit seinem Buch der beliebten Reihe des Emons-Verlages “111 Orte, die man gesehen haben muss” einen Reiseführer für die Stadt Düsseldorf hinzu.

Sehenswürdigkeiten verschiedener Art werden zunächst im Inhaltsverzeichnis mit einem kurzen Titel genannt und auf den letzten Seiten des Buches auch anschaulich auf verschiedenen Stadtplänen verortet, um die Orientierung zu erleichtern. Nach einem kurzen Vorwort, das mit prägnanten Fragen neugierig macht, finden wir pro Ort jeweils ein hochauflösendes Farbfoto auf der rechten, sowie eine Beschreibung auf der linken Seite. Zusätzlich gibt der Autor auch Informationen zur ÖPNV-Anbindung, Öffnungszeiten und einen kurzen Tipp zu einer weiteren Aktivität, die fußläufig zu erreichen ist. So können gleich mehrere interessante Punkte der Stadt erkundet werden. Der Reiseführer eignet sich somit auch zur Erstellung einer Tour, die basierend auf individuellen Vorlieben selbst zusammengestellt werden kann.
Thematisch sind verschiedene Interessensfelder vertreten. Ein Großteil der Orte beschäftigt sich jedoch mit einer Form von Kunst und oder Geschichte. Darüber hinaus werden auch Kirchen, architektonisch herausstechende Gebäude und Gärten aufgelistet. Der Autor empfiehlt einige gastronomische Lokalitäten, sagenumwobene Orte und erwähnt darüber hinaus Entstehungsorte von Film, Musik und Literatur. Auch alteingesessene Düsseldorfer werden hier sicherlich noch etwas dazulernen können und das ein oder andere Ausflugsziel finden.
Sprachlich ist der Reieseführer etwas gehoben und nicht völlig frei von Fachbegriffen, weshalb es vorkommen kann, dass ein Wort nachgeschlagen werden muss, wenn man nicht gerade Experte verschiedener zeitlicher Epochen und Kunststile ist. Dennoch lesen sich die kurzen Texte flüssig und informativ. Dabei werden auch Personen vorgestellt, die die Stadt Düsseldorf nachhaltig beeinflusst haben. Die Beschreibung der Orte selbst beschränkt sich dagegen nicht ausschließlich auf ihre geschichtliche Bedeutung, sondern enthält auch Informationen zur Atmosphäre, Klientel und gegebenenfalls Preisen. Überraschend gesellschaftskritisch und schonungslos beleuchtet Eickhoff beispielsweise die Punkerszene, obdachlose Personen sowie Wohnungsbesetzer und Drogenverkäufer.

Alles in allem bietet “111 Orte in Düsseldorf, die man gesehen haben muss” einen detaillierten Einblick in verschiedene Bereiche der Stadt und lädt dazu ein, die Vielseitigkeit der ausgewählten Orte selbst zu erleben. Dabei tauchen nicht nur die typischen Sehenswürdigkeiten auf, die auch online schnell per Klick einsehbar sind, sondern eher versteckte Lokalitäten, die sonst gerne übersehen werden. Peter Eickhoff beschreibt diese sehr eindrücklich, sodass der Leser schnell und einfach entscheiden kann, welche Punkte interessant wirken und einen Blick wert sein könnten. Es sei aber angemerkt, dass die Mehrheit der Orte sich mit Kunst beschäftigt, was typische Touristen, die meist eher auf der Suche nach schönen Orten zum Entspannen und außergewöhnlichen Läden zum Kaufen von besonderen Souvenirs sind, abschrecken könnte.


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Veröffentlicht am 27.04.2026

And they were roommates

And they were roommates
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Diese Woche erscheint mit « And they were roommates » Page Powars’ Debüt beim Verlag One. Seine beiden Werke « The borrowed boyfriend club » und « But I hate him » wurden bisher noch nicht auf Deutsch ...

Diese Woche erscheint mit « And they were roommates » Page Powars’ Debüt beim Verlag One. Seine beiden Werke « The borrowed boyfriend club » und « But I hate him » wurden bisher noch nicht auf Deutsch übersetzt – aber was nicht ist, kann ja noch werden. Für den Augenblick können wir uns über eine queere Lovestory mit transsexuellem Protagonisten freuen – auch heute noch eher eine Seltenheit im Genre Romance.
Charlie wünscht sich nichts sehnlicher, als auf die Jungenakademie Valentine zu gehen und dank eines Stipendiums soll sein Wunsch nun endlich in Erfüllung gehen. Allerdings ist die Valentine für ihre traditionellen Werte bekannt, was für Probleme sorgen könnte. In weiser Voraussicht hat unser Hauptcharakter explizit ein Einzelzimmer beantragt und dafür gezahlt – angeblich. Denn bei seiner Ankunft ist der Scheck nicht auffindbar und man weist ihm einen Mitbewohner zu - ausgerechnet Jasper Grimes ; ein alter Bekannter, der sein Geheimnis in Sekundenschnelle lüften könnte…

Der Vor- und Nachsatz des Buches ist passend zum Cover liebevoll gestaltet – unter anderem finden wir einen detaillierten Plan der Valentine-Akademie, sodass wir stets nachvollziehen können, wo die Charaktere sich gerade herumtreiben. Das fügt der Geschichte ein spaßiges, interaktives Element hinzu und wirkt außerdem sehr wertig. Vorne gibt es wieder den üblichen Hinweis auf die Triggerwarnung, welche sich auf den letzten Seiten des Buches versteckt, um ungewollte Spoiler zu vermeiden. Die Liste enthält nur einen einzigen Eintrag – meiner Meiung nach hätte man hier aber die Narben, die Charlie durch seine Brustoperation davon getragen hat, ebenfalls erwähnen müssen, da diese für einige Mitglieder der Trans-Community durchaus negative Gefühle auslösen könnten.
Besonders aufgefallen ist mir die Widmung des Buches : Diese richtet sich nämlich an den Partner des Autors und ist ein Hochzeitsantrag. Romantischer geht es nun wirklich nicht. So eingestimmt starten wir gleich mit dem ersten Kapitel und Charlies Ankunft in der Akademie. Die Abschnitte sind jeweils mit sowohl Titel als auch Datum versehen und haben mit einer Länge von 1-12 Seiten einen angenehmen Umfang. Haptisch sticht außerdem die hohe Dichte des Papiers heraus, was für hohe Qualität spricht.
Im Buch gibt es durchaus sexuelle Andeutungen, beispielsweise in der Benennung der Blockade zwischen dem Jungen- und Mädchencampus, jedoch keinerlei explizite Szenen, die über leidenschaftliche Küsse hinausgehen. Sprachlich bedient sich der Autor der modernen Jugendsprache mit einigen englischen Begriffen, die aber gemeinhin bekannt sein sollten. Wir erleben die Handlung ausschließlich aus der Perspektive von Charlie. In seinem Gedankenfluss tauchen auch immer wieder unvollständige Sätze auf, die der Geschichte die nötige Glaubwürdigkeit verleihen und den Eindruck vermitteln, dass die Geschehnisse tatsächlich exakt in diesem Moment passieren. Die übrigen Charaktere verfügen teilweise über ungewöhnliche Eigenschaften oder weisen besondere Verhaltensweisen auf, die sie hervorstechen und sympathisch wirken lassen. So bleiben die meisten Nebenfiguren nicht zuletzt aufgrund ihrer unverwechselbaren Macken im Kopf und machen ein Charakterregister überflüssig. Da sich die Schüler an der Akademie unter anderem mit englischer Literatur beschäftigen taucht auch der Name des ein oder anderen bekannten Autors, Songtitels oder Gedichtes auf.  

« And they were roommates » entführt uns an die konservative Valentine-Akademie in der Kleinstadt Au Sable Forks. Page Powars beschäftigt sich in erster Linie mit Tropes wie Second Chance und Coming Of Age, behandelt aber auch Themen wie das Finden der eigenen Identität, Leistungsdruck, Vorurteile und Diskriminierung sowie der Frage danach, was Liebe wirklich ist. Er beschreibt eindrücklich, dass diese nicht immer auf den ersten Blick stattfindet, sondern dass sie sich manchmal erst zeigt, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Durch Charlie und Jasper lernen wir, dass es in der Liebe darum geht, jemanden wahrhaftig zu sehen und zu verstehen, sich aber auch sicher genug zu fühlen, sich selbst sichtbar zu machen, selbst wenn es Überwindung kostet und, wie in Charlies Fall, Risiken birgt.
Alles in allem ein gelungener Cozy Read, der das Rad aber nicht neu erfindet und dem ein bisschen mehr Knistern zwischen den beiden Protagonisten sicherlich nicht geschadet hätte. Der Nebenplot sorgt zwar für etwas zusätzliche Spannung, mich persönlich konnte die Handlung aber nicht besonders berühren. Damit bleibt es bei dem typischen Lesefazit : Es ist gut, aber es fehlt noch was.

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Mr. Saitos reisendes Kino

Mr. Saitos reisendes Kino
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Erstmals auf Deutsch übersetzt, überrascht die dänische Autorin Annette Bjergfeldt mit ihrem neuen Roman “Mr. Saitos reisendes Kino”, erschienen im Oktober 2025 im Verlag HarperCollins. In 7 Wellen betrachten ...

Erstmals auf Deutsch übersetzt, überrascht die dänische Autorin Annette Bjergfeldt mit ihrem neuen Roman “Mr. Saitos reisendes Kino”, erschienen im Oktober 2025 im Verlag HarperCollins. In 7 Wellen betrachten wir Carmelitas halbes und Fabiolas gesamtes Leben. Eine berührende Geschichte über die Umwege des Schicksals und die kleinen Momente des Glücks.
Die Autorin konnte in ihrem Heimatsland Dnemark bereits einige Erfolge verbuchen, feiert nun aber in Deutschland ihr Debüt und landet auch hier gleich einen Treffer. Einfühlsam beschreibt sie die Wege, die die beiden Protagonistinnen beschreiten – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Fabiola wird bereits früh Mutter, sieht sich aufgrund von Korruption allerdings gezwungen ihre geliebte Heimat Buenos Aires mitsamt ihrer Tochter Carmelita zu verlassen. Geld ist selbstverständlich keines da, sodass die beiden blinden Passagiere weit vor ihrem eigentlichen Ziel, Paris, das Schiff verlassen müssen, auf welches sie sich heimlich geschlichen hatten. So führt sie ihre Reise auf eine kleine Insel vor Neufundland, die ihnen unverhoffterweise mehr bietet als nur eine vorrübergehenden Aufenthaltsort.
Der Roman teilt sich in 7 Wellen, die wiederum in Kapitel gegliedert sind. Das Abenteuer beginnt mit einer atmosphärischen Beschreibung der kleinen Gassen Buenos Aires, mit seinen spektakulären Tango-Clubs. Eine Gelegenheit, etwas über diese berühmte Tanzart zu lernen, denn die Autorin erwähnt neben beliebten Musikern auch bestimmte Schritte, die Liebhabern sicher bekannt sein werden. Dabei schreckt sie auch vor dem ein oder anderen Schimpfwort nicht zurück. Der namensgebende Charakter selbst taucht erst gegen Mitte der Erzählung auf, worunter die Geschichte jedoch keineswegs leidet. Im Gegenteil: die eher langsam getaktete Handlung erhält so die nötige Spannung, die bei cozy Reads mit den Tropes Found Family und Coming of Age sonst gerne mal auf der Strecke bleibt. Darüber hinaus bietet der Roman interkulturelle Kontakte mit japanischen, kanadischen und argentinischen Traditionen, welche allesamt sehr authentisch dargestellt und sicherlich ausführlich recherchiert wurden. Einige Worte, wie beispielsweise Teile von Songtiteln, werden dabei nicht aus dem Spanischen übersetzt, sodass Kenntnisse nicht zwangsläufig nötig sind, aber dennoch zusätzliche Einblicke bieten. Geschickt verbindet die Autorin geschichtliches Geschehen des Handlungszeitrahmens mit surrealen, fast magischen Elementen, die uns daran erinnern, dass wir die Welt stets durch die Augen der kleinen Lita erleben, die ihre kindliche Neugierde und Fantasie noch nicht verloren hat und in der kleinen Insel Upper Puffin soviel mehr Potenzial sieht als ihre Mutter Fabiola. Anschaulich führt ihre Erfahrung uns vor Augen, wie es der Magie des Films gelingt, Menschen all ihre Vorurteile und Sorgen einen Moment lang vergessen zu lassen. Dabei beschreibt die Autorin eindrücklich auch komplexe Themen wie Freiheit, Freundschaft und Familie. Dennoch ein Buch, das nicht zuletzt aufgrund von sexuellen Andeutungen, Erwähnung von Prostitution und Gewalt eher für ein erwachsenes Publikum geeignet ist. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Charaktere und ihrer Verwandschaftsverhältnisse wäre außerdem ein entsprechendes Register von Vorteil gewesen.
Annette Bjergfeldt hat mit “Mr. Saitos reisendes Kino” eine Reihe liebenswerter und authentischer Figuren geschaffen, die man nicht zuletzt aufgrund ihrer Schwächen sofort ins Herz schließt. Mit viel Mut, Tiefe und etwas Witz lädt sie uns ein, auf den Spuren der Filmgeschichte zu wandeln und erinnert uns daran, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten kurz ist: “Uns bleibt keine Zeit für etwas anderes als die Liebe.” (S. 541).    

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